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Livebericht Zodiac (mit Raveneye und Honeymoon Disease)

Ein Livebericht von Stormrider aus Frankfurt am Main (Nachtleben) - 22.09.2016 (4987 mal gelesen)
Die letzten wirklich warmen und sonnigen Tage dieses Sommers. Was gibt es da eigentlich Besseres als echten, handgemachten Rock mit 'nem Schuss Blues? Nichts! Richtig! Und weil ZODIAC genau das bieten, war Bleeding4Metal auch bei dem Gig in Frankfurt vor Ort.

Um 19:30 Uhr ist das Nachtleben in Frankfurts Innenstand zwar noch komplett leer, dafür hat es aber schon gefühlt 45 Grad. Was für eine Bullenhitze, da schwitzt man schon, wenn man nur atmet. Egal! Rock 'n' Roll Baby!!! Als HONEYMOON DISEASE um 19:50 Uhr die Bühne betreten, ist der Abend aber noch weit davon entfernt 'ne echte Sause zu werden, denn es verlieren sich vielleicht 25 Nasen in dem Club. Der bietet aber mit seinen Samttapeten aus den 70ern den perfekten Rahmen für den Sound der Schweden/innen. Ich sehe die Band heute bereits das dritte Mal in einem Jahr und bin weiterhin hin und hergerissen. Auf der einen Seite spricht mich die Konsequenz mit der die Band ihr Ding kompromisslos durchzieht total an, auf der anderen bin ich mir nie so sicher, ob ich mit den Songs so wirklich warm werde, und mir fehlt dieses Aha-Erlebnis. Das Gesamtbild der vier ist dabei so 70er wie es nur sein kann, mehr geht nicht. Man erkennt auch immer sofort, wer zur Band gehört, denn es ist immer ein gelb/blaues Outfit, und auch der Sound ist retro, as retro can be. THIN LIZZY lugen immer mal wieder um die Ecke und jede Menge Hard Rock klassischster Sorte.

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Man kann der Band an sich auch so gar nichts vorwerfen, denn die Bühne bietet, durch zwei aufgebaute Drumkits, heute nicht sonderlich viel Platz, und die beiden Damen an den Gitarren machen das, was sie beim letzten Mal auch schon gemacht haben, sie liefern einen ordentlichen Gig ab, der sich als Appetizer für einen stilistisch ähnlich gelagerten Headliner bestens eignet. So perfekt wie kürzlich zu DEAD LORD passt das Quartett zwar nicht, aber es funktioniert trotzdem, denn im Laufe des Gigs füllt sich der Saal, auch wenn die Reaktionen zu Beginn noch eher verhalten bleiben. Dennoch erspielen sich HONEYMOON DISEASE das Publikum mit jedem Song ein stückweit mehr, und als bei 'Fastlove' das Geschwindigkeitslevel angezogen wird, kommt das bestens an, sodass die Temperaturen die nächsten zehn Grad auf dem Thermometer geschafft haben sollten.

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Dass ich mit dem Gesang von Fronterin Jenna und den Backings von Acid nicht warm werden will, dafür kann die Band nichts und so kann sich die Band nach dem etwas lauen Start über den ein oder anderen Zugaberuf freuen, als gegen 20:20 Uhr ihr Slot vorbei ist.

Setlist HONEYMOON DISEASE:
01. Higher
02. Bellevue Groove
03. Imperial Mind
04. Electric Eel
05. Fastlove
06. Disco Delight
07. Gotta Move
08. You're To Late

Nach einer kurzen Pause, die man clevererweise zum Luftschnappen nutzt, geht es um 20:40 Uhr mit RAVENEYE weiter, und der Saal ist, der Hitze sei Dank, wieder komplett leer. Gitarrist und Sänger Oli Brown erinnert mit seinem um die Hüften geschwungenem, karierten Flanellhemd und seiner in sich gekehrten Art verdächtig an den 90er-Grunge, und sein Stageacting kommt dem Auf-die-Fußzehen-starren-und-bloß-keinen-Blickkontakt-mit-jemanden-Aufnehmen in der Tat schon ziemlich nahe. imgleft Was sofort auffällt, ist, dass der Sound nun unangenehm laut ist und weil er leider auch nicht klar, sondern klirrend abgemischt wird, ist es ohne Ohrstöpsel so gut wie nicht zu ertragen. Ich frage mich im Laufe des Sets mehrfach was der Soundmann macht. Da ich direkt neben dem Soundboard stehe kann es auch nicht an einer verzerrten Wahrnehmung liegen, denn es geht nicht nur mir so, dass man zunehmend Leute sieht, die sich hektisch etwas ins Ohr stopfen.

