Unchained Horizon - The Guardians Call | |
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| Review von baarikärpänen vom 12.03.2026 (841 mal gelesen) | |
Man darf ja gerne darüber diskutieren, ob sich unsere Szene weitgehend in Wiederholungen ergeht. Viele beschweren sich ja förmlich, da würde alles nur neu aufgewärmt, alter Wein in neuen Schläuchen, was Spannendes passiert gar nicht mehr. Tja, aber wenn dann mal was passiert, passt es auch keinem und es bleibt beim Sturm im Wasserglas. Wenn ich persönlich mir den "New Metal" und Konsorten wie LIMP BIZKIT anschaue, dann bin ich geradezu dankbar, dass es (gefühlt) schneller vorbei war, als es angefangen hat. Aber es gibt ja durchaus auch Truppen, die Bewegung reinbringen, nehmen wir zum Beispiel mal GOJIRA (auch wenn die mir meilenweit am Allerwertesten vorbeigehen). Der Erfolg gibt ihnen ja recht. Der Großteil der neueren Bands orientiert sich aber dann doch am "Althergebrachten", sei es die NWoBHM, Thrash, Classic Rock oder Death Metal, um nur einige zu nennen. Und immer wieder gibt es dann die Nörgler, denen eine weitere Gruppe, die sich bei IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST bedient, nicht passt. Warum eigentlich? Ein Chanson bleibt ein Chanson, egal ob Edith Piaf das vor Ewigkeiten aufgenommen hat oder Patricia Kaas in neueren Zeiten. Ein Tango bleibt im Wesentlichen ein Tango, auch wenn 2026 neuere Aufnahmemethoden ein anderes Klangerlebnis erlauben. Und Heavy Metal bleibt eben Heavy Metal. Wenn der dann so klingt wie auf "The Guardian's Call" der Nordseeküstler UNCHAINED HORIZON, dann gibt es da für mich keinen Grund, warum ich das niedermachen sollte.Die metallischen Archive spucken als Gründungsjahr der Wilhelmshavener 2009 aus (von 2008 bis 2009 unter dem Namen CHAINS OF AGONY aktiv). Ganz früher mal mit einer Mischung aus Heavy Metal, Thrash und Metalcore unterwegs, stehen die Männers schon länger unter dem Banner des reinrassigen Heavy Metal vereint. 2017 erschien das Debut "Last Man Standing", 2022 folgte der Zweitling "Fallen Kingdom", für den UNCHAINED HORIZON eine Menge positiver Reviews einfahren konnten, was ein Blick auf die Homepage der Jungs beweist. War das Debut schon eine wirklich gute Sache, setzte der Nachfolger noch einen drauf und jetzt, mit "The Guardian's Call", schaffen es die Norddeutschen gar, nochmals mehrere Schippen draufzupacken. Vier Jahre zwischen zwei Alben sind hier der Beleg dafür, dass der Spruch "Gut Ding will Weile haben" sehr zutreffend ist. Und UNCHAINED HORIZON waren ja nicht nur mit Songwriting und Proben beschäftigt, sondern auch noch fleißig auf den Bühnen unterwegs (unter anderem mit NIGHT DEMON). Für eine Band, deren Mitglieder im Alltag sicher normalen Jobs nachgehen (müssen), also aller Ehren Wert, wenn man so eine Steigerung von Album zu Album hinbekommt. Wie schon der Vorgänger entstand auch "The Guardian's Call" wieder bei Jörg Uken in den Soundlodge Studios, was wieder dafür sorgt, dass die Scheibe mit einem tollen Sound beeindrucken kann. Liegt vor allem auch daran, dass UNCHAINED HORIZON eine klare Vison hatten, wie das Endergebnis zu klingen hat. Nicht glattpoliert, sondern schön roh und direkt, famos von Jörg Uken umgesetzt. Mich hat das total an die musikalisch ähnlich gelagerten Finnen SERPENT CALL erinnert, die für meinen Geschmack vor ein paar Wochen mit "The Veil Of Darkness" ein Album veröffentlicht haben, das jetzt schon zu meinen Highlights in 2026 zählt. Auch hier eine schön rohe Produktion, die perfekt zum MAIDEN-inspirierten Songmaterial passt. Inspiriert wohlgemerkt und eben nicht 1:1 abgekupfert, was auch auf UNCHAINED HORIZON zutrifft. Die Wilhelmshavener verstehen es nämlich wirklich gut, ihren Songs, bei aller Treue zu den Wurzeln, eine ganz eigene Note zu verpassen, die sie frisch und mehr als relevant klingen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist nach dem (als Intro fungierenden und sehr ruhigen) 'The Guardians Call Part I' der Brecher 'Grim Reaper'. Geiles Riffing und Doublebass, Banger-Herz, was willst du mehr? Das hat, mal abgesehen von den ruhigeren Passagen, herzlich wenig mit IRON MAIDEN zu tun. Ich fühl' mich eher sogar an die Bonner CUTTY SARK erinnert, was natürlich auch mit der Stimme von Sascha Heese zu tun hat, die der von Conny Schmitt manchmal ähnelt. Im hinteren Part des Songs aber 'Rime Of