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Neue Perlen...und beinahe vergessene Juwelen II

Ein Artikel von baarikärpänen vom 25.07.2019 (292 mal gelesen)

WARRIOR - "Fighting For The Earth"



1985 war eines dieser besonderen Jahre. Die NWoBHM war abgeebbt, neue Bands erblickten das Licht der Welt. Bands, die auch 2019 noch zum Besten gehören, was der Metal hervorgebracht hat. Man denke nur an ANTHRAX, KREATOR oder SODOM, um nur einige zu nennen. Der Schreiber dieser Zeilen verbrachte mehr Zeit im Plattenladen seines Vertrauens als sonstwo, negative Auswirkungen auf die Abiturnote inklusive. Was zudem, rückblickend betrachtet, auch noch enorme Löcher in die eh schon schmale Geldbörse gerissen hat. Da blieb auch gar nicht mehr viel übrig, um es anderweitig noch auszugeben. Dafür verbrachte man ganze Abende damit, die Neuerwerbungen wirklich Note für Note aufzusaugen, das Inlay der LPs auswendig zu lernen. Ich mag es eigentlich gar nicht, in der Vergangenheit zu leben, aber es war nun mal eine verdammt spannende Zeit. Viele der damals erschienen Alben gehören auch jetzt noch zu den Scheiben, die man immer wieder gerne rauskramt. Ganz egal, ob es "Metal Heart" von ACCEPT ist oder "Master Of Disguise" von SAVAGE GRACE. Ganz zu schweigen von absoluten Meilensteinen wie POSSESSEDs "Seven Churches", die den Death Metal der folgenden 90er Jahre vorweggenommen haben, innovative Meisterleistungen wie "To Mega Therion" von CELTIC FROST, Speed Metal-Göttergaben wie EXCITERs "Long Live The Loud" oder "Executioner's Song" von RAZOR (ich bleibe dabei: wer 'Take This Torch' nicht kennt, der kennt Speed Metal nicht!). Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber es geht hier nicht darum, das Metal-Jahr 1985 zu würdigen, sondern um eine ganz bestimmte Band, die, obwohl mit einem Major-Deal ausgestattet, ein Album rausgehauen hat, das selbst heutzutage noch mächtig Alarm machen würde, würde es denn 2019 erscheinen. Und trotzdem ist es leider etwas in Vergessenheit geraten, die Band selbst flog leider schon 1985 unter dem Radar. Warum das so war, damit wollen wir uns im Folgenden beschäftigen und ein wenig Licht ins Dunkle bringen. Ein ganz besonderer Dank an dieser Stelle an Rick Bennett, den wirklich nur die Wenigsten kennen dürften, der aber zur Entstehung dieser vergessenen Perle des Heavy Metal Entscheidendes beigetragen hat. Was Rick zu erzählen hat, findet ihr im Interview ein Stück weiter unten.

Magische Momente


Es muss im Spätherbst 1985 gewesen sein. Draußen war das, was man wohl Schmuddelwetter nennt. Der Plan für das kommende Wochenende sah nichts Aufregendes vor. Der Geldbeutel war zu dieser Zeit eh aus Zwiebelleder hergestellt. Ein Blick in die gähnende Leere und man musste weinen. Zum Glück gab's da aber noch die Bonus-Karte von der örtlichen Videothek, auf der noch zwei Gratis-Ausleihen offen waren. Also schwupps ins mehr rostig als rüstige allererste Spaßmobil und dem Laden einen Besuch abgestattet. MTV war ja zu dieser Zeit gerade mächtig populär, deshalb auch die eigene Abteilung für Musikvdeos in der Videothek, eigentlich aber nur bestückt mit Videos wirklich grenzwertiger Pop-Sülze, die man prinzipiell nur mit einem verächtlichen Blick würdigte. An jenem Abend stand da aber, inmitten aller Madonnas und Rick Astleys, ein Video mit der dicken Kerrang-Aufschrift. Kerrang kannte man als Freund der harten Klänge. Eine Zusammenstellung aller relevanten Videos, versprach zumindest der Text auf der Rückseite der Hülle ("Kerrang Video Kompilation - 20 Rock Monster" ist übrigens heute noch auf Discogs zu finden - der Autor) . So war zumindest für diesen Abend die Unterhaltung gerettet. Zuhause angekommen dann ein kühles Blondes geschnappt, Video in den Player und sofort gute Laune dank 'Aces High' von IRON MAIDEN, 'Slow An' Easy' von WHITESNAKE. Und dann, an sechster Stelle, kam dieser besagte magische Moment:



