Elvenking - Luna | |
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| Review von Opa Steve vom 16.04.2025 (17871 mal gelesen) | |
Zugegeben: Wenn man ein Album von ELVENKING zur Rezension zieht, weiß man ungefähr, was einen erwarten würde. Selbst, wenn man mit der Band überhaupt nicht vertraut ist. Bandname und Cover reichen hier aus und man weiß Bescheid. Als Teil einer Konzept-Reihe soll "Reader Of The Runes - Luna" aber flotten und von Celtic Folk beeinflussten Power Metal darbieten, was im Prinzip ja nicht so übel klingt und einen entweder in mystische Fantasielandschaften einer vergangen Zeit entführt oder zur feucht-fröhlichen Party animiert. Das Tribal-Intro klingt da auch noch vielversprechend, dass hier Storytelling erfolgen wird, wird aber leider ziemlich rasch durch klinische Chor-Samples gekillt. Und ich frage mich: Was passiert hier? Völlig unpassend überladene Keyboards kleistern die Gitarren sofort zu, bis sich eine mal im Solo-Sound freischwimmen kann. Der Gesang von Damna setzt hektisch und gekünstelt ein und der Sound klingt irgendwie gar nicht homogen. Über das ganze Album werden lustvoll Regler rauf und runter gedreht - da kommen plötzlich mal Gitarren fett rein, dann verschwinden sie wieder, dann fiedelt es und irgendwie bleibt kein Soundeindruck mal dauerhaft bestehen. Die Power-Vocals sind eigentlich ganz ordentlich und auf den Punkt, aber offenbar hat Damna seine Range an Ausdruck auf dieser Scheibe weit überschätzt. Die ruhigen und tiefen Vocals am Anfang des Titelsongs klingen wie beim lustlosen Vorsingen in der 10. Klasse. In 'The Ghosting' versucht er sich an gekünsteltem Gekrächze, was einfach nicht wirkt, und immer wieder klingen die Vocals einfach überfordert ('Starbath', 'Reader Of The Runes - Book II'). Die Songs sind das genaue Gegenteil des nervös machenden Sounds. Die meisten Melodien sind komplett ausgelutscht, die Klimperkeyboards zerstören viel, 'Gone Epoch' ist mit seinem Drive und seinen Harmonien schon tausendfach von Mittelalter/Celtic Folk-Metallern durchgekaut worden. In 'Starbath' taucht vor meinem geistigen Auge eine Low-Budget-Produktion einer ZDF-Fantasyserie auf, wozu der Sound vielleicht gut passen würde. Irgendwie perlen die Titel an mir ab wie veganes Teflon. Die Geigen oder Fiedeln oder Flöten (so genau hört man es nicht) sorgen immer wieder für schiefe Tonerlebnisse ('Stormcarrier', 'The Ghosting'). 'On These Haunted Shores' hätte die Ur-HELLOWEEN-Besetzung deutlich mehr Leben einhauchen können, bei 'The Ghosting' erwartet man im Refrain einen richtigen Rumms, aber es bleibt bei Plastik. Ein Lichtblick ist 'Throes Of Atonement', wenn man ein bisschen über die Vocals hinweghören kann. Er erfindet nichts neu, aber mit seiner leichtfüßigen und authentischen Power läuft er gut rein. Auch im Schlusstitel werden ein paar Prog-Versuche unternommen, die der Band nicht übel zu Gesicht stehen. Ich höre im Song zwar stellenweise 'La Isla Bonita' von MADONNA raus, aber die geilen Blasts im letzten Drittel sind sehr willkommen. Warum nicht öfter so als immer dieses Instrumentendurcheinander? Mir ist zu dieser Scheibe viel Text eingefallen. Leider hautpsächlich Dinge, die mich extrem stören. Zu simple Songs, kein Geschick bei den überfrachteten Arrangements, eine komische Produktion, Vocals teilweise jenseits der Wohlfühlgrenze. Aufgrund 'Throes Of Atonement' und paar Lichtblicken im Schlussepos gaaaaaanz ganz knappe vier Blutstropfen. Mehr ist hier leider nicht drin und nach der Bandhistorie sollte man mehr erwarten dürfen. Gesamtwertung: 4.0 Punkte
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| Trackliste | Album-Info |
| 01. Seasons Of The Owl 02. Luna 03. Gone Epoch 04. Stormcarrier 05. Starbath 06. On These Haunted Shores 07. The Ghosting 08. Throes Of Atonement 09. The Weeping 10. Reader Of The Runes - Book II | Band Website: www.elvenking.net Medium: CD, digital Spieldauer: 54:53 Minuten VÖ: 11.04.2025 |
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Zugegeben: Wenn man ein Album von ELVENKING zur Rezension zieht, weiß man ungefähr, was einen erwarten würde. Selbst, wenn man mit der Band überhaupt nicht vertraut ist. Bandname und Cover reichen hier aus und man weiß Bescheid. Als Teil einer Konzept-Reihe soll "Reader Of The Runes - Luna" aber flotten und von Celtic Folk beeinflussten Power Metal darbieten, was im Prinzip ja nicht so übel klingt und einen entweder in mystische Fantasielandschaften einer vergangen Zeit entführt oder zur feucht-fröhlichen Party animiert. Das Tribal-Intro klingt da auch noch vielversprechend, dass hier Storytelling erfolgen wird, wird aber leider ziemlich rasch durch klinische Chor-Samples gekillt. Und ich frage mich: Was passiert hier? Völlig unpassend überladene Keyboards kleistern die Gitarren sofort zu, bis sich eine mal im Solo-Sound freischwimmen kann. Der Gesang von Damna setzt hektisch und gekünstelt ein und der Sound klingt irgendwie gar nicht homogen. Über das ganze Album werden lustvoll Regler rauf und runter gedreht - da kommen plötzlich mal Gitarren fett rein, dann verschwinden sie wieder, dann fiedelt es und irgendwie bleibt kein Soundeindruck mal dauerhaft bestehen. Die Power-Vocals sind eigentlich ganz ordentlich und auf den Punkt, aber offenbar hat Damna seine Range an Ausdruck auf dieser Scheibe weit überschätzt. Die ruhigen und tiefen Vocals am Anfang des Titelsongs klingen wie beim lustlosen Vorsingen in der 10. Klasse. In 'The Ghosting' versucht er sich an gekünsteltem Gekrächze, was einfach nicht wirkt, und immer wieder klingen die Vocals einfach überfordert ('Starbath', 'Reader Of The Runes - Book II').
