Anasarca - Achlys

Review von Eddieson vom 12.05.2026 (814 mal gelesen)
Anasarca - Achlys Ich persönlich bin ja großer Fan von Konzeptalben oder von Alben, bei denen man merkt, dass sich die Band Gedanken gemacht hat, ein Album, das kompakt ist und rundum stimmig wirkt. Und genau so ein Album gibt es mit "Achlys" von ANASARCA. Wir alle kennen das Gefühl von Trauer, das Gefühl, jemanden oder etwas verloren zu haben. Die emotionale Talfahrt in all ihren Facetten, die ein solcher Verlust mit sich bringt, dürfte jeder von uns schon mal in irgendeiner Form miterlebt haben. Und genau diesem Thema haben sich ANASARCA auch auf ihrem aktuellen Album gewidmet. Trauer bewältigt jeder von uns anders. Manche ziehen sich komplett zurück, manche bekämpfen die Trauer durch Ablenkung, andere wiederum wollen sich gar nichts anmerken lassen und tun so, als ob nichts gewesen wäre (der denkbar ungünstigste Weg übrigens). ANASARCA gehen den Weg nach vorne und schreiben ein ganzes Album, um zu verarbeiten. Und das tun sie auf ihre Art und Weise und hauen so zehn brachiale Death Metal-Songs plus Intro raus und so entstand "Achlys".

Bei dem Thema bietet sich natürlich nichts mehr an, als das Album mit Chopins Trauermarsch zu eröffnen, der mit einer Spoken-Word-Passage überlegt worden ist und dann knallt die Band in diese Trauerstimmung, die der Trauermarsch einfach mit sich bringt, mit ihrem Song 'My Reality' rein. Das reißt den Hörer natürlich in einen vollkommen anderen Gemütszustand. Textlich basierend auf einem Gedicht von Denise Tiburcio, welches sich mit dem Verlust des eigenen Kindes auseinandersetzt. Harter Tobak, findet aber in dem präzisen und wuchtigen Umfeld von ANASARCAS Death Metal einen würdigen Rahmen. Der folgende Titeltrack 'Achlys' beschreibt die Göttin der Trauer und ist dementsprechend düster gehalten. Fiese und schneidende Riffs sowie wuchtige Passagen sind die wesentlichen Trademarks des Tracks, der zu den Highlights des Albums gehört. Auch 'Basket Of Burdens' und 'In Memoriam' sind auf auf Gedichten basierend, die sich mit dem Thema Trauer und Verlust auseinandersetzen. 'In Memoriam' hat einen geschichtlichen Hintergrund und basiert auf "In Memoriam A.H.H." (1850) von Alfred Lord Tennyson, welches von Tennyson für seinen Freund geschrieben wurde, der 1833 einer Krankheit erlag. ANASARCA setzen also nicht nur die persönlichen Schicksale in den Vordergrund, sondern blicken hinter verschiedenste Schicksale. Dabei treten sie das Gaspedal immer voll durch, rein musikalisch bieten sie dem Hörer keine Verschnaufpausen, hier und da mal ein paar Variationen im Tempo. Aber die Grundausrichtung ist immer im Uptempo zu finden.

Das ändert sich auch nicht im zweiten Teil des Albums. 'Pain Remains' geht ebenso nach vorne wie 'Broken'. Erster widmet sich ebenfalls dem Verlust des eigenen Kindes und basiert auf dem Gedicht "A Picture Of You" von Debbie Robinson, die ihren Sohn plötzlich und völlig unerwartet verloren hat. Ein Schicksal, das verarbeitet werden muss und es ist völlig egal, wen man verliert, die betroffenen Angehörigen verfallen in ein absolutes Gefühlschaos, wie es in 'Broken' beschrieben wird. Man wird einfach völlig aus der Bahn geworfen. Eine weitere Facette der Trauer kann auch Satire sein, wie es beim Song 'He Is Dead' beschrieben wird. Ursprünglich als Satiregedicht geschrieben, bekam dann "Funeral Blues", auf dem der Song 'He Is Dead' basiert, einen immer ernsteren und gefühlvolleren Hintergrund. Mit 'Wish You Were Here' - was natürlich keine Coverversion des PINK FLOYD-Klassikers ist - hauen ANASARCA einen ebenfalls straken Track raus, rasend schnell und mit starken Melodien versetzt. 'How Can They' hat auch wieder diese fiesen Riffs, die sich direkt in den Gehörgang bohren. Das abschließende 'I Feel' beschreibt das Gefühl, einem Menschen, den man nicht mehr bei sich hat, immer noch in seinen Träumen oder Gedanken sehr nahe zu sein - so beschrieben in dem Gedicht von Sandee Foxten, dem sich ANASARCA mit einem starken Song gewidmet haben.

Trauer ist immer ein schwieriges und vor allem sensibles Thema, mit dem es nicht immer leicht umzugehen ist. ANASARCA haben das auf ihre Art gemacht und dabei rausgekommen ist mit "Achlys" nicht nur ein äußerst starkes Album, das punktgenau eingespielt wurde, sondern auch ein sehr persönliches Album, das mit viel Fingerspitzengefühl, einer dunklen Atmosphäre und einem absolut stimmigen Artwork umgesetzt wurde.



Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Beyond The Passing (Intro)
02. My Reality
03. Achlys
04. Basket Of Burdens
05. In Memoriam
06. Pain Remains
07. Broken
08. He Is Dead
09. Wish You Were Here
10. How Can They
11. I Feel
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 39:15 Minuten
VÖ: 03.04.2026

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