Logo, gemessen an heutigen Standards ist das Video natürlich eher so semi, aber die Verbindung zwischen diesem göttlichen Stück Metal und den Outfits der Musiker, das hat schon umgeblasen. Also direkt am Samstag ab zum Plattenladen. Und da schon die erste Enttäuschung, weil die Scheibe nicht vorrätig war. Mein Plattendealer meinte sogar, dass die LP, obwohl bei einem Major erschienen, gar nicht in den Listen seines Großhändlers auftaucht, was an sich schon merkwürdig war, weil das Erscheinungsdatum nur ein paar Wochen zurück lag. Warum das so war, hat sich dann erst mehr als 30 Jahre später im Interview mit Rick Bennett geklärt, das ihr weiter unten lesen könnt. Wie dem auch sei, die Bestellung ging sofort noch raus und eine knappe Woche später hatte ich die Scheibe dann endlich in Händen.

Das Album



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Legen wir vorab mal die Fan-Brille beiseite (die auch im folgenden keine Rolle spielen soll, ich bemühe mich wirklich). Gute Alben gibt es wie Sand am Meer. Richtig gute Alben wachsen zwar nicht an Bäumen, sind aber ebenfalls recht häufig zu finden. Sucht man nach genialen Alben, wird die Sache schon schwieriger. Aber ein fantastisch geniales Album zu finden, machen wir uns nichts vor, ist in etwa so, wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. "Fighting For The Earth" ist diese besagte Nadel im großen Heuhaufen des, im besten Sinne, traditionellen Metals. Man liest ja immer wieder mal diesen Werbespruch "No filler, just killer". Wenn es den eine Scheibe gibt, wo dieser Spruch zu 100% zutrifft, dann diese.

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Was es zur Entstehungsgeschichte von "Fighting For The Earth" zu sagen gibt, lest ihr im Anschluss. Konzentrieren wir uns also auf das Album selbst. Wer beim mächtig erhabenen Beginn des Titelsongs kein Hühnerfell bekommt, der hat Metal nicht so recht verstanden. Dazu braucht der Song selbst noch nicht mal Tempo, sondern ist mit seinem stampfende Rhythmus, dem großartigen Chorus, bei dem man nur mitgröhlen kann, und den geschickt aneinandergelegten Parts ein echter Bringer. Mit ganz viel bösem Willen könnte man das nachfolgende 'Only The Strong Survive' als Schwachpunkt der Scheibe ausmachen, würde dem Song an sich aber nicht gerecht werden. Klar, er ist etwas getragener, aber punktet alleine schon durch seine famosen Gitarren und doppelten Leads. Das WARRIOR aber genau wussten, wie man Power schreibt, wird auf 'Ruler' mehr als deutlich. Spannend an dem Track ist aber der Fakt, dass 'Ruler' sehr wohl auf der frühen und durchaus noch harten Mini-LP von RATT hätte stehen können. Das WARRIOR aber trotzdem nie Gefahr liefen, mit den Hair Metal-Heroen in einen Topf geworfen zu werden, spricht für die Qualität des Songwritings. Kommen wir zu 'Mind Over Matter', dem schnellsten Geschoss auf "Fighting For The Earth". Hier wird zum ersten Mal so richtig überdeutlich, was die Faszination WARRIOR ausmacht. Sie lassen sich einfach nicht in eine bestimmte Schublade packen bzw. sind die Einflüsse der Jungs nicht leicht festzumachen. Zu europäisch, um als glasklarer US-Metal durchzugehen, zu amerikanisch, um von Metal europäischer Prägung zu sprechen. Ändert aber nichts daran, dass 'Mind Over Matter' ein Banger vor dem Herren geworden ist. Das anschließende 'Defenders Of Creation' kommt dann wieder mit seinem stampfenden Rhythmus und einer gehörigen Portion Epik im Songaufbau um die Ecke. Besagter Song war auch der Grund, warum viele Rezensenten WARRIOR damals in die christliche Ecke packen wollten. Was allerdings vollkommener Quatsch ist, wie Rick Bennett im Gespräch klarstellte. 'Day Of The Evil (Beware)' zündet danach wieder die Raketen und hat, neben einem geilen Riff, eines der schönsten Solos auf "Fighting For The Earth". Wie man eine (Halb-) Ballade schreibt, deren Aufbau Referenzen zur Klassik aufweist, aber zu keiner Sekunde abgeschmackt und langweilig ist, beweist 'Cold Fire'. Sänger Parramore "Perry" McCarty, der auf voller Album-Distanz eh schon einen grandiosen Job erledigt, liefert hier seine Meisterleistung ab. 'PTM 1' ist an sich kein eigenständiger Track, sondern lediglich ein nur mit Vocals dargebotener Einstieg für 'Welcome Aboard', das letzte Stück auf dem Album. Und hier packen WARRIOR dann auch ihre hymnische Seite aus. Ganz dem Titel entsprechend kommt man sich hier wirklich wie eingeladen vor. Eingeladen zu einem Trip, den man nie wieder vergisst.



