Metal Church - Dead To Rights | |
|---|---|
| Review von baarikärpänen vom 10.04.2026 (837 mal gelesen) | |
"Es is zwölfe bei der NochtDraußen geht a Sturm Die Totenglocken leuten Scho wieda muas oana in die Grubn Der Tod ist ein gerechter Mann Obst oarm bist oder reich Gsturbn is gsturbn sagt der Wurm Als Leich is jeder gleich Du kannst dei Lebtag faul sein Oder umanander gschaftln Fünf Tag nachdem der Tod eintritt Fangt jeder an zum Safteln" (ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG, 'Der Tod', 1987) Morbide, oder? Aber halt auch Fakt. Es hat noch keiner geschafft, dem Gevatter von der Schippe zu springen. Und wenn wir uns in unserem Kosmos des harten Rocks umschauen, schafft es, denke ich, jeder mit Leichtigkeit aus dem Stand zehn Bands aufzuzählen, die sich mit diesem traurigen Thema im Laufe der Karriere beschäftigen mussten. Und doch müssen wir auch hier leichte Unterschiede machen. THE WHO machten nach dem Verlust des ikonischen Keith Moon einfach mit einem anderen Drummer weiter, während LED ZEPPELIN es sich so gar nicht vorstellen konnten ohne John Bonham nochmal auf der Bühne zu stehen. Gemacht haben sie es dennoch, aber eben auch nur als wirklich einmalige Veranstaltung. VOIVOD lagen nach dem viel zu frühen Tod ihres Gitarristen Piggy auf Eis beziehungsweise machten als Trio mit deutlich verändertem Sound weiter, bis Jason Newsted die Kanadier dazu gebracht hat, sich wieder auf ihre Roots zu besinnen (Ansichtssache, ich weiß). Musiker, also Drummer, Gitarrist oder Bassist ist eine Sache, aber der Posten des Sängers ist nochmal eine ganz andere Baustelle. Das Aushängeschild einer Band sozusagen, dessen Austausch schon eine schwierige Sache ist, in manchen Fällen (IRON MAIDEN und Bruce Dickinson) die Karriere erst so richtig in die Puschen bringt, aber meistens - wenn es günstig läuft - der Karriere "nur" einen Knick verpasst oder sie komplett in die Tonne tritt (siehe VAN HALEN und das Experiment Gary Cherone), da konnte auch der Neustart mit Diamond Dave viele Jahre später nichts mehr retten, von den gesundheiltichen Problemen Eddies ganz zu schweigen. Zu den Bands, die vom Tod ihrer fast schon ikonischen Sänger arg gebeutelt wurden, sind auch METAL CHURCH zu zählen. Machen wir uns nichts vor, das selbstbetitelte Debüt und der Nachfolger "The Dark" zählen zu den Sternstunden des US Metals, was natürlich an den bockstarken Songs, aber eben auch an Sänger David Wayne lag. Nach dem Abgang des Vokalakrobaten gaben nicht wenige keinen Pfifferling mehr auf die Band, aber METAL CHURCH zogen allen eine lange Nase, stellten Mike Howe hinters Mikro und veröffentlichten mit "Blessing In Disguise" und "The Human Factor" zwei weitere Scheibchen, nach denen sich andere nur die Finger lecken. Selbst das zu Beginn der aufkommenden Grunge-Welle und mit einem gewöhnungsbedürftigen Cover ausgestattete "Hanging In The Balance" konnte wirklich niemanden enttäuschen. Tja, und dann kam der Zerstörer METAL CHURCH etwas vom Kurs ab. "Masterpeace" mit dem zurückgekehrten David Wayne hat nur durch die Fanbrille betrachtet seine Momente, war objektiv gesehen aber halt wirklch ganz schwach. Wayne war schnell wieder weg, wurde durch Ronny Munroe ersetzt. Mit Munroe veröffentlichten METAL CHURCH vier weitere an sich gar nicht mal schlechte Alben, die aber leider musikalisch nichts mehr mit dem Feuer zu tun hatten, welches METAL CHURCH früher auszeichnete. 2016 dann kehrte Mike Howe wieder zurück, was von vielen Anhängern gefeiert wurde. Man muss allerding so ehrlich sein und zugeben, dass vor allem der alleinige Songwriter Kurdt Vanderhoof noch nicht wieder auf der Höhe war. Klar, "XI" und "Damned If You Do" waren keine schlechten Scheiben, aber eben auch keine Granaten. Man kann mutmaßen, ob der viel zu frühe Tod von Mike Howe 2021 so etwas wie eine Initialzündung für Vanderhoof war, aber bereits beim mit Marc Lopes erschienenen "Congregation Of Annihilation" war da wieder dieses Feuer. METAL CHURCH also endlich wieder back on track. Und jetzt in 2026 mit dem neuen Album "Dead To Rights" und einer fast komplett umgekrempelten Mannschaft scheinen METAL CHURCH wirklich zum Angriff zu blasen. Im Hause Church wird jetzt geklotzt und nicht mehr gekleckert. Am Bass steht ab sofort David Ellefson (vor allem MEGADETH), hinter der Schießbude kein geringerer als Seattles one and only Ken Mary (FIFTH ANGEL) und am Mikro ab sofort Brian Allen (unter anderem TRAUMA, VICIOUS RUMORS), von dessen Fähigkeiten sich Fans schon vorab im von der Band in sozialen Medien geposteten Audition-Tape überzeugen konnten. Mit Allen haben METAL CHURCH einen Sänger in ihren Reihen, der sowohl die älteren Sachen von Wayne oder Howe problemlos performen kann als auch seine ganz eigene Note einbringt. Und Kurdt Vanderhoof? Der scheint tatsächlich seinen dritten oder vielleicht auch vierten Frühling zu haben. Solch kompromisslose und knallharte Brecher hat der Mann schon seit Ewigkeiten nicht mehr geschrieben. