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Weeping Echoes - The Past

Review von Blaze Breeg vom 24.06.2020 (520 mal gelesen)
Weeping Echoes  - The Past Bei WEEPING ECHOES handelt es sich um ein Solo-Projekt eines jungen deutschen Black Metal-Künstlers, der unter dem Pseudonym M. musiziert und gegenwärtig in Hannover lebt. Als Einflussfaktoren nennt er unter anderem ISKRA (Blackened Crust), TRAGEDY (Hardcore), IMBER LUMINIS (Atmospheric/Post-Black Metal) und FORTERESSE (Black Metal). Ich bin ihm sehr dankbar, dass der Release seines Demo-Debüts "The Past" mitten in die aufziehende Sommerhitze fällt: Die vier Songs senken die Zimmertemperatur nämlich auf einen Schlag um ein paar Grad. So kann ich Dezemberkind doch gleich viel entspannter arbeiten!

Wobei dieses Review mit Schufterei nicht viel zu tun hat. Ganz im Gegenteil: M.s erstes musikalisches Lebenszeichen ist zugleich ein dickes Ausrufezeichen! Klar, wir haben es hier mit einem ziemlich rohen Demo zu tun, bei dem (oh, Frevel!) ein Drumcomputer zum Einsatz kommt. Aber: Diese beiden Faktoren mindern das Hörvergnügen in keinster Weise. Woran das liegt? Primär an zwei Dingen: Zum einen an der Qualität der dargebotenen Songs und - ganz entscheidend - am Herzblut, das in den Kompositionen und im genretypischen Gesang steckt.

In stilistischer Hinsicht haben wir es vorwiegend mit atmosphärischem, melodischem Schwarzmetall mit hypnotisierenden Riffs zu tun, das mich mitunter an das polnische Nebelgeschwader oder ein bisschen an meine jüngste Black Metal-Entdeckung NAXEN erinnert. Vielleicht sollte der recht kurze Weg zwischen Hannover und Münster mal für das Einspielen einer Split genutzt werden? Ich reserviere schon einmal die Tape-Ausgabe! Da könnte ich mich übrigens auch mit einem weiteren melancholischen Keyboard-Outro wie hier, gemeint ist der Titeltrack 'The Past', anfreunden. Sehr stimmungsvoll - und ein wunderbarer Gegenpol zur gekonnten Raserei im Opener 'Sulphur Tears', der an die Altvorderen des Genres erinnert und schon fast Hitqualitäten aufweist.

Wenn Nachwuchskünstler das Spielfeld betreten, fragt man sich als Rezensent unweigerlich: Wie groß sind die Chancen, dass sie aus der Masse herausstechen? Was zeichnet sie aus? Was macht sie besonders? WEEPING ECHOES erfindet stilistisch nichts neu, aber das Projekt besticht durch Authentizität, Leidenschaft und Einfallsreichtum innerhalb der Genre-Grenzen. Wer mir nicht glaubt, möge einen längeren Blick auf die meist klischeefreien Texte werfen ('Sulphur Tears' ist auf dieser Ebene eher "klassisch", was aber nicht als Kritik zu verstehen ist). 'In Memory' geht richtig unter die Haut: Die sehr persönlichen Worte scheinen einem (viel zu früh) verstorbenen Menschen, der im Leben des lyrischen Ichs eine wichtige Rolle gespielt hat, gewidmet zu sein. Der Song beweist einmal mehr: Echte Kunst entsteht durch Leiden, durch Schmerz und Trauer - gerade im Black Metal. Es sind diese Worte, die sommerliche Gefühle vertreiben, aber trotzdem das Herz erwärmen, weil sie implizit Dankbarkeit für die gemeinsam verbrachte, kostbare Zeit ausdrücken. Ein akustisches, zutiefst menschliches Denkmal. Ich bin mir sicher, viele von uns finden sich hier wieder. Selbiges mag für die deutschsprachige Nummer 'Melancholie' gelten, in der 733 als Gast-Lyriker eine Glanzleistung abliefert. Dank ihm weiß ich Ruhrpottkind nun auch, was unter "Glosen" zu verstehen ist. Metal bildet! Warum sind die meisten anderen deutschen Texte eigentlich immer so einfältig? WEEPING ECHOES legt die Messlatte auf "The Past" allen voran in dieser Hinsicht gleich sehr hoch - und setzt sich somit von vielen Mitbewerbern, nicht nur im Black Metal-Genre, weit ab.

Hervorheben möchte ich obendrein das ausgesprochen geschmackvolle Artwork, für das S. verantwortlich ist. Ich habe in diesem Jahr vielleicht ein Cover gesehen, das mir etwas besser gefallen hat. Das Kunstwerk - mit dem schicken Bandlogo von K. - könnte auch eine gediegene Prog-Platte zieren, aber das Motiv passt zu den oben beschriebenen Inhalten. Die bunten Farben mögen manchen lichtscheuen Schwarzmetaller verschrecken: Ich bilde mir ein, dass der Maler hier auf die guten Zeiten anspielt, die sich im schmerzerfüllten 'In Memory' unter der Oberfläche verstecken. M. entpuppt sich, unabhängig von meinen holprigen Interpretationsversuchen, als Künstler, der keine Scheuklappen trägt und, ich wiederhole mich, Klischees meidet.

Insgesamt betrachtet macht M.s abwechslungsreiche Jungfernfahrt ohne jede Frage Lust auf mehr. Ob ich mir für künftige Veröffentlichungen eine Band im Studio wünsche, kann ich Stand jetzt gar nicht sagen, da der Solo-Künstler hier mit einem Mini-Budget einen tollen Job abgeliefert hat. Und gut (!) programmierte Drumcomputer sind, in meiner Welt, kein Minuspunkt. Gebt WEEPING ECHOES daher eine Chance, viel mehr Seele kann man nicht in knapp 24 Minuten pressen. Analysiert "The Past" nicht, fühlt es. Dementsprechend hier ausnahmsweise keine nackten Zahlen als Bewertung, lediglich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. Sulphur Tears
02. Melancholie
03. In Memory
04. The Past
Band Website: www.weeping-echoes.bandcamp.com
Medium: Digital
Spieldauer: 23:26 Minuten
VÖ: 23.06.2020

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24.06.2020 The Pastvon Blaze Breeg

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