Es ist müßig darüber zu spekulieren, was aus WARRIOR hätte werden können mit so einem Album in der Hinterhand. Es kam leider anders. Wenn es denn ein Album gibt, für das man die Wertungsskala neu erfinden müsste, "Fighting For The Earth" wäre dieses Album. Natürlich darf man nicht vergessen, aus welcher Zeit das Album stammt, aber auch heutzutage wären zehn Punkte für dieses Meisterwerk einfach ein paar Punkte zu wenig.



Das Interview



Die Welt ist dank des Internets ein Dorf. Da kommentiert man auf Youtube ein Video und ehe man sich versieht, hat man den Bassisten der Mark I-Besetzung von WARRIOR, Rick Bennett, an der Strippe. Ein paar Tage und einige wohlüberlegte Fragen später, kann man ganz tief in die Geschichte dieser Band eintauchen.



Rick, schaut man auf Wikipedia nach, dann wirst du als eines der sogenannten Mark I-Mitglieder von WARRIOR aufgeführt. Nimm uns doch mal mit auf die Reise zu den Ursprüngen der Band.

Rick: Als ich Joe Floyd zum ersten Mal traf, 1973, war er noch Schüler der La Jolla Highschool in San Diego. Ich hingegen war schon auf dem College. Während meiner Zeit auf der Highschool startete ich bereits in einer Folk Rock Band, wo ich Piano und Gitarre spielte. Mit dieser Band spielten wir dann einen Gig an der La Jolla Highschool und da traf ich dann also Joe. Wir verstanden uns von Anfang an blendend. Joe stellte mich einem Freund vor, Barnaby Finch, der ein wirklich talentierter Musiker war, der schon die schwierigsten Sachen von ELP auf seinen Keyboards spielte. Also beschloss ich, auf Bass umzusatteln, damit wir eine eigene Band starten konnten. In der Besetzung spielten wir eine Menge Gigs auf Parties und Festen. Barnaby und ich starteten nebenbei noch ein Jazz/Fusion-Projekt, wo wir dann Sachen wie KING CRIMSON, YES oder MAHAVISHNU ORCHESTRA zockten. Joe war kein Teil dieser Band, da er sich eher auf Rock und Blues fokussierte. 1976/77 gingen Joe und ich als Teil einer Glam Band auf Tour, spielten Songs von ALICE COOPER, QUEEN, TED NUGENT. Nach unserer Rückkehr nach San Diego gründeten wir dann eine Band mit dem Namen SLEDGE. Aber San Diego war nun mal nicht der Nabel der Musikwelt. Wir waren damals oft in LA, um VAN HALEN im Whiskey A GoGo oder im Starwood zu sehen. Im Sommer 1980 sagte ich dann zu Joe, dass ich nach LA ziehen würde. Ich setzte im sozusagen die Knarre auf die Brust, weil Joe immer ein "Momma's Boy" war und lieber in San Diego bei seiner Freundin bleiben wollte. Letztendlich kam er aber doch mit. In LA angekommen rekrutierten wir Liam Jason als Drummer und Tommy Asakawa als zweiten Gitarristen. Fairerweise muss ich aber zugeben, dass Tommy nur zweite Wahl war. Wir hätten gerne Robbin Crosby von RATT, oder MICKEY RATT, wie sie damals noch hießen, gehabt. Der wollte letztlich aber nie so recht, Tommy dagegen war Feuer und Flamme. Am schlimmste war aber, einen geeigneten Sänger zu finden. Kevin DuBrow stand hoch auf unserer Liste und hatte uns auch beim Proben überzeugt. Er aber wollte doch lieber bei seinem "Baby" QUIET RIOT bleiben. Als wir beinahe schon die Nase voll hatten, fiel Tommy sein Kumpel Perry (Parramore McCarty) ein, den er von PHENOMENON (auch aus San Diego) kannte. Er rief ihn an, Perry kam vorbei und war auch bereit, ebenfalls nach LA zu ziehen. Somit stand dann also die erste Besetzung von WARRIOR.

