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Livebericht Wintersun (mit Finntroll und Turisas)

Ein Livebericht von Lestat aus Gießen (Hessenhallen) - 01.10.2011 (5416 mal gelesen)
imgleftWir schreiben den 01.10.2011, und wie jedes Jahr beginnt die Saison der Indoorfestivals und Touren. Dieses Jahr machte das Heidenfest auch in Gießen halt, und das sogar mit einer extended Show, bei denen sich zusätzlich zum normalen Line-up auch noch TODTGELICHTER, DORNENREICH und WINTERSUN die Ehre gaben. Genau, WINTERSUN - eben jene, welche sich in Finnland eingegraben zu haben schienen.

Generell konnte man schon vor Beginn feststellen: Das, was da an Boxen aufgebaut war, hätte auch für ein Open-Air mit wesentlich mehr Zuschauern gereicht. So aber beschallte die überdimensionierte Anlage die Hessenhallen, welche nicht einmal ausverkauft waren. Das tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch, sondern machte den Tag eher entspannter. Ob es ihn auch finanziell lukrativ für den Vernanstalter machte, ist die Frage.
Was die Stimmung aber negativ beeinträchtigte waren drei Dinge: Zum einen das Verhalten der Security; hierzu hat unser Teammitglied Eisenbrecher einen kleinen Text verfasst, welcher nach den Bands kommt. Das zweite war der nicht vorhandene Essensstand. Wie kann man bitte das Volk 10 Stunden beschallen und nichts zu essen anbieten? Mit hungrigem Magen trinkt und feiert es sich einfach nicht halb so gut. Wenigstens eine Bratwurstbude wäre doch wohl möglich gewesen. Und Punkt 3 ist den meisten wahrscheinlich relativ egal, mich störte er eklatant: Wie kann man eine Bühne hauptsächlich blau und rot ausleuchten? Das macht gute Fotos fast unmöglich. Daher meine Bitte an die Lichtingenieure: Bitte, bitte macht das nicht mehr! Oder wollt ihr, dass es keine Fotos von den Künstlern gibt? (Lestat)

SKÁLMÖLD
SKÁLMÖLD gaben sich selbst und der schon recht ansehnlichen Menge an versammelter Metalfamilie die Ehre, das Heidenfest 2011 in Gießen zu eröffnen. Die anno 2009 gegründeten Folk-Metaller aus dem fernen Island trumpften dabei hauptsächlich mit 3 Gitarren (MAIDEN lässt grüßen) und jeder Menge melodisch-folkloristischen Elementen auf, die zu eingängigem und gut feierbarem Viking-Metal verwurstet wurden. Mit im Gepäck waren die Songs vom 2010er Album "Baldur" aus dem Hause Napalm Records, sowie massig gute Laune, so dass das Heidenfest mehr als würdig eingeläutet und mit dem ersten Bier des Tages getauft werden konnte.(Wulfgar)

imgleftTODTGELICHTER
Anfang dieses Jahres hatte ich schon einmal das Vergnügen mit TODTGELICHTER. Nämlich als das aktuelle Album "Angst" auf den Markt kam. Nun wurde ich also auch Zeuge eines Liveauftritts und muss sagen, ich hätte nicht gedacht, dass die sehr avantgardistische Extrem-Metal Mixtur live so gut ankommen würde. Wie ich bereits im Review schrieb, überzeugen mich die Vocals von Sängerin Marta am meisten. Die 5 ganz und gar weiß gekleideten Hamburger (im Publikum enstanden stellenweise nicht ganz ernst gemeinte optische Vergleiche mit POLARKREIS 18) zelebrierten ihren anspruchsvollen BM-Cocktail mit viel Begeisterung und konnten auch einen Großteil des anwesenden Publikums für sich gewinnen. Es wurden auch ältere Kamellen z.B. 'Blutstern' vom 2007 Album "Schemen" gezockt, so dass man voll auf seine Kosten kam.(Wulfgar)





