Lantlos - Nowhere In Between Forever

Review von Zephir vom 14.04.2026 (548 mal gelesen)
Lantlos - Nowhere In Between Forever Aus alter Liebe zum Frühwerk von Markus Siegenhort, der mittlerweile unter dem Namen Markus Skye agiert, höre ich das neue Release von LANTLÔS. Noch immer bei Prophecy, aber mittlerweile als Soloprojekt aktiv, haben sich LANTLÔS längst vom (Post) Black Metal abgewandt und in neue, experimentelle Gefilde vorgewagt. Was ich im unseligen Jahr 2014, in dem sich gefühlt (gefühlt!) zahlreiche Post Black Metaller plötzlich dem Dream Poprock zuwandten, noch ein kurzfristiges Intermezzo zu sein gehofft hatte, hat sich im Hause LANTLÔS über das 2021 veröffentlichte "Wildhund" mittlerweile tatsächlich zu einer Form von Alternative Rock gewandelt. Mit dem neuen Output "Nowhere In Between Forever" liefert Skye eine Scheibe ab, die klingt, als wolle er die vergangene Jahrtausendwende zurückholen: Aufgedrehter Happy Rock mischt sich mit Elektronik aller Couleur, wobei der immer wieder entstehende Eindruck farbenfroher Künstlichkeit absichtlich herbeigeführt und überzeichnet wurde, um die Musik fest im Jahr 2026 und seinen dräuenden Schattenseiten zu verankern.

Metal ist nicht viel übriggeblieben, aber das ist seit über zehn Jahren der beschrittene Weg. Die 11 neuen Tracks kommen an sich absolut radiotauglich daher und könnten das Programm auf Radio Bob durchaus bereichern. Die Gefälligkeit ist kein Manko, sie ist, wenn man den promoteten Umständen Glauben schenken kann, bewusst gestaltet und wird für mein Empfinden durch die immer wieder wild und turbulent aufflimmernden ADHS-Synthies durchbrochen. Auch diese sind wohl im Zeitalter künstlicher Generierbarkeit von Klangkonstrukten intentional platziert und ich bilde mir ein, den künstlerischen Anspruch dahinter durchaus nachvollziehen zu können. Gleichwohl macht auch dieser die Musik für mich nicht verdaulicher. Kommt mir der Opener 'Daisies' noch solide 2000er-alternativ vor, zerren spätestens 'Numb TV Superstar' und 'AutoGuard' durch den hyperaktiven Beat hinter den glatten Gesangslines gewaltig an meinen Nerven. Dagegen sind das tiefergestimmte 'Solar Death' und das klangreduzierte 'Ghosts' schon echte Erholungsmomente. Immerhin: Der Bruch seit dem letzten Werk ist bei Weitem nicht so groß wie der Schritt, den LANTLÔS vor 12 Jahren gingen. Vielmehr ist "Nowhere In Between Forever" eine konsequente Fortsetzung, die jenen gefallen wird, die schon mit "Wildhund" Blut geleckt haben.

Persönlich gehöre ich zu der Fraktion, die sich mit krassen Genre- und Stilbrüchen einer Band vor allem dann schwertut, wenn mit diesen keinerlei "Markenwechsel" beispielsweise in Form einer Namensänderung einhergeht. Dass der Alternative Elektro-Rock von LANTLÔS bis heute unter dem selben Namen läuft wie dereinst ".neon" (2010) oder "Agape" (2011), belastet meine kognitive Kompetenz schon arg. Da das alles aber mit der Qualität der Musik nichts zu tun hat, verzichte ich auf eine quantitative Bewertung.

Was ich übrigens richtig gelungen finde, ist das Coverart. Bei der Betrachtung der realitischen Szenerie stellt sich sofort ein surrealistisches Gefühl ein, das ich an keinerlei Detail festmachen kann. Das ist so real wie ein Traum und damit genial. Vielleicht sollte ich "Nowhere In Between Forever" verstärkt unter diesem Eindruck hören?


- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. Daisies
02. Cherries
03. Oxygen
04. Jeanet
05. Numb TV Superstar
06. Solar Death
07. AutoGuard
08. Planets
09. Ghost
10. Clockworks
11. Windhunter
Band Website:
Medium: CD, LP
Spieldauer: 42:28 Minuten
VÖ: 03.04.2026

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