Stainless - Lady Of Lust & Steel | |
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| Review von baarikärpänen vom 20.03.2026 (970 mal gelesen) | |
Ich habe ja keine Ahnung, wie es euch so geht, aber ich fühle mich irgendwie beruhigt, wenn es noch Label gibt, bei denen man einfach blind zugreifen kann und (fast) nie enttäuscht wird. Zu Beginn der glorreichen 80er konnte man bedenkenlos so ziemlich alles eintüten, wo der Name Noise draufpappte. Ich sag ja nur RUNNING WILD, KREATOR, CELTIC FROST, HELLOWEEN ... Gleiches Kaliber waren in ihren Anfangstagen Black Dragon, ohne die viele der heutzutage zu Recht als Kult geltende Bands niemals den Sprung über den großen Teich geschafft hätten, wie EXXPLORER, SAVAGE GRACE oder LIEGE LORD. Und wo wären DESTRUCTION oder SODOM, wenn SPV nicht den Mut gehabt hätten, das Gerumpel der Anfangstage auf Vinyl zu pressen? Viele der damaligen Label sind schon längst im Nirvana gelandet, einige stehen auch heute noch für immerhin gutklassige Veröffentlichungen. Wenn ich aber ein heutiges Label auf eine Stufe mit den Genannten stellen sollte, dann wären das auf alle Fälle High Roller. Die beweisen Monat für Monat, dass da Leute in verantwortlicher Position sitzen, die wirklich geschmackssicher sind und immer wieder Perlen rausbringen, die zwar zu 100% Metal sind, aber halt auch eine ganz eigene Note haben. Und das trifft auch auf den neuesten Streich namens STAINLESS zu. "I would describe us as hard rock or heavy rock, there are plenty of heavy metal elements in our sound but I think it would be misleading to call us a pure heavy metal band.” Das sagt Gitarrist Jamie Byrum über seine neue Spielwiese. Byrum, den viele bestimmt als Drummer der Deather BLACK BREATH kennen, schnallt sich bei STAINLESS die Sechssaitige um und zeigt, dass er damit mehr als gut umgehen kann. Die Truppe aus Portland/Oregon existiert seit 2022, veröffentlichte 2024 die "Nocturnal Racer"-EP, die bereits seinerzeit mächtig Eindruck auf mich gemacht hat. Nun steht es natürlich jedem Künstler zu, seine Kreation einzuordnen, und Byrum hat natürlich schon Recht mit dem was er sagt, aber es trifft halt auch nicht Wort für Wort zu. Denn ich habe noch keine Band aus dem Bereich Hard Rock gehört, die einen so dermaßen plättet, geradezu überrollt. Klassischer Fall von Understatement, möchte man meinen. Dass STAINLESS so eine Naturgewalt sind, liegt aber auch sehr an Sängerin Larissa Cavacece. Wie sagte Oberbösewicht Negan in The Walking Dead doch so schön, als er seine Bewunderung über den Mut und die Kraft von Sasha zum Ausdruck bringen wollte: "I like your volleyball-sized ladynuts!" Et voila, hier hätten wir dann das musikalische Gegenstück zu Sasha, für mich auf einer Stufe mit Powerröhre Leather Leone stehend, nur halt noch ne Ecke garstiger. Acht kraftvolle Songs haben STAINLESS auf ihr Langspiel-Debut gepackt, knappe 37 Minuten, die keine Gefangenen machen. Dabei beginnt "Lady Of Lust & Steel" auf den ersten Hör nicht mal spektakulär mit 'Restless An' Ready'. Da zitiert jemand AC/DC mit einer härteren Ausrichtung. Aber dieses Urteil darf man nach spätestens zwei Minuten revidieren. Ich kann mich jedenfalls an keinen AC/DC-Song mit Doublebass erinnern. Mit dem erwähnten Hard Rock hat bereits das nachfolgende 'Whorefrost' rein gar nichts am Hut. Das ist locker gezockter Heavy Metal, bei dem das Gaspedal zum ersten Mal in Richtung des Bodenblechs durchgetreten wird. Für mich persönlich US-Metal in Perfektion. "We have really classic influences but the way we combine and execute them is kind of unorthodox in this day and age”, sagt Byrum im Vorfeld der Veröffentlichung. Um diese Aussage zu untersteichen, braucht man sich nur '(Don't Cross Me) Fool' anzuhören. STAINLESS schrecken tatsächlich nicht davor zurück, einen Song auf ihr Album zu packen, der sich einerseits wie eine Hommage an PHANTOM BLUE anhört, aber auch mit funkigen Sequenzen aufwartet. Und es passt! Großes Kompliment dafür. Nein, STAINLESS lassen sich nicht festnageln, was der Titelsong eindrucksvoll beweist, ein Riffrocker allererster Güte, der sich original so anhört, als wäre eine Band wie RATT in