Alien - Live At Sweden Rock Festival | |
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| Review von baarikärpänen vom 26.04.2026 (372 mal gelesen) | |
Ich hatte ja schon immer einen "Soft Spot" für Melodic Metal/Hard Rock/Glam und natürlich auch AOR. Und das (oder vielleicht gerade deswegen?), obwohl ich musikalisch mit MOTÖRHEAD und ACCEPT, den vielen anderen deutschen Bands der frühen 80er, Speed- und Thrash Metal musikalisch sozialisiert wurde. Und trotzdem spielten die sanfteren Töne immer eine wichtige Rolle. Ganz ehrlich, im Sommer im Auto zu sitzen, die Fenster auf, da muss es eben nicht SODOM sein, da flutschen NIGHT RANGER, MÖTLEY CRÜE, (frühe) BON JOVI oder EUROPE viel besser in die Lauscherchen. Und trübe Wintertage hellen sie sowieso auch auf. Man kann es meinetwegen die Gnade der frühen Geburt nennen, aber es darf sich glücklich schätzen, wer zwischen 1985 und 1990 dabei war, als Woche für Woche Alben erschienen sind, von denen viele auch 40 Jahre später als Klassiker in ihrem Genre gelten. Ehrlicherweise muss man aber zugeben, dass besonders wenige aus deutschen Landen kamen, sieht man mal von CRAAFT ab, deren Debüt bei mir immer noch rotiert. Die USA waren zunächst das Land der großen Bands, aber der Norden Europas, vor allem Schweden, holte schnell auf und eroberte die Pole Position, die er auch 2026 noch innehat. Spiel einer oder einem 15-Jährigen die ersten Takte von 'The Final Countdown' vor, er oder sie mag zwar vielleicht nicht wissen, dass das Stück von EUROPE ist, gehört hat sie oder er es garantiert schon mal. Nun waren EUROPE nicht alleine in Skandinavien. Es gab so viele Truppen zu dieser Zeit, die zwar nicht den Erfolg gehabt haben, musikalisch aber keinen Deut schlechter waren. Man nehme einfach mal 220 VOLT oder MADISON, oder man greife zu ALIEN. Die gründeten sich 1986 angeführt von Gitarist Tony Borg und Sänger Jim Jidhed in Göteborg und schafften es aus dem Stand mit ihrer Version des MARBLES-Klassikers 'Only One Woman' von ihrem selbstbetitelten Debüt in Schweden Edelmetall einzuheimsen. Ich persönlich fand das Original ja schon immer käsig, aber wenn es den Menschen damals gefallen hat, dann war das eben so. Und dieses Debüt hatte so viel mehr zu bieten. Bei einem gesunden Härtegrad gab es da Ohrenschmeichler und Hooks ohne Ende und einen Jidhed mit einer der besten Stimmen in der Sparte gesegnet. Leider trennten sich die Wege der Jungs bereits nach der ersten Scheibe und ALIEN hatten danach auch nie mehr diesen Erfolg, aber aufgegeben haben sie im Grunde nie. Nach etlichen Jahren, in denen sich das Personalkarussell immer fleißig weiterdrehte, kam es 2010 zur Wiedervereinigung der Originalbesetzung, es erschienn drei weitere hochklassige Alben, und im Jahr 2025 waren mit Borg, Jidhed und Dummer Toby Tarrach immer noch drei Originalmitglieder dabei, die die Bühne des Sweden Rock Festivals zum ersten Mal in ihrer Karriere enterten. Mehr als 25 Jahre nach ihrem Auftritt beim Monsters Of Rock in Ekilstuna, der seinerzeit sprichwörtlich ins Wasser fiel bei Dauerregen, ihnen aber eine exzellente Kritik im schwedischen Aftonbladet brachte, schien es der Wettergott auch 2025 nicht gut mit ALIEN zu meinen. Aber wie das manchmal so ist, schien genau dieser Wettergott ein Einsehen zu haben und zu Beginn des Auftritts leuchtete die Sonne vom Himmel und alles war bereit für die, ich sage das mit dem größtmöglichen Respekt, in aller Ehren ergrauten Herren. Dass Jidhed und Co. die 60 Jahre bereits überschritten haben, davon ist allerdings auf der vorliegenden Scheibe "Live At Sweden Rock Festival" nun wirklich nichts zu spüren. Da steht, unterstützt von Bassist Fredrik Karnell, Keyboarder Mikael Bäck und dem Background-Sänger Jonathan Jaarnek Norén und der Background-Sängerin Kajsa Borg, eine Band auf der Bühne, die von der ersten Sekunde an jede Menge Spaß in den Backen hat, was sich im Laufe des Auftritts auch auf das Publikum überträgt. Natürlich hätten ALIEN es sich einfach machen können und wie so viele andere Bands mit einem solchen Dienstalter ganz einfach ihr bärenstarkes Debüt von 1988 in voller Gänze spielen können in der Zeit, die sie auf der Bühne hatten. Machen die Herrschaften aber nicht. Hier wechseln sich ältere Songs mit denen von den in den letzten fünf Jahren (und keinen Deut schlechteren!) veröffentlichten neuen Scheiben. So eröffnet 'In The End We Fall' vom letztjährigen "When Yesterday Comes Around" die Sause. Und einen schöneren