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Osyron - Foundations

Review von baarikärpänen vom 11.07.2020 (2419 mal gelesen)
Osyron - Foundations Kanada wurde ja jahrelang eher stiefmütterlich behandelt, wenn es darum ging, großartigen Metal auf der Weltkarte zu platzieren. Klar, die richtig großen Namen wie RUSH, VOIVOD, EXCITER, um nur ein paar zu nennen, hat jeder im Hinterstübchen. Das hat sich aber in den letzten Jahren, zum Glück, geändert. Im Gegensatz zu den USA hat Kanada viel Land, aber weniger Menschen zu bieten. Und die, die sich der Musik verschreiben, liefern, obwohl größtenteils Underground, erstaunlich gute Qualität ab. Das gilt im vorliegenden Fall auch für OSYRON. Waren die ersten beiden Longplayer, "Harbinger" von 2013 und "Kingsbane" von 2017, noch Independent-Veröffentlichungen, sind die Ahornblätter mit "Foundations" nun bei einem Label gelandet.

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Offiziell läuft "Foundations" als EP, bietet aber mit seinen knapp 30 Minuten Spielzeit (Bonus-Song miteingerechnet) value for money. So mancher Punk- oder Black Metal-Truppe reicht diese Spielzeit für ein komplettes Album. Bevor wir uns der Musik widmen, aber einige Worte zu den Texten. Denn genau die sind es, bei denen man sehr genau zuhören sollte. OSYRON verarbeiten in den Texten die Geschichte ihrer Heimat Kanada und sind dabei schonungslos ehrlich, was man ihnen hoch anrechnen sollte. So tauchen sie in die Zeit der Kolonialisierung ein, den Kampf für ein friedliches Miteinander der Kolonisten und der indigenen Urbevölkerung (First Nations genannt in Kanada), Kanadas Rolle während des 1. Weltkrieges. Positiv fällt auf, dass OSYRON dabei auf den erhobenen Zeigefinger verzichten und sich strikt an die Fakten halten. Wer also noch etwas über die, zum Teil sehr dunkle, Geschichte des Landes erfahren möchte, wird hier bestens bedient.

War die Musik von OSYRON auf den Vorgängern noch stark vom Thrash beeinflusst, so haben die Kanadier den Thrash-Anteil merklich zurückgefahren, obwohl er immer noch deutlich zu vernehmen ist. Dafür wird der Anteil an Progressive Metal gesteigert. Stellvertretend dafür steht der Opener 'The Cross', in dem es um die Besiedlung des Landes geht, die Assimilierung der Ureinwohner. So heißt es im Text beispielsweise "Destroy the culture in favour of the king / And for God / They would learn to live like us / Or they would learn to die by the cross". Den Härtegrad von 'The Cross' behält auch 'Ignite' bei, ein Song, der den kanadischen Soldaten gewidmet ist, vor allem denjenigen, die in der sogenannten Dritten Flandernschlacht im Ersten Weltkrieg geradezu verheizt wurden. Eine echte Perle des epischen Songwritings ist dann 'Battle Of The Thames', der den Kampf des Shawnee-Häuptlings Tecumseh gegen US-Truppen und gegen die Unterdrückung der First Nations im Jahr 1813 thematisiert, in dessen Verlauf Tecumseh den Tod fand. Passend dazu der leicht folkige Beginn des Stücks, das sich im Verlauf immer weiter steigert und mit einem tollen Solo und einer Meisterleistung von Sänger Reed Alton aufwartet. Auch wenn das nachfolgende 'The Ones Below' Verlust und Trauer beschreibt, wartet es doch mit einer positiven Botschaft auf: die Gegangenen nicht vergessen, aber, oder besser genau deswegen, das Beste aus jedem Tag zu machen. Musikalisch erinnert der Song sehr an eine Mischung aus Melodic Metal und Glanztaten der NWoBHM. Eine starke Botschaft transportiert der abschließende Titelsong. Beginnend mit feinen Akustikgitarren, die schon nach kurzer Zeit der elektrischen Variante Platz machen, erinnern uns OSYRON daran, Verbrechen der Vergangenheit nicht zu vergessen, aber auch nicht die Augen vor den Ungerechtigkeiten unserer Zeit zu verschließen. Dass der Song an DREAM THEATER erinnert, ist durchaus kein Negativpunkt. Das sogar gegen Ende kurze Blastbeat-Passagen inklusive Growls auftauchen, macht ihn umso interessanter. Abgerundet wird meine Version von "Foundations" durch einen Bonus-Song, eine metallisierte Version der kanadischen Nationalhymne 'O Canada', was aber eher mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist, wenn man sich die Texte der anderen Stücke vergegenwärtigt.

Alles in allem ist OSYRON mit "Foundations" ein starkes Stück Musik gelungen. Was besonders positiv auffällt, sind das hervorragende Songwriting und die Abwechslung, die hier geboten wird, verbunden mit der wirklich tollen Produktion. Hört man sich die Vorgänger an, wird deutlich, wie sehr OSYRON sich weiterentwickelt haben. Wenn sie das weiter beibehalten, kann das nächste Album eigentlich nur ein Kandidat für die Höchstnote werden. Für "Foundations" gibt's auf alle Fälle satte neun Punkte.




Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. The Cross
02. Ignite
03. Battle Of The Thames
04. The Ones Below
05. Foundations
06. O Canada (Bonus)
Band Website: www.facebook.com/osyron
Medium: CD
Spieldauer: 30:01 Minuten
VÖ: 10.07.2020

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11.07.2020 Foundations(9.0/10) von baarikärpänen

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