Ich denke, es muss eine sehr aufregende Zeit geesen sein, mit all den Bands, gerade aus Kalifornien, die ihre Karriere gestartet haben. WARRIOR waren aber schon die etwas andere Band, weil euer Sound zwar US-typisch, aber eben auch sehr europäisch war. Kannst du dem zustimmen?

Rick: Ich weiß, dass viele Leute der Meinung sind, aber wir haben uns schon eher am US-Metal orientiert. Klar, wir mochten auch die SCORPIONS, PRIEST, SABBATH oder QUEEN. Als Joe und ich anfingen, Songs zu schreiben, ging das doch mehr in die Richtung RUSH, mit vielen Riffs, Breaks. Wir haben uns sogar das komplette "2112"-Album draufgeschafft. Perry war beeinflusst von Jim Morrison, Bon Scott und Rob Halford. Liam hingegen stand total auf AC/DC. Er war dann auch der Grund dafür, dass wir wesentlich straighter wurden. Durch seine Art des Spielens kamen WARRIOR besser auf den Punkt. Liam hat übrigens, nachdem er die Band verlassen hat, RHINO BUCKET gegründet. Und die sind ja wirklich ziemlich AC/DC.

Auf der LP sind Bruce Turgon als Bassist und Jimmy Volpe als Drummer aufgeführt. Lediglich im Kleingedruckten findet sich die Info, dass die beiden gar nicht an der Aufnahe beteiligt waren, sondern du und Liam Jason. Warum habt ihr WARRIOR verlassen?

Rick: Interessante Frage, auf die ich dir ehrlich gesagt gar nicht antworten kann, weil ich es selbst bis heute nicht weiß. Joe wollte Liam aus der Band werfen, was mir so gar nicht gepasst hat, weil Liam immerhin Gründungsmitglied war und seine Sache wirklich ziemlich ernst genommen hat. Letztlich hab ich mich doch gebeugt und ich war es sogar, der Jimmy Volpe, damals einer der besten Drummer in LA, ins Boot geholt hat. Tja, und nur kurze Zeit, nachdem Jimmy in der Band war, bin auch ich geflogen. Weder Joe noch unser damaliges Management haben mir eine Begründung geliefert. Ich denke, Joe hat das mit Absicht gemacht, weil er schon damals eine echte Phobie gegen Konzerte entwickelt hatte. Er ist dann auch kurze Zeit später wieder nach San Diego abgehauen und niemand wusste, wo er abgeblieben ist. Virgin, unser Label, war ziemlich angepisst, weil Joe einfach keine Gigs spielen wollte, um "Fighting For The Earth" zu supporten und kündigten schließlich den Vertrag. Liam und ich hatten eine professionellere Auffassung und wir beide haben auch wirklich oft zusammen geprobt, ganz einfach, um uns zu verbessern. Du wirst also verstehen, dass wir ziemlich sauer waren. Ich meine, ich war sowas wie der Mann hinter der Band, habe die meisten Songs für das Album mitkomponiert, habe die Gitarrenharmonien ausgearbeitet und ich war es auch, der den Typen an Land gezogen hat, der für unsere Kostüme zuständig war. Der Kerl hat übrigens auch für "Star Trek - The Wrath Of Khan" die Kostüme entworfen. Außer Perry spricht bis zum heutigen Tag keiner mit Joe. Selbst bei Robbin Crosby's Beerdigung stand Joe alleine da. Keiner wollte was mit ihm zu tun haben. Also was zum Teufel sollte das, zwei Typen aufs Cover zu packen, die keinen einzigen Ton für das Album eingespielt haben? Bruce Turgon der mich ersetzt hat, habe ich übrigens nie getroffen. Aber Tommy erzählte mir später, dass unser damaliger Manager Bruce noch einen Gefallen schuldig war und der Band sogar 15.000$ abknöpfte, weil er ihn ja schließlich "gefunden" hatte. Liam und ich gründeten etwas später eine eigene Band. Wir spielten etliche Gigs, aber nur Cover-Songs und auch nur, um Geld zu verdienen. Irgendwann hatte ich aber einfach genug. Ich war total verbittert, weil ich vier Jahre meines Lebens in WARRIOR gesteckt habe, aber keinen einzigen Cent dafür bekommen habe. Ich ging zur Medical School und arbeite heute als Psychiater. Bass, Gitarre und Keyboards spiele ich immer noch. Und sogar besser als damals.

