Sepultura - The Cloud Of Unknowing

Review von Damage Case vom 19.04.2026 (409 mal gelesen)
Sepultura - The Cloud Of Unknowing Andreas Kisser & Co. fahren den Kurs der letzten beiden Studioalben "Machine Messiah" (2017) und "Quadra" (2020) bis zum letzten Studiomoment ihres Bestehens konsequent nach Hause (die Abschiedstour läuft ja noch bis Ende 2026 oder vielleicht auch ein wenig darüber hinaus, wer weiß das schon?). Wo auch immer dieses Zuhause sein mag, denn die kommerziell erfolgreichsten Heimathäfen "Arise", "Chaos A.D", "Roots" oder sonstige Bandepochen lassen SEPULTURA auch 2026 stilistisch weiterhin unangefahren. Thrash Metal im klassischen Sinne ist das alles 2026 nicht mehr, eher die VOIVODisierung des eigenen Sounds: progressive Elemente, ruhige Intros, atonale Orchester- und Klavierparts, Tempo bei Bedarf raus, Hardcore nach Belieben rein, Klargesang versus Brüllwürfel. Nichts ist hier vorhersehbar. Nur eines, denn Cavalera-SEPULTURA sind seit 30 Jahren mausetot und bleiben es. Ziehen ihre Vorwärtsgewandtheit selbst im letzten Bandatemzug durch. Ohne Blick zurück. (Scheinbar) ohne Versöhnung. Schade bleibt es dennoch allemal.

Die Songs von "The Cloud Of Unknowing"? Entstanden sind sie in gemeinsamen Jams während der laufenden Tour, anschließend binnen zehn Tagen aufgenommen von Stanley Soares in den Criteria Studios zu Miami. Diesen spontanen Charakter hört man ihnen jedoch nicht an, denn sie klingen komplett auf den Punkt auskomponiert. Der rüde Opener 'All Souls Rising' ist eine wütende, hardcorelastige Eruption, wie man sie bereits auf dem ersten Green-Album "Against" vor beinahe 30 Jahren hätte serviert bekommen können. Nur ohne klassisches Gitarrensolo und ekstatische Streicher, die hielten erst später Einzug in den Bandsound. 'Beyond The Dream' ist eine berührende Halbballade, die Derrick Green gefühlvoll singt. 'Sacred Books' ist ein Midtempo-Groovemonster, das im Mittelteil leider mit modernen Klaviertönen verschlimmbessert wurde. Man nennt so etwas wahrscheinlich "Kunst". Das abschließende 'The Place' fährt noch mal alles auf, was das Songwriting hergibt. Sechs Minuten Tempo rauf, Tempo runter, wildes Kisser-Solo, Derricks Stimmbänder geben alles innerhalb des verfügbaren Spektrums. Das Grande Finale einer 40-jährigen Karriere. Und ein toller Song! Bemerkenswert, dass die Band keinen Song mehr oder weniger, oder gar ein komplettes Album komponiert hat. Diese vier Songs steckten noch in SEPULTURA. Sie sollten das finale Statement bilden.

Fazit: Großer, sehr großer Respekt gebührt der Konsequenz, mit der Andreas Kisser und Paulo Xisto seit Jahrzehnten allen Gerüchten widerstehen, Derrick Green zu schassen und die Cavaleras wieder in die Band zu holen, um zumindest mit einer letzten Reunion-Tour noch mal groß abzusahnen. Diese Loyalität gibt es im Metal tatsächlich selten - selbst die Größten der Großen (IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, SLAYER, BLACK SABBATH, BÖHSE ONKELZ, GUNS N'ROSES und viele weitere) sind der lukrativen Wiedervereinigungsversuchung erlegen. SEPULTURA post 1997 nicht. Und Jung-Schlagzeuger Greyson Nekrutman, seit 2024 erst in der Band, erhält auf diese Weise auch noch einen Studioeintrag in der Bandhistorie.

Anspieltipps: Wer "Machine Messiah" und "Quadra" mag, wird an diesen vier Titeln viel Freude haben und um die fehlenden fünf bis acht Songs zu einem vollwertigen Album trauern. Für wen SEPULTURA wahlweise 1991/1993/1996/1997 aufgehört haben zu existieren, wird auch mit "The Cloud Of Unknowing" keine Freude haben und froh sein, kein vollständiges Album nicht hören zu müssen.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. All Souls Rising
02. Beyond The Dream
03. Sacred Books
04. The Place
Band Website: www.sepultura.com.br
Medium: EP
Spieldauer: 16:37 Minuten
VÖ: 24.04.2026

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