Severoth - Waves | |
|---|---|
| Review von Opa Steve vom 08.09.2026 (591 mal gelesen) | |
Ein-Mann-Projekte haben ja ihre Vor- und Nachteile. Der Nachteil ist, dass auf Solo-Pfaden nie so etwas wie eine Banddynamik entstehen kann; es ergänzen sich keine Ideen, stilistisch entspringt alles aus einem Kopf. Der Vorteil ist, dass man seine reine künstlerische Vision umsetzen kann; man kommt ohne Umschweife zum Punkt, muss keine Kompromisse eingehen oder sich lange erklären. Voraussetzung ist allerdings, dass die persönliche Vision der Musik ausreichend stark ist. Und im Fall von SEVEROTH aus der Ukraine kann man das durchaus behaupten. "Waves" ist bereits das siebte Output in zehn Jahren. Die Mischung aus Black Metal, megastarken Harmoniegebirgen und irgenwelchen Dingsbums-"Gaze"-Einflüssen ist viel weniger sperrig oder eindimensional wie bei so vielen Künstlern oder Bands, die sich mit ein paar wiedergekäuten Trademarks begnügen. Sicherlich wird ein Kern der Szene die Musik als "kommerziell" verachten, weil den Songs alles Hässliche fehlt. Lediglich die Vocals, die sich mit viel Hall in heiserer Verzweiflung hinter die vordergründigen Instrumente platzieren, könnte man als Schnittmenge zu vielen anderen eher hasserfüllten Vertretern der dunklen Szene in Verbindung bringen. Doch was hier flirrende und singende Gitarren und dezent andickende Synthies zusammen an Mehrstimmigkeit aufbauen, kann man einfach nur als episch schön bezeichnen. Hier wird nicht viel gedudelt, sondern die Instrumente bilden meistens gemeinsam einen Vielklang, den sie in Ruhe auskosten. Dabei entstehen fließende Sehnsuchtsmelodien und epische Klanggebilde, die stets von treibenden Doublebass-Drums davon abgehalten werden, ermüdend oder zu sanft zu wirken. Gelegentlich übertreibt es der gleichnamige Macher Severoth auch mit epischen Gesangskonstruktionen wie in 'Vyriy' und sollte besser beim heiseren Schreien bleiben. Zum Glück bleiben diese Vocal-Arrangements aber eine Ausnahme, denn am epischen Klargesang haben sich schon viele die Zunge verbrannt, die mit wildem Gekeife groß geworden sind (man erinnere sich an Quorthons Stilumbruch).Die Stunde, die "Waves" mit fünf Songs plus Outro füllt, ist dunkler, aber dennoch wunderbarer Breitwandsound mit epischer Wucht und perfekter Produktion. Dass dabei stilistisch immer wieder das gleiche Schema in anderen Harmoniekombinationen ausgewalzt wird, ist dabei kein wirklicher Nachteil, denn die dadurch entstehende meditative Wirkung ist sicher alles andere als unerwünscht. Gesamtwertung: 7.5 Punkte
| |
| Trackliste | Album-Info |
| 01. Stars Will Show The Way 02. We Are Waves 03. Vyriy 04. As Forests Dream At Dawn 05. Snowind 06. Glacial Dreams | Band Website: Medium: CD Spieldauer: 60:18 Minuten VÖ: 04.09.2026 |
Alle Artikel
Ein-Mann-Projekte haben ja ihre Vor- und Nachteile. Der Nachteil ist, dass auf Solo-Pfaden nie so etwas wie eine Banddynamik entstehen kann; es ergänzen sich keine Ideen, stilistisch entspringt alles aus einem Kopf. Der Vorteil ist, dass man seine reine künstlerische Vision umsetzen kann; man kommt ohne Umschweife zum Punkt, muss keine Kompromisse eingehen oder sich lange erklären. Voraussetzung ist allerdings, dass die persönliche Vision der Musik ausreichend stark ist. Und im Fall von SEVEROTH aus der Ukraine kann man das durchaus behaupten. "Waves" ist bereits das siebte Output in zehn Jahren. Die Mischung aus Black Metal, megastarken Harmoniegebirgen und irgenwelchen Dingsbums-"Gaze"-Einflüssen ist viel weniger sperrig oder eindimensional wie bei so vielen Künstlern oder Bands, die sich mit ein paar wiedergekäuten Trademarks begnügen. Sicherlich wird ein Kern der Szene die Musik als "kommerziell" verachten, weil den Songs alles Hässliche fehlt. Lediglich die Vocals, die sich mit viel Hall in heiserer Verzweiflung hinter die vordergründigen Instrumente platzieren, könnte man als Schnittmenge zu vielen anderen eher hasserfüllten Vertretern der dunklen Szene in Verbindung bringen. Doch was hier flirrende und singende Gitarren und dezent andickende Synthies zusammen an Mehrstimmigkeit aufbauen, kann man einfach nur als episch schön bezeichnen. Hier wird nicht viel gedudelt, sondern die Instrumente bilden meistens gemeinsam einen Vielklang, den sie in Ruhe auskosten. Dabei entstehen fließende Sehnsuchtsmelodien und epische Klanggebilde, die stets von treibenden Doublebass-Drums davon abgehalten werden, ermüdend oder zu sanft zu wirken. Gelegentlich übertreibt es der gleichnamige Macher Severoth auch mit epischen Gesangskonstruktionen wie in 'Vyriy' und sollte besser beim heiseren Schreien bleiben. Zum Glück bleiben diese Vocal-Arrangements aber eine Ausnahme, denn am epischen Klargesang haben sich schon viele die Zunge verbrannt, die mit wildem Gekeife groß geworden sind (man erinnere sich an Quorthons Stilumbruch).
