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User Ne - Tarantos

Review von Opa Steve vom 04.06.2003 (2909 mal gelesen)
User Ne - Tarantos Was haben Mittelaltersound, Israelische Folklore, Spanische Flamencos, Pagan Metal und Gothic gemeinsam? Ist doch ganz einfach: diese Stile bilden die Zutaten für das, was User Ne daraus kreiert.

Einen solchen Bastard an Stilmixtur hab ich im Leben noch nicht erlebt. Die 9-köpfige Formation kreiert einen Sound, dessen Elemente auf der mehrdimensionalen Stilskala dermaßen weit auseinanderliegen, dass die Bindeglieder zwangsläufig sehr dünn und haarig werden. Diesem Umstand begegnete man einfach damit, in den einzelnen Songs oder Blöcken klare Abschnitte vorzusehen und dann - mehr oder weniger harte - Übergänge zu schaffen. Daher sollte man auch wirklich die Songs für sich sprechen lassen, die in ihrer Vielfalt einiges vom Hörer abverlangen:

Taranto:
Spanische Gitarre, erinnert an Antonio Banderas in Desperados. Kurzes Intro.

Viola Dobozy:
Flamenco-Rhythmen zu einem groovigen Bass werden von Pagan-Riffs durchsetzt. Zwischendurch gibt's schottischen Dudelsack und ein typisches female-Vocals "Uhhuuuu".

Okankene 22:
Flöten zum Flamenco.

Tras El IV Chaos:
Nach einem sehr schönen Gothicpart bekommt der Song einen leichten Einschlag von langsamem Black Metal, büßt dafür aber Atmosphäre ein.

Andaluci:
Folk-mäßiges Flötenintermezzo

... and ape ar:
Das härteste Stück der Scheibe. Zum ersten mal gibt's Pagan/Black-Raserei, schnellere Riffs, heisere Schreierei.

An Mis Theimous:
Sehr merkwürdiges Stück mit mittelalterlicher Instrumentierung und sehr (wirklich sehr!) schiefem Männerchor. Erinnert mich irgendwie an eine moderne Operette auf 3SAT mit verschwindend geringen Einschaltzahlen....

Nivel-Um Cix:
Wer die Geduld hatte, bis hierhin durchzuhalten, wird mit einem recht eingängigen, und für meine Begriffe auch gelungenem Dark-Metal-Stück belohnt. Es beginnt wie Type O Negative und bekommt dann etwas mehr Groove. Hat streckenweise was echt Mächtiges.

Pobo De Lenda:
Folkiger Jazz mit etwas Seventies-Feeling.

Main Ört:
Eingängiger Pagan-Metal. Simpel gestrickt, aber in sich rund. Das Treffen von Tönen scheint in diesem Segment seit Quorthons Wikinger-Gefilden eh nicht wichtig zu sein, von daher gewöhnt man sich hier an die schiefe Zweitstimme etwas eher als bei An Mis Theimous.

Corcubion:
Dudelsack, Mittelaltersound, aber mit etwas nahöstlicher Tendenz.

Naim, Yhazura, Derval...:
Der Start mit toller Stimmung wird leider rasch abgewürgt und der Song treibt recht uferlos durch diverse Pagan-Sounds und vielen songwriterischen Experimenten sowie totalen Schredderparts, die irgendwie an die Techno-Deather "Nocturnus" erinnern und gar nicht so recht passen wollen.

Al-Minzorth:
Ganz grandioser Gothic Metal. Am Schluss wird das Intro-Thema wiederholt, bevor nach einiger Zeit Stille noch etwas auf der Gitarre improvisiert wird.

Tja, jetzt stehe ich vor einem Problem. Wie soll man ein solches Album bewerten? Es ist keinesfalls homogen, und so zerbrechlich, wie die Kontakte der völlig gegensätzlichen Musikrichtungen hergestellt werden, so zerbrechlich dürfte auch die Zielgruppe sein. Zuerst tendierte ich zu "Ohne Wertung", weil mich das Album wirklich überfordert. Aber da ich mich aus dieser Verantwortung nicht rausreden will, habe ich mich nach dem 5. Durchlauf dazu entschlossen, eine Bewertung ausschliesslich aus musiktheoretischem Gesichtspunkt zu geben. Bei all den spektakulären Stilexperimenten und der recht großen Instrumentierung darf man nicht vergessen, dass einige Parts dabei sind, die definitiv aus Kalkül entstanden und keinerlei Herzblut spüren lassen. Für Kopfmusik ist es aber dann doch wieder technisch zu simpel gestrickt, und für Emotionen hat's auch nicht richtig gereicht. Dazu kommt noch die gelegentliche Zweitstimme, die wirklich komplett neben der Spur liegt, was man auch mit künstlerischer Intention nicht mehr begründen kann. Bleibt unter'm Strich eine beachtenswerte Portion Ehrgeiz und ein Weg zu Klängen, die es in dieser Form wohl noch nicht gegeben hat. Das sollte man schon über Durchschnitt honorieren, aber eine Bescheinigung von "Genialität" kann ich mir leider nicht abringen.

Für wen ist das Album? Mit Anspieltipps tu ich mir schwer. Al-Minzorth und Nivel-Um Cix haben echte klasse, aber sind nicht repräsentativ. Man muss sich schon das ganze Teil mal in Ruhe anhören. Metaller mit langen Mänteln und Bärte, die gern auf Mittelaltermärkte gehen und einen Hang zur Weltmusik sowie heidnischer Rituale und darüberhinaus immer ein Säcklein mit irgendwelchen wirkungsvollen Kräutern zur Hand haben, könnten sich eventuell angesprochen fühlen.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Taranto
02. Viola Dobozy
03. Okankene 22
04. Tras El IV Caos
05. Andaluci
06. ...And Ape Ar
07. An Mis Theimous
08. Nivel-Um Cix
09. Pobo De Lenda
10. Main Ört
11. Corcubión
12. Naim, Yhazura, Derval...
13. Al-Minzorth
Band Website: www.userne.net
Medium: CD
Spieldauer: 49:15 Minuten
VÖ: 01.01.2003

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04.06.2003 Tarantos(7.0/10) von Opa Steve

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