Arjen Anthony Lucassen - Songs No One Will Hear

Review von Cornholio vom 10.09.2025 (1563 mal gelesen)
Arjen Anthony Lucassen - Songs No One Will Hear Wo geht's hin, Arjen Lucassen? Ich habe bewusst das Review nicht mit "Was würdet ihr tun, wenn in fünf Monaten die Welt untergeht?" begonnen, denn so beginnen nicht nur der Promotext, sondern sicher auch diverse andere Reviews und Interviews mit Arjen. Nein, ich frage mich eher, was die Zukunft für Mr. Lucassen bereithält, und damit meine ich nicht nur die kommenden fünf Monate, sondern eher (natürlich) die kommenden Musikprojekte. Schließlich ist das letzte AYREON-Album schon fünf Jahre her. Seitdem hat er jüngst das dritte STAR ONE-Album (2022), SUPERSONIC REVOLUTION (2023) und PLAN NINE (2024) veröffentlicht. Die letzten beiden habe ich gar nicht mehr so sehr verfolgt, das war glaube ich einfach nicht "my cup of tea".

Thematisch spielt "Songs No One Will Hear" in der gleichen Welt wie das 2012er Werk "Lost In The New Real", und auch musikalisch knüpft das Album an, wenn auch in meinen Ohren ein wenig mehr AYREONesk, vor allem "The Theory Of Everything" von 2013 kommt mir hier und da in den Sinn. Vorweg schon mal: AYREONauts können hier bedenkenlos zugreifen, wem "Lost In The New Real" gefällt, und natürlich AYREON generell, der macht mit diesem Album nichts falsch!

Ich dachte erst, das Album würde "Songs No One Wants To Hear" heißen, also "Lieder, die niemand hören will", aber stattdessen ist es "Lieder, die niemand hören WIRD", eben weil die Story auf dem Album fünf Monate vor einem Meteoriteneinschlag spielt, der die komplette Erde vernichten wird. Das Ganze wird durch Mike Mills, eine bekannte Stimme im AYREON-Universum, als eine Art Hörspiel oder Podcast eingeläutet. Mills bekommt auch zwischen den Songs immer ein paar Sekunden Airplay, sehr unterhaltsam. Mit 'The Clock Ticks Down' gibt es dann einen Lucassen-typischen Song mit direkt über sieben Minuten Spielzeit. Was man in so einer Situation mit der verbleibenden Zeit anstellen würde, ist natürlich rein hypothetisch. Arjen würde vermutlich Lieder schreiben, die am Ende allerdings niemand mehr zu hören bekäme. Es gäbe sicher auch Leugner, diese werden in dem Rocker 'Goddam Conspiracy' musikalisch abgewatscht. Wirklich überraschend ist auf dem Album eigentlich nichts, es gibt zweieinhalb Balladen (die halbe ist 'The Universe Has Other Plans' mit Arjen und Irene, die erste ganze ist 'We'll Never Know' mit ihrer Schwester Floor, die ist mir ehrlich gesagt ein Stückchen zu kitschig, und die dritte ist 'Just Not Today', komplett ohne Gitarre), 'Shaggathon' geht in die Richtung Folk-Rock, und 'Dr. Slumber's Blue Bus' verfolgt den gleichen Weg wie sein Vorgänger von 2012 ('Dr. Slumber's Eternity Home'), wobei thematisch der Doktor ein paar Verrückte in seinen Bus einlädt, um sich genau dorthin auf den Weg zu machen, wo der Meteorit einschlagen wird. Und da ist dann noch 'Our Final Song'. Eine knappe Viertelstunde ragt Arjen über sich hinaus. Das macht ihn und sein Schaffen aus, einfach ein weiteres tolles Lied in seinem Repertoire.

Natürlich gibt es neben "Mister L." auch diverse Gastmusiker. Am Schlagzeug ist es nicht Ed Warby, sondern Koen Herfst, der auch bei der SUPERSONIC REVOLUTION schon hinter der Schießbude saß. Gesanglich ist primär Irene Jansen zu hören, doch auch ihre Schwester Floor ist mit dabei, ebenso wie Marcela Bovio und Robert Soeterboek, beide langjähren Mitstreiter von Arjen, die auf dem epischen Longtrack zu hören sind. Instrumental bedient Lucassen selbst Keyboards, Bass und natürlich alle Gitarren; es gibt keine Gastbeiträge. Aber Arjen wäre nicht Arjen, wenn er es bei diesen Basics belassen würde. Violine ist dabei (Ben Mathot), Flöte (Jeroen Goossens), Cello (Jurriaan Westerveld) und natürlich Joost van den Broek mit seiner Hammond-Orgel. Auf dem finalen Song gibt es darüber hinaus noch Patty Gurdy an der Drehleier, außerdem gibt sich Peter Daltrey mit einer weiteren, wenn auch sehr kurzen Erzähler-Rolle die Ehre.

Fazit: Ich mag ja generell eigentlich fast alles von Arjen, und auch dieses Album ist den Hünen gut gelungen, aber der eine oder andere Song ist für Arjens sonstige Werke fast zu normal. Andererseits, ähnlich war es auch auf dem Vorgänger, ich schätze, das muss so sein. Dafür ist dann allerdings 'The Clock Ticks Down' und 'Our Final Song' zu AYREONesk, zu aufregend für sein Soloprojekt. Gleichzeitig sind das dann eben auch die Highlights, aber wie soll man das jetzt bewerten? Ich habe noch keine Ahnung. Schaut einfach unten auf die Blutstropfen, wie viele es am Ende geworden sind.

"Songs No One Will Hear" gibt es als normale Version, außerdem noch als Doppelalbum, auf der zweiten Scheibe sind die Songs dann ohne die Spoken-Word-Passagen von Mike Mills drauf, was insgesamt fast vier Minuten ausmacht. Außerdem gibt es ein Mediabook, wo auf der dritten CD drei Bonustracks, ein Cover ('Die Young' von BLACK SABBATH) und die acht Lieder als Instrumental mit dabei sind, und eine CD mit den neun Stücken (inklusive Mike Mills' Erzählungen) im 5.1 Mix.



- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. End Of The World Show
02. The Clock Ticks Down
03. Goddamn Conspiracy
04. The Universe Has Other Plans
05. Shaggathon
06. We'll Never Know
07. Dr. Slumber's Blue Bus
08. Just Not Today
09. Our Final Song
Band Website: www.arjenlucassen.com
Medium: CD, LP
Spieldauer: 50:27 / 46 Minuten
VÖ: 12.09.2025

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten