Clawfinger - Before We All Die | |
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| Review von Damage Case vom 16.02.2026 (3586 mal gelesen) | |
Die Schweden CLAWFINGER sind ein Phänomen der 1990er. Solche Bands, solche Songs, dieser Spirit - das funktioniert heute in Neugründung nicht mehr, nur als Nostalgieact wird man hierfür von den Altfans noch geliebt und verehrt. Man stelle sich mal vor, eine Horde Weißbrote brächten heute einen Song namens 'Nigger' raus. Die Internet-Hölle würde zufrieren. Bei mir verhält es sich mit Zack Tell & Co. folgendermaßen: Die ersten beiden Alben "Deaf Dumb Blind" (1993) und vor allem das noch kompakter rüberkommende "Use Your Brain" (1995) sind für mich klare Neun-Punkte-Alben. Danach ging es Schritt für Schritt - beziehungsweise Punkt für Punkt - bergab, bis das bis dato letzte Album "Life Will Kill You" (2007) ob seiner Blutleere für mich noch liebgemeinte vier Punkte wert war. Folgerichtig gingen dann auch bald darauf die Lichter aus, kreativ wie auch als Band an sich. Nach einer Pause treten CLAWFINGER live schon seit längerem wieder auf, denn irgendwie standen sie gefühlt immer mal wieder irgendwo auf einer Festivalbühne. Doch gute achtzehneinhalb Jahre ließen sie sich Zeit, um einen Studionachfolger zu schreiben und zu veröffentlichen. Und diese Zeit ist gut investiert, soweit kann man schon beim ersten Hördurchgang, ach, schon nach wenigen Songs feststellen! Der fette Sound, von der Band selbst produziert, haut mächtig ins Mark und klingt exakt so, wie man die Schweden kennt und mag. Der Albumeinstieg verläuft mit den beiden flotten Fegern 'Scum' und 'Ball & Chain' recht flüssig, danach wird das Tempo zugunsten des Grooves immer mal wieder massiv gedrosselt. Zacks meist gerappte Texte nehmen viel Platz ein, was jedoch bis auf wenige Ausnahmen gut funktioniert. Ein paar Songs kommen nicht wirklich auf den Punkt, speziell in der zweiten Albumhälfte regiert mehr der wohlige Bandsound denn die in Erinnerung bleibenden Melodien. Textlich fällt auf (das sieht man auch am Coverartwork), dass Zack und seine Jungs mit offenen, kritischen Augen durch die Gegenwart laufen. Ihre Weitsicht, speziell was Naturschutz betrifft, hatten CLAWFINGER schon immer ('Pay The Bill' vor über 30 Jahren). Davon zeugen heuer kritische Text wie unter anderen 'Environmental Patients', 'Going Down (Like Titanic)' und der Titelsong.Fazit: Alles da, was man von der Band kennt. Auch die typischen Gitarrensounds, die schon vor über 30 Jahren nicht nach Gitarre klangen und doch heavy as shit waren. Wir Neunzigernostalgiker dürfen daher frohlocken. Was leider fehlt, ist ein schmissiger Tanzflächenoberhit der Sorte 'The Truth', 'Out To Get Me', 'Biggest & The Best' oder 'Do What I Say'. Der rustikale Opener 'Scum' kommt dem noch am ehesten nahe. Hat sich das lange Warten trotzdem gelohnt? Ich persönlich ordne "Before We All Die" qualitativ zwischen der Selbstbetitelten von 1997 und "A Whole Lot Of Nothing" (2001) ein. Der Punkte-Abwärtstrend wäre für mich damit beendet. Das allein macht schon zufrieden. Anspieltipps: 'Scum' ist schon ein geiler Opener, der (leider geil) fies nach 1993 riecht. 'Tear You Down' groovt so lässig, wie man es von den Schweden liebt. 'Going Down (Like Titanic)' hat eine ernste Message, die jedoch mit viel Hüftschwung, Melodie und Augenzwinkern transportiert wird. Gesamtwertung: 7.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Scum 02. Ball & Chain 03. Tear You Down 04. Big Brother 05. Linked Together 06. A Perfect Day 07. Going Down (Like Titanic) 08. You Call Yourself A Teacher 09. A Fucking Disgrace 10. Kill The Dream 11. Environmental Patients 12. Before We All Die | Band Website: www.clawfinger.se Medium: CD Spieldauer: 40:45 Minuten VÖ: 20.02.2026 |
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Die Schweden CLAWFINGER sind ein Phänomen der 1990er. Solche Bands, solche Songs, dieser Spirit - das funktioniert heute in Neugründung nicht mehr, nur als Nostalgieact wird man hierfür von den Altfans noch geliebt und verehrt. Man stelle sich mal vor, eine Horde Weißbrote brächten heute einen Song namens 'Nigger' raus. Die Internet-Hölle würde zufrieren. Bei mir verhält es sich mit Zack Tell & Co. folgendermaßen: Die ersten beiden Alben "Deaf Dumb Blind" (1993) und vor allem das noch kompakter rüberkommende "Use Your Brain" (1995) sind für mich klare Neun-Punkte-Alben. Danach ging es Schritt für Schritt - beziehungsweise Punkt für Punkt - bergab, bis das bis dato letzte Album "Life Will Kill You" (2007) ob seiner Blutleere für mich noch liebgemeinte vier Punkte wert war. Folgerichtig gingen dann auch bald darauf die Lichter aus, kreativ wie auch als Band an sich. Nach einer Pause treten CLAWFINGER live schon seit längerem wieder auf, denn irgendwie standen sie gefühlt immer mal wieder irgendwo auf einer Festivalbühne. Doch gute achtzehneinhalb Jahre ließen sie sich Zeit, um einen Studionachfolger zu schreiben und zu veröffentlichen. Und diese Zeit ist gut investiert, soweit kann man schon beim ersten Hördurchgang, ach, schon nach wenigen Songs feststellen! Der fette Sound, von der Band selbst produziert, haut mächtig ins Mark und klingt exakt so, wie man die Schweden kennt und mag. Der Albumeinstieg verläuft mit den beiden flotten Fegern 'Scum' und 'Ball & Chain' recht flüssig, danach wird das Tempo zugunsten des Grooves immer mal wieder massiv gedrosselt. Zacks meist gerappte Texte nehmen viel Platz ein, was jedoch bis auf wenige Ausnahmen gut funktioniert. Ein paar Songs kommen nicht wirklich auf den Punkt, speziell in der zweiten Albumhälfte regiert mehr der wohlige Bandsound denn die in Erinnerung bleibenden Melodien. Textlich fällt auf (das sieht man auch am Coverartwork), dass Zack und seine Jungs mit offenen, kritischen Augen durch die Gegenwart laufen. Ihre Weitsicht, speziell was Naturschutz betrifft, hatten CLAWFINGER schon immer ('Pay The Bill' vor über 30 Jahren). Davon zeugen heuer kritische Text wie unter anderen 'Environmental Patients', 'Going Down (Like Titanic)' und der Titelsong.
