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Interview mit Rolf von Running Wild

Ein Interview von Eddieson vom 22.08.2016 (10651 mal gelesen)
Freitagabend kurz nach 20 Uhr. Irgendwo in Hannover klingelt das Telefon und Kapitän Kasparek nimmt ab. Der Mann hinter RUNNING WILD nimmt sich etwas Zeit um kurz vor dem Wochenende mit mir über das neue Album "Rapid Foray" zu sprechen. Warum klingen einige Songs, wie vor 20-25 Jahren? Warum war Rock N'Rolf knapp ein Jahr außer Gefecht gesetzt? Gibt es vielleicht doch noch eine Tour? Wie ist der Mastermind so privat? Der äußerst gut gelaunte Rolf gibt bereitwillig Auskunft und lässt uns ein paar Einblicke ins Business und Privatleben von RUNNING WILD, bzw. Rock N'Rolf gewähren.

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Hallo Rolf! Wie geht es dir und was macht die Schulter? Alles wieder gut?

Rolf: Ja, ist ja jetzt zweieinhalb Jahre her und wenn man dann so eine Riesennarbe hat, dann hast du etwas Probleme mit dem Wetter, dann zieht es mal. Das erste Jahr war halt das Problem, dass ich das erste halbe Jahr gar nicht Gitarre spielen konnte, die zweite Hälfte nur bedingt, weil dann tat irgendwann die rechte Schulter weh. Da konnte ich halt ein paar Fingerübungen machen. Das tat gut, dass ich nicht völlig eingerostet bin.

Wie ist das denn passiert? Bist du gestürzt?

Rolf: Ich bin auf Glatteis ausgerutscht. So doof, wie das klingt, aber so heftig. Echt so, Füße in die Luft und zum Glück bin ich auf dem Ellenbogen gelandet, sonst wäre die Wirbelsäule durch gewesen. Es machte "krach!" und ich dacht nur "Scheisse!" und der Arm hing in der Achsel. Braucht man nicht. [lacht]

Umso schöner, dass jetzt alles wieder abgeheilt ist.

Rolf: Genau.

Und wenden wir uns mal einem schöneren Thema zu, dem neuen RUNNING WILD Album. Ich wurde gleich bei den ersten Tönen ca. 20-25 Jahre zurückkatapultiert. Das Album klingt wie aus den Neunzigern, was durchaus positiv gemeint ist.

Rolf: Verstehe ich schon richtig.

Wie bist du an das Songwriting rangegangen? Denn "Rapid Foray" klingt ziemlich anders als die beiden Vorgänger.

Rolf: Genauso. Das kann man intellektuell gar nicht erklären. Ich habe einfach Songs geschrieben. Ich habe natürlich jetzt auch die Möglichkeit an den Songs theoretisch zu arbeiten. Auch am Cover und so. Durch die Schulter-Geschichte hatte ich halt eine Menge Zeit. Ich habe so ca. 30-35 Songideen gehabt, wovon ich dann nachher die 10, bzw. 11 mit dem Instrumentalen ausgesucht habe. Die halt gut zusammenpassen, wo jeder Song etwas zum Album addiert, was die anderen halt nicht haben. Ich habe sehr früh gemerkt, dass hier und da die Gitarrenriffs etwas anders sind, also die Grundideen wieder etwas in die Vergangenheit verweisen, aber ohne jetzt krampfhaft darauf hinzuarbeiten. Ich habe mich jetzt nicht hingesetzt und gedacht, dass ich Songs schreiben muss, die wie früher klingen. Das würde nicht funktionieren, glaube ich, da würde Blödsinn bei rauskommen. Es muss schon so sein, dass du das machst und es dann passt. Da war etwas mehr Detailarbeit im Arrangement. Die letzten beiden Platten waren eher so locker flockig. Aber jetzt habe ich schon gemerkt, dass das alles mehr Arbeit braucht.

Genau, wenn wir mal ein paar Songs rauspicken. 'Warmongers' zum Beispiel ist eines der härtesten Nummern, die du jemals geschrieben hast.

