I.F.A. - Tiimalasi

Review von baarikärpänen vom 07.08.2025 (3221 mal gelesen)
I.F.A. - Tiimalasi Ich lebe ja eigentlich recht idyllisch hier am äußersten Zipfel der Halbinsel, die in die Ostsee ragt, gleichzeitig die südlichste Stadt Finnlands. Aber das bringt, abgesehen von den vielen Touristen im Sommer, auch so seine Nachteile mit sich. Denn es gibt nur eine Straße raus in Richtung Helsinki (gilt natürlich auch andersrum). Bedeutet, dass auf dem Live-Sektor recht wenig los ist, was größere Bands betrifft. Zum Glück haben wir aber auch einige ansprechende lokale Bands aus dem metallischen Bereich hier vor Ort, vor allem LUG. Genau die veranstalten in schöner Regelmäßigkeit kleinere Konzerte in ihrem recht üppig gestalteten Proberaum. So auch am ersten Wochenende im Juli, als unter anderem tatsächlich I.F.A zu Gast waren. Obwohl ich mich eigentlich recht gut in der Szene auskenne, war mir der Name absolut kein Begriff. Mehr als gelohnt hat sich der Abend dann aber allemal.

Wundern sollte ich mich auch deshalb nicht, weil I.F.A zwar bereits 1985 gegründet wurden, (den Namen haben sich die Herren übrigens beim ostdeutschen Industriebetrieb Fahrzeugbau (IFA) der DDR ausgeborgt - typisch finnischer Humor), 1989 war bereits wieder Schluss, ohne ein einziges Stück veröffentlicht zu haben. In der Tat stammt das allererste digital veröffentlichte Album aus dem Jahr 2021. 17 Songs befinden sich darauf, die alle aus früheren Phasen der Bandgeschichte stammen. Aber anscheinend war die Veröffentlichung so etwas wie der Startschuss, den die runderneuerte Truppe gebraucht hat, denn es folgten einige Singles, die sogar hier bei Radio Rock jede Menge Airplay erhielten, ein Vertrag mit Inverse Records wurde eingetütet und jetzt steht also der zweite Streich (also eigentlich ja das offizielle Debut) in den Läden, Onlineshops und so weiter. Aber nicht nur die Band wurde runderneuert mit Gitarrist Tom Heskell und Drummer Herra Koivuniemi, sondern auch der Stil. Waren I.F.A in den Anfangstagen noch recht punkig unterwegs, hat sich das Ganze hin zu einem eher metallischen Ansatz gewendet, ohne allerdings den Punk aus frühen Zeiten komplett zu vergessen. Eine durchaus spannende neue Kombination, wie man unschwer auf "Tiimalasi" (Sanduhr) nachhören kann, denn wie so oft bei hiesigen Bands ist da noch zusätzlich diese besondere "finnische Note" (womit nicht nur die Texte in der Landessprache gemeint sind).

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Mit 'Oravanpyörä' (Hamsterrad, aber wörtlich übersetzt Eichhörnchenrad) haben I.F.A den perfekten Einstieg für ihr Album erwischt, denn hier verbindet sich das Metallische mit dem Punkigen früherer Tage perfekt. Der Song geht gut nach vorne und die Gangshouts im Refrain passen super gut. Aber bereits das nachfolgende 'Kalervo' zeigt die Band von einer ganz anderen Seite. Wesentlich dunkler, hier im Refrain durchaus ein Melodic Death-Bezug, nur eben mit cleanen Vocals. Genau die sind übrigens auf dem kompletten Album sehr gelungen. Natürlich erwartet hier keiner einen zweiten Bruce Dickinson, aber sie verleihen dem Ganzen einen eigenständigen Touch. 'Intiaani', wieder in höheren Geschwindigkeitsregionen unterwegs, gefällt mit seiner Doublebass und wieder einem Refrain, der hängenbleibt. 'Kuumaa' ist dann wiederum ein eher dunkler und langsamer Song, kann aber mit seinem geschickten Aufbau punkten. Klar, I.F.A sind mit ihrer Musik weit davon entfernt die breite Masse anzusprechen, aber in dem Bereich in dem sie sich bewegen gehören sie für mich zu dem Spannendsten, was in letzter Zet in Finnland veröffentlicht wurde. Auch wenn ich mich da in verschiedenen Reviews gerne wiederhole, aber auch I.F.A erinnern in Teilen durchaus an TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAUKAUS oder wenn es langsamer wird auch an LYIJYKOMPPANIA, werden aber nie zu einer Kopie der Genannten. Dafür sorgen dann wieder Songs wie 'Eilispäivän Profeetta', die eher tief im Punk verwurzelt sind. Gute Abgehnummer auch! Etwas aus dem Rahmen fällt allerdings der Titelsong, der gerade am Anfang sehr melancholisch klingt. Vor allem Gitarrist Tom Heskell kann hier zeigen, was er kann. Schwer zu beschreiben, aber das Stück hat für mich durchaus einen "bluesigen" Vibe. Aapo McMillan, dem einzigen Mitglied aus den Gründungszeiten der Band, kann man nur gratulieren, dass er so fähige Mitstreiter gefunden hat und 40 Jahre nach Entstehung der Band so ein starkes erstes Album zustande gekommen ist. Manchmal braucht es wirklich nur drei Musiker, um so eine spannende Scheibe einzutüten.

Leider liefert das Promoschreiben zum Album keinerlei Info, wer hier für die Produktion zuständig war. Wer das auch immer gewesen sein mag, hat einen tollen Job abgeliefert. Alles klingt so, wie es zu klingen hat. Die Gitarren haben den nötigen Punch, der Bass bollert in bester Manier und liefert mit den toll klingenden Drums das Fundament für Songs, die bestens Punk, Metal und typisch finnisch klingenden Rock unter einen Hut bringen. Sieht man mal vom Titelsong und 'Eilispäivän Profeetta' ab, hat jedes Stück die nötigen Zutaten, um ein formidabler sogenannter "Banger" zu sein. In diesem musikalischen Bereich, in dem sich I.F.A bewegen, ist "Tiimalasi" für mich bisher die positive Überraschung des Jahres aus Finnland. Bleibt für mich nur noch die Frage, ob das Absicht war, dass sich der Beginn von 'Lahtisen Kuolema' vedammt nach 'Fanfare For The Common Man' von ELP anhört ...

Klar, I.F.A müssen damit leben, dass sie außerhalb Finnlands keine Mauern einreißen werden, gerade wegen der finnischen Lyrics. Trotzdem kann man wirklich jedem, der diesen ganz speziellen finnischen Sound in der Musik so schätzt, "Tiimalasi" wärmstens ans Herz legen. Dass hier zum Teil Musiker am Werk sind, die vor vierzig Jahren diese Truppe gründeten, hört man zu keiner Sekunde. Das klingt alles frisch und zeitgemäß. Ein größeres Kompliment kann man I.F.A eigentlich nicht machen. Das ist dann auch der Grund, warum ich hier nur zu gerne satte acht Punkte zücke.



Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Oravanpyörä
02. Kalervo
03. Intiaani
04. Kuumaa
05. Älä Seura Minua
06. Eilispäivän Profeetta
07. Lahtisen Kuolema
08. Pedon Kieli
09. Tuonelan Kellot
10. Tiimalasi
Band Website: www.facebook.com/rockifa/
Medium: CD, LP
Spieldauer: 42:49 Minuten
VÖ: 08.08.2025

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