Karnivool - In Verses | |
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| Review von Wulfgar vom 06.02.2026 (3470 mal gelesen) | |
KARNIVOOL ist eine Progressive Rock-Band aus Perth. Nach einigen bockstarken, wenn auch jeweils sehr unterschiedlichen Alben, hatten die Fans der Australier zuletzt eine ziemlich lange Durststrecke zu überwinden. Doch nun steht der lange erwartete Nachfolger "In Verses" endlich in den Startlöchern. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich diesem Review mit durchaus gemischten Gefühlen entgegensehe. Die Mucke der Aussies ist geradezu berüchtigt für ihre extreme Vielschichtigkeit und Dichte an musikalischen Kunststücken. So einem Werk gerecht zu werden ist nicht einfach und fordert mich als Rezensenten entsprechend.Und was soll ich sagen, "In Verses" liefert vom ersten Auftakt an so ziemlich das Gegenteil vom straighten 4/4-Stampfer. Man hat es hier mit Künstlern im engsten Sinne des Wortes zu tun. Klar, die Gitarren klingen fett und breit, wir sprechen ja immerhin von einer Rock-Band, aber was die Gitarreros Andrew Goddard und Mark Hoskin da zwischendurch noch alles veranstalten, ist gelinde gesagt beeindruckend (siehe 'Remote Self Control'). Es ist aber natürlich nicht alles nur Vollgas aufs Fressbrett. KARNIVOOL beherrschen ebenso den delikaten Übergang von leise zu laut und wieder zurück. Wahlweise auch umgekehrt. Das lässt sich sehr schön an den bereits im Vorfeld des Albums veröffentlichten Songs 'Animation' und 'Opal' nachvollziehen. Letzteren könnte man sogar als so etwas Ähnliches wie die Ballade des Albums bezeichnen. Dann ist da natürlich noch Sänger Ian Kenny, der eher einen sphärischen Ansatz verfolgt und mir so vorkommt, als würde er aus den Soundfluten auftauchen, den Gesang ein wenig über allem schweben lassen, nur um dann vom nächsten Brecher aus den Amps wieder verschlungen zu werden. Unbedingt sollte auch noch die schiere Länge des Albums Erwähnung finden. Wie es sich für eine Progressive-Band gehört, bleiben von den zehn Songs gerade mal zwei unterhalb der Fünf-Minuten-Marke. Damit kommt "In Verses" auf stolze 63 Minuten Spieldauer. Da machen manch andere Bands zwei Alben draus. Wie eingangs erwähnt tue ich mich mit Kritikpunkten zwar schwer, aber an ein paar Stellen haben es die Herren aus Down Under mit der Sperrigkeit ein wenig übertrieben. Künstlerischer Anspruch hin oder her, aber der Flow einer Nummer sollte nicht vollkommen unterbrochen werden, wenn es gleich darauf dann doch wieder ins Hauptthema zurückgeht. Es sind hier und da ein paar so seltsam schräge Parts in die Songs eingebaut, dass man der Band fast ein bisschen genervt zurufen möchte: "Nun kommt doch mal zum Punkt, Jungs!" "In Verses" ist, wenig überraschend, ein musikalisch beeindruckend dichtes Werk geworden, dass den Status der Band durchaus zementieren dürfte. Ob sich das lange Warten gelohnt hat, das muss jeder Fan für sich entscheiden. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass viele Fans von KARNIVOOL mit dem neuen Material zufrieden sein dürften. Ansonsten lege ich jedem Musikstudenten dieses Werk nahe. Da könnt ihr mal schön versuchen, das musiktheoretisch auseinander zu klamüsern. Cheers, euer Wulfgar. Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Ghost 02. Drone 03. Aozora 04. Animation 05. Conversations 06. Reanimation (feat. Guthrie Govan) 07. All It Takes (2025 Remastered Version) 08. Remote Self Control 09. Opal 10. Salva | Band Website: www.karnivool.com Medium: CD, digital Spieldauer: 63:19 Minuten VÖ: 06.02.2026 |
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KARNIVOOL ist eine Progressive Rock-Band aus Perth. Nach einigen bockstarken, wenn auch jeweils sehr unterschiedlichen Alben, hatten die Fans der Australier zuletzt eine ziemlich lange Durststrecke zu überwinden. Doch nun steht der lange erwartete Nachfolger "In Verses" endlich in den Startlöchern. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich diesem Review mit durchaus gemischten Gefühlen entgegensehe. Die Mucke der Aussies ist geradezu berüchtigt für ihre extreme Vielschichtigkeit und Dichte an musikalischen Kunststücken. So einem Werk gerecht zu werden ist nicht einfach und fordert mich als Rezensenten entsprechend.