Rolf: Ja, 'Warmongers' ist da etwas ganz Besonderes. Der Song basiert auf einem Riff, der ursprünglich zu einem Song gehört, der hieß 'Running Blood', den habe ich '79 oder '80 geschrieben, den haben wir auch damals im Liveprogramm gehabt. Also nicht der von der "Death Or Glory", sondern ein anderer Song. Als ich die Idee zu dem Song 'Warmongers' hatte, also zu diesem Thema, fiel mir dieser Riff wieder ein. Also nur der Basisriff. Chorus und so ist alles anders. Insofern hat er eben auch diesen Spirit aus dem Anfang der Achtziger, dieser Aufbruchsstimmung im Metal, weil ich ihn eben damals geschrieben habe. Sowas kannst du nicht neu kreieren, sowas ist einfach da. Ich habe den Riff nie vergessen, obwohl wir den Song nie aufgenommen haben. Wir haben ihn immer nur live gespielt und jetzt war die Zeit ihn irgendwie zu nutzen.

'By The Blood Of Your Heart' ist eine fantastische Stadionrock-Nummer und 'The Last Of The Mohicans' mit der Laufzeit von 11:11 Minuten ist eine sehr komplexe Nummer, mit dem man sich auseinander setzen muss.

Rolf: Ist ja auch eine sehr komplexe Story. Die Idee 'Last Of The Mohicans' zu machen, habe ich schon sehr lange. Die Idee daraus einen Song zu machen, war schon während der "Victory" spruchreif, aber da war es alles noch nicht ausgereift. Die Idee nicht und die musikalische Idee ist dann geendet in einem anderen Song. Das Ganze kam dann bei der "Shadowmaker" wieder auf. Auf der einen Seite hatte ich 'Last Of The Mohicans' auf der anderen Seite die Idee zu 'Dracula', so dass der das Rennen gemacht hat, und auf der 'Resilient' fast das Gleiche mit 'Bloody Island' und 'Last Of The Mohicans'. Aber diesmal, als ich an den Song rangegangen bin, war mir klar, diesmal wird es das auch werden, weil einfach die Ideen da waren und einfach das Gefühl für den Song da war. Der Song ist natürlich eine sehr komplexe Story. Das ist immer etwas anderes, wenn du zum Beispiel 'Treasure Island' oder eben 'Last Of The Mohicans', als wenn du jetzt meinetwegen 'Bloody Island' schreibst, was reine Fiktion ist. Da kannst du den Song so machen, wie du willst. Aber bei einer Story bist du ja irgendwie an den Storyablauf gebunden und du wirst natürlich niemals ein ganzes Buch in einem Song bzw. im Text erklären können. Das geht einfach nicht. Insofern musste ich mir einige Aspekte da rauspicken, die mir wichtig waren und versuchen die Geschichte auch musikalisch zu erzählen. Nicht nur mit dem Text, sondern eben auch über die Musik und das bedarf natürlich etwas mehr Arbeit, als wenn man jetzt einfach nur einen Song schreibt.

Auch vom Artwork her bist du wieder etwas zurück in die Vergangenheit.

Rolf: Ja, klar, es war einfach so. Es hat sich dadurch ergeben, dass drei Songs alleine über das Piratenthema gehen. Und der Titelsong 'Rapid Foray' davon handelt. Der Titel, die Idee dazu ist gleichzeitig entstanden mit der Cover-Idee. Ich habe dann mit den Fotos rumexperimentiert. Die Fotos auf dem Cover sind von mir und auch das Cover selber. Bist das dann so hinkam, wie ich das haben wollte, dann hat Jens Reinhold das noch bearbeitet und hatte dann die Idee das Ganze als Ölgemälde zu machen. Das passte halt sehr geil, war ein völlig eigener Stil und passt so ja zum Thema auch. imgright

Was ist denn mit Andreas Marschall? Ihr habt früher viel zusammen gemacht und ich habe gehört, dass er auch heute gerne wieder mit RUNNING WILD arbeiten würde.

Rolf: Es ist einfach so, dass ich im Moment andere Cover-Ideen habe. Andreas hat damals eben alles sehr gut airbrushmäßig umgesetzt, heute wahrscheinlich auch mit einem Computer und im Moment habe ich halt andere Ideen und dieses Cover jetzt ist halt eine völlig eigene Sache, eine eigene Linie, die ich sicherlich auch weiter verfolgen werde. Das muss man halt sehen. Mit Jens komme ich sehr gut klar, wir ergänzen uns da und schaffen gemeinsam etwas Besonderes.

Hast du das Album komplett alleine eingespielt oder wer war noch dabei?