Was kannst du uns denn Interessantes zur Produktion von "Fighting For The Earth" erzählen?

Rick: Der Großteil des Albums ist in den Cherokee Studios entstanden. Zeitgleich mit uns waren MÖTLEY CRÜE vor Ort, um "Theatre Of Pain" aufzunehmen. Und CRÜE hatten eine Menge Groupies, die sich förmlich die Klinke in die Hand gegeben haben. Da unser Zwei-Track-Demo relativ gelungen war, entschlossen wir uns, das Album selbst zu produzieren, was im Endeffekt ein Fehler war. Wir haben fast sechs Monate gebraucht. Viel zu lange und außerdem auch viel zu teuer. Anstatt die Songs live einzuspielen, nahmen erst Liam und ich unsere Spuren auf, danach die Gitarristen und am Ende dann Perry den Gesang. Zum damaligen Zeitpunkt waren wir echt zufrieden, aber rückblickend gesehen, war der Sound doch eher mittelprächtig und wir hätten wirklich einen erfahrenen Produzenten gebraucht. Zum Glück machte Doug Rider, unser Engineer, einen fantastischen Job und hat das bestmögliche aus den Aufnahmen rausgeholt.

Auf dem Album ist zwar vermerkt, dass Joe Floyd den Großteil der Songs geschrieben hat, Perry nur einige, aber du hast ja schon angedeutet, dass du an den meisten beteiligt warst. Warum hast du keine Credits dafür bekommen und welche Songs im speziellen stammen von dir?

Rick: Joe und/oder ich haben tatsächlich alle Songs geschrieben, Perry wird bei ein paar Songs als Texter aufgeführt. Ehrlich gesagt stammt lediglich das kurze Gedicht in 'PTM 1' von ihm, ansonsten kam nichts. Er hat uns sogar eher aufgehalten im Studio, weil er ziemlich unmotiviert war, was das Texten angeht. So talentiert er als Sänger auch war, aber Joe und ich mussten die Lyrics für ihn schreiben. Auch sonst war Perry eher introvertiert und hat sich an keinerlei Konversationen beteiligt. Ich erinnere mich, dass ich vor einigen Jahren mit Tommy eine Jam-Session hatte, Perry war im selben Gebäude, aber in einem anderen Zimmer. Obwohl er wusste, dass wir da spielten, hielt er es nicht für nötig, wenigstens mal kurz reinzuschauen. Das Stück auf dem Album, das ich komplett alleine geschrieben habe, ist 'Ruler', welches von einem CHEAP TRICK-Song beeinflusst wurde. Welcher das genau war, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Zusammen mit Joe habe ich 'Defenders of Creation', 'Welcome Aboard', 'Cold Fire', 'Only the Strong Survive' und 'Mind Over Matter' geschrieben. Darüberhinaus noch einige Harmonien, wobei Joe hier wirklich das meiste selbst gemacht hat. Ich habe nie einen Cent gesehen und letztlich glaube ich, Joe hat sich alle meine Ideen unter den Nagel gerissen, um wenigstens das bisschen Kohle, was reinkam, für sich zu behalten.

Im Endeffekt bestätigt das meine Vermutung. Wenn man sich die späteren Veröffentlichungen von WARRIOR anhört, dann mag man kaum glauben, dass die Songs von dem gleichen Typen stammen, der "Fighting For The Earth" geschrieben hat, so deutlich ist der Qualitätsunterschied. Kennst du die späteren Alben von WARRIOR?

Rick: Na ja, ich kann halt nicht vergessen, wie man mich damals behandelt hat, also wirst du verstehen, dass ich wenig Interesse an den neueren Alben hatte. Aber einige Songs von der Scheibe, die Joe mit Marc Storace (KROKUS) aufgenommen hat, hab ich mir angehört, aber auch nur, weil ich ein Fan von KROKUS bin.

Ihr hattet ja einen Major-Deal mit MCA (Virgin/10 in Europa) und ein paar Dinge hast du ja vorher schon erwähnt, warum es letztlich nicht geklappt hat. Aber geh doch nochmal näher darauf ein.