Dabei scheint das Songmaterial an sich durchaus livetauglich zu sein und ist sehr wenig Grunge, sondern viel Garagen Rock mit einer Menge Bluesanteilen. Ähnlich wie bei HONEYMOON DISEASE reagiert das Publikum aber erstmal abwartend und mit verhaltenem Applaus. Da die Songs dem Gros des Publikums jedoch vermutlich komplett unbekannt sind, lebt die Show zu diesem Zeitpunkt einzig von der Show des Drummers Adam Breeze, den man getrost als absoluten Showdrummer im positiven Sinne bezeichnen kann. Er stiehlt seinen Saitenakrobaten mit seiner Mimik, Gestik und der extrovertierten Spielweise komplett die Aufmerksamkeit. imgright

Nach ein paar Songs legt Sänger Oli die Gitarre zur Seite, und singt einen Song nur von Drums und Bass begleitet. Der Ausflug, den er dabei ins Publikum macht scheint aber irgendetwas in ihm zu bewirken, denn ab dem Zeitpunkt nimmt die Show einen komplett anderen Verlauf. Von jetzt auf nun hat das gesamte Trio einen Spaß inne Backen, die Spielfreude steigt exponentiell an und RAVENEYE liefern eine fantastische emotionsgeladen Rockshow ab. Bassist Aaron trägt Oli Brown für ein Gitarrensolo auf den Schultern durch den Club, während er selber weiterspielt, es gibt Mitsingspielchen und danach auch noch die coolste Ansage des Abends. Denn nachdem das Publikum sich bei der Mitsingperformance doch eher zurückhaltend gibt, bekommt es prompt eine ehrliche aber höchst charmant rübergebrachte Rückmeldung zur eigenen Leistung: "Das ist sehr scheiße!! Is this a Rock 'n' Roll Show tonight???" Im Anschluss baut er das Mikrofon um, um den folgenden Track auf der Bass Drum stehend zu spielen und zu singen.

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Als um 21:20 Uhr die Show vorbei ist, kann man sagen, dass aus der anfänglich eher bedächtigen Show eine absolute coole Rock Show mit jeder Menge Spaß geworden ist. Zu Recht bekommen RAVENEYE für die zweite Hälfte ihres Gigs weit mehr als Höflichkeitsapplaus!

Das Publikum ist also mittlerweile ganz gut auf Temperatur. Wenn aber nicht die Hitze die Leute wieder aus dem Nachtleben an die frische Luft treiben würde, die Musik in der Umbaupause würde es bestimmt tun. Keine Ahnung wer hierfür verantwortlich ist, aber der Rap, der durch die Boxen in den kleinen, aber feinen Saal strömt, wird nur die wenigstens Anwesenden langfristig auf Betriebstemperatur halten können. Egal, denn um 21:45 Uhr betreten dann die Headliner ZODIAC die Bühne und eröffnen ihren Gig mit 'Rebirth By Fire', dem Opener ihres aktuellen Albums "Grain Of Soul". Sänger Nick van Delft hält die erste Ansage danach kurz und knapp: Was'n los?? Und schon geht es mit dem treibenden 'Animal' weiter. Überhaupt gibt es hier und heute kein langes Federlesen, hier wird ein Song nach dem anderen in die Runde gerockt.

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Die Münsteraner beweisen in den kommenden 90 Minuten, dass sie derzeit vollkommen zu Recht eine der besten, wenn nicht die beste, junge, nationale Classic Rock Band sind, warum sie mit ihren Alben die Soundchecks der Fachpresse anführen und verdient auf Platz 36 gechartet sind. Denn es macht einfach Spaß zuzusehen wie die Band auf der Bühne arbeitet und echt, ehrlich, ungekünstelt und sympathisch eine Perle nach der nächsten arschtight raushaut. Sänger Nick mag vielleicht kein Opernsänger sein, aber das Charisma in seiner Stimme ist doppelt so viel wert wie technische Brillanz. Dem Armen tropft der Schweiß im Sekundentakt vom Körper und den arschlangen Haaren, und man merkt, dass hier in jedem Akkord eines steckt: Herzblut! Echtes Herzblut für die Musik! imgleft

Dazu liefert Gitarrist Stefan Gall heute Abend ebenso solide ab, wie Bassist Ruben, der nebenbei auch bei Bedarf noch die Tasten bedient und dauerhaft ins Publikum strahlt, und über die technische Klasse eines Janosch Rathmer zu philosophieren, würde bedeuten, Fahrräder nach Münster zu tragen. Dabei wirkt der Drummer den kompletten Gig über, als würde er in Trance spielen.

