Voivod - Symphonique

Review von baarikärpänen vom 04.06.2026 (466 mal gelesen)
Voivod - Symphonique Satte 57 Jahre ist es nun her, dass mit "Concerto For Group And Orchestra" sozusagen die Mutter aller Kollaborationen zwischen Symphonieorchester und Rockband, in dem Falle DEEP PURPLE, das Licht der Welt erblickte. Seitdem ist in diesem Bereich eine Menge passiert. Und die Verbindung zwischen klassischen Musikern und Rockern scheint der breiten Masse ja auch zu gefallen. Anders lässt sich wohl auch nicht erklären, daß MEALLICA für ihr "S&M" alleine in den Staaten sechs mal Platin eingeheimst haben. Mittlerweile hat's so ziemlich alle erwischt. Egal, ob ACCEPT oder THE WHO, natürlich sollen und wollen wir RAGE nicht vergessen. Aber auch im Bereich des extremen Metals lassen sich einige Scheibchen finden. Man denke zum Beispiel an "Requiem" von TRIPTYKON und dem Metropole Orchestra. Und genau da wird es nämlich schwierig. Schon METALLICAs "S&M" hat gezeigt, dass ein Orchester vor allem bei den ruhigeren Stücken sehr viel dazu beitragen kann, eine beeindruckende Stimmung zu erzeugen, während es bei den härteren Songs oft ins "Nervige" abdriftet. VOIVOD, um deren "Symphonique" es hier ja gehen soll, sind - was Härtegrade und vor allem oftmals dissonant klingendes Songwriting angeht - dann noch mal eine ganz andere Hausnummer.

Zugegeben, ich bin absoluter Voivodian, seit ich zum ersten Mal 'War & Pain' auf einem Sampler zu Beginn der 80er Jahre gehört habe. Also Fan, egal ob es die "punkige" Frühphase betrifft, den sowas von eigenständigen technischen Thrash ab "Killing Technology", inklusive dem SiFi-Konzept, die "alternativere" Phase um "Angel Rat", die Version von VOIVOD ohne Snake am Mikro, die Wiederbelebung der Band nach dem Tod von Piggy (man kann Jason Newsted in diesem Zusammenhang immer noch auf Ewigkeit dankbar sein), bis hin zum letzten Meisterwerk "Synchro Anarchy", für das VOIVOD den begehrten Juno-Award 2023 in Kanada einstreichen konnten. Für mich immer noch unvergesslich der Auftritt während der Tour mit KREATOR. VOIVOD haben mich immer überzeugt und abgeholt. Diese VOIVOD standen also am 4. Juni 2025 im Grand Théâtre in Québec City mit dem Quebec Symphony Orchestra auf der Bühne, um eine - gut verlesene - Auswahl ihres Schaffens im symphonischen Gewand auf Fans und interessierte Menschen loszulassen. Dass mir aber keiner vorwerfen kann, ich hätte während des Verfassens dieses Reviews die Fanbrille mit den extra dicken Gläsern aufgehabt, sollte spätestens schon beim nächsten Absatz klar werden.

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Fangen wir mal mit den Pluspunkten von "Symphonique" an. Da wäre die bereits erwähnte vorzügliche Songauswahl, die selbst das Debüt "War & Pain" nicht ausspart. Oder der wirklich tolle Sound. Gerade beim Zusammenspiel von Band und Orchester besonders wichtig. Dazu kommt eine Band, die fehlerfrei und mit jeder Menge Begeisterung agiert. Schaut man sich die inoffiziellen Videos auf Youtube an, dann muß wohl auch das Bühnenbild mit Viedeoeinspielungen beeindruckend gewesen sein. Daher die Frage, warum es "Symphonique" nur auf Tonkonserve, aber nicht auf DVD oder BluRay gibt? Nun ja, es ist, wie es ist. VOIVOD plus Orchester beginnen ihren Auftritt mit 'Experiment'. Und treffender hätte man es nicht machen können, denn was in den folgenden 73 Minuten folgt, ist ein, nun ja, Experiment. Die haben es nun mal so an sich, dass sie entweder funktionieren oder auch nicht. Bei 'Experiment' (von "Dimension Hatröss") klappt das ganz gut, angefangen beim tollen Intro des Orchesters oder in den Zwischenparts, wenn Band und Orchester zusammen agieren. Trifft auch auf 'Holographic Thinking' (von "Synchro Anarchy") zu. Bei 'The Unknown Knows' habe ich mir persönlich die wenigsten Gedanken gemacht, weil das Stück ja im Original schon gut vorstellbar war mit Unterstützung eines Orchesters. Tja, und dann geht mit 'The End Of Dormancy' und 'Into My Hypercube' das Experiment zum ersten Mal leicht schief. 'Forgotten In Space' kann einiges wieder gutmachen, aber mit 'Cosmic Drama' zeigt der Daumen wieder leicht südwärts. Was mich am meisten gewundert und positiv überrascht hat ist aber, wie gut VOIVOD plus Orchester das vom Debut stammende 'Nuclear War' umgesetzt haben. Dem gegenüber steht dann aber 'Fall', eines meiner Highlights vom "The Wake"-Album, das in vorliegender Fassung wirklich an den Nerven zerrt. Zum Glück bekommen VOIVOD zum Ende des Auftritts zunächst mit 'Tribal Convictions' die Kurve, bevor 'Astronomy Domine' als absoluter Glanzpunkt des Sets das Konzert beschließt. Es sagt dann aber leider auch eine Menge aus, wenn ein Coversong wie 'Astronomy Domine' (im Original von PINK FLOYD) der (für mich) Höhepunkt des Auftritts ist. Sicher, das hier ist ein Experiment. VOIVOD werden in dieser Zusammenstellung mit Orchester garantiert so nicht mehr zu hören sein. Leider liegen mir keine Informationen vor, wer das Material für das Orchester bearbeitet hat. Dem oder der darf man aber ein Kompliment alleine dafür aussprechen, weil es bei bestimmten Songs (die, die nicht funktionieren) garantiert megaschwierig war, da überhaupt was auf's Papier zu bekommen. Was mir auch noch fehlt, ist eine Interaktion mit dem Publikum. Die hat man wohl rausgeschnitten?

Als Fazit bleibt zu sagen, daß VOIVOD Mut bewiesen haben. Nicht jeder ist dafür gemacht, sein Material mit einem Symphonyorchester auf die Bretter zu bringen. Vor allem dann nicht, wenn das ursprüngliche Material schon nicht für jeden einfach zu konsumieren ist. Führt auf "Symphonique" dann leider dazu, dass Teile geradezu an den Nerven reißen, während andere gut ins Ohr gehen. Für die breite Masse ist "Symphonique" nicht gemacht, so viel dürfte klar sein. VOIVOD-Fans ist diese Einschätzung natürlich schnuppe, die besorgen sich das Album so oder so (mach ich auch). Wie üblich verzichten wir bei einem Live-Album auf eine Punktewertung, aber ich sage abschließend noch ein "Experiment in Teilen nicht den Erwartungen gerecht geworden".



- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. Experiment
02. Holographic Thinking
03. The Unknown Knows
04. The End Of Dormancy
05. Into My Hypercube
06. Forgotten In Space
07. Cosmic Drama
08. Pre-Ignition
09. Nuclear War
10. Fall
11. Tribal Convictions
12. Astronomy Domine
Band Website: www.voivod.com
Medium: CD, LP, digital
Spieldauer: 72:44 Minuten
VÖ: 05.06.2026

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