Discerptus - Rebirth

Review von Chaosswampchicken vom 13.02.2026 (3868 mal gelesen)
Discerptus - Rebirth Aus Spanien stammend, gehören DISCERPTUS zu den Bands, die sich nicht in eine musikalische Schublade stecken lassen. Ihr Sound mixt sich gleichermaßen aus Death, Thrash und Groove Metal zusammen, das greift in ihren Kompositionen nahtlos ineinander - mal roh und kantig, mal überraschend zugänglich und eingängig. Die aktuelle Besetzung besteht aus Antonio Carlos Rodríguez Espigares am Bass, Jorge Utrera am Schlagzeug, Jose "Cabra" und Juan Carlos Limón Calvo an den Gitarren sowie Ciro E. Sánchez Mártil am Gesang. Mit "Rebirth" legt die Band ihr Debütalbum vor, das den Gedanken eines Neustarts nicht nur im Titel aufgreift, sondern diesen auch musikalisch konsequent und überzeugend umsetzt.

Ein Album zwischen Eskalation und Präzision


Mit 'Path Of Isolation' eröffnen DISCERPTUS ihr Debüt und setzen damit einen stimmungsvollen und melodischen Auftakt. Das kurze Intro beginnt düster und zunächst zurückhaltend, steigert jedoch zügig die Spannung und wirkt wie ein bewusst platzierter Prolog, der den Hörer gezielt auf das Kommende vorbereitet und ins Album einleitet. Direkt im Anschluss entfaltet der Titelsong 'Rebirth' seine volle Wucht und macht unmissverständlich klar, wofür die Band steht. Kraftvolle und kreative Riffs treffen auf ein fließendes Schlagzeug, während der Gesang mühelos zwischen aggressivem Shouting und dunkler Härte hin und her switcht. Dieses Zusammenspiel ist durchweg fokussiert und wirkt in sich geschlossen. Instrumente, Gesang, Sound, nichts davon wirkt, als wäre es zufällig, vielmehr präsentiert sich die Band mit klarer Linie und einer spürbaren Entschlossenheit. Anstatt auf ungebändigte Raserei zu setzen, eröffnet das Album mit einem bemerkenswert strukturierten Ansatz. Bereits in den ersten Minuten wird für den Hörer deutlich, dass DISCERPTUS großen Wert auf durchdachte Kompositionen und klare Dramaturgie legen. Die Songs sind nachvollziehbar und mit Sinn aufgebaut, arbeiten sowohl mit wiederkehrenden Riffelementen als auch sauber ausgeführten Übergängen, die ein stabiles Fundament verleihen, auf das sich wunderbar aufbauen lässt. Diese Herangehensweise an die Musik sorgt für Transparenz und Logik im Gesamtklang.

Einen zentralen Punkt in "Rebirth" bildet die Gitarrenarbeit von Cabra und Limón Calvo, deren Arbeit das Album spürbar untermauert und ihm zusätzliche Tiefe gibt. Tracks wie 'Morbid', 'Desire' und 'Night' entfalten somit ein spannendes Wechselspiel aus wuchtigen, fast schon martialischen Rhythmusfiguren, die auf kurze, flüchtige und vor allem melodische Soundlinien treffen. Vor allem 'Night' profitiert spürbar von dieser ausgewogenen Dynamik. Statt sich lediglich in behäbiger Schwere zu verlieren, entwickelt der Song eine stetige innere Bewegung. Fein platzierte Lead-Passagen und geschwungene melodische Linien setzen immer wieder neue Impulse, schaffen klangliche Tiefe und lassen das Stück trotz seines massiven Fundaments überraschend luftig wirken. So entsteht ein spannungsreiches Zusammenspiel aus Wucht, Wut und Finesse, aus rauer Intensität und melodischer Klarheit. In genau diesen Momenten zeigt sich, wie prägend Cabra und Limón Calvo für den Charakter des Albums sind: Sie erzeugen nicht nur Druck, sondern verleihen dem Album mit ihrem feinen Gespür für Dynamik und Nuancen seine unverwechselbare atmosphärische Handschrift.

