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Wytch Hazel - III: Pentecost

Review von Divine Victim vom 29.10.2020 (800 mal gelesen)
Wytch Hazel - III: Pentecost WYTCH HAZEL sind ein Phänomen. Als Teil der NWOTHM oder spezifischer der New NWOBHM reihen sie sich neben Bands wie DARK FOREST, SEVEN SISTERS oder MIDNIGHT FORCE ein und haben es so geschafft, traditionellen Stahl qualitativ wieder auf ein aus den 80ern bekanntes Level zu heben. Auch wenn ich sagen würde, dass bereits DARK FOREST oder SEVEN SISTERS einen total einzigartigen Sound haben, sticht das Quartett aus Lancaster im Nordwesten Englands soundtechnisch doch am meisten heraus. Woran liegt das und wie haben sie es geschafft, sich an die Speerspitze dieser neuen Welle zu spielen?

2011 gegründet, nahmen WYTCH HAZEL nach einer Single, einer EP und mehreren Splits erst ab 2016 richtig Fahrt auf. Das liegt am genialen Debütalbum "Prelude"! Mit ihrem erfrischenden Epic Metal/Rock à la ASHBURY, THIN LIZZY, JETHRO TULL oder auch PAGAN ALTAR mit einem sehr prägnanten mittelalterlichen Feeling haben sie es bereits beim ersten Hören geschafft, mich vollkommen zu überzeugen und mich vollends in ihren Bann zu ziehen.
imgleftMit dem Nachfolger "II: Sojourn" konnte die Band um Kopf Colin Hendra (Vocals und Gitarre) ihr hohes Niveau halten, auch wenn man hier etwas klassischer, WISHBONE ASH-mäßiger unterwegs war. Nun folgt das dritte Album "III: Pentecost" und die Erwartungen sind bei zwei Vorgängern im Neuner/Zehner-Bereich dementsprechend hoch. Die Voraussetzungen sind vielversprechend: Bis auf einen Wechsel des Bassisten, Andy Shackleton löst Matt Gatley ab, ist das Line-up unverändert geblieben. So sind neben Colin Hendra auch wieder Alex Haslam (Gitarre) und Jack Spencer (Schlagzeug) an Bord. Über Letzteren habe ich erst vor kurzem erfahren, dass er blind ist. Da ist es einfach beeindruckend und schön zu sehen, dass er heute in einer doch so oberflächlichen Welt ein selbstverständliches Mitglied einer genialen Rockband ist, in der es ausschließlich auf Können und Menschlichkeit ankommt!

Inhaltlich dreht es sich wie auf den Vorgängeralben wieder um christliche Themen, was hauptsächlich daran liegt, dass Textschreiber Colin Hendra der Pfingstbewegung angehört. Und seien wir mal ehrlich, bei IRON MAIDEN stört es uns auch nicht, dass sie über den Teufel singen. Mir als strengem Atheisten, der bei so was immer skeptisch ist, ist es wichtig, dass ich ausdrücklich betone, dass die Texte absolut nicht aufdringlich sind, nicht zum Konvertieren auffordern, geschweige denn behaupten, dass die dort besungene Art zu leben, die einzig richtige sei. Ganz im Gegenteil, sie sind lyrisch wirklich durchdacht konzipiert worden, bieten viel Interpretationsspielraum und schaffen es, in wirklich harmonierender Manier tolle Geschichten zu erzählen. Vor allem passen sie auch zu der mittelalterlichen Atmosphäre, wodurch das Album nochmal mehr an das fantastische Debüt erinnert.

