Boötes Void - Panta Rhei

Review von ReviewRalle vom 15.09.2026 (502 mal gelesen)
Boötes Void - Panta Rhei Der deutsche Black Metal-Unterground spuckt neue Bands und Veröffentlichungen wie am Fließband aus, doch ab und an kommen dabei Acts zum Vorschein, die hängenbleiben und das Genre nachhaltig bereichern. So eine Band ist auch BOÖTES VOID aus Würzburg. Die 2019 ins Leben gerufene Truppe hat sich mit ihren ersten beiden Alben und einigen Live-Auftritten einen Namen innerhalb der Szene erspielt und veröffentlicht mit "Panta Rhei" nun ihr drittes Album - und überzeugt optisch allein durch das vielseitige, verschnörkelte und schicke Artwork auf ganzer Linie. Mal schauen, ob es dem Quintett mit diesem Werk gelingt, noch tiefer in die Szene einzudringen und sich einen Platz in den oberen Reihen zu erspielen.

Damit das gelingt, muss neben einem ordentlichen Veröffentlichungsrhythmus und Erscheinungsbild natürlich auch der musikalische Inhalt passen. "Panta Rhei" beinhaltet acht Songs und kratzt mit diesen an der 45-Minuten-Marke. Unterstützt wird BOÖTES VOID im Titeltrack unter anderem von niemand Geringerem als ELLENDE. Alleine dieses Feature dürfte innerhalb der Szene den ein oder anderen Genrefan auf die Truppe aufmerksam machen, falls das nicht eh schon der Fall war. Dass die Band mit Verstand und Herzblut arbeitet, merkt man daran, wie Artwork, Bandname und Albumtitel ineinandergreifen und eine sinnvolle Einheit bilden. BOÖTES VOID bezeichnet eine nahezu kugelförmige, gigantische Region im Universum, die mehrere hundert Millionen Lichtjahre weit entfernt und trotz ihrer schieren Ausdehnung so gut wie leer ist. Einen besseren Namen, der die Kälte und unendliche Weite des Kosmos sowie das existenzielle Nichts einfängt, gibt es kaum.

"Panta Rhei" indes stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie alles fließt. Damit wird der Zustand des permanenten Wandels beschrieben, in dem sich das Universum und das menschliche Dasein befinden. Beides wird hervorragend in dem Artwork zu einem stimmigen Gesamtbild verarbeitet.

Herausgekommen ist dabei eine gleichermaßen atmosphärisch dichte wie rasende, okkult angehauchte Klangwelt, die den Hörer sofort in den Bann zieht. Allein der Aufbau des Openers 'Crown Of Vermin' ist großes Kino. Eine zum Schneiden dicke Atmosphäre wird in kürzester Zeit aufgebaut, doch statt diese komplett einzureißen, wird sie meisterlich mit furiosem Black Metal vermengt. Der Song legt die Messlatte direkt verdammt hoch, und das Schöne ist: Dieses Niveau wird das ganze Album über gehalten, bis auf einen ganz kleinen Ausreißer am Ende.

BOÖTES VOID erzeugen mit den Gitarren und dem fantastischen Schlagzeugspiel, das neben klassischem Uptempo-Geballer vor allem mit feinen Akzenten an den Becken brilliert, eine so einnehmende Stimmung, wie es nur die wenigsten hinbekommen. Die grandiose Performance des Sängers setzt dem Ganzen aber die Krone auf. Hier stehen die Vocals nicht nur unterstützend den Instrumenten zur Seite, sondern nehmen einen ganz zentralen und gewichtigen Part des Albums ein. Die Produktion fängt die erbarmungslose Kälte und Leere des Kosmos ebenfalls grandios ein und wirkt dabei druckvoll und zeitgemäß.

Ein perfektes Album also? Fast. Das Outro 'Requiem' wirkt im Kontext der Platte zwar sinnvoll und ist auch atmosphärisch durchaus packend, nutzt sich aber ziemlich schnell ab. Das hätte man auch weglassen und stattdessen mit dem sehr starken Titeltrack abschließen können. Das ist allerdings Meckern auf verdammt hohem Niveau, denn sonst finde ich keine Mängel, so sehr ich auch suche. "Panta Rhei" ist ein Highlight des eh schon starken Jahres und passt perfekt zu den herbstlichen, nebelverhangenen Tagen, die jetzt anstehen. Wer die Band bisher nicht kannte, muss das dringend ändern - und auch live überzeugen die Würzburger problemlos. Absolute Empfehlung.

9/10

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Crown Of Vermin
02. Shapers Of The End
03. View From Nihil
04. Onwards To Our Death
05. Lost In Oblivion
06. Nebula
07. Panta Rhei
08. Requiem
Band Website: botesvoid.bandcamp.com/
Medium: CD, Digital
Spieldauer: 44:43 Minuten
VÖ: 04.09.2026

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