Rolf: Im Prinzip war die ganze Band involviert. Also es ist jetzt nicht so, dass Michael und Ole alles gespielt haben, aber sie waren involviert und PJ [Peter Jordan, Anm. d. Verf.] hat seine Sologitarren gespielt, wie wir das immer machen, alle haben beim Chor mitgesungen und noch ein paar andere Leute und so war jeder in diesem Prozess involviert, die Bässe habe ich gespielt, da ich alles in meinem Studio gemacht habe, die Drums wieder in einem anderen Studio, mit PJ als Toningenieur, und so haben wir wieder in mehreren Studios, nicht zeitgleich, aber parallel gearbeitet. Insofern war das eine ähnliche Arbeit wie das letzte Mal, nur diesmal war es halt so, dass ich als Toningenieur und so alles in meinem Studio gemacht habe, was letztes Mal Niki Nowy gemacht hat. Ich hatte aber dadurch auch viel, viel mehr Zeit an den Sachen zu feilen, auch beim Mix. Für die letzte Platte zum Beispiel hatten wir vier oder fünf Tage für den gesamten Mix und dann noch ein oder zwei Tage für die Masterung. Und diesmal war es so, dass ich mir fast unbegrenzt Zeit nehmen konnte schon am Mix zu arbeiten, während ich andere Songs noch aufgenommen habe. Das ist ja ein bisschen anders, als man das früher im Studio gemacht hat, wenn man jetzt ProTools hat und mit diesen ganzen Sachen arbeitet. Da kannst du den einen Song noch in der Frühphase haben, da ist der andere Song schon gemischt. Früher musstest du aufnehmen, das Pult musste dann resetet werden für den Mix, da konntest du erst anfangen, wenn alles aufgenommen war und so. Das ist heute alles einfacher.

Hast du jetzt nach den Aufnahmen zum neuen Album ein anderes Gefühl, als du es damals nach den Aufnahmen zu "Resilient" oder "Shadowmaker" hattest?

Rolf: Irgendwie schon, aber es war auch im Vorfeld schon als ich an der Platte gearbeitet habe. Das habe ich auch letztens im Interview gesagt. Es ist komisch, ein ganz komisches Gefühl. Ich fühlte mich wieder wie bei der "Gates To Purgatory". Das kann ich intellektuell nicht erklären. Es war einfach so ein Startgefühl, so ein Gefühl von Aufbruch, was ja völlig abstrus ist, wenn man das seit 30 Jahren macht [lacht] aber irgendwie ist es trotzdem da, das Gefühl.

Es wirkt so, als ob du dich in den letzten Jahren etwas zurückgezogen hast, zumindest aus der Presse und jetzt im Vorfeld zu "Rapid Fory" wieder verstärkt in den Vordergrund trittst. Täuscht mich meine Wahrnehmung?

Rolf: Eigentlich habe ich das nicht. Ich habe für die beiden letzten Alben wahrscheinlich noch mehr Interviews gemacht, als für das jetzt. Ich bin ja gerade noch dabei, aber bei der "Resilient" habe ich ungefähr 250 Telefon-Interviews gemacht, was ja nun nicht gerade wenig ist. Ist aber auch so, dass ich relativ früh gemerkt habe, dass es ein sehr starkes Album wird. Ein guter Freund von mir hat ein paar Sachen gehört, so aus der Anfangsphase, wo die Songs so langsam zusammen kamen und er meinte zu mir, dass ich wohl an meinem "Back In Black" arbeite. [lacht] Ja, wenn das so kommt ist das prima! Ich kann es ja nicht beeinflussen, weil entweder ist es so oder es ist nicht so. Außerdem müssen es letztendlich die Fans entscheiden. Deswegen bin ich auch umso gespannter auf die Reaktionen der Fans, wenn sie dann die Platte in den Händen halten.

Ich glaube, die Fans sind heiß!

Rolf: Das auf jeden Fall, aber wie reagieren sie, wenn sie die Platte in den Händen halten? Den einen Song kennen sie ja schon, den haben wir ja in Wacken gespielt. Da kann man ja natürlich noch nicht viel über ein ganzes Album sagen.

