Malakhim - And In Our Hearts The Devil Sings

Review von Chaosswampchicken vom 03.12.2025 (423 mal gelesen)
Malakhim - And In Our Hearts The Devil Sings Seit ihren ersten Demos und dem 2021 veröffentlichten Debütalbum "Theion" arbeiten MALAKHIM mit bemerkenswerter Entschlossenheit daran, sich in der weltweiten Black Metal-Landschaft zu behaupten. Der düstere, kompromisslose Sound der Schweden fiel schnell auf und mit Iron Bonehead Productions im Rücken gelang es ihnen, erste Spuren im internationalen Untergrund zu hinterlassen. Auch live hat die Band durch ausgewählte Shows und Festivalauftritte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dass Gitarrist Andreas Nilsson - bekannt durch NAGLFAR und ANCIENT WISDOM - Teil der Gruppe ist, verleiht MALAKHIM zusätzlich ordentlich Gewicht. Doch mit "And In Our Hearts The Devil Sings" wirkt es, als wolle die Band endgültig aus dem Schatten des reinen Underground-Images heraustreten. Der Teufel fungiert im Black Metal seit jeher als Symbol für Macht, Rebellion und Mystik - ein Bild, das weit über provokante Ästhetik hinausreicht. In den Flammen der Kirchen des Inner Circle nahm diese Symbolik ihre erste greifbare Form an, getragen von einer rohen, kompromisslosen Ideologie, die das Genre unauslöschlich prägte. Später formten Persönlichkeiten wie Jon Nödtveidt und der MLO diese dunkle Energie zu einer spirituell-okkulten Struktur um, die dem Black Metal eine neue, tiefere Dimension verlieh. Heute setzen okkulte Kollektive wie SERPENT NOIR oder MORTUUS diesen Pfad fort - einige ihrer Mitglieder sind in esoterischen Orden wie Dragon Rouge initiiert - und verweben Klang, Ritual und Bedeutungswelten zu einem faszinierenden Gesamtkonzept. So entstand über Jahrzehnte hinweg eine einzigartige Symbiose aus Musik und Okkultismus, die den besonderen Reiz des Genres erklärt und bis heute jene anzieht, die im Dunkeln nach Symbolik, Intensität und Bedeutung suchen. So auch MALAKHIM mit ihrem neuesten Werk, wie das so klingt, hören wir uns jetzt an.

Finstere Atmosphäre und schnelle Blastbeats



Mit Glockengeläut, dräuenden Nebelschwaden und düsterem Klanggewebe beschwören MALAKHIM zu Beginn das klassische Vokabular des Black Metal herauf - ein Intro, das mehr als atmosphärische Staffage ist, sondern vielmehr den Charakter des Albums definiert. Dieses liturgische Auftaktbild öffnet den Raum für den Titeltrack 'And In Our Hearts the Devil Sings', der ohne Umschweife in Bewegung gerät: Tremolo-Gitarren, treibende und marschierende Blastbeats und gellende/krächzende Vocals schlagen in altbewährter Manier zu und bedienen damit den emotionalen Resonanzraum jener Hörer, die sich nach einer kompromisslosen Form des Genres sehnen. Doch diese erste Attacke ist kein plumpes Bekenntnis zum Steigerungsdrang, sondern dient als dramaturgischer Rahmen für eine deutlich ambitioniertere Klangarchitektur. Die achtminütige Eröffnung enthüllt eine Band, die Aggression und Melodie nicht als Gegensätze begreift, sondern als sich gegenseitig antreibende Kräfte. Die Riffs treiben unerbittlich voran, während melodische Linien wie düstere Gebete darunter wirken - ein fortwährendes Auf und Ab zwischen wilder Attacke und majestätischem Aufschwung. Der Sound ist fast schon provokant klar, beinahe steril in seiner Schärfe, was den Kontrast zwischen Chaos und Kontrolle noch stärker hervorhebt. Hier wird nichts dem Zufall überlassen: Die Erhabenheit ist berechnet, die Wucht inszeniert. Man spürt, dass MALAKHIM mehr will als bloße Klangvernichtung - sie streben nach Größe, nach einem hymnischen, fast sakralen Moment, in dem Black Metal nicht nur zerstört, sondern auch erhebt. Doch genau an dieser Stelle zeigt sich eine gewisse Ambivalenz des Albums. Die Produktion glänzt durch Präzision und Klarheit, was die technischen Fähigkeiten der Band eindrucksvoll zur Geltung bringt. Gleichzeitig geht dabei ein Teil der rohen Energie verloren, die den klassischen Black Metal so unverwechselbar macht. Gitarren und Gesang stehen im Vordergrund, während Bass und Schlagzeug oft in den Hintergrund treten und der Klang dadurch etwas steril wirkt. MALAKHIM balancieren hier zwischen hymnischer Erhabenheit und ungestümer Wut, wirken aber an manchen Stellen, als hielten sie sich bewusst zurück - ein kalkulierter Verzicht auf die chaotische, dreckige Intensität, die Fans des Genres seit Jahrzehnten schätzen. 'Solar Crucifixion' entfaltet sich wie ein schwarzer Schwarm aus dichten Klangschichten - reich, flirrend, aber dennoch gleitend wie feiner Rauch. Mal galoppiert der Song, mal schwebt er getragen von Melodien, die wie zeremonielle Fäden durch das Chaos ziehen. Genau hier zeigt sich die Essenz dessen, warum Black Metal so tief wirkt: wenn Härte und Anmut verschmelzen, bis man sich selbst darin verliert. Der Song erinnert zuweilen aufgrund seines Aufbaus and Kompositionen an SARGEIST. 'Angel Of The Bottomless Pit' bringt dann die schwedische Schule des Black Metal auf den Punkt: Die erste Hälfte klingt wie ein Ausläufer von MARDUKs "Memento Mori". Diese stilistische Verschränkung macht das Album definitiv bemerkenswert - ein Werk, das Tradition nicht kopiert, sondern weiterführt.