Rick: Es war schon komisch. Wir hatten während der Aufnahme des Albums absolut keinen Stress innerhalb der Band. Es gab noch nicht mal die sonst üblichen gelegentlichen Reibereien. Aber irgendwas muss mit Joe passiert sein, nachdem wir die Aufnahmen abgeschlossen hatten. Er fing von einem Tag auf den anderen an, alles in Frage zu stellen, betrachtete alles überkritisch. Sein Entschluss Liam zu feuern war da nur der Anfang und gipfelte dann darin, dass auch ich, nachdem ich Jimmy Volpe angeschleppt hatte, meinen Hut nehmen musste. Joe ging auch nicht mehr vor die Tür. Er und Perry hingen lieber mit ihren Freundinnen zuhause ab, während Liam und ich auf dem Strip unterwegs waren, Konzerte besuchten, Kontakte aufbauten. Dass Joe dann urplötzlich wieder nach San Diego zog, ohne auch nur einen plausiblen Grund zu nennen, war der Anfang vom Ende. Die Executives von unserem Label haben ihn dann in San Diego besucht und ihm gesagt, dass er sich gefälligst an den Vertrag halten soll, also auch bereit sein, auf Tour zu gehen und das Album zu promoten. Joe wollte aber nicht und so kam es, dass das Label einfach den Vertrag gekündigt hat. Weißt du, wir haben wirklich in jedem Laden in LA ausverkaufte Konzerte gespielt, egal ob Whiskey oder Roxy. Wir waren eine echte lokale Größe. Und genau das hat Joe gereicht. Er wollte gar nicht mehr. Das WARRIOR die Segel streichen mussten, ist 100% Joe Floyd's Schuld. Er kam aus gutem Haus mit einer Menge Kohle im Hintergrund. Er wusste also genau, dass er so oder so wieder auf seinen Füßen landet. Was mit uns anderen war, hat ihn schlicht nicht gejuckt.

"Fighting For The Earth" ist extrem gut gealtert. Würde es heute erscheinen, der Erfolg wäre euch sicher. Oder siehst du das anders?

Rick: Danke. Würde das Album, so wie es ist, heute erscheinen, hätten wir vielleicht wirklich Erfolg, aber auch nur in sehr kleinem Rahmen. Es waren eben andere Zeiten damals. Nachdem VAN HALEN durch die Decke gingen, haben Plattenfirmen wirklich jedem in LA einen Vertrag gegeben. Und einige davon sind ja auch dieser Tage noch sehr erfolgreich. Wären die Dinge anders gelaufen, wer weiß, ob WARRIOR nicht auch dazu zählen könnten. Richtig großen internationalen Erfolg hätten wir heute aber nicht mehr. Wo du es gerade ansprichst, muss ich dir sagen, dass ich mittlerweile der Meinung bin, dass unsere Demo-Version von 'Fighting for The Earth' um eniges besser war, wie die Version die letzlich auf dem Album gelandet ist.



(Das Interview zog sich übrigens über einen längeren Zeitraum hin. Mittlerweile hat Rick wohl auch die Zeit gefunden, den früher eher spärlichen Eintrag auf Wikipedia zu überarbeiten. Schön, wenn Bleeding4Metal auch da helfen konnte - der Autor)

Nach "Fighting For The Earth"


Nach Veröffentlichung von "Fighting For The Earth" war ja, Rick hat die Begründung geliefert im Interview, Ruhe im Karton. Es sollte satte 13 Jahre bis zum nächsten offiziellen Lebenszeichen dauern, dem Album "Ancient Future". Lediglich Joe Floyd und Perry McCarty waren von der früheren Besetzung noch an Bord. Besonderen Eindruck hat dieses Album aber nicht gemacht. Immerhin veröffentlichten WARRIOR im Abstand von jeweils drei Jahren noch zwei weitere Alben, "The Code Of Life" mit Rob Rock (DRIVER, IMPELLITERI) am Mikro und "The Wars Of Gods And Men", auf dem kein geringerer als Marc Storace (KROKUS) den Posten des Sängers übernahm. Besonderer Erfolg war aber auch diese beiden Scheiben nicht beschieden. Was übrigens kein Wunder ist, wenn man die Qualität der Songs mit denen von "Fighting For The Earth" vergleicht. Immerhin konnte man WARRIOR noch in Deutschland auf dem BYH-Festival bewundern (mit Perry McCarty) und 2014 beim KIT-Festival, dieses mal mit Sean Peck (CAGE) als Sänger. Auf Facebook hatte die Band bereits 2014 angekündigt, dass es sogar ein neues Album mit Peck geben soll und man bereits mitten im Aufnahmeprozess sei. Passiert ist seitdem allerdings auch recht herzlich wenig.



Diskographie


"Fighting For The Earth" 1985
"Ancient Future" 1998
"The Code Of Life" 2001
"The Wars Of Gods And Man" 2004



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