Parallel Minds - Cairn | |
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| Review von derkleinekolibri vom 12.03.2026 (726 mal gelesen) | |
PARALLEL MINDS aus Frankreich schicken als Opener ihres gerade erschienenen vierten Albums "Cairn" den Titelsong ins Rennen. Das mystische Stück schraubt die Erwartungen an die folgenden neun Titel nach oben. Man nimmt den Hörer mit in eine Welt, die den Mönchen vorbehalten ist - als schritten singende männliche Klosterbewohner durch ihre gesegneten Hallen. Das Verlassen des religiösen Gemäuers ist dann wie ein Schritt in eine andere Welt: Mit Volldampf legen die Herren los, als schritten sie in ein unbekanntes Etwas voller Leid und Schmerzen. Der Titel 'Sufero' ist Programm, steht dieses Wort doch als Synonym für physischen Schmerz als auch seelisches Leiden. Leichte Thrash-Anleihen machen das Stück zu einem waschechten Banger. Wer nun aber das nächste hämmernde Stück erwartet, wird erstaunt dreinblicken. 'Orishas' kommt daher wie ein Tanz von Eingeborenen im Regenwald. Getrieben durch feines Riffing könnte es sich glatt um einen Fruchtbarkeitstanz handeln. Das Viergespann wird tatkräftig von Gastsängern unterstützt, die den Anreiz des Gehörten erhöhen und besonders dem Gesang eine Lebendigkeit und Mannigfaltigkeit geben, die alles andere als üblich ist.'Bhopal' zeigt anschließend, warum man die Franzosen als Modern Progressive Metal-Band bezeichnet. Prog-Elemente lassen sich ebenso wenig wie Power Metal-Elemente verleugnen. Und immer wieder begeistern die wechselnden Stimmen der Backing Vocals. Folkloristisch startet 'Trail Of Tears' und versetzt uns diesmal in die Welt indigener Menschen des nordamerikanischen Kontinents. Nach einem längeren Intro mausert sich das unaussprechliche 'Sekigahara' zum Höhepunkt des Albums. Hier findet sich alles wieder, was die Formation zu bieten hat: aggressives Drumming, hochenergetisches Riffing und extrem variablen Gesang. Das über sieben Minuten lange 'Troubles' könnte beim Besuch eines Mittelaltermarkts konzipiert worden sein, auf welchem ein Barde, von einem Trommler begleitet, seine Litanei zum besten gab. Das Stück endet mit einem ekstatischen Ringelreihen der Instrumente. 'Colonias' ist ein weiteres Beispiel für das Einbringen von Gastsängern: In diesem Fall Aileen aus Kolumbien und Gabriel Fradet, die sich dem unheilvollen Schicksal ihres Volkes widmen. Ihre mitleidvollen, dennoch sehr ausdrucksvollen Stimmen setzen sich in den Gehirnwindungen fest. Man spürt förmlich das Leid des südamerikanischen Volkes. Zu einem Ruhepol wird das vorletzte Stück 'On Both Sides', bevor es noch einmal nach einem Sirenenalarm mächtig zur Sache geht. Die fetten Gitarren, das bollernde Schlagzeug und der höchst aggressive Gesang stehen wie ein Fanal am Ende des 61-minütigen Albums: "Bis hierher und nicht weiter", lautet die Warnung vor der Düsternis. "Cairn" ist kein leicht verdauliches Album. Man muss sich viel Zeit nehmen, um all das aufzusaugen, was einem hier geboten wird. Wer auf alltägliche Kost steht, der bleibt mit knurrendem Magen sitzen. Dafür kann sich jeder an einem feurigen Coverartwork erfreuen, das einerseits wohlige Wärme vermittelt, andererseits aber auch die Vernichtung der Heimat eingeborener Völker widerspiegelt. Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Cairn 02. Sufero 03. Orishas 04. Bhopal 05. Trail Of Tears 06. Sekigahara 07. Troubles 08. Colonias 09. On Both Sides 10. Fear Is The Pandemic | Band Website: Medium: CD Spieldauer: 1:01:08 Minuten VÖ: 10.03.2026 |
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PARALLEL MINDS aus Frankreich schicken als Opener ihres gerade erschienenen vierten Albums "Cairn" den Titelsong ins Rennen. Das mystische Stück schraubt die Erwartungen an die folgenden neun Titel nach oben. Man nimmt den Hörer mit in eine Welt, die den Mönchen vorbehalten ist - als schritten singende männliche Klosterbewohner durch ihre gesegneten Hallen. Das Verlassen des religiösen Gemäuers ist dann wie ein Schritt in eine andere Welt: Mit Volldampf legen die Herren los, als schritten sie in ein unbekanntes Etwas voller Leid und Schmerzen. Der Titel 'Sufero' ist Programm, steht dieses Wort doch als Synonym für physischen Schmerz als auch seelisches Leiden. Leichte Thrash-Anleihen machen das Stück zu einem waschechten Banger. Wer nun aber das nächste hämmernde Stück erwartet, wird erstaunt dreinblicken. 'Orishas' kommt daher wie ein Tanz von Eingeborenen im Regenwald. Getrieben durch feines Riffing könnte es sich glatt um einen Fruchtbarkeitstanz handeln. Das Viergespann wird tatkräftig von Gastsängern unterstützt, die den Anreiz des Gehörten erhöhen und besonders dem Gesang eine Lebendigkeit und Mannigfaltigkeit geben, die alles andere als üblich ist.
