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Late Night Venture - Subcosmos

Review von Zephir vom 12.12.2019 (691 mal gelesen)
Late Night Venture - Subcosmos Nun ist sie komplett, die kosmische Trilogie der Dänen LATE NIGHT VENTURE: 2012 bedachte "Pioneers Of Spaceflight" die Welt des Post Metal mit einer Portion Retro-Sci-Fi, 2015 widmete sich "Tychonians" dem dänischen Astronom Tycho Brahe, der 1572 als einer der ersten europäischen Sterngucker eine Supernova sichtete. "Subcosmos" vervollständigt die Reihe mit einer frappierenden Portion an irdisch-emotionaler Menschlichkeit im eigentlichen Sinne: Søren Hatvig, Michael Falk (beide Gitarre und Vocals), Jens Back (Bass), Peter Falk (Drums) und Jonas Qvesel (Synthesizer) kehren den kontemplativen Blick von den Weiten des Weltalls ab und richten sich retrospektiv auf persönliche, tief autobiographisch verscharrte Bild- und Klangwelten. Das Artwork von Alex Hettel deutet es schon an: Es sind die Dystopien zubetonierter Vorstädte der 1970er Jahre, die die Bandmitglieder selbst durchlebt haben und aus deren misanthropischen Nöten allzu junger Menschen nun ein "hartes, dunkles Mosaik" entstanden ist, wie Michael Falk beschreibt.

In einem finsteren Soundkoloss aus Post Doom, Sludge und experimentellem Extreme Metal frisst sich "Subcosmos" tief in die Gemüter seiner Hörerschaft. Schon in den ersten Takten des Openers 'Far From The Light' stecken gleichermaßen eine aufwühlende Aggression wie auch eine beängstigende Zerbrechlichkeit: Windrauschen, glockenspielähnliche, aber verfremdet verzerrte Töne wechseln mit donnernden Gitarrenriffs, die später einsetzenden Vocals sind wüstes Gebrüll. Der durch und durch rhapsodische Aufbau des Tracks kennt auch zwischenzeitliche Post-Rock-Klänge, die für dreidimensionale Sphäre sorgen, aber stets brutal und unnahbar bleiben. Für desolate Aggro-Stimmung sorgen auch die sperrigen Harmoniegefälle und die spannungsgeladenen Wechsel zwischen übersteuerten Klangungetümen und hypnotisch reduzierten Passagen in 'Bloodline'; die verzweifelten Screams werden mitunter abgelöst von dunkel raunenden, klaren Vocals: "He's got the whole world in his hands." Es scheint zynisch und hoffnungslos.

Die spaceig-psychedelischen Synthesizer in '2630' zeigen, dass sich LATE NIGHT VENTURE auf keinerlei Genre festnageln lassen möchten. Der Gesang, mystisch und beschwörend, wird gemeinsam mit den sludgeigen Saiten so manch einen Hörer an TRIPTYKONs 'Shatter' (2010) erinnern. Die Lyrics sind teils Dänisch gehalten und die CD lässt ein Booklet vermissen, was eine Interpretation des eigenartig betitelten Songs leider erschwert. 'Desolate Shelter' ist in extrem gedrosseltem Tempo und Stoner-mäßiger Trance überwiegend instrumental gehalten; erst gegen Ende fallenden heisere Screams mit ein. Der Titeltrack 'Subcosmos' schließlich ist derart psychotisch, dass er auch den späten CELTIC FROST alle Ehre machen würde. Spaceig-sphärische Synthies mischen sich zunächst mit einer sanft flüsternden Frauenstimme; die alsdann einsetzenden, tief schnarrenden Saiten springen völlig grundtonbefreit durch Zeit und Raum, während die bereits aus '2630' bekannte exorzierende Stimme den Hörer völlig in ihr Innerstes bannt. Das avantgardistische Arrangement steigert sich schließlich zu einer fulminanten Düsterklimax mit einer Wucht aus Post Metal, Drone-ähnlichem Noise und alptraumhaftem Geschrei.

'No One Fought You' beginnt im Anschluss wieder auf stark zurückgenommenes Instrumentarium reduziert, mit verhalten pulsierenden Drums mehr und mehr angespannt - bis sich auch hier nach etwa zwei Minuten wieder die Verzweiflung Bahn bricht. Zwischenzeitlich einfließende Noise-Synthies verleihen gemeinsam mit den erbarmungslos alles zerschmetternden Saiten dem Track ein gewisses Industrial-Flair, dessen Ursprung der unbedarfte Mitteleuropäer niemals im beschaulichen Kopenhagen vermuten würde. Und LATE NIGHT VENTURE ziehen ihr Thema durch bis zum Schluss: Mit 'No Burning Ground' erfahren wir keine Heilung, die Stimmung bleibt dystopisch beklemmend. Das Horrorszenario aus Post-Doom, eingestreuten verfremdeten Stimmen-Samples, einem ebenso gelungenen wie ästhetisch befremdlichen Gitarrensolo und wahnwitzigen Screams wird beendet durch einen letzten, langgezogenen Schrei, nach dessen Ersterben im Hintergrund noch der apokalyptische Sound einer Großstadtkulisse verklingt.

Wer nun fragt, was das dritte Album der kosmischen Trilogie noch mit dem Kosmos zu tun haben soll: Das scheinbar sinnbefreite Zufallsprinzip, das den Menschen ins Leben wirft, das Poetische im Monströsen, die Schöpferkraft des Nihilismus. Mit "Subcosmos" qualifizieren sich LATE NIGHT VENTURE für die Spitzenposition der avantgardistischen Post-Doom/Sludge-Vertreter. Freunde von NEUROSIS und artverwandten Bands werden an den Dänen nicht vorbeikommen, und auch wer die bizarren Titel von TRIPTYKON in seiner Sammlung hat, wird unbedingt "Subcosmos" hinzufügen müssen.

Gesamtwertung: 10.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Far From The Light
02. Bloodline
03. 2630
04. Desolate Shelter
05. Subcosmos
06. No One Fought You
07. No Burning Ground
Band Website: www.latenightventure.com/
Medium: CD
Spieldauer: 48:22 Minuten
VÖ: 01.11.2019

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