Bist du dir eigentlich bewusst darüber, was RUNNING WILD heute noch oder wieder für einen Status in der Metalszene haben? Viele Alben gehen für ein Heidengeld über den (virtuellen) Ladentisch, die Fans wollen RUNNING WILD live sehen, was ja leider nur noch auf Festivals möglich ist. Bekommst du das mit?

Rolf: Ja, natürlich! Das macht sich allein schon an den Gagen fest. [lacht] Sagen wir es doch einfach, wie es ist. Der Status der Band ist da. RUNNING WILD ist eine Headliner-Band, d. h. wenn wir auf einem Festival spielen, dann sind wir auch die Festival-Headliner. Der Status ist ganz klar und der ist jetzt auch durch die drei Alben und dadurch, dass Wacken war auch weitestgehend gestiegen, das muss man einfach so sagen. Das ist mir schon völlig klar. Einiges wird mir auch zugetragen, dass jemand zum Beispiel einen Hunderter für eine "Pile Of Skulls" CD bezahlt oder 1200 € für eine Picture-Disc auf Vinyl der "Gates To Purgatory". Also das kriege ich schon mit.

Und kann man den Fans da helfen? Hast du Pläne einige Sachen neu zu veröffentlichen?

Rolf: Dieses Jahr kommen ja einige "Best-of" von jeder Band, die auf Noise Records war. Eine Doppel-CD mit allem draufgepackt, was drauf ging. Die Cover sehen alle gleich aus, nur mit dem Schriftzug der Band, ansonsten schwarz-weiß. Nächstes Jahr wird dann das Noise Label, Noise 2 heißt das dann, neu gestartet. Da werden alle Noise-Bands komplett wieder veröffentlicht, mit allen Veröffentlichungen, die sie hatten, mit allen Studioalben. Wann genau was veröffentlicht wird, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass es alles als CD und auch als Vinyl veröffentlicht wird.

Jetzt muss ich mal grad nachdenken. Die "Black Hand Inn" war auch noch auf Noise, richtig?

Rolf: Die war auch noch auf Noise. Bis "Masquerade".

Mich als leidenschaftlichen Sammler freut das natürlich, denn die "Black Hand Inn" gibt es ja bisher nur als Bootleg und selbst dafür muss man schon 100€ zahlen.

Rolf: Ja, deswegen. Also wie schon gesagt, es wird alles neu aufgelegt. Lange hat es gedauert, aber da war auch einfach das Problem, dass es durch mehrere Plattenfirmen gegangen ist. Damals ist Sanctuary ja ziemlich schnell untergegangen in der Insolvenz, das ging ja ruckzuck. Die Restbestände wurden verkauft an Universal, die wollten damit aber nichts machen. Haben es erst aufgekauft, wollten aber damit nichts machen, den Sinn habe ich nicht verstanden. Jetzt ist es zu BMG Rights gegangen nach London und offensichtlich ist Karl-Ulrich Waltherbach [Gründer und Chef von Noise Records, Anm. d. Verf.] mit involviert. In welcher Weise, bin ich nicht offiziell drüber informiert, aber da gibt es wohl eine Zusammenarbeit über diese Sachen. Insofern wird das auch mit dementsprechendem Spektakel stattfinden. Wenn Karl mit involviert ist, wird man das auf jeden Fall merken.

Dann können die Fans ja aufatmen.

Rolf: Ja, es hat halt lange gedauert. Das Problem ist halt, dass du als Musiker darauf keinen Einfluss hast. Die Titelrechte sind ja schon früh an mich zurückgefallen, nämlich 1999, aber das hilft mir nicht, weil die Rechte an den Masterbändern liegen halt bei der Plattenfirma. Die entscheiden, was sie damit machen.

Hat RUNNING WILD im Ausland denselben Status, wie hier oder unterscheidet der sich da?