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Auch musikalisch erfindet man sich nicht neu. Das ist aber auch nicht notwendig, denn es gelingt WYTCH HAZEL, ihren eigenen Sound noch einmal an vielen Ecken zu optimieren, die besten Elemente der letzten Alben wieder aufzugreifen und trotz ihres Klammerns an ihr musikalisches Kerngerüst unglaublich viel Abwechslung zu kreieren. Mein bisheriger Lieblingssong von WYTCH HAZEL, 'Barrow Hill' vom Vorgänger, eine eher ruhige, aber wirklich emotionsgeladene, epische Nummer, wurde auf diesem Album mehrmals übertroffen! Auf diesem Album ist der Sound etwas direkter und mächtiger, Colins Vocals waren zwar bereits sehr gut, klingen auf diesem Album aber nochmal besser. Mehrschichtig aufgenommen übermitteln sie die Emotionen nochmals besser. Mit mehr hoch gesungenen Passagen und Screams dringt der Klang bis zu den Knochen. Die Gitarren sind wirklich abwechslungsreich und wechseln zwischen klassischem Rock, Heavy Metal, höchst epischen Passagen, aber auch Klängen wie Southern Rock mühelos hin und her. Wundervolle sanfte Melodien finden genauso einen Platz wie mächtige Powerchords, aber auch vertrackte, epische Soli - und das in vielen unterschiedlichen Tempi. Auch emotional ist es eine Achterbahnfahrt, zwischen optimistisch fröhlichen Nummern wie 'I Am Redeemed', nachdenklichen Nummern wie 'Dry Bones', zu düsteren Nummern voller Endzeitstimmung mit dem passenden Namen wie 'Reap The Harvest' oder auch wieder balladesken Klängen wie in 'The Crown' ist alles dabei. Songs wie 'He Is The Fight' oder 'Spirit And Fire' sind dahingegen einfach typisch lockere WYTCH HAZEL-Klänge. Das ruhige Instrumental 'Sonata', gespielt mit klassischen Instrumenten, dient sehr gut dem Aufbau von Atmosphäre, ebenso wie das gesprochene Intro von 'Ancient Of Days', welches mir am zweitbesten gefällt, kombiniert es doch viele Aspekte, die WYTCH HAZEL so stark umsetzen: Atmosphäre, Emotionen, Eingängigkeit, Griffigkeit und natürlich eine geniale Performance von allen Bandmitgliedern. Der beste Track des Albums und damit auch von der ganzen Bandgeschichte ist der geniale Song 'Archangel'. So eingängig war bis jetzt kein WYTCH HAZEL-Song und noch kein Song hat mich bis jetzt so sehr gepackt. Er hat einfach alles, was ich mir von einem Epic Rock-Song wünsche.


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Fazit: Brauch' ich noch was sagen? "III:Pentecost" ist zweifelsohne das beste Album, welches WYTCH HAZEL in ihren neun Jahren Bandgeschichte veröffentlicht haben. Fans von klassischem Rock müssen sowieso in diese Sensation reinhören, aber auch Epic und Heavy Metaller werden ihre Freude an diesem Album finden und so wie ich einfach nicht mehr genug davon bekommen. Musikalisch ist es für Großbritannien ein ganz starkes Jahr, so ziehen WYTCH HAZEL mit DARK FOREST gleich, ein absolutes Jahreshighlight abzuliefern. Mein Verlangen, diese geniale Band endlich mal live zu sehen, ist mit diesem Album ins Unermessliche gestiegen. Zusammenfassend kann ich einfach nur noch sagen, dass das Album euch keine andere Wahl lässt, als es zu hören. Es verbindet so viele fantastische Elemente und verbindet sie in so durchdachter und einfühlsamer Weise, man ist wahrlich zum Kern der Musik vorgedrungen und hat alles getan, um dem Hörer die Emotionen und Leidenschaft in jeder einzelnen Note zu offenbaren. Möglicherweise ist dies das Album des Jahres, wenn nicht sogar das des kommenden Jahrzehnts. Von mir gibt es zum Abschluss nur noch ein Wort zu sagen: Höchstnote! (Kriegste auch für deinen mitreißenden Text - Blaze Breeg, der Editor)



Gesamtwertung: 10.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood blood
Trackliste Album-Info
01. He Is The Fight
02. Spirit And Fire
03. I Am Redeemed
04. Archangel
05. Dry Bones
06. Sonata
07. I Will Not
08. Reap The Harvest
09. The Crown
10 . Ancient Of Days
Band Website: www.facebook.com/wytchhazel
Medium: CD
Spieldauer: 42:48 Minuten
VÖ: 30.10.2020

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Diesen Kommentar verbuchen wir mal unter Satire.
(14.11.2020 von Blaze Breeg)

Irrsinnig, wie alle Welt auf diesen mäßigen Pop Rock anspringt, jeder ordentliche Metaller sagt: dann doch lieber ein bisschen was lauteres...
(05.11.2020 von Gurkengandalf)

WYTCH HAZEL sind live in der Tat ein Erlebnis. Auf dem vorletzten Hell Over Hammaburg sind sie dank eines Fehlers der benutzten Fluglinie ohne eigene Instrumente (und ohne Merch) an der Elbe gestrandet. Das hat sie nicht daran gehindert, mit geborgtem Equipment einen fantastischen, emotionsgeladenen Gig zu spielen, der alle restlos begeistert hat, egal ob Classic Rock- oder Black Metal-Fan. Wenn es in dieser Welt gerecht zuginge, wären WYTCH HAZEL Headliner auf großen Festivals. Aber vielleicht ist es gut so, dass diese sehr besondere Truppe nicht im Scheinwerferlicht steht. Ich glaube, allen voran Colin möchte das gar nicht...
10/10   (29.10.2020 von Blaze Breeg)

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