TROLLFESTimgright
Mein Gott (welcher auch immer), wie lang hab ich schon keinen anständigen Trollhumppa mehr gehört. Ach richtig, seit ich TROLLFEST das letzte Mal gesehen habe. Schon anno dazumal beim MetalFest 2011 war ich begeistert von den norwegischen Trollen und ihren partytauglichen Metal-Hymnen. Wer wäre auch nicht davon begeistert, wenn zum Auftakt des Gigs eine etwas dickliche Bierflasche mit Vollbart die Bühne entert. Wie auch immer: TROLLFEST verstehen es als erste Band des Tages einen ordentlichen Riemen auf die Orgel zu legen und versetzen das Publikum in Mosh-und Circle Pits wie aus dem Lehrbuch. Zu Granaten wie "Der JegerMeister" funktioniert das aber auch so was von geschmiert, da lacht man auch mal über schmerzhafte Kniestöße die man von leicht ausser Kontrollen geratenen Metalwürsten ohne T-Shirt verpasst kriegt. Das norwegische Trollkommando ist trotz seiner fantastischen Shows noch dazu verdammt auf Startpositionen zu spielen, aber aus diesem Schatten werden sie sich bald herausgekämpft haben. In diesem Sinne, Troll Humppa Humppa Troll.(Wulfgar)





imgleftARKONA
Die Russen brachten ein wenig Mittelalterfeeling auf die Bühne: Sängerin Masha war mit Pelzen behangen, auf der Bühne stand eine pelzbehangene Trommel, die anderen waren mit Ruß bepinselt. Alles in allem also eine sehr authentische Aufmachung. Masha gab sich auch alle Mühe, die Massen zu beeindrucken, sprang von links nach rechts, trommelte und sang / growlte, was das Zeug hielt. Das Ganze war also eine ganz nette Vorführung. Musikalisch nichts Besonderes, aber dennoch ordentlich. Kritisch war ein Aufkleber auf dem Bass von Ruslan: Der zeigte eine Swastika in der usprünglichen Form, mit ihren acht Enden. Man mag nun drüber streiten, ob ARKONA sich auf die altertümlichen Wurzeln oder das dritte Reich beziehen, kritisch bleibt es allemal, und so hatte dieser Gig einen kleinen Beigeschmack.(Lestat)

DORNENREICH fielen der Verpflegungstaktik der Veranstalter zum Opfer: Wenn es keinen Fressstand vor Ort gibt, muss man zum Mampfen eben in die Innenstadt. Das, was ich bei der Rückkehr aber noch mitbekam, hat sich nach einer gewohnten Dornenreichvorstellung angehört.(Lestat)

imgrightALESTORM
Jo jo jo johoo, Piraten haben es gut. So, oder zumindest ähnlich kann man die Stimmung beschreiben kurz bevor die schottischen Freibeuter ALESTORM die Bühne enterten. Die einzigen mir bekannten Interpreten von True Scottish Pirate Metal haben gerade erst ihr rumgetränktes, neues Werk "Back Through Time" fertig gestellt und suchen damit jetzt die 7 Weltmeere heim. Sehr zur Freude der zahlreichen Fans machten sie dabei auch vor Gießen nicht halt und hauten am frühen Abend einen Hit nach dem anderen raus. Von der ersten Scheibe "Captain Morgan's Revenge" bis zum aktuellen Album wurden nur die Gassenhauer gespielt, was in dem grandiosen 'Keelhauled' gipfelte, zu dem fröhlich feiernd mitgegröhlt wurde. Der Beutezug der 4 Piraten traf in die Vollen und hinterließ seelige, hier und da aber auch einfach nur sturzbetrunkene, Metaler. Joho, Piraten joho.(Wulfgar)

TURISAS
TURISAS traten auf, wie man es von ihnen gewöhnt ist: Rot / schwarz angemalt und urtümlich gekleidet. Und so schafften sie es, mittels hervorragendem Sound, bei dem man selbst die Geige sehr gut hörte, die Menge zu begeistern und mitzureißen. Echte Fans werden wahrscheinlich etwas Hannes Horma am Bass und Netta Skog am Akkordeon vermisst haben. Vor allem Nettas Abwesenheit konnte durch Robert Engstrand am Keyboard nicht ganz ersetzt werden: Echte Instrumente und Keyboards sind einfach nicht das gleiche. das gilt nicht nur für den Sound, sondern auch für die Möglichkeiten, auf der Bühne Präsenz zu zeigen. Die Anwesenden feierten die Band dennoch ab, aber allmählich kristallisierte sich heraus, dass die Veranstaltung definitiv nicht ausverkauft war: Weiter hinten in der Halle waren die Reihen doch sehr licht.(Lestat)

