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Kellermensch - Goliath

Review von Metal Guru vom 22.11.2017 (3485 mal gelesen)
Kellermensch - Goliath Bei dem Albumtitel und dem Bandnamen befürchtete/erwartete/vermutete (Keller-)Mensch erstens irgendetwas Derbes, zweitens irgendetwas Deutsches, drittens irgendetwas Düsteres. Nun, alle drei Befürchtungen/Erwartungen/Vermutungen sind unbegründet - fast! Acht Jahre nach ihrem Debütalbum und vier Jahre nach ihrem letzten großen Auftritt beim Roskilde Festival veröffentlichen KELLERMENSCH (deren Bandname laut Infozettel von Fjodor Dostojevskis Roman "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" inspiriert sein soll) ihr zweites Album "Goliath". Dieses handelt von einem Mann (dem Kellermenschen Sebastian Wolff, siehe auch*), der krampfhaft gegen Konventionen kämpft und ihnen letztlich unterliegt. Bezogen auf die Band KELLERMENSCH bedeutet das: Kampf gegen Labeldruck, Schreibblockaden und Studiostress - allerdings ohne zu unterliegen.

KELLERMENSCH sind sechs Dänen (nein, keine Deutschen) besten Alters, die ganz bewusst mit antiquiertem Instrumentarium (analoge/brummende/knisternde/rauschende/unzuverlässige Bodentreter der Marken Colorsound, Electro Harmonics und Vox, Epiphone-, Fender- und Gretsch-Gitarren, Hammond-Orgel, Klavier, Kontrabass, orangefarbene Verstärker, transparente Spiralkabel usw.) operieren, um genau jenen alten/düsteren/staubigen, nicht totzukriegenden Vintage-Sound zu erzeugen, auf den gerade die heutigen Kiddies wieder abfahren wie Hulle - keine Ahnung, warum. Ergebnis: Operation gelungen, Patient lebt! Dieser heißt *Sebastian Wolff, schreibt bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Songs im Alleingang, singt diese selbstverständlich auch selbst und spielt dazu Gitarre. Um aber aus einem einzelnen akustischen Singer-Songwriter eine ganze elektrische Rock'n'Roll-Band zu machen, hat er in alten/düsteren/staubigen Übungskellern nach weiteren musikalischen (Keller-)Menschen gesucht und insgesamt fünf ihrer Art zu Tage gefördert. Die machen jetzt, was er ihnen sagt - na ja, so oder so ähnlich. Genau genommen ist also er der KELLERMENSCH und die anderen Gestalten seine Backingband, was mit ‚Gleichberechtigung‘ (welcher Art auch immer) natürlich nichts zu tun hat. Bisher wird aber niemand gezwungen, mit jemand anders Musik zu machen - auch nicht in Dänemark - noch!

"Goliath" sind (leider nur) zehn Söngschen in (leiderer nur) sechsunddreißig Minütchen und siebenundvierzig Sekündchen, die mit Metal (as we would expect it) aber sowas von gar nichts zu tun haben. Tatsächlich klingen sie alt/düster/staubig, dies allerdings weniger durch reaktivierte Antiquitäten, sondern mehr durch eine - so absurd das klingen mag - ziemlich moderne Produktion. Diese wie auch der Mix wird verantwortet von - oh, welch Wunder - Sebastian Wolff (und KELLERMENSCH). Der Beipackzettel behauptet, "Goliath" könne auch Fans von ARCADE FIRE, NEUROSIS und NICK CAVE gefallen, was ich nicht beurteilen kann, da ich keinen dieser Acts wirklich 'kenne'. Was ich allerdings beurteilen kann, ist die Tatsache, dass mich "Goliath" an eine gelungene/stimmige/überzeugende Melange aus bruchgelandeten CRASH TEST DUMMIES, DEPECHE MODEs personalisiertem Jesus, vereinzelten FRANZ FERDINAND, einem topfitten TOM WAITS am Mikro und LED ZEPPELINs John Bonham hinterm Schlachzeuch erinnert. Jeder einzelne Song setzt sich bereits während der Ersthörung irgendwo zwischen Trommelfell, Steigbügel und Amboss fest, was ein gutes, hittiges, dauerhaftes wie auch ein schlechtes, floppiges, entnervendes Zeichen sein kann. Na, dann hoffen wir mal, dass KELLERMENSCH nicht dauerhaft gegen Konventionen kämpfen und unsere Gleichgewichtsorgane nicht spontan ins Wanken geraten!

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Bad Sign
02. The Pain Of Salvation
03. Atheist In A Foxhole
04. Medicore Man
05. Remainder
06. All That I Can Say
07. Carrying My Name
08. Lost At Sea
09. Moth
10. How To Get By
Band Website: www.facebook.com/Kellermensch/
Medium: CD
Spieldauer: 36:47 Minuten
VÖ: 27.10.2017

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