Neurotox - Könige Der Nacht | |
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| Review von Stormrider vom 20.08.2025 (816 mal gelesen) | |
Deutsch Rock und Punk vermischen sich ja schon eine ganze Weile. Wobei der Begriff Deutsch Rock ja eigentlich nichts aussagt, außer Rock mit deutschen Texten, während Punk als Lebensphilosophie und politisches Statement doch nochmal eine andere Komponente innehat. In der letzten Zeit gesellt sich aber immer häufiger noch eine weitere Komponente hinzu: Der Schlager! Ja, wirklich viele der Melodien die in den beiden Genres genutzt werden, könnten problemlos auch dort stattfinden, wenn man ihnen anstelle von Gitarren eben Keyboards spendiert. Und zack! Sind wir bei "Könige Der Nacht", dem aktuellen Album von NEUROTOX, die genau diese Schnittmenge bedienen. Man scheint irgendwie auf den Geschmack gekommen zu sein, dass man Keyboards nun wirklich geil findet und überproportional in den Sound integrieren möchte. Der Opener 'Nichts Zu Verlieren' ist zunächst typischer Deutsch Rock mit dem gewohnten Außenseitertext und der ersten deutlichen Keyboardnote. Dem schließt sich mit 'Sorgenkind' ein Track an, der mich musikalisch etwas an die frühen DIE ÄRZTE erinnert, während der Text auch wieder das übliche "ich mache mein Ding" zum Inhalt hat. Der Titeltrack ist dann aber wirklich schwer zu ertragen, wenn in der Mitte ein fieser Technobeat aufschlägt. Dass man hier lyrisch seine Jugend feiert und mal was trinken will, passt zur Ballermann-Attitüde.So zieht man sich durch das Album, baut noch einen musikalischen BROILERS-Schlenker in 'Nichts Gutes' ein, versucht sich an einer netten aber nicht komplett gänsehautigen Ballade in 'Versprochen Ist Versprochen' und hat mit dem SDP-ESTHER GRAF-SIDO-Cover 'Mama Hat Gesagt' auch eine nette Überraschung im Gepäck. 'Schwarz Zu Blau' ist hingegen der Song, der am deutlichsten noch den textlichen Punkeinschlag aufzeigt und sich klar gegen die AfD positioniert. Was mir auffällt ist, dass die Vocals sich teilweise so unterschiedlich anhören, dass man verschiedene Sänger vermuten könnte. Mal sind sie sehr dünn, dann wieder kraftvoller und das Timbre wechselt auch. Gepaart mit diesem latenten NDW-Schlagereinschlag hat man bisweilen so ein Samplergefühl. Verrückterweise machen viele der Tracks sogar eine Menge Spaß, wenn man die Punk / Rock Erwartungshaltung etwas korrigiert und sie als einzelne Tracks anwählt. Auf Albumdistanz ist diese neue poppige Ausrichtung eher schwierig. Wer also gerne feiert, sich nicht an zuckersüßen Keyboards stört und keine Scheuklappen aufhat, kann hier durchaus fündig werden. Deutsch Rock oder Punk Puristen hingegen werden sich fragen, warum NEUROTOX so eine musikalische Kehrtwende hinlegen? Gesamtwertung: 6.5 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Nichts Zu verlieren 02. Sorgenkind 03. Könige Der Nacht 04. Bock Auf Streit 05. Nichts Gutes 06. Lebendig 07. Mama Hat gesagt 08. Herzen In Beton 09. Schwarz Zu Blau 10. Wie Ich Dich 11. Versprochen Ist versprochen 12. Scherben, Pech Und Dreck | Band Website: www.neurotox.de Medium: CD Spieldauer: 38:12 Minuten VÖ: 01.08.2025 |
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Deutsch Rock und Punk vermischen sich ja schon eine ganze Weile. Wobei der Begriff Deutsch Rock ja eigentlich nichts aussagt, außer Rock mit deutschen Texten, während Punk als Lebensphilosophie und politisches Statement doch nochmal eine andere Komponente innehat. In der letzten Zeit gesellt sich aber immer häufiger noch eine weitere Komponente hinzu: Der Schlager! Ja, wirklich viele der Melodien die in den beiden Genres genutzt werden, könnten problemlos auch dort stattfinden, wenn man ihnen anstelle von Gitarren eben Keyboards spendiert. Und zack! Sind wir bei "Könige Der Nacht", dem aktuellen Album von NEUROTOX, die genau diese Schnittmenge bedienen. Man scheint irgendwie auf den Geschmack gekommen zu sein, dass man Keyboards nun wirklich geil findet und überproportional in den Sound integrieren möchte. Der Opener 'Nichts Zu Verlieren' ist zunächst typischer Deutsch Rock mit dem gewohnten Außenseitertext und der ersten deutlichen Keyboardnote. Dem schließt sich mit 'Sorgenkind' ein Track an, der mich musikalisch etwas an die frühen DIE ÄRZTE erinnert, während der Text auch wieder das übliche "ich mache mein Ding" zum Inhalt hat. Der Titeltrack ist dann aber wirklich schwer zu ertragen, wenn in der Mitte ein fieser Technobeat aufschlägt. Dass man hier lyrisch seine Jugend feiert und mal was trinken will, passt zur Ballermann-Attitüde.

