Anger MGMT. - Anger Is Eternal

Review von derkleinekolibri vom 20.04.2026 (799 mal gelesen)
Anger MGMT. - Anger Is Eternal Wie so oft hält die Schweiz etwas Ungewöhnliches für uns bereit: In Winterthur kommt auf 750 Einwohner ein Museum. Kultur pur! Da verwundert es nicht, dass das Trio ANGER MGMT. (ein Punkt am Ende des Bandnamens ist mir noch nie bewusst begegnet) aus eben jenem Ort ein grungeiges, hartes, punkiges Album am 24. April 2026 auf die Menschheit loslässt. Titel ihres zweiten Albums ist "Anger Is Eternal", nachdem das 2023er Debüt "Anger Is Energy" betitelt worden war. Überzeugender kann man konzeptionelle Kontinuität kaum verdeutlichen. Die Jungs verbinden persönliche Abgründe mit gesellschaftlicher Beobachtung - private Emotionen und Verletzlichkeiten werden 34 Minuten lang kompromisslos zu Gehör gebracht. So erfuhren selbst Verwandte und enge Freunde des Sängers Nik Petronijevic erst durch das Debütalbum von seiner Angsterkrankung. Seine psychischen Probleme waren zuvor überwiegend verborgen geblieben. Durch diese Vorgehensweise gilt der Schweizer mittlerweile als Mental-Health-Aktivist.

Hält man 'I Thought I'd Stated To Make Progress Again' anfangs für nur punkiges Getöse, muss man diese Beurteilung schnellstens revidieren. Schon in diesem ersten Titel steckt mehr als nur Punk. Die schonungslose Offenheit des Textes und die druckvolle musikalische Untermalung bilden eine kongeniale Einheit. 'Torch The Lies' kommt etwas weniger ruppig daher, lässt etwas mehr Grunge-Einflüsse erkennen und erklärt, warum die vielen derzeitigen Lügen zu immer mehr Unsicherheit in der Bevölkerung führen. Die Dynamik dieses gitarrenlastigen Titels müsst ihr euch unbedingt mal reinziehen. Unter die Haut geht 'Under My Skin' wortwörtlich, hört sich das Stück doch ein wenig wie ein Britpop-Duell vergangener Zeiten an, wobei hier ausschließlich die positiven Seiten des Britpops gemeint sind. Der Tenor des Punks der Siebziger spielt bei 'Trace The Cracks' eine große Rolle - hier werden die gesellschaftlichen Brüche an den Mann ... sorry ... natürlich auch an die Frau gebracht. Wer nach diesem Stück noch behauptet, der Punk wäre längst tot, wird Teil der gesellschaftlichen Missverständnisse. 'Cut The Rot' bekommt durch Thorsten Polomski von den BUBONIX eine ganz besondere stimmliche Note und sorgt damit sogar für einen Gänsehautmoment. 'Anything Ahead' und 'Keep Trying' strotzen nur so vor Saft und Kraft. Im erstgenannten Track brilliert das Gitarrenspiel, im zweitgenannten das Schlagzeug. Die drei Schweizer beenden ihre Form der Darstellung von Lügen, Zweifel, Unsicherheiten und ehrlicher Selbstdarstellung - mit filigranem Gitarrenspiel unterlegt - mit dem Rausschmeißer 'Buzz'.

Vermutlich werden sogar dem Grunge und dem Punk nicht nahestehende Metalheads vor den Jungs von ANGER MGMT. den Hut ziehen und ihre Luftgitarren aus der Versenkung holen ...

Gesamtwertung: 7.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. I Thought I'd Stated To Make Progress Again
02. Torch The Lies
03. Under My Skin
04. Trace The Cracks
05. In This Body
06. Cut The Rot
07. Anything Ahead
08. Keep Trying
09. Echoes
10. No Future
11. Buzz
Band Website:
Medium: CD, LP
Spieldauer: 34:02 Minuten
VÖ: 24.04.2026

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