Rolf: Also ich habe bereits mehrere Angebote, die finanziell in der gleichen Höhe liegen, wie Wacken. Die mir auch Festival-Headliner anbieten, da wird auch sicherlich noch etwas dazukommen. Wenn ich jetzt die Promotion etwas hinter mir habe, dann werde ich mich mit den ganzen Angeboten auseinandersetzen und gucken, was wir machen können. Ich werde mich mit ein paar Leuten treffen in der näheren Zukunft und da werden wir noch ein paar Sachen bereden, was da so alles machbar ist und dann gucken wir mal, was nächstes Jahr passiert. Da muss man natürlich auch erstmal abwarten was mit der Platte passiert, dann kann man immer noch überlegen, ob da nicht eine Event-Sache kommt oder sowas. Das muss man ein wenig davon abhängig machen, wie die Platte dann letztendlich läuft. Im Moment stehen die Zeichen auf Sturm. Ich sehe das ja an den Vorbestellungszahlen. Das musste alles weitestgehend erhöht werden. Die Leute streiten sich darum, wer eine extra Version vom Vinyl machen darf. [freut sich und lacht] Es gibt ja mittlerweile vier oder fünf verschiedene Vinyl-Versionen. Jeder hat macht so seine eigene Farbe und dann dieses noch dazu oder jenes. Da muss man mal abwarten, was wirklich passiert, wenn die Platte raus ist. Dann kann man sich auch darüber noch weitere Gedanken machen.

Du hast schon vor einiger Zeit gesagt, dass du keine Tour mehr spielen willst. Das bleibt auch weiterhin so?

Rolf: Das bleibt definitiv so. Das heißt ja nicht, dass wir nicht live spielen, sondern nur, dass wir keine Tourneen mehr machen. Wenn der Andrang da ist, und wenn der entsprechende Erfolg vom Album da ist, kann man sich immer noch überlegen, ob man ein bis zwei richtig große Shows macht und das medial verarbeitet. Da gibt es schon verschiedene Möglichkeiten. Die Technik ist ja heute da, die kann man auch nutzen. Das werden alles Dinge sein, über die wir in näherer Zukunft mit den entsprechenden Leuten reden.

Aber normalerweise leben Bands davon, dass sie auf Tour gehen, dadurch verdienen sie ihr Geld und weniger durch Plattenverkäufe. Lohnt sich das für dich, ich meine kannst du von einer Band leben, die nicht auf Tour geht?

Rolf: Ich war immer Profi, von der ersten Platte an, da hat sich auch bis heute nicht geändert. Es gibt aus Deutschland drei Bands, die internationale Gagen kriegen. Das sind SCORPIONS, RUNNING WILD und ACCEPT. Das sind wirklich internationale Gagen, wie sie auch US-Bands kriegen. Insofern würde es für mich in dem Sinne auch gar keinen Sinn machen, eine Tour zu spielen, weil ich verdiene mit den Festivals so viel Geld, das würde einfach keinen Sinn machen. Du hast natürlich die zigfachen Kosten, weil du überall hin deinen Krempel selbst mitnehmen musst. Wenn du jetzt in Wacken spielst, als Beispiel, da ist halt die ganze Logistik da. Und das kostet immer noch wahnsinnig viel Geld. Man muss nicht denken, dass man so eine Show einfach macht und dann ist gut, sondern man muss sie auch bezahlen. Jeden einzeln extra georderten Scheinwerfer, jeder Pyro-Technik, jedes Puff und jedes Päng muss bezahlt werden. Da muss man natürlich kalkulieren. Zum Glück ist RUNNING WILD in der Lage durch diesen Status, und dadurch natürlich auch, dass es uns schon so lange gibt, wir schon so eine lange Geschichte haben, ist natürlich auch irgendwo der Status da und auch in den Köpfen der Leute ist der Status da. Ist ja auch wichtig, ne?! Die heutigen Bands haben es natürlich viel, viel schwerer. Ich glaube, wenn man heute startet dürfte es schon sehr außergewöhnlich sein, wenn man es schafft von der Musik leben zu können.

Ich muss dir ja mal ein Kompliment für deine konsequente Haltung aussprechen. RUNNING WILD haben viele fantastische Alben rausgebracht, mussten aber auch einige Tiefschläge einstecken, dann kam der Rücktritt, kurze Zeit später der Rücktritt vom Rücktritt, was einigen auch sauer aufgestoßen ist. Die Fans wollen dich auf einer Tour sehen, nicht unbedingt auf einem Festival, aber du ziehst das alles so durch, wie du das für richtig hältst.

