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Crépuscule d'Hiver - Par-Delà Noireglaces Et Brumes-Sinistres

Review von Divine Victim vom 28.10.2020 (828 mal gelesen)
Crépuscule d'Hiver - Par-Delà Noireglaces Et Brumes-Sinistres Normalerweise höre ich hauptsächlich klassischen Heavy Metal; Extreme Metal hingegen reizt mich eher selten. So ist es fast schon eine Überraschung, dass ich mit "Par​-​Delà Noireglaces Et Brumes​-​Sinistres" von CRÉPUSCULE D'HIVER mein erstes Black Metal-Album reviewe. Und dies hat auch einen ganz einfachen Grund: Bei der Beschreibung "Medieval Black Metal" kann mein geschichtsbegeistertes Herz einfach nicht widerstehen.

Was steckt denn in der Beschreibung "Medieval Black Metal"? Tja, normalerweise würde man an dieser Stelle Folkinstrumente erwarten und an die typischen Pagan und Folk Metal-Bands denken. Aber nein, das ist nicht der Fall. Neben den typischen Instrumenten hat man sich nämlich einen Synthesizer zunutze gemacht, der besonders was Melodien angeht, eine tragende Rolle einnimmt und dennoch einen leichten Folktouch mit sich bringt. Selbst die beiden Synthie-Instrumentals (Track eins und sechs - der Autor) reißen einen völlig mit, weil auch in ihnen soviel Energie, Emotionen und Melodie stecken. CRÉPUSCULE D'HIVER, zu Deutsch Winterdämmerung, ist ein Einmann-Projekt des Franzosen Stuurms, der mit dem Demo "Songes Hérétiques" 2018 erstmals auf der Bildfläche erschien. Irgendwann stieß allerdings NKLS noch dazu, welcher sowohl die Drums als auch den Bass, die Stuurm ursprünglich digital einsetzte, übernahm. Weitere Infos zu der Band kann ich leider nicht geben, da sie einerseits nicht bekannt sind und da ich keinen Zugriff auf die Presseinformationen hatte. Dies ist auch nicht so wichtig, da es hier ja viel mehr um die Musik geht und die haut mich wirklich aus den Socken!

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Da ich bei Musik auf Schubladendenken stehe, weil es einem den besten Überblick über die zu hörende Musik gibt, würde ich CRÉPUSCULE D'HIVER mal als episch-atmosphärischen Medieval Synth Black Metal bezeichnen. Dank Synthesizer, im Hintergrund liegenden Chören, Effekten, vertrackter Songstrukturen sowie Passagen mit einer Sängerin wird ein Raum mit sehr tief greifender Atmosphäre gefüllt, die mehrmals ein düsteres mittelalterliches Bild mit enger Verbundenheit zur Natur herbeiruft. Die Übersetzung des Bandnamens "Winterdämmerung" sowie das wirklich eindrucksvolle Cover spielen sich hier ebenso mit ein. Und obwohl die düstere Stimmung, die sich auch in den Genre-typischen Vocals widerspiegelt, durch's ganze Album zieht, bietet das Album noch viele weitere Stimmungen auf. Im wirklich mächtigen Klang, verziert mit sehr passenden Effekten, wie das Läuten von Glocken, und geprägt von melancholisch-epischen Melodien, fühlt man sich als kleiner Teil von etwas Großem. Mir hat sich besonders die Vorstellung, planlos in einer kalten, düsteren mittelalterlichen Welt umherzuirren, bedrückt von dem Gedanken der nahenden Endzeit, eingeprägt. Denn besonders auf emotionaler Ebene hat dieses Album eine große Wirkung, ist es doch selbst voller Emotionen. Über's Album hinweg wandelt man zwischen dem Grat von Verzweiflung, Hoffnung, Aussichtslosigkeit sowie Hass und Ahnungslosigkeit. Ein weiteres Konzept, welches vorkommt und natürlich untrennbar vom Mittelalter ist, ist die Kirche und der Glaube. Ich meine aus der Musik herauszuhören, dass man die Kirche als mächtig und bedrohlich darstellen wollte, was meiner Meinung nach völlig gelungen ist. Dies spiegelt sich, soweit ich es beurteilen kann, auch in den französischen Lyrics wider. Ebenso ist auch das Konzept des Krieges wiederzufinden. Getrieben von Glaube und Emotion widersetzt man sich den Tyrannen jener Zeit, weltlichen aber besonders den geistlichen. Dabei offenbart sich, dass der wahre Feind doch der so zelebrierte allmächtige Herr ist, der für all das Leid und Elend verantwortlich ist. Somit fühlt man sich in dieser düsteren Zeit der Dunkelheit mehr zugezogen als dem Licht. Quelle der Energie ist hierbei die in romantischer Art (ich beziehe mich auf die kulturgeschichtliche Epoche - der Autor) beschriebene makellose Natur.

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Fazit: Dieses wirklich geniale Album lädt zum Träumen ein. Es zieht einen bereits beim ersten Klang in seinen Bann. Bis jetzt war ich nie ein Fan von Synthesizern, aber Stuurm hat mir gezeigt, wozu sie in der Lage sind und es haut mich um. In dieser dominanten Form sind sie nahezu alleine für die unglaublich schönen, packenden Melodien verantwortlich und sind dabei aber alles andere als kitschig. Als Anspieltipps muss ich euch das ganze Album nennen; selten habe ich so ein durchdachtes und zielgenau getaktetes Album gehört. Die Komplexität und schiere Endlosigkeit (im positiven Sinne - der Autor) spiegeln sich auch in den Längen der Songs wider - bis auf die Instrumentals sind alle Lieder zwischen acht und 20 Minuten lang. Das Album ist verwunschen und verträumt, es versetzt einen direkt in jene oben beschriebene Welt. Es sollte nicht nur Genre-Fans gefallen, sondern auch Leuten mit einem feinen Melodieverständnis, denen es aber nicht wichtig ist, sich kurz mit Adrenalin vollzupumpen, sondern die sich für ein ausgefeiltes, selbstverwirklichendes Stück Kunst Zeit nehmen und es genießen wollen. Mich als Fan von atmosphärischer, epischer Musik, für den Musik mehr ist als nur ein kurzweiliges Genussmittel oder ein kommerzielles Produkt, hat das Album absolut geflasht. Ich hoffe, euch hat dieses etwas andere Review gefallen, aber ein Werk soll man angemessen beurteilen. "Par​-​Delà Noireglaces Et Brumes​-​Sinistres" ist ein einmaliges Werk, das, obwohl es nicht mein Lieblingsgenre ist, auch in Zukunft einen Platz in meiner Hall of Fame einnehmen wird! Dieses Album spiegelt wirklich das wider, was laut meiner Definition Kunst ist!



Gesamtwertung: 9.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Que lL Gloire Soit Notre!
02. Le Sang Sur Ma Lame
03. Héraut De L'infamie
04. Tyran De La Tour Immaculée
05. Le Souffle De La Guerre
06. Les Larmes D'un Spectre Vagabond
07. Par​-​Delà Noireglaces Et Brumes​-​Sinistres
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 01:09:16 Minuten
VÖ: 25.09.2020

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28.10.2020 Par-Delà Noireglaces Et Brumes-Sinistres(9.5/10) von Divine Victim

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