Reckless Love - Turborider

Review von Elvis vom 26.03.2022 (1763 mal gelesen)
Reckless Love - Turborider Es ist mittlerweile tatsächlich schon geschlagene sechs Jahre her, dass RECKLESS LOVE ihr letztes Album "InVader" veröffentlicht haben. Klar, die Pandemie hat natürlich nicht geholfen, aber nachdem wir uns auch dadurch in einer Situation befinden, wo Rohstoffknappheit tatsächlich zu einer erneuten Verschiebung führt, denn eigentlich sollte das neue Album "Turbo Rider" bereits Ende Februar erscheinen. Wegen Vinyl- und Papiermangel hat man sich entschlossen, das nochmals einen Monat rauszuschieben. Nun ja, es ist jetzt dann also endlich Zeit für "Turbo Rider", wie ist das neue Werk der Finnen um Olli Herman denn im Ergebnis ausgefallen?



So viel kann man direkt vorausschicken: das hängt ganz wesentlich davon ab, wie gut einem der für dieses Album eingeschlagene klangliche Stil zusagt. RECKLESS LOVE haben sich nämlich für "Turbo Rider" - man kann es anhand der Promo-Fotos, Videoclips als auch des Album-Covers vermuten - nämlich sehr stark von Synthwave beeinflussen lassen. Das bedeutet, es gibt neben vollständig elektrischen Drums auch die entsprechenden sehr präsenten Synthesizer-Klänge. Das Album fängt mit 'Turbo Rider' als Opener für RECKLESS LOVE-Verhältnisse ziemlich hart an. Gewisse klangliche Reminiszenzen an JUDAS PRIEST zu "Turbo"-Zeiten sind für mein Empfinden durchaus bewusst mitschwingend und ich glaube, der Song würde auch von JUDAS PRIEST gespielt bzw. Rob Halford gesungen ziemlich gut klingen. Eine Auskopplung als Single vor Veröffentlichung des Albums war da an sich nur logisch. Der Übergang zu einer weiteren Single ist auf dem Album bei 'Eyes Of A Maniac' so fließend, dass ich mich Sänger Olli Herman anschließen möchte, der im Interview meinte, die Songs wäre für ihn kaum voneinander zu trennen. Lyrisch für RECKLESS LOVE ungewohnt düster (es geht um die persönlichen inneren Dämonen), ist 'Eyes Of A Maniac' sehr eingängig und hat auf angenehme Weise einen einerseits modernen, aber auch zeitlosen Vibe. Hätte man diesen Song beispielsweise auf dem Soundtrack zu einem Serienkiller-Film platziert (mit dem Film "Maniac" hat er inhaltlich übrigens nichts zu tun), er würde sich prächtig dort machen. Eher Videospiel-inspiriert kommt die nächste Single daher, die auf den Namen 'Outrun' hört und tatsächlich auch von dem alten Sega-Klassiker inspiriert wurde. Der Song kann melodisch überzeugen und hat mit seinem klaren 80er Vibe echten Ohrwurm-Charakter.



Nach drei echten Treffern folgt nun mit 'Bark At The Moon' ein Song, der vermutlich recht kontrovers diskutiert werden dürfte. Ja, es handelt sich um ein echtes Cover (bislang gab es ja nur mal Akustik-Cover als Bonustracks) und ja, es handelt sich um den OZZY-Klassiker. Der Song ist im Grunde gar nicht mal so weit weg von der Originalversion, wesentliche Unterschiede sind die elektrischen Drums, verstärkte Synthesizer natürlich und im Refrain der Einsatz von Vocal Harmonies, während OZZY bekanntlich allein sang. Im Albumkontext fügt 'Bark At The Moon' sich tatsächlich nahtlos und gut in den Flow ein, weswegen ich das Cover insofern deutlich besser empfinde als ich es vor dem ersten Hören erwartet hätte. Kompetent gecovert ist es zweifelsohne und wer sich für die Hintergründe interessiert, kann gerne im Interview mit Olli mehr dazu erfahren. Wie gesagt kann ich jedoch auch verstehen, dass sich daran durchaus die Geister scheiden werden.



Mit 'Kids Of The Arcade' folgt ein cooler Song, der sich mit der Jugend beschäfitgt, die sich früher in Finnland gerne in den dortigen Spielhallen traf, wo man Videospielautomaten spielte, Rockmusik hört und seine Freunde traf. Für deutsche Verhältnisse mutet das angesichts der restriktiven Haltung zu Spielhallen allgemein zwar ein bisschen seltsam an, aber der Song ist cool geworden. 'Prelude (Flight Of The Cobra)' ist ein durch Synthwave-Effekte aufgemotztes Gitarrenintro zu 'Like A Cobra'. Der Song versprüht einen gewaltigen 80er-Flair, denn der Synthie-Faktor ist immens. Allein der eingängige Refrain sollte live richtig gut einschlagen und auch der übrige Song ist nicht von schlechten Eltern. 'For The Love Of Good Times' ist ein weiterer fröhlicher und eingängiger Song, der auch live prima funktionieren dürfte und einen mit guter Stimmung zurücklässt.