Rolf: Ja, natürlich, ich meine ich bin durch die ganzen Jahre ja auch irgendwo zum Geschäftsmann geworden. Das muss man auch sein, sonst braucht man es professionell auch nicht machen. So muss ich natürlich auch rechnen, was ist machbar, was ist nicht machbar. Das Tourgeschäft war lange Zeit ein Problem, weil eben auch nicht mehr viele Leute kamen. So eine Show, wie wir sie in Wacken gespielt haben, kannst du nicht mit 2000-3000 Leuten finanzieren. Das geht nicht. Dafür ist sie einfach zu teuer. Die Leute erwarten natürlich auch die entsprechende Show, insofern muss man kalkulieren, wie viele Zuschauer brauche ich, kommen die dann auch? Bei Festival kriegst du deine Gage und wie viel Leute kommen, kann dir letztendlich egal sein, ist dann Sache des Veranstalters. Das ist natürlich eine andere Maßgabe für eine Band, um auch da in Sicherheit zu sein, was die Finanzierung der Show betrifft. imgleft

Ein Bekannter von mir, Andreas Maurer mit Namen. Hat wohl die größte RUNNING WILD-Sammlung weltweit. Schon mal von ihm gehört?

Rolf: Nee, der Name sagt mir jetzt nichts. Vielleicht schon mal irgendwo getroffen auf einem Konzert oder so.

Es gab vor kurzem ein Interview mit ihm im Deaf Forever. Liest du eigentlich solche Magazine, verfolgst du die Metalszene in irgendeiner Form?

Rolf: Eigentlich nicht. Ich höre Rock 'n' Roll insgesamt. Ich komme ja nun auch aus den siebziger Jahren, da hat man eben alles gehört. Irgendwann war es halt so, dass man nur Metal gehört hat, in der Anfangszeit, wo wir losgelegt haben vor allem. Aber die Szene verfolge ich eigentlich schon lange nicht mehr. Ich kriege so einiges mit, aber ich bin da jetzt nicht mehr so drin, wie in den achtziger Jahren zum Beispiel.

Vermisst du die Zeiten in den Achtzigern und Neunzigern?

Rolf: Das ist für mich Vergangenheit. Das war eine tolle Zeit, aber das ist Vergangenheit. Dann könnte man sich auch darüber beschweren, warum man verdammt noch mal nicht in den Siebzigern dabei war. [lacht] Da hat man noch ganz andere Verkaufszahlen gehabt. Das macht keinen Sinn darüber zu lamentieren. Ich kann das verstehen, wenn eine junge Band das sagt, weil die sagen, da hat man noch richtig verkauft. Da konnte man wirklich eine Karriere drauf aufbauen, das ist heute natürlich schwieriger. Ich weine dem nicht hinterher, weil das ändert eh nichts. "Rapid Foray" ist RUNNING WILD 2016, auch wenn es da Anklänge gibt, an die alten Zeiten, es ist trotzdem auch eine moderne Platte. Sie hat auch noch Einflüsse, die damals noch nicht da waren. Ich bin ja auch ein anderer Mensch. Ich mein, die Platten sind teilweise 20 Jahre alt. Die "Under Jolly Roger" wird nächstes Jahr 30 Jahre alt.

Wenn du dann Zuhause Musik hörst, dann als Vinyl, CD oder MP3?

Rolf: Ich höre CD. Vinyl habe ich bei einem Umzug komplett weggegeben. Das war schon Ende der Neunziger. Einfach aus logistischen Gründen, ich hatte um die 1200 Platten, die habe ich komplett abgegeben. Ich hatte vieles auch schon auf CD gekauft. In den letzten Jahren kamen viele alte Sachen auf CD raus, die es lange nicht gab. Die habe ich mir dann nachgekauft. Ich höre wirklich querbeet, bin da nicht festgelegt. Das hat bei mir immer was mit Stimmung zu tun, welche Musik ich auflege. Rock 'n' Roll ist es auf jeden Fall. Ich höre auch mal klassische Musik. Ich bin jetzt aber auch nicht so der Mega-Metalfreak, war ich auch nie. Ich habe zum Beispiel niemals amerikanischen Metal gehört, eher amerikanischen Hardrock. Die ganzen Bands aus den Achtzigern, wie ANTHRAX, SLAYER oder MEGADETH, das war alles nicht so mein Ding. Nichts gegen die Band, aber es hat mir einfach nicht gefallen. Ich stand dann mehr auf WASP oder MÖTLEY CRÜE, QUIET RIOT oder CINDERELLA.

Jetzt sag mir doch mal, wie sieht ein normaler Tag im Leben des Rolf Kasparek aus. Wie darf ich mir einen normalen Tag in deinem Leben vorstellen?