MALAKHIM haben die Kanten hörbar geschliffen: Die Produktion ist poliert, vielleicht sogar ein wenig zu poliert?



Das neue Album erscheint gezähmt: Kanten wurden geschliffen, Rauheit kanalisiert, wodurch ein fast seidig klarer Sound entstanden ist. Man könnte es als eine Art stilistische Romanze zwischen WATAIN und den späten BEHEMOTH beschreiben - nur ohne deren größere Raffinesse. Geboten wird melodischer Black Metal, der Vielfalt und Dynamik verspricht, sich dabei aber stark auf seine glatte Produktion verlässt. Erneut liegt der Schwerpunkt auf Gitarren und die Vocals bleiben vom Stil her deutlich in WATAINs Tradition verankert. Doch erst die perkussive Beweglichkeit und Nilssons wiedererkennbare Melodieführung und Soli verleihen dem Album jene Qualität, die MALAKHIM zu einem ernstzunehmenden Anwärter auf einen Spitzenplatz im zugänglicheren Black-Metal-Segment macht. Der Teufel erwartet deinen Ruf, dein Ritual, deine Hingabe - jene Sehnsucht nach dem Verborgenen, die die Band in 'Hearts Ablaze' in Klang verwandeln. Hier wird nichts dekoriert, sondern beschworen: Ein Moment, in dem die Band ihren Anspruch formuliert, Tiefe zu schaffen statt Oberfläche zu imitieren. Mit 'The Firmament Submits' erreicht das Werk schließlich seinen finalen Höhepunkt - eine eruptive Synthese aus Melodie, struktureller Klarheit und bewusstem Verzicht auf nostalgische Selbstzitate.

Fazit



Insgesamt ist "And In Our Hearts The Devil Sings" ein würdiger Nachfolger zu "Theion" und zeugt von beeindruckendem musikalischem Können sowie spürbarer Hingabe. MALAKHIM haben hörbar Herzblut investiert, auch wenn das Album streckenweise dazu neigt, im Fluss zu verschwimmen und eher zur Hintergrundbegleitung zu werden. Etwas mehr Reibung, mehr Ecken und herausragende Höhepunkte hätten ihm gutgetan. Persönlich wirken die frühen Demos - roher, kantiger und prägnanter - nach wie vor einen Hauch stärker. Dennoch bleibt "And In Our Hearts The Devil Sings" ein gelungenes Werk, das insbesondere für neue Hörer einen geeigneten Einstieg in die Welt von MALAKHIM darstellt.

Gesamtwertung: 7.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
1. And in Our Hearts the Devil Sings
2. Solar Crucifixion
3. A New Temple
4. Into Darkness We Depart
5. Angel of the Bottomless Pit
6. Hearts Ablaze
7. he Firmament Submits
Band Website: www.facebook.com/Malakhimofficial
Medium: CD, LP
Spieldauer: 43:31 Minuten
VÖ: 31.10.2025

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