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass "Dead To Rights" als direkter Nachfolger von "The Dark" durchgehen könnte. Als Beleg für diese steile These höre man sich nur das eröffnende Doppel 'Brainwash Game' und 'F.A.F.O.' an. Herrje, was für eine amtliche Abfahrt. So druckvoll und auf der Überholspur habe ich METAL CHURCH schon seit Jahren nicht mehr gehört. Power Metal US-amerikanischer Prägung, kombiniert mit einer thrashigen Note, dazu die für Vanderhoof so typischen Melodiebögen im Songwriting. Großes Kino. Da weiß man sofort, wo hier der Hammer hängt. Dass die "neuerfundenen" METAL CHURCH aber auch vorzüglich funktionieren ohne das Gaspedal ständig bis zum Bodenblech zu treten, beweist der Titelsong eindrücklich. Was für Riffs! Fast schon hymnenhaft wird es bei einem Song wie 'Feet To The Fire', wo vor allem Allen beweist, dass er so viel mehr ist und nicht nur ein David Wayne-Clon. Das direkt darauf folgende 'The Show' nimmt dann wieder volle Fahrt auf, zeigt auch Ken Mary in Höchstform. Bis hierhin also alles bereitet für ein METAL CHURCH-Album, das an der Höchstnote schnuppert. Dafür reicht es im Endeffekt nicht, und das liegt vor allem an einem Song wie 'Heaven Knows (Slip Away)'. Klar, das Ding ist weit weit davon entfernt ein Stinker zu sein, aber für meinen Geschmack einfach zu farblos im Vergleich mit dem Rest der Scheibe. 'No Memory' und 'Wasted Time' sind dann wieder feinster Heavy Metal, bevor 'My Wrath' am Ende seinem Titel alle Ehre macht. METAL CHURCH holen hier zum Abschluss noch mal den Presslufthammer raus. Eine weitere Nummer, die auch perfekt auf "The Dark" gepasst hätte. Musikalisch gesehen also soweit alles feinste Sahne. Womit ich allerdings immer noch etwas fremdele, ist der Sound der Scheibe. Das ist alles perfekt produziert und von Zeuss klanglich veredelt, keine Frage, aber für meinen Geschmack eben eine Spur zu modern. Dem (bis auf eine kleine Ausnahme) durchgehend hohen Qualitätslevel des Songmaterials hätte ein etwas "oldschooligerer" Sound die Kirsche auf der Torte spendiert. Und auch die für die ersten Alben so typischen "ruhigeren" Töne wie 'Gods Of Wrath' oder 'Watch The Children Pray' fehlen etwas. Das ist aber, wie so oft, Meckern auf hohem Niveau und ändert nichts an der Tatsache, dass METAL CHURCH mit "Dead To Rights" ein Album abliefern, das ich so nicht erwartet hätte und musikalisch ähnlich gelagerte Veröffentlichungen wesentlich jüngerer Bands ganz alt aussehen lassen. Chapeau, meine Herren! METAL CHURCH haben wirklich alles andere als leichte Zeiten hinter sich, mussten so einige Täler durchwandern und haben trotzdem nie aufgesteckt. Vor allem bei Kurdt Vanderhoof sollte man sich bedanken, dass er nie die Lust verloren hat. Diesem Durchhaltewillen ist es zuzuschreiben, dass wir geneigte Hörerinnen und Hörer jetzt mit solch einem Brett von einem Album belohnt werden, das den Namen METAL CHURCH stolz tragen darf. Als die ersten Neuigkeiten über eine Veröffentlichung durchsickerten, war mir schon klar, dass wir uns auf eine weitere schöne Scheibe freuen dürfen. Dass es mich allerdings dann so umhaut, damit hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht mehr gerechnet. Klar, METAL CHURCH waren ja nie richtig weg, aber für "Dead To Rights" darf man doch gerne ein "Welcome Back" raushauen und das ist mir dann auch neun Punkte wert. Gesamtwertung: 9.0 Punkte
| |
| Trackliste | Album-Info |
| 01. Brainwash Game 02. F.A.F.O. 03. Dead To Rights 04. Deep Cover Shakedown 05. Feet To The Fire 06. The Show 07. Heaven Knows (Slip Away) 08. No Memory 09. Wasted Time 10. My Wrath | Band Website: www.metalchurchmusic.com Medium: CD, LP Spieldauer: 47:11 Minuten VÖ: 10.04.2026 |
Alle Artikel
"Es is zwölfe bei der Nocht