die Retro-Maschine gefallen und irgendwann gegen 1976 wieder rausgepurzelt. Es gehört definitv Mut dazu, so was zu machen und verdient Respekt, wenn es so gelungen funktioniert. Wem das noch nicht genug Abwechslung war, der bekommt mit 'Danger In The Night' einen Schlag mit dem Vorschlaghammer vor die Stirn. Was für eine Abrissbirne! Erinnert mich an die besten und speedigsten Momente von LOUDNESS, kombiniert mit einer extra Prise ACCEPT. Ihr braucht danach eine Verschnaufpause? Dachten sich auch STAINLESS, denn die platzieren tatsächlich nach so viel Power und Abfahrt mit 'Take A Listen Mama' einen astreinen Blues-Rocker, bei dem Sängerin Larissa Cavacece zeigen darf, dass neben ganz viel Schmirgelpapier ihre Stimmbänder auch soulige Parts überzeugend meistern. 'Vitamin Tease' dann ein reinrassiger Heavy Rocker, vielleicht der unspektakulärste Song der Scheibe, aber weit weit entfernt von Ausfall. Tja, und wer gedacht hätte, da geht nicht mehr viel in Sachen Abwechslung, dem drehen STAINLESS mit dem Rausschmeißer 'Rough Jutice' eine ganz lange Nase. Der Track hätte auf jeder Veröffentlichung der NWoBHM in der Champions League mitspielen können. Ich höre da ganz viel SAVAGE oder CHATEAUX, also nun wirklich nicht die schlechtesten Referenzen. Einen nicht zu vernachlässigenden Teil zum Charme von "Lady Of Lust & Steel" trägt auch die Produktion bei, die Byrum selbst übernommen hat und die wunderbar ungeschliffen klingt, aber dennoch transparent und vor allem druckvoll. Und das Cover? Joa, das ist so erfrischend 80er-Jahre, macht einfach nur Spaß, angefangen beim Logo bis zum Motiv. Eine Anschaffung auf Vinyl ist alleine deswegen eigentlich schon Pflichtaufgabe. High Roller haben mit STAINLESS ein weiteres Mal gezeigt, wie geschmackssicher da in den Chefetagen entschieden wird - und ein echtes Rennpferd im Stall. Wollen wir mal hoffen, dass die Band auch den Weg nach Übersee findet, dann so was gehört auf die Bühne jedes Festivals, das sich Heavy Metal ganz groß auf die Fahne geschrieben hat. Nach OWLBEAR sind STAINLESS für mich eine der vielversprechendsten neueren Bands im Bereich ehrlichen und truen Metals aus den USA. Ich weiß, schon wieder eine Scheibe, die ich besprechen darf und schon wieder nahe an der Höchstnote. Ich kann ja auch nichts dafür, dass ich irgendwie immer diese Perlen abgreife. Wer hier zugreift, wird von STAINLESS mit einem Album belohnt, das neben viel Abwechslung immer treu zu seinen Wurzeln steht und einfach nur Spaß macht. Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Restless An' Ready 02. Whorefrost 03. (Don't Cross Me) Fool 04. Lady Of Lust & Steel 05. Danger In The Night 06. Take A Listen Mama 07. Vitamin Tease 08. Rough Justice | Band Website: www.instagram.com/stainlesspdx Medium: CD, LP Spieldauer: 36:41 Minuten VÖ: 20.03.2026 |
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Ich habe ja keine Ahnung, wie es euch so geht, aber ich fühle mich irgendwie beruhigt, wenn es noch Label gibt, bei denen man einfach blind zugreifen kann und (fast) nie enttäuscht wird. Zu Beginn der glorreichen 80er konnte man bedenkenlos so ziemlich alles eintüten, wo der Name Noise draufpappte. Ich sag ja nur RUNNING WILD, KREATOR, CELTIC FROST, HELLOWEEN ... Gleiches Kaliber waren in ihren Anfangstagen Black Dragon, ohne die viele der heutzutage zu Recht als Kult geltende Bands niemals den Sprung über den großen Teich geschafft hätten, wie EXXPLORER, SAVAGE GRACE oder LIEGE LORD. Und wo wären DESTRUCTION oder SODOM, wenn SPV nicht den Mut gehabt hätten, das Gerumpel der Anfangstage auf Vinyl zu pressen? Viele der damaligen Label sind schon längst im Nirvana gelandet, einige stehen auch heute noch für immerhin gutklassige Veröffentlichungen. Wenn ich aber ein heutiges Label auf eine Stufe mit den Genannten stellen sollte, dann wären das auf alle Fälle High Roller. Die beweisen Monat für Monat, dass da Leute in verantwortlicher Position sitzen, die wirklich geschmackssicher sind und immer wieder Perlen rausbringen, die zwar zu 100% Metal sind, aber halt auch eine ganz eigene Note haben. Und das trifft auch auf den neuesten Streich namens STAINLESS zu.