imgleftFINNTROLL
Der eigentliche Headlinerslot auf der Heidenfest-Tour gehört ja eigentlich der sinistren Trollkapelle aus Finnland. Da in Gießen aber eine der wenigen Extended-Shows ansteht muss die Truppe um Sänger Vreth diese Ehre an WINTERSUN abtreten. Nichtsdestotrotz war der Platz vor der Bühne (schon spätestens seit ALESTORM) gerammelt voll. Allerdings bewahrheitet sich für mich mal wieder, was ich seit der Platte "Ur Jordens Djup" so sehe: Das Wiederanknüpfen der Finnen an ihre Schwarz-Wurzeln bekommt der Bühnenpräsenz und dem Feierfaktor FINNTROLLs überhaupt nicht gut und so werden von den Fans konsequenterweise auch nur die Partygranaten wie 'Rivfader' 'Jaktens Tid' und natürlich die Metalgröhlhymne schlechthin 'Trollhammaren' wirklich begeistert aufgenommen. Auch von der aktuellen Scheibe "Nifelvind" kommen ein paar Songs; aber naja, da fehlt einfach der Partyfaktor, der Humpaa-Metal, der FINNTROLL groß gemacht hat und für den sie von den meisten Fans geliebt werden. So lebt ein Gig der trolligen Truppe im wesentlichen von den alten Hits. Momentan geht das noch in Ordnung, aber vielleicht sollten Finntroll überlegen sich wieder ein bisschen mehr an "Nattfödd" zu orientieren.(Wulfgar)

imgrightWINTERSUN
Die dunkle Zeit der schwächelnden Trolle wurde beendet durch die Kraft der Wintersonne. OK, verzeiht mir dieses Wortspiel, aber der Gig hat meinen Grips zu Brei gemacht. Souverän, wie auch auf dem Metalfest diesen Jahres, hat Jari den Gig durchgezogen und mit seinen allseits bekannten Liedern Gänsehaut auf den Leib gezaubert. Dass WINTERSUN überhaupt noch leben, vermochte man ja lange nicht glauben, aber auch die Aufnahmen kommen allmählich in Gang, und Nuclear Blast sei Dank konnten die Finnen für ein paar Shows dieses Jahr auf die Bühne bewegt werden. Über die Setlist lässt sich nicht lange schwadronieren: Man nehme die Debutplatte und gebe 'Way Of The Fire' dazu, welches als Appetizer für die noch ausstehende Scheibe "Time" herhält. Das Lied besitzt alle WINTERSUN-Qualitäten: ausgedehnte, epische Instrumentalparts, frickelige Solos und viel Atmosphäre. Nachdem sich WINTERSUN also zurückgemeldet haben, wurde die Zeit des Wartens kaum verkürzt, aber ein wenig versüßt. Man darf hoffen, dass Jari seine technischen Probleme in den Griff bekommt.

