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Neal Morse - Sola Gratia

Review von Metal Guru vom 13.09.2020 (477 mal gelesen)
Neal Morse - Sola Gratia Neal Morse (Ex-SPOCK'S BEARD, FLYING COLORS, NEAL MORSE BAND, TRANSATLANTIC, YELLOW MATTER CUSTARD, solo) scheint nicht nur vom lieben Gott geleitet, sondern auch vom bösen Teufel getrieben zu werden: Abgesehen von seinen mannigfaltigen Bandaktivitäten haut er in atemberaubender, beängstigender, geradezu grotesker Geschwindigkeit ein mehr oder weniger religiös motiviertes Konzept-Album nach dem anderen raus. Dabei haben seine gar nicht sooo bekannten, gar nicht sooo erfolgreichen Solo-Scheiben "Neal Morse" (1999), "It's Not Too Late" (2002), "Get In The Boat" (2013), "Songs From November" (2014) oder "Life And Times" (2018) zwar AUCH, aber eben nicht NUR mit Religion zu tun, sind für Morse-Verhältnisse (fast) unproggige, (fast) einfache, (fast) akustische Alben. Ich gebe zu, den Überblick über Neals Schaffen mittlerweile hoffnungslos verloren zu haben, aber wann auch immer 'was Neues' angekündigt wird, bestell' ich blind beziehungsweise kauf' ich taub und so richtig enttäuscht (was auch immer DAS im Falle Morse bedeuten soll) war ich im Gegensatz zu so manch anderem Schreiberling noch nie. Mit anderen Worten: Ich mag diesen Typen, hab' ihn sogar mal in der Hamburger Markthalle interviewen können und bin immer wieder platt ob dessen Authenzität, Kreativität (= Output), Leidenschaft, Präsenz, Talent, Überzeugung, Vision!

"Sola Gratia" bietet 14 konzeptionelle Morse-Songs in 65 morschen Minuten und 43 spockigen Sekunden und wurde zwangsweise unter coronalen Bedingungen (= persönlich/räumlich/zeitlich getrennte Aufnahmen/Mischung/Meisterung, Datenaustausch per Email) realisiert. Allein der Titel klingt wie ein - beziehungsweise DER - Nachfolger der 2007er "Sola Scriptura", was zur einen Hälfte zutrifft, zur anderen nicht. Jene ("Scriptura") thematisiert das Leben Martin Luthers, diese ("Gratia") den Apostel Paulus, insofern diverse Differenzen bei religiösen Referenzen. Auch spielen (NICHT komponieren) - wie auf fast allen Morse-Produktionen - Randy George (vier oder fünf dicke Saiten), Eric Gillette (sechs oder sieben dünne Saiten), Bill Hubauer (weiße und schwarze Tasten) und Mike Portnoy (Becken und Trommeln) mit. Macht zusammen 5/5tel der NEAL MORSE BAND, aber genau DIE wird auf dem Cover NICHT genannt, stattdessen (nur) NEAL MORSE! Bedeutet das einen weiteren Solo Trip, no NEAL MORSE BAND anymore oder was? Im Vergleich zu Werken wie beispielsweise "Testimony (I und II)", "One" oder "?" fällt die tendenzmäßige Textlastigkeit der meisten Lieder auf, obwohl sich neben der obligaten 'The Overture' mit 'Sola Intermezzo' und 'March Of The Pharisees' auch weitere waschechte Instrumentals finden. DIE ergeben im Ganzen und Großen sicherlich Sinn, hätten von mir aus aber deutlich länger sein können (siehe hierzu auch den letzten Absatz). Was noch auffällt: Mr. Morse bedient sich seines selbst gezimmerten Musikbaukastens erwartungsgemäß exzessiv - Zitate, Variationen, Themen, Rhythmen, Melodien, Instrumentierungen, Breaks, Arrangements - alles schon mal irgendwo hier und irgendwie da gewesen, alles nicht neu, ABER: So virtuos, so routiniert und so professionell wie der fremdernannte 'Godfather Of Prog' (und das oder so was Ähnliches IST Neal Morse) zimmert momentan kein zweiter!

Dass, ob und warum Mr. Morse seine Musik ein um's andere Mal mit Religion verbindet, ist mir persönlich wurscht - für mich zählen in erster Stelle und (fast) immer faktische Frequenzen, Harmonien, Melodien, Rhythmen, Tempi und Tonfolgen. Dann - an 10ter bis 100ster Stelle - kommt der Text bzw. dessen 'Wert'. Als Vergleich führ' ich einfach mal den französischen Komponisten/Organisten Olivier Messiaen (kennt den irgendjemand?) an: DER hat zeitlebens seine (AUCH, aber eben nicht NUR instrumentalen) Kompositionen mit religiösen Titeln versehen. Die allein hätten mich NIE zu Monsieur Messiaen und seinen Werken geführt, möglicherweise sogar abgeschreckt. Aber Gott (!) sei Dank kam alles anders: Ohne zu suchen fand ich den Zugang zu seinen sowohl rhythmisch als auch melodisch als auch klanglich als auch arrangementmäßig anstrengenden Opi und nun - 30 Jahre später - geb' ich mir manchmal die volle (Kirchenorgel-)Dröhung. Keine ideologischen Inhalte, keine politischen Postulate, keine religiösen Regeln verwässern den für MICH fühlbaren 'Wert', zwingen mich in (anderer Leute Denk-)Richtungen, die mit faktischen Frequenzen, Harmonien, Melodien, Rhythmen, Tempi und Tonfolgen nichts zu tun haben. Ja, so seh' beziehungsweise hör' ICH das ...

Gesamtwertung: 7.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Preface (01:28)
02. Overture (05:59)
03. In The Name Of The Lord (04:27)
04. Ballyhoo (The Chosen Ones) (02:43)
05. March Of The Pharisees (01:40)
06. Building A Wall (05:01)
07. Sola Intermezzo (02:10)
08. Overflow (06:27)
09. Warmer Than The Sunshine (03:22)
10. Never Change (07:52)
11. Seemingly Sincere (09:34)
12. The Light On The Road To Damascus (03:26)
13. The Glory Of The Lord (06:17)
14. Now I Can See/The Great Commission (05:17)
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 65:43 Minuten
VÖ: 11.09.2020

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