The Ancient Mariner' einzubauen, das hat schon was. Überhaupt, schon bei den direkt nachfolgenden 'Heroes' und 'Atlantis' (warum Atlantis, Jungs, wenn ihr doch Rungholt oder Vineta quasi direkt vor der Tür habt?) fragt man sich, warum niemand Steve Harris und seinen eisernen Jungfrauen schon so lange keinen Tritt mehr verpasst hat, um so geile und direkte Kracher zu veröffentlichen. Aber UNCHAINED HORIZON können auch Epik, was sie mit 'War' unter Beweis stellen. Das knapp dreiminütige 'Hysteria' geht fast schon als Speed Metal durch, gefällt mir mit seinem NWoBHM-Touch (JAGUAR irgendjemand?) besonders gut. Tja, mit 'Metal Unites' verbeugen sich die Niedersachsen vor der Szene und packen in die gut fünf Minuten so ziemlich alles rein, was an Einflüssen in Sachen Heavy Metal so geht, episch, direkt auf die Fresse, Hochgeschwindigkeit, alles in einem einzigen Song. Kann man so machen und dürfte vor allem bei Konzerten sehr gut ankommen. Und schwupps kommt schon mit 'The Guardian's Call Part II' das Outro dieser absolut gelungenen Scheibe, wo wirklich alles passt. Die Herren werden mir aber sicher verzeihen, wenn ich dennoch ein oder zwei klitzekleine Härchen ausgemacht habe (die den rundweg positiven Eindruck aber nicht schmälern): bei einigen Stücken hätte es besser gepasst, wenn man nicht zu viel reingepackt hätte und sie kompakter wären und das Coverartwork, obwohl eigentlich passend, hätte noch schicker aussehen dürfen. Klitzekleine Härchen und auch eher persönlicher Eindruck. Ach ja, was ist nun richtig: "The Guardian's Call" wie auf dem Cover oder aber 'The Guardians Call' wie im Songtitel? Wer es oldschool liebt, und das sind ja bekanntlich eine Menge Menschen, und bisher noch nicht mit dem Namen UNCHAINED HORIZON in Kontakt gekommen ist, der bekommt mit "The Guardian's Call" elf perfekte Gründe geliefert, das schnellstmöglich nachzuholen. Gerade in Deutschland herrscht ja kein Mangel an neuen und neueren Bands, aber eine wie UNCHAINED HORIZON ist mir schon länger nicht mehr untergekommen. Eine Band, die den alten Spirit verinnerlicht hat und trotzdem frisch und druckvoll klingt. Ein klarer Fall auch für HOA oder Keep It True. Und wer zufällig am 13.03. in Wilhelmshaven oder Umgebung unterwegs ist, dem sei ein Besuch im Kling Klang empfohlen, denn da feiern UNCHAINED HORIZON mit Unterstützung von EMPLOYER ihre Release-Party. Von meiner Seite gibt's auf jeden Fall schon mal satte neun Punkte für dieses tolle Album. Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. The Guardians Call Part I 02. Grim Reaper 03. Heroes 04. Atlantis 05. The Guardian 06. War 07. Hysteria 08. No More Tomorrow 09. Metal Unites 10. Serpent Queen 11. The Guardians Call Part II | Band Website: www.unchained-horizon.com/ Medium: CD Spieldauer: 55:48 Minuten VÖ: 13.03.2026 |
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Man darf ja gerne darüber diskutieren, ob sich unsere Szene weitgehend in Wiederholungen ergeht. Viele beschweren sich ja förmlich, da würde alles nur neu aufgewärmt, alter Wein in neuen Schläuchen, was Spannendes passiert gar nicht mehr. Tja, aber wenn dann mal was passiert, passt es auch keinem und es bleibt beim Sturm im Wasserglas. Wenn ich persönlich mir den "New Metal" und Konsorten wie LIMP BIZKIT anschaue, dann bin ich geradezu dankbar, dass es (gefühlt) schneller vorbei war, als es angefangen hat. Aber es gibt ja durchaus auch Truppen, die Bewegung reinbringen, nehmen wir zum Beispiel mal GOJIRA (auch wenn die mir meilenweit am Allerwertesten vorbeigehen). Der Erfolg gibt ihnen ja recht. Der Großteil der neueren Bands orientiert sich aber dann doch am "Althergebrachten", sei es die NWoBHM, Thrash, Classic Rock oder Death Metal, um nur einige zu nennen. Und immer wieder gibt es dann die Nörgler, denen eine weitere Gruppe, die sich bei IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST bedient, nicht passt. Warum eigentlich? Ein Chanson bleibt ein Chanson, egal ob Edith Piaf das vor Ewigkeiten aufgenommen hat oder Patricia Kaas in neueren Zeiten. Ein Tango bleibt im Wesentlichen ein Tango, auch wenn 2026 neuere Aufnahmemethoden ein anderes Klangerlebnis erlauben. Und Heavy Metal bleibt eben Heavy Metal. Wenn der dann so klingt wie auf "The Guardian's Call" der Nordseeküstler UNCHAINED HORIZON, dann gibt es da für mich keinen Grund, warum ich das niedermachen sollte.