'Silence Of My Darkness' fungiert als dramaturgischer Ruhepol innerhalb des Albums. DISCERPTUS reduzieren hier konsequent Tempo und Dichte und orientieren sich an nahezu doomtypischen Strukturen. Das Resultat ist eine spürbar schwerere Klangarchitektur, die weniger auf unmittelbare Aggression als auf kontrollierte Intensität setzt. Die Gitarren arbeiten mit langgezogenen Akkorden und subtilen Spannungsbögen, während das rhythmische Fundament bewusst entschlackt bleibt. Diese Reduktion schafft Raum für Dynamik im Detail - für Nuancen im Anschlag, für feine Verschiebungen im Timing, für Zwischentöne. Ciros Gesang profitiert deutlich von diesem Arrangement: Ohne gegen permanente rhythmische Verdichtung ankämpfen zu müssen, entfaltet seine Stimme eine größere Präsenz und emotionale Tiefe. Der Song verdeutlicht, dass DISCERPTUS ihr Ausdrucksspektrum nicht allein über Geschwindigkeit und Druck definieren, sondern ebenso über kontrollierte Dynamik und atmosphärische Verdichtung. Jorge Utreras agiert am Schlagzeug mit technischer Souveränität und konstanter Präzision. Besonders in schnelleren Tracks wie 'Rebirth' oder 'Bad Blood' übernimmt er klar die Rolle des antreibenden Motors. Die Doublebass-Passagen sind sauber ausgeführt, rhythmische Akzente und Breaks präzise gesetzt und klar strukturiert. Sein Spiel ist dabei stets kontrolliert und auf das Gesamtgefüge ausgerichtet. Auffällig ist jedoch, dass der Fokus stärker auf funktionaler Stabilität als auf individueller Akzentuierung liegt. Komplexere rhythmische Variationen oder markante Signature-Momente bleiben weitgehend aus. Das fügt sich zwar stimmig in das stilistische Konzept der Band ein, reduziert jedoch das Überraschungsmoment und mindert in Teilen die Wiedererkennungsdynamik einzelner Passagen. Der Bass von Antonio Carlos Rodríguez Espigares übernimmt primär eine tragende, harmonische Funktion innerhalb des Arrangements. Er stabilisiert das Fundament, ohne sich klanglich oder spielerisch deutlich vom restlichen Instrumentarium abzusetzen. Gerade im Hinblick auf die genretypische Bedeutung tieffrequenter Elemente wäre eine stärkere klangliche Präsenz oder eine differenziertere Ausarbeitung wünschenswert gewesen.

Mit 'Bad Blood' bekommt das Album deutlich mehr Tempo und knüpft unmittelbar an die Thrash-Wurzeln der Band an. Groove und Riffs sind präzise ausgearbeitet, der Chorus eingängig und klar strukturiert, sodass er sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzt. DISCERPTUS demonstrieren hier ihre Fähigkeit, rohe Energie mit durchdachter Songstruktur zu verbinden, ohne dabei an Druck und Aggressivität einzubüßen. Das Stück zeigt die kompositorische Balance der Band: prägnant, fokussiert und unmittelbar wirksam.

Fazit


Mit diesem Album präsentieren DISCERPTUS ein Werk, das auf Feinschliff statt auf radikale Sprünge setzt. Der Sound der Band wirkt zugänglicher und klarer konturiert, ohne die thrashigen, death- und groove-orientierten Wurzeln zu verleugnen. Nicht jeder Track entfaltet sofort seine volle Wirkung, und gelegentlich fehlt der letzte Funke experimenteller Risikobereitschaft, doch die Platte gewinnt durch Wiederholung an Tiefe. Die Stärken liegen in der stringenten Songstruktur, der präzisen Gitarrenarbeit und der spürbaren inneren Logik, die "Rebirth" zu einem geschlossenen Gesamtwerk machen. Die Band zeigt, dass sie ihre Energie kontrolliert kanalisiert, ohne dabei an Durchschlagskraft zu verlieren.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Path of Isolation (Intro)
02. Rebirth
03. Morbid Desire
04. Night
05. Silence of My Darkness
06. Sunrise
07. Time
08. I Feel
09. Bad Blood
10. Black Lake
Band Website: https://www.facebook.com/discerptus/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 42:37 Minuten
VÖ: 16.01.2026

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