Vor 'Sinner' zitiert Nick auch die Leute noch ein paar Meter nach vorne, die sich eher auf den Stufen des Nachtlebens aufhalten. Und so wird der eh schon überwarme Club dann noch einen Tacken wärmer. Insgesamt ist die Show heute einen Schuss straighter, rockiger und rolliger als noch auf der Tour zu "Sonic Child", was der Entwicklung der Band auf den Alben gerecht wird, aber auch daran liegt, dass man Songs wie 'Leave Me Blind' (bitte nächstes Mal unbedingt wieder in die Setlist aufnehmen!!) und 'Cortez (The Killer)' (ZODIACs Version ist vielleicht die beste Coverversion dieses Songs von NEIL YOUNG ever!!!) nicht im Programm hat. Ich persönlich finde das zwar schade, ganz einfach, weil es fantastische Songs sind, aber natürlich gibt es stattdessen andere Classic Rock-Perlen zu hören, wie z. B. das extrem eingängige 'Free', das sich dynamisch steigernde 'Down', dass mit den obligatorischen Ohohoho-Chören garniert wird, gefolgt von einem astreinen Blues in Form von 'Upon The Stone', von der gerade wiederveröffentlichten ersten EP.

Der Sound ist mittlerweile zum Glück um Längen besser, als noch bei den beiden Supportbands. Denn ZODIAC leisten sich den Luxus eines eigenen Soundboards sowie eines eigenen Mischers, und diese Investition ist, nach dem Soundinferno davor, jeden Cent wert. Laut ist es immer noch, aber glasklar. Da flirrt nix und übersteuert auch nichts, jedes Instrument für sich kann herausgehört und nachvollzogen werden, was auch für die Backings von Ruben gilt. So soll es sein! imgleft
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Als das Quartett um 22:55 Uhr im Backstagebereich verschwindet, gibt es folgerichtig Zugaberufe. Und wie es im Hause ZODIAC mittlerweile gute Tradition ist, bildet 'Coming Home' in einer extralangen Version den Abschluss. Hier darf erst geträumt und dann gerockt werden. Ich bin ja normalerweise kein Freund von überlangen Songs. 'Coming Home' bildet da jedoch eine Ausnahme, diesen Song muss man einfach komplett wirken lassen. Die schon nicht knappe reguläre Albumspielzeit von zehn Minuten wird durch diverse Jams und Ausflüge ins Publikum noch auf 15 Minuten ausgebaut, und als um 23:10 Uhr das Licht angeht, fragt man sich, wieso die Band eigentlich noch in so kleinen Clubs wie dem Nachtleben spielen muss?! ZODIAC haben ohne Frage ein größeres Publikum verdient, aber die knapp 100 Leute, die heute Abend hier waren, die haben definitiv einen tollen Abend gehabt. Denn schon kurz nach dem Gig ist die gesamte Band wieder raus aus dem Backstage und steht für Plaudereinen und Autogramme zur Verfügung.

Ich kann es nur immer wieder sagen. Leute, geht wieder mehr raus! Schaut Euch für EUR 20 drei coole Bands an, die für ihre Musik brennen!! Der Rock 'n' Roll lebt in verschwitzen Clubs und nicht auf dem MP3 Player!!!


Setlist ZODIAC:
01. Intro
02. Rebirth By Fire
03. Animal
04. Free
05. Sinner
06. Ain't Coming Back
07. A Bit Of Devil
08. Down
09. Faithless
10. Failure
11. Diamond Shoes
12. Upon The Stone
13. Horror Vision
14. Grain Of Soul

Encore:

15. Coming Home
Location Details
Nachtleben in Frankfurt am Main (Deutschland)
Website:www.konstabler.com/index.html
Adresse:Kurt-Schumacher-Straße
60313 Frankfurt

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