Dramatist - Wasting Words | |
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| Review von derkleinekolibri vom 18.02.2026 (2321 mal gelesen) | |
COMBICHRIST, ECONOMIST, HORRORIST, DRAMATIST - vier Vertreter vollkommen unterschiedlicher Musikstile, deren Endungen zum Reimen verleiten. Wir beschäftigen uns aber nur mit DRAMATIST, dem jüngsten Vertreter. Dem Quintett war es vergönnt, bereits auf dem Wacken Open Air 2025 spielen zu dürfen, ohne vorher auch nur einen Song veröffentlicht zu haben.Wer das blaue Vinyl auflegt, wird gewiss keine großen Freudensprünge wegen der Optik machen, doch wenn sich dann der Faktor der Akustik bemerkbar macht, werden sicher etliche Münder offen stehenbleiben. Nicht gerade mit Ohrenschmalz vollgekleisterte Ohren nehmen deutlich atonale Gitarrenriffs wahr, die sich übers komplette Album verteilen. Doch wer nun denkt, das würde die Güte des seit dem 23. Januar 2026 erhältlichen Longplayers "Wasting Words" mindern, irrt gewaltig. Die Gitarrenriffs zerren hervorragend am Nervenkostüms des Hörers, und dann gesellt sich eine Stimme dazu, die nichts, aber auch rein gar nichts mit Gesang zu tun hat, aber derart genial Emotionen zuhauf auslöst, wie man es bisher noch nie erlebt hat. Gesellschaftskritisch nehmen die Jungs kein Blatt vor den Mund. Sie sind einfach da und schreien, bassen, riffen und trommeln alles in die Welt hinaus. Mit jedem Hördurchgang erschließen sich einem die acht Songs immer mehr, vor allem aber regen sie die Fantasie an: Man findet sich in einer dystopischen Welt wieder, in denen Städte, Dörfer und Häuser überwiegend zu Schutt und Asche zerfallen sind. Auf den Trümmerstücken ehemaliger Straßen wandern ausgemergelte Menschen mit zerfetzten Klamotten und den Resten ihres Hab und Guts durchs atomar verseuchte Land. Eines dieser wandernden Wesen ist der Sänger von DRAMATIST, der seit vielen Monaten der Reise über das dahinsiechende Leben auf der Erde sinniert. Seinen Gedanken lässt er freien Lauf und schreit sie förmlich heraus. Die ihn begleitenden Musiker sorgen für eine perfekte Orchestrierung des gesellschaftlichen Zusammenbruchs. Während der sieben Pausen zwischen den acht Songs versorgt sich das Quintett mit Resten der verbliebenen Atemluft. Ungefiltert nimmt die Truppe die schädlichen Gase auf und ebenso ungefiltert lässt sie die Welt daran teilhaben, wie nah man doch dem schrecklichen Ende ist. Besonders eindringlich schmettern sie es uns mit meinem persönlichen Favoriten 'The League' entgegen. Die fünf in Bremen nicht unbekannten DRAMATISTen verbreiten ein Weltuntergangsszenario, dem man sich nicht entziehen kann. Der das Debütalbum "Wasting Words" abschließende Titel 'Go' ist derart einprägsam, dass man gedankenverloren die Band in ein Kleinstraumschiff einsteigen sieht, das sich von der Erde entfernt und diese zu einer immer kleiner werdenden Kugel menschlichen Schicksals in den Weiten des Alls verschwinden lässt. Mit ihrem 'Go' verabschieden sie sich von Terra sowie den letzten dort noch verkümmernden Menschen und machen sich auf den Weg in die Unendlichkeit, die eventuell doch etwas Gutes zu bieten hat. Solche und ähnliche Gedanken kommen einem, hört man "Wasting Words" immer und immer wieder. Dank ihres großen musikalischen Selbstbewusstseins schaffen es die Mitglieder der Band, allerhöchste Emotionalität zu wecken. Es gibt Passagen, in denen die nicht gesungenen Worte es schaffen, einem Tränen in die Augen schießen zu lassen, weil man sich inmitten all des Chaos' alleingelassen fühlt, ohne jegliche Chance auf Rettung. Keines der fünf Bandmitglieder ist perfekt, doch genau das macht das Album zu einem Erlebnis. Je öfter man sich diesem knapp 37 Minuten langen Erlebnis hingibt, desto inniger fühlt man sich mit DRAMATIST verbunden und versteht, warum man sie auch ohne veröffentlichte Tonträger bereits gebucht hat und auftreten ließ. Es wird schwer, einen Nachfolger ähnlicher Qualität zu fabrizieren, aber solange sich die Erde noch dreht, ist alles möglich ... Gesamtwertung: 9.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Black Hole 02. Fat White Families 03. Disappointed 04. The League 05. Glasgow Nights 06. Unknown Hero 07. Loathing 08. Go | Band Website: Medium: LP Spieldauer: 36:56 Minuten VÖ: 23.01.2026 |
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COMBICHRIST, ECONOMIST, HORRORIST, DRAMATIST - vier Vertreter vollkommen unterschiedlicher Musikstile, deren Endungen zum Reimen verleiten. Wir beschäftigen uns aber nur mit DRAMATIST, dem jüngsten Vertreter. Dem Quintett war es vergönnt, bereits auf dem Wacken Open Air 2025 spielen zu dürfen, ohne vorher auch nur einen Song veröffentlicht zu haben.
