Go Mahhh - Doppelgänger | |
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| Review von derkleinekolibri vom 19.05.2026 (807 mal gelesen) | |
Ende der Sechziger war ich noch zu jung, um der Berliner Musikszene beizuwohnen, aber schon alt genug, Musik meiner Wahl zu hören, bei der sich die Fußnägel meiner Eltern aufrollten - behaupteten sie zumindest. Den genauen Zeitpunkt, wann ich die Aufnahmetaste meines Philips Cassettenrecorders drückte, um 'I Had Too Much To Dream (Last Night)' von THE ELECTRIC PRUNES aufzuzeichnen, habe ich nicht mehr im Kopf, es muss entweder 1968 oder 1969 gewesen sein.Nun taucht eine vierköpfige Berliner Kombo auf, die international aufgestellt ist (Chile, Deutschland und Irland) und ziemlich genau in dieselbe musikalische Bresche schlägt wie THE ELECTRIC PRUNES. Die Band hat sich den Namen GO MAHHH gegeben - offensichtlich ein Produkt ihrer Fantasie, für das es keine Übersetzung oder Bedeutung gibt. Das Ganze nahm Anfang der Zwanziger seinen Anfang. 2023 wurde eine EP in Eigenregie veröffentlicht, man spielte auf dem Desertfest, dem Void Fest und bei MW:M Live. In der Berliner Rockszene haben sich GO MAHHH schnell einen Namen gemacht. Mit ihrem Debütalbum "Doppelgänger" sollte es jetzt auch gelingen, den Rest Deutschlands zu überzeugen. Acht gediegene Titel belegen den Speicherplatz des Silberlings oder des Vinyls. Es tut sich eine Welt blitzender und blinkender Psycholights auf, so wie es in den einschlägigen Discotheken der Sechziger und Siebziger war (in meinem Fall das Cheetah in der Hasenheide, von dem ich bis 1984 keine 100 Meter entfernt wohnte und es häufig besuchte). Faszinierend startet "Doppelgänger" mit einem orientalisch angehauchten, sich schleppend dahinziehenden und mit dezenten Riffs ausgestattetem Stück ('High Mountain'), das psychedelische Farben aufleuchten lässt und den Hörer nicht dazu drängt, bewusstseinsverändernde Stoffe zu konsumieren. Das sich plötzlich im Tempo erhöhende Stück glänzt auch mit sanften Gitarrenphasen. Wer die Augen schließt, dem bietet sich ein imaginärer Schwertkampf dar. 'Happy Satan's Reign' bringt trotz des eher teuflischen Titels die Hörerschaft zum Wiegen der Köpfe. Wer bis hierher Härte vermisst hat, kann sich bei 'Blood Transfusion' auf sie einstellen. Verhaltener Gesang wie aus einer Kältekammer umfängt den leicht frierenden Zuhörer, wenn 'Anatoliosis' erklingt. 'MSAZ-20' ist nicht nur ein ungewöhnlicher Titel, sondern auch ein ganz besonderes Stück, das mit gekonnt psychedelisch jammernden Gitarren die Einleitung für das Highlight 'BBSBBQ' des GO MAHHH-Albums die Aufmerksamkeit immens vergrößert. Auch hier entfaltet sich eine imaginäre Bühne und man wähnt sich auf einem orientalischen Basar, der von einem Marktschreier dominiert wird, vor dem sich das kaufwillige Volk niedergekniet hat und ihm ehrfürchtig lauscht, wie er mittels ganz feiner galoppierender Riffs seine Ware anpreist. Obendrein wird man von den Basslinien emotional berührt und kann das beste Solo des Longplayers vernehmen. 'The Sun King' und 'Mind Assault' lassen das Debüt stimmig ausklingen und die Sonne glutrot am Horizont versinken. Der CD und dem Vinyl hat man stilgerecht ein psychedelisch verspieltes Coverartwork verpasst. Gut so. Auf ein hoffentlich irgendwann erscheinendes sophomores Album darf man gespannt sein ... Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. High Mountain 02. Happy Satan's Reign 03. Blood Transfusion 04. Anatoliosis 05. MSAZ-20 06. BBSBBQ 07. The Sun King 08. Mind Assault | Band Website: Medium: CD, LP Spieldauer: 38:29 Minuten VÖ: 29.05.2026 |
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Ende der Sechziger war ich noch zu jung, um der Berliner Musikszene beizuwohnen, aber schon alt genug, Musik meiner Wahl zu hören, bei der sich die Fußnägel meiner Eltern aufrollten - behaupteten sie zumindest. Den genauen Zeitpunkt, wann ich die Aufnahmetaste meines Philips Cassettenrecorders drückte, um 'I Had Too Much To Dream (Last Night)' von THE ELECTRIC PRUNES aufzuzeichnen, habe ich nicht mehr im Kopf, es muss entweder 1968 oder 1969 gewesen sein.