Securitybericht:
Als kleines Nachwort von mir (Eisenbrecher) möchte ich noch ein Augenmerk auf die katastrophale Sicherheitssituation auf dem Heidenfest lenken. Das beauftragte Unternehmen "Kiebach Security" war allem Anschein nach mit seiner Aufgabe überfordert. Ich bin seit vielen Jahren aktiver Festival- und Konzertgänger, sogar auch selbst als Aufpasser, aber sowas habe ich noch nicht erlebt. Wo Crowdsurfer kopfüber in den Graben (zur Info: Bodenbelag ist Laminat auf Beton) krachen, weil die "Securities" hinter dem Rand der Bühne im Schatten stehen und schwatzen, da läuft etwas gewaltig schief. Ich stand fast die komplette Veranstaltung lang in der ersten oder zweiten Reihe und hatte genug Zeit das Geschehen zu beobachten: Die allermeisten Crowdsurfer sind einfach - wie schon beschrieben - in den Graben, oft auf gerne kopfüber, gestürzt. Wenn sie Glück hatten. Wenn nicht, kamen ihnen die brutal agierenden Mitarbeiter von "Kiebach Security" zur Hilfe. Für mein Verständnis steigt man, um einen Crowdsurfer gesund und sicher zur Erde zurück zu bringen, auf diese Stufen, die eigens dafür in die Wellenbrecher eingebaut sind, dreht sich den Menschen so zurecht, dass er nicht stürzen kann und zieht, besser hebt, betreffende Person dann zurück zur Erde. Tja das dachte ich Laie, die "professionellen" Herren in den blauen Polohemden hingegen, sofern sie überhaupt reagierten (ca 40% der Fälle), und nicht feist grinsend zuguckten, haben da eine für sie wohl angenehmere Vorgehensweise: Da wird ein Mengenreiter einfach an dem Körperteil von der Menge gerissen, das gerade zu greifen ist. Grundsätzlich geschieht dies auf dem Boden stehend und waagerecht zur Menge. Man muss kein Architekt sein um zu wissen, dass ein Körper fällt wenn man eine Kraft so weit vom Schwerpunkt weg anbringt und dann die obenhaltende Menge plötzlich weg ist. Einfach gesagt: da wird am Fuß gerissen, welcher auch oben bleibt und der Rest fällt dann nicht nur auf den Boden, sondern nimmt auch den stählernen Wellenbrecher mit. Besonderes Glück hatte da ein Fotograf, der einfach mal den Fuß eines Surfers von einem der Unsicherheitsleute direkt auf den Kopf und seine Kamera geschmissen bekam. Wer nun denkt, damit wäre der Spaß ja vorbei, der irrt. Nach dieser stümperhaften Abfertigung wird der Fan wahlweise an T-Shirt, Kehle oder nach hinten verdrehtem Arm emporgerissen und mit Hand im Genick und in eine gebückte Haltung gezwungen, oder mit dem Dauen von oben in die Schulter gedrückt (das tut weh) und brutal und unerbittlich abgeführt. Man fühlt sich als Fan hier nicht als zu sichernde Person, gar als Freund sondern eher als Feind und gering geschätzte Abscheulichkeit.
Nun, irgendwann, nachdem ich schon mehrere Menschen selbst zu Boden gehoben habe, wurde mir der Spaß zu bunt und ich konfrontierte einen der "Profis", zugegeben mit recht unmissverständlicher Wortwahl, die ich auch in diesem Artikel verwandt habe. Der von mir angesprochene drohte mir daraufhin mit Rausschmiss während keinen Meter neben uns wieder einer in den Graben segelte. Nach diesem Ausbruch meinerseits wurde es nur geringfügig besser. Das im Graben anwesende Kontingent wurde zwar von null auf eins angehoben, während der Rest der ca. 7-8 Leute weiter außer Reichweite rumstand und sich mehr für die eigenen Gespräche als für eine möglichweise vorhandene Verletzungsgefahr bei einem Sturz aus zwei Metern Höhe interessierte. Zwar versuchte der von mir beschimpfte Sicherheitsmann speziell mein Wohlwollen mit dem Verschenken von Halbliterflaschen Sprudel zu erkaufen, aber wirklich gebessert hat sich nichts. Als ich dann zu WINTERSUN aus der ersten Reihe verschwand (um Platz für echte Fans der Band zu machen), sackte das Niveau wieder auf das bekannte, nicht vorhande Level ab, wie mir besagter Fan berichtete.

Ich hab nie eine Truppe von fahrlässiger und brutaler agierenden Sicherheitsmitarbeitern erlebt, die die Aufschrift Security weniger verdient gehabt hätten als diese dilettantisch Handelnden. Und in der Hoffnung, ein Verantwortlicher von "Kiebach Security" liest das hier: Der von mir Angemeckerte hatte kurzes, braunes Haar und zwei Ohrringe links, und einer eurer Mitarbeiter, der sich durch besondere Brutalität ausgezeichnet hat, war der dicke, alte Mann mit Glatze und umfangreichem grauem Bart. Der Rest eurer Leute war zwar auch nicht viel besser, aber die beiden haben sich besonders hervor getan. (Eisenbrecher)

Anm. der Redaktion:
Wir baten die zuständige Security-Firma um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Leider gab es von dieser Seite auch nach 2 Wochen und trotz Nachfrage keine Reaktion.
Location Details
Hessenhallen in Gießen (Deutschland)

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