Opener hätten ALIEN auch gar nicht finden können. Was mir auf anhieb besonders gut gefällt ist die Trennung von Keyboards und Gitarre auf linkem und rechtem Kanal. Überhaupt ist der Sound für eine solche Aufnahme sehr gut geraten und man hat scheinbar auch gar nicht großartig im Studio nachbearbeitet. Man kann hier förmlich an den Publikumsreaktionen hören, wie sich der Platz nach und nach immer mehr gefüllt hat. Äußerst sympathisch auch, dass Jidhed alle Ansagen in seiner Muttersprache macht. Erst an dritter und vierter Stelle gibt es die ersten Stücke vom damaligen Debüt. Verglichen mit ihren letzten Alben wird gleich deutlich, dass ALIEN in all den Jahren ganz einfach starke Songwriter geblieben sind. Egal ob alt oder neu, hier passt alles zusammen ohne jeglichen Qualitätsverlust. Schön zu hören, wie Jidhed von Minute zu Minute stärker wird, die Stimme immer kraftvoller. Nennt man wohl warm singen. Toby Tarrach liefert ein solides Fundament, ohne Schnörkel, einfach schön straight. Und Tony Borg, der ohne Witz vom Aussehen her als jüngerer Bruder von Ritchie Blackmore durchgehen könnte, zeigt eindrucksvoll, was er an den sechs Saiten zu leistem im Stande ist. Man höre nur seinen Solo-Spot. Klar, im Set darf natürlich das seinerzeit mit Edelmetall ausgezeichnete 'Only One Woman' nicht fehlen. Und was soll ich sagen, die Studioversion fand ich, wie oben bereits angemerkt, mehr als verzichtbar, aber live ist das noch mal eine ganz andere Sache. Das Publikum darf zu Beginn gleich mal den Gesang übernehmen und zeigt sich textsicher. Selbst 37 Jahre nach der Veröffentlichung scheint man in Schweden den Song nicht vergessen zu haben. Im letzten Drittel des Auftritts drehen ALIEN noch mal richtig auf. Ein kluger Schachzug auch, sich für den Background diesen tollen Sänger und die noch bessere Sängerin zu engagieren, die mit ihren durchaus souligen Stimmen sehr viel dazu beitragen, dass "Live At Sweden Rock Festival" eine überzeugende Angelegenheit geworden ist. Jidhed, Borg und Tarrach mögen vielleicht im fortgeschrittenen Alter sein, aber davon hört man hier überhaupt nichts. Diese Scheibe zeigt eine Band, die von Beginn an jede Menge gute Laune hat und für eine knappe Stunde die beste Zeit ihres Lebens zu haben scheint. Es mag Menschen geben, die Live-Alben für verzichtbar halten, was in einigen Fällen auch zutreffen könnte. Ich glaube fast, dass ALIEN sich einfach nur selbst mit diesem Mitschnitt ein Geschenk machen wollten. Wenn das Endergebnis allerdings so überzeugend klingt wie "Live At Sweden Rock Festival", dann spreche ich gerne eine Kaufempfehlung aus. Punkte gibt es offiziell keine für Live-Scheiben, aber wer gut auf diese lockerflockige Mischung aus Melodic Metal, Hard Rock und ganz viel AOR kann, der denkt sich einfach die neun Punkte unter dem Review. - ohne Wertung - | |
| Trackliste | Album-Info |
| 01. Introduction 02. In The End We Fall 03. If Love Is War 04. Go Easy 05. Brave New Love 06. Only One Woman 07. Guitar Solo 08. Night Of Fire 09. I Belong To The Rain 10. Tears Put Out The Fire 11. Diving By The Golden Rules 12. Touch My Fire | Band Website: www.facebook.com/Alien.Sweden/ Medium: CD Spieldauer: 52:18 Minuten VÖ: 24.04.2026 |
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Ich hatte ja schon immer einen "Soft Spot" für Melodic Metal/Hard Rock/Glam und natürlich auch AOR. Und das (oder vielleicht gerade deswegen?), obwohl ich musikalisch mit MOTÖRHEAD und ACCEPT, den vielen anderen deutschen Bands der frühen 80er, Speed- und Thrash Metal musikalisch sozialisiert wurde. Und trotzdem spielten die sanfteren Töne immer eine wichtige Rolle. Ganz ehrlich, im Sommer im Auto zu sitzen, die Fenster auf, da muss es eben nicht SODOM sein, da flutschen NIGHT RANGER, MÖTLEY CRÜE, (frühe) BON JOVI oder EUROPE viel besser in die Lauscherchen. Und trübe Wintertage hellen sie sowieso auch auf. Man kann es meinetwegen die Gnade der frühen Geburt nennen, aber es darf sich glücklich schätzen, wer zwischen 1985 und 1990 dabei war, als Woche für Woche Alben erschienen sind, von denen viele auch 40 Jahre später als Klassiker in ihrem Genre gelten. Ehrlicherweise muss man aber zugeben, dass besonders wenige aus deutschen Landen kamen, sieht man mal von CRAAFT ab, deren Debüt bei mir immer noch rotiert. Die USA waren zunächst das Land der großen Bands, aber der Norden Europas, vor allem Schweden, holte schnell auf und eroberte die Pole Position, die er auch 2026 noch innehat. 