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Karmakanic - Entering the spectra

Review von Opa Steve vom 17.11.2002 (2226 mal gelesen)
Karmakanic - Entering the spectra Karmakanic ist eine regelrechte Supergroup, bestehend aus Flower Kings-, Transatlantic, und Malmsteen-Members. Sie verschreiben sich dem Dinosaurier-Prog der 70er Jahre und versuchen, den Spagat zwischen Gefrickel und symphonischen Kompositionen wiederzubeleben. Andere Bands schreiben Songs, Karmakanic designen Partituren. Um die Musik zu beschreiben, bemüht man am Besten eine Mischung aus King Crimson und Spock's Beard als Vergleich.

Nach einem kurzen Märchenerzähler-Intro startet der konzeptionelle Titelsong dieses Albums. Die sehr klare und trockene Produktion betont jedes einzelne Instrument, ohne überfrachtet zu wirken. Auch wenn man als Trio zu diversen Overdubs und Backgrounds greifen muss, sind die Songs trotz aller Komplexität recht aufgeräumt.

Die Band schwebt irgendwo im dimensionslosen Raum zwischen schmalzigen, typisch amerikanischen Show-Kompositionen einerseits, und andererseits unglaublich hektischen Läufen, Improvisationen, und fast perkussiven Instrumentalpassagen. Bei dem Titelsong, der in 7 Sektionen die einzelnen Farben des Farbspektrums wiederspiegelt, macht dies noch einigermassen Sinn. Das Rezept fliesst aber ebenso in alle anderen Titel ein, wobei gerade die Strophenparts immer sehr geradlinig gehalten sind, bevor man auf den Instrumenten die Finger fliegen lässt. Sehr herausragend ist das Bassspiel von Jonas Reingold, der seinen mittig-knurrenden Mehrstringer mit Hall im Mix durchaus zur Leadstimme erhebt. Dabei ordnen sich seine Soli wie z.B. in der Zeppelin-Hommage (?) "The spirit remains the same" in tollen atmosphärischen Parts durchaus sinnvoll unter. Überflüssig allerdings sind solch typische "guck-mal-was-ich-kann"-Experimente wie die Cello Suite No.1. Das sind Parts für Clinics, Lehrbücher, oder Instrumentfetischisten.

Dass Karmakanic vom Rock durchaus in noch seichtere Gefilde zurückfallen können beweisen sie mit der fast 80er-Pop-Nummer "Cyberdust from mars", welches nicht zuletzt auch durch die Gesangslinien an einige David Bowie Nummern erinnert. Vielleicht wieder Absicht? Wir erinnern uns dunkel an Ziggy Stardust - ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mehr potentielle Huldigungen kann ich jetzt aber nicht mehr ausmachen, und vielleicht ist doch alles Zufall. Wenn ich auch etwas Pink Floyd in "The man in the moon cries" ausmachen will, geht wohl doch die Phantasie mit mir durch. Dieses Stück mit simplen Chören kommt sogar mal ohne instrumentale Orgien aus und fliesst ruhig am Zuhörer vorbei, bevor "One whole half" wirklich verkrampft nervt und überhaupt keinen Weg in meine musikalische Seele finden will.

Anschliessend kommt eins der metallischsten Stücke überhaupt: "Is this the end" ist wieder in diverse Parts aufgeteilt und erinnert mich an eine Mischung aus Dream Theater und einem Besuch auf der Musikmesse Frankfurt (genau, da wo's trocken und proggig aus allen Ecken dudelt und frickelt). Ein typisches Stück von Musikern von Musikern. Technik und Arrangement vom Feinsten, aber Lehrstücke für Kopf und Theorie sprechen nun mal nicht den Bauch an. Es ist kein Song, sondern eher wieder eine Demonstration auf höchstem Niveau.

Nach einem weiteren typischen Stück und dem bereits erwähnten Klassik-Bass-Solo endet dieses Album mit "Welcome to paradise", welches nochmal eine kuriose Mischung aus Dream Theater und frühsiebziger Clubsounds darstellt. Beim Refrain von PartI drängt sich förmlich die Vorstellung auf, dass Petrucci mit der Zeitmaschine zurückgereist ist, um mit Schlaghose, buntem Hemd mit Spitzkragen und Hippie-Stirnband zwischen stoffbehangenen Boxen ein kiffendes und tanzendes Afrolook-Publikum zu unterhalten.

Sicherlich sind technisches Können und auch die Beherrschung der Musiktheorie genauso hochwertig wie das Improvisationstalent dieser Musiker. Und würde man ausschliesslich diese Aspekte betrachten, stände beinahe die Höchstnote ins Haus. Dennoch denkt man zu wenig an den Musikhörer, der sich transportierte Emotionen wünscht. Diese Tatsache wertet - so leid mir das tut - das Album leider etwas ab. Extrem-Progger mit Hang zu den Größen der 70er dürfen bedenkenlos zugreifen.


Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
1. The little man
2. Entering the spectra
3. The spirit remains the same
4. Cyberdust from mars
5. Space race no. 3
6. The man in the moon cries
7. On whole half
8. Is this the end?
9. Cello suite no:1 in G major
10. Welcome to paradise
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 54:04 Minuten
VÖ: 18.11.2002

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