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Lonewolf - Divison Hades

Review von Divine Victim vom 25.09.2020 (1728 mal gelesen)
Lonewolf - Divison Hades Die Franzosen LONEWOLF haben sich in der Underground-Szene bereits einen großen Namen gemacht, dank Jens Börners kraftvoller, rauer Stimme, der mächtigen energiegeladen Riffs und der eingängigen Chorusse zum Mitgrölen. Was wir hier haben, ist purer True Metal mit einer ordentlichen Speed-Kante und einem Tüpfelchen Epik, das in früheren Alben aber eine größere Rolle gespielt hat. Auch wenn man auf dem zehnten Album "Division Hades" auf das altbewährte Erfolgsrezept setzt, macht man hier etwas gewaltig falsch und schießt sich ins eigene Bein.

Dabei startet das Album echt stark und sehr emotional. So handelt der Opener 'The Last Goodbye' von dem Verlust eines Elternteils und spiegelt die Emotionalität sehr eindrucksvoll, auch durch ein Deutsch-gesprochenes Intro, wider. Besonders der Opener gefällt mir wirklich gut, der Übergang von tiefer Trauer hin zum kraftvollen Weitermachen gelingt ihnen sehr gut und dazu ist er sehr eingängig und mitreißend. 'Manilla Shark' ist ein Tribut an die 2018 verstorbene Epic Metal-Legende Mark 'The Shark' Shelton (R.I.P.), Kopf der Band MANILLA ROAD, von der Sänger und Gitarrist Jens Börner ein großer Fan ist. Wohlgesonnen, musikalisch aber wenig beeindruckend, hier gefällt mir der Tribut 'The Shark' von der spanischen Band WAR DOGS deutlich besser. Der Closer 'Drowned In Black' sticht zum Abschluss nochmal deutlich hervor. Mit neun Minuten Laufzeit eine ziemlich epische Nummer, die es in sich hat. Aber das ist auch nicht das Problem. Musikalisch ist das Album hochwertig, die Gitarren sind wirklich hervorragend und man macht das, wo man weiß, dass man es kann. Ein roher, harter Sound, der im Kern auf Emotionen trifft. Nein, das Problem liegt irgendwo anders: in den Texten.

Die zwei Texte, die mich hier wirklich enttäuschen, sind die vom Titletrack 'Division Hades' und 'The Fallen Angel'.

"people still believe they’re living in democracy and freedom in fact they control our lives and forbid more and more" - "Leute glauben, dass sie in Demokratie und Freiheit leben, in Wahrheit kontrollieren sie (der Staat, Anm. DV) unsere Leben und verbieten mehr und mehr"

"All liberty is dying now" - "jede Freiheit stirbt jetzt"

Beides sind Auszüge aus dem Lied 'Divison Hades'. Ähnlich wie bei der Querdenker-Bewegung, anderen Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremen wird hier der Staat als Feind dargestellt, da er angeblich unsere Freiheiten stiehlt. Nicht nur ist das meiner Meinung nach nicht zutreffend, sondern auch unweigerlich, ob gewollt oder nicht, ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, deren Freiheiten wirklich genommen wurden. Ein Verlust der Freiheit ist es, wenn man seinen Familien entrissen wird, in katastrophalen Bedingungen über's Meer geschleppt wird, um dann unter Qualen für jemanden arbeiten zu müssen, für den du nicht mehr wert bist als ein geringer Geldbetrag. Ein Verlust der Freiheit ist es, wenn dir nur wegen deiner Religion jegliche Existenzgrundlage geraubt wird, du unter ständiger Angst davor, verschleppt oder getötet zu werden, lebst oder dir vorgeschrieben wird, wo und wie du leben darfst. Wir in Deutschland und Frankreich haben so viele Freiheiten, dass es uns sogar in dieser schwierigen Zeit gestattet ist, unsere Meinung öffentlich kundzutun, uns zu versammeln und die Presse für unsere Zwecke zu nutzen. Es gibt Personen, die direkt von dem Virus betroffen sind, deren Angehörige erkrankt und sogar gestorben sind und welche, die trotz schwerer Krankheit nicht von ihren Geliebten im Krankenhaus oder Altenheim besucht werden können. Wir haben selbst zu dieser Zeit mehr Freiheiten, als wir je hatten, aber was jetzt gefragt ist, ist Solidarität, ist Zusammenhalt. Würden wir uns zusammenreißen, würden wir dafür sorgen, dass Leute in angemessenen Verhältnissen arbeiten und leben und würden wir wenigstens einmal solidarisch sein, dann wäre das Virus mittlerweile ein viel kleineres Problem.

Wie LONEWOLF sich hier verhalten, ist meiner Meinung nach sehr undifferenziert und angesichts der Beschaffenheit unserer liberalen, westlichen Demokratie, die Minderheiten zum Glück mehr Rechte als jemals zuvor in unserer Geschichte einräumt, gleichzeitig ziemlich anachronistisch. Für mich ist es einfach schade, da man musikalisch wirklich gute Arbeit abgeliefert hat, die Fans der Band und Fans ähnlicher Musik definitiv gefallen wird. Ich persönlich kann die Musik in dem Fall aber leider nicht von ihrem Inhalt trennen und weigere mich deswegen, eine Bewertung abzugeben.

- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. The Last Goodbye
02. The Fallen Angel
03. Division Hades
04. Manilla Shark
05. Underground Warriors
06. To Hell And Back (InstruMETAL)
07. Alive
08. Lackeys Of Fear
09. Silent Rage
10. Drowned In Black
Band Website: www.chez.com/lonewolfweb/
Medium: CD
Spieldauer: 50.23 Minuten
VÖ: 25.09.2020

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Klare Worte, Danke.
(25.09.2020 von Guido W.)

Es war wie immer eine Freude, deinen Text zu lesen. Bewahre dir auch in der Zukunft deine kritische Haltung, es wird viel zu viel kommentarlos abgefeiert oder einfach durchgewunken. Mit MusikJOURNALISMUS hat das nix zu tun. Insofern: Danke dir!
(25.09.2020 von Blaze Breeg )

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