Rolf: Den gibt es nicht. [lacht] Den normalen Alltag gibt es nicht, weil es gibt immer so viele verschiedene Sachen, die ich zu tun habe. Gut, die letzten Monate, war es natürlich ein Trott. Du stehst auf, dann gehst du einkaufen, dann frühstückst du und dann gehst du oben ins Studio und dann geht die Arbeit los mit einer kurzen Mittagspause. Und abends um 20 Uhr oder 21 Uhr machst du dich fertig und triffst dich mit deinen Freunden, danach noch mal mit den Hunden raus oder sowas. Das ist dann natürlich schon Trott. Aber wenn du das Band abgegeben hast, hast du wieder einen ganz anderen Trott. Dann machst du erst mal die Dinge, die liegengeblieben sind, die du abarbeiten musst. Es auch nicht so, dass ich die ganze Zeit nur mit Musik beschäftige. Ich spiel auch nicht jeden Tag Gitarre, manchmal habe ich Phasen, wo ich zwei Wochen gar nicht spiele, wie jetzt zum Beispiel, da komme ich kaum dazu, weil ich so viele Interviews gebe. Da muss man auch ein bisschen gucken, die Zeit etwas einteilen. Dann spiele ich mich auf die Live-Sachen ein. Da gibt es 1000 verschiedene Möglichkeiten, wie ein Tag ablaufen kann. Es gibt kein besonders prägnantes Ding, wo ich mich das ganze Jahr über dranhalte. Ich bin niemand, der besonders früh ins Bett geht, vor ein oder zwei Uhr gehe ich nicht ins Bett. Ich stehe aber auch nicht um 12 Uhr erst auf, wie viele andere Mucker. Ich stehe um neun Uhr auf manchmal auch etwas früher.

Rolf, es ist Freitagabend 20:45 Uhr, für viele der Abend der Woche. Was liegt bei dir heute noch an?

Rolf: Ich gehe gleich noch zu einer Freundin und dann gucken wir ein Film oder so, danach noch eine Runde mit den Hunden raus, ein ganz lockerer Abend. Heute ist auch nur ein Interview, du bist der Einzige, sonst habe ich immer drei bis vier oder so. Das geht dann immer etwas länger oder fängt früher an, dann muss ich meine Sachen auch früher beendet haben. Also ganz locker. Ich bin auch nicht der große Club-Gänger. Viele Leute haben mich immer gefragt, wie ich nur von Hamburg nach Hannover ziehen konnte. Mich interessiert das nicht, was die meisten Leute mit Hamburg verbinden. Ich treffe mich lieber mit Freunden, wir unterhalten uns oder gucken einen Film, und es gibt viele Diskussionen über Gott und die Welt. Der größte Teil meines Freundeskreises kommt nicht aus der Heavy-Metal-Szene. Die hören ab und zu auch Metal, sind auch Leute bei, die auch gerne RUNNING WILD hören, auch mal AC/DC oder so, aber es sind nicht so die typischen Metal-Fans. Alle nicht.

Ist ja vielleicht auch ein netter Ausgleich und eben nicht 24 Stunden am Tag mit RUNNING WILD oder Heavy Metal beschäftigt zu sein.

Rolf: Das war natürlich am Anfang so. Bevor es dann richtig losging, war das natürlich so. Ich habe dann angefangen, als ich gemerkt habe, dass ich es geschafft habe, dass ich da bin, wo ich hinwollte, versuchte mir einen Ausgleich zu schaffen, einen Gegenpol zu der Musik zu haben. Ich kenne so viel Musiker aus meiner Generation, die drauf so hängengeblieben, die haben nichts anderes außer die Musik. Erst mal ist das gut, eine tolle Sache, doch dann verfängst du dich da drin, weil du keinen Ausgleich mehr hast, dann läufst du wie ein Hamster im Laufrad. Da geht dann auch die Kreativität verloren.

Und damit sind wir auch schon am Ende angelangt. Ich danke dir für das Interview und den Einblick, den du uns gegeben hast. Die letzten Worte gehören dir.

Rolf: Wie gesagt, nächstes Jahr RUNNING WILD live auf jeden Fall, in welchem Rahmen und wo genau überall kann ich jetzt noch nicht sagen, aber ich freue mich auf jeden Fall drauf.

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