Gute Stimmung ist ein passendes Stichwort, denn ''89 Sparkle' ist ein echter Sommer-Party-Song, der sich ein bisschen in den Gefilden einer Kreuzung von 'Coconuts' von "Animal Attraction" oder 'Hot' bewegt - Strand-Faktor immens! Satt weiter geht es mit 'Future Lover Boy', der mit seinem flotten Tempo und einem schön anzüglichen Inhalt überzeugt. Der Song baut sich schön bis zum Refrain auf, der direkt im Kopf bleibt. Und dann sind wir nach nur einer guten halben Stunde schon beim letzten Song des Albums 'Prodigal Sons' angekommen, der deutlich düsterer daherkommt, aber mit einem donnernden Riff, krachenden Synthies und einem extrem coolen Gesang von Olli überzeugen kann. Vielleicht mit der modernste Song des Albums, wenn man meiner Frau etwa glauben darf - aber verdammt cool und eingängig und mit einem schönen Gitarren-Solo. Im positiven Sinne hätte dieser Song echtes Mainstream-Radio-Potential vorzuweisen.

Kommen wir damit zum Fazit von "Turbo Rider". Wie bereits gesagt, man muss natürlich den starken Synthie-Einfluss mögen, der aber schon immer partiell bei RECKLESS LOVE dabei war. Denken wir nur an 'Back To Paradise', 'Dance' 'Dirty Dreams', 'Edge Of My Dreams', 'Scandinavian Girls' oder 'Child Of The Sun': es ist im Grunde dieser Sound, der hier auf die Spitze getrieben wird. Meines Erachtens klingen RECKLESS LOVE daher immer noch so wie immer, aber trotzdem ein bisschen anders. Wer JUDAS PRIEST zu "Turbo"- oder "Ram It Down"-Zeiten mag, wer "Skyscraper" von DAVID LEE ROTH oder "5150" von VAN HALEN mochte oder auch "Eliminator" und "Afterburner" von ZZ TOP klanglich viel abgewinnen konnte, der hat gute Chancen, dass er auch "Turbo Rider" lieben wird. Auch das Cover von OZZY ist im Kontext des Albums gut und passend. Wer mit all dem nicht so viel anfangen kann und etwa ein zweites "Animal Attraction" erwartet, könnte daher vielleicht einen Ticken enttäuscht sein. Ich finde, RECKLESS LOVE gehen den richtigen Schritt, nicht jedes Album gleich klingen zu lassen und sich weiterzuentwickeln. Künstlerisch finde ich das deutlich spannender als den Versuch, immer nur die komplett gewohnte Kost zu servieren.

Wie gesagt, vielleicht mag dieses Album teils die Gemüter ein wenig spalten, aber wenn man sich darauf offen einlässt, bekommt man mit "Turbo Rider" ein Album, bei dem die gewohnten und neuen Elemente wunderbar ineinandergreifen und RECKLESS LOVE hoffentlich einen echten Erfolg bescheren werden. Und live sollte das alles wirklich verdammt gut klingen.

Gesamtwertung: 9.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01.Turborider
02. Eyes Of A Maniac
03. Outrun
04. Kids Of The Arcade
05. Bark At The Moon
06. Prelude (Flight Of The Cobra)
07. Like A Cobra
08. For The Love Of Good Times
09. ’89 Sparkle
10. Future Lover Boy
11. Prodigal Sons |
Band Website:
Medium: CD + LP + digit
Spieldauer: 35:11 Minuten
VÖ: 25.03.2022

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Lieber Gurkengandalf. Geschmäcker sind nunmal verschieden, was auch Du akzeptieren solltest. Elvis gefällt die Scheibe, und wie in seinem Review deutlich zu erkennen ist, hat er sich auch ordentlich mit der Platte beschäftigt und ziemlich viel Zeit in Review und Interview investiert. Wenn Dir die Platte nicht gefällt, ist das absolut ok, dann bist Du eben nicht die Zielgruppe. Du hast wie wir alle eine Meinung, bist aber eben auch nicht (wie wir alle) im Besitz der Wahrheit. Die Kommentarfelder dienen jeder/jedem zum Kommentieren und Einbringen seiner Meinung. Wenn es Dir aber nur darum geht, persönliche Giftpfeile abzuschießen und untergriffig zu werden, verdirbt uns das den Spaß am Lesen und das hat dann auch nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun. Dass Du pointiert schreiben kannst, hast Du in vielen Kommentaren gezeigt, aber wenn es ätzend und untergriffig wird, sind wir leider gezwungen, die Kommentare zu löschen.
(03.04.2022 von des)

Das Bark AT the moon Cover ist echt zum Mond anheulen, wie tief kann man noch warten in der braunen sauce, minus 10 wäre hier die korrekte Bewertung, erstaunlich wie lahm und geistlos man diesen Klassiker dudeln kann, den Geschmack des Rezensenten kann man nur bemitleiden, lizenz zum rezensieren von Metal Platten gehört entzogen, und viele nachsitz Stunden in classic Metal sind dringend geboten, also Highway to hell, paranoid smoke on the water, es mangelt ganz offensichtlich an den basics!
(26.03.2022 von Gurkengandalf)

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