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Swarts Welt

Ein Artikel von Sebastian Swart vom 09.10.2010 (6018 mal gelesen)
Es ist mal wieder soweit. Die Temperaturen sinken, der Herbst steht - wie man so schön sagt - vor der Tür. Kaum dass die Sonne sich rar macht und vereinzelte Regentropfen fallen sind sie wieder da, die Sesselfurzer und Schreibtischtäter in Outdoor-Uniform, die einen Herbst lang Indiana Jones spielen dürfen. Mit dem maximalen Schutz, den nur High-Tech Outdoor Kleidung bieten kann, kämpft sich der stets auf Sicherheit bedachte Germane, vorzugsweise in Jack Wolfskin Klamotten, durch die urbanen Outdoor-Sümpfe der verdreckten Großstädte. Immer gut geschützt vor den Gefahren der unbändigen Natur unserer Breitengrade.
Der Wochenend-Trapper packt seine Recken samt Vierbeiner ins SUV, entflieht diesem feindlichen Lebensraum und schiebt seinen aufwändig angefressenen Wohlstandsranzen durch die domestizierte Natur. Das alles idealerweise noch mit den passenden Nordic Walking Sticks, die im echten Norden übrigens nur Sticks ohne Nordic heißen. Alles total Outdoor, alles total Nordic versteht sich. Hier vereinen sich Hansi Hinterseers Träume von Freiheit, Bergen, Edelweiß und das Wandern ist des Müllers Lust zur heilen Welt des deutschen Mittelstands. Simone, Stephan, Michael und Sabine eiern in ihren vermeintlichen High-End Klamotten durch die deutschen Mittelgebirge und wähnen sich emotional schon irgendwo in den endlosen Weiten Norwegens oder Kanadas. Zu dumm nur, dass da auch noch 20 andere Stadtaffen mit ihrer Brut, die vorzugsweise auf die Namen Solveig, Tilman oder Jasper hört, rumlaufen und alles kaputt machen. Die Nachzucht trägt die obligatorische Tatze nicht nur am ganzen Leib, sondern auch noch auf dem Kopf, an den Füßen und weiß Gott wo noch. Wozu sich über Schuluniformen streiten, wenn der elterliche und ungeschriebene Kleidungskodex sie bereits eingeführt hat?

Dabei macht die drittklassige Outdoor-Volksmarke vor keiner sozialen Schicht Halt. Studenten, Müslifresser, Bioschnepfen, der Spießer vom Finanzamt, Oma, Opa, die Blagen und sogar die Gesichtsbaracken, die ich eigentlich beim Asi-Discounter KIK vermutet hätte, uniformieren sich plötzlich mit dem fancy Tatzenmist vom Grabbeltisch der Outdoor-Ausstatter. Da frage ich mich, wann wird es endlich ein feines Tatzenjäckchen für den verblödeten Wauzi geben? Das wäre sicher totaaal süß oder irgendwie so. Der absolute Schlag ins Gesicht eines jeden Menschen mit einem letzten Funken von Selbstrespekt aber ist der Outdoor-Partnerlook. Wolfgang und Uschi latschen am Samstag uniform durch die Fußgängerzone. Was wollen uns diese Leute mitteilen? Schaut her, wir sind Mitte Fünfzig, haben uns seit 20 Jahren auseinandergelebt, aber die Wolfshaut vereint uns?

Nur wer seine schrille Frisur spazieren führt, es sich traut eine zwei Kilogramm schwere Hornbrille zu tragen und irgendwas mit Design, Film, Medien oder Internet oder so macht trägt The Northface. Willkommen im Land der Nordgesichter und Wolfshäute. Unterstelle ich einmal, dass der Profilneurotiker bezüglich seines Konsumverhaltens sehr mitteilungsbedürftig ist, ergibt sich zwangsläufig, dass diese Nation von rund 80% Irrer bewohnt wird. Das perfide am Outdoor-Wahn, der Wolfshaut und dem Nordgesicht ist aber, dass sich die Träger dieser Klamotten tatsächlich für Individualisten halten. Irrtum: Der Wolf ist leider nur ein Lemming.

Irgendwann, vor einigen Jahren, als Jack Wolfskin und der ganze andere Oudoor-Kram ausschließlich von einer Minderheit alternativer und kauziger Skandinavien-Reisenden in kantigen Volvos und hässlichen Saabs durch die Landschaft gejuckelt wurde, hat sich wohl eine kritische Masse gebildet, die das menschliche Schwarmverhalten ausgelöst hat. Von da an war Outdoor auch für den bekennenden Mallorca und Gran Canaria Pauschaltouristen total interessant, konnte er sich doch mit der Aura des Abenteurers umgeben. Bekanntlich verhalten sich Menschen in Gruppen wie Fische. Fünf Prozent einer Gruppe reichen aus, um einen Schwarm zu lenken. Die Masse folgt wenigen Anführern ohne zu ahnen, dass es diese überhaupt gibt und in größeren Gruppen wird nahezu zwanghaft kopiert, was andere machen. Und so kommt es, dass es im besonderen Maße diejenigen sind, die sich sonst über Mode gar keine Gedanken machen, die zu Jack Wolfskin greifen.

http://www.damniwish.com/2010/07/how-to-start-a-movement-in-less-than-three-minutes.html

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