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Interview mit Jonas von Darkest Horizon

Ein Interview von Krümel vom 20.09.2014 (6577 mal gelesen)
Nachdem die hessischen Dark Melodic Death-Newcomer DARKEST HORIZON im Juli ein absolut stimmiges Debütalbum abgeliefert haben, verriet uns Sänger Aurelius in einem Song-By-Song-Special ausführlich das sehr anspruchsvolle Konzept hinter "The Grand Continuum". Doch das war Bleeding4Metal nicht genug und wollte noch mehr über die Band, die Jungs dahinter sowie ihr musikalisches Schaffen erfahren. Dieses Mal war Bassist Jonas sehr auskunftsfreudig und gab viele interessante Hintergrundinformationen und Gedanken der Band preis.

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Ich selbst bin durch eure letzte EP "Scattered Worlds" zum ersten Mal auf euch aufmerksam geworden. Es gibt sicher noch einige, die euch leider nicht kennen. Stellt doch mal kurz die Band vor. Wie habt ihr zusammen gefunden? Wart ihr schon Kumpel und habt ihr schon mal in anderen Bands gespielt? Was war eure Motivation, gemeinsam Musik - und speziell Heavy Metal - zu machen?

Jonas: Hey, wir sind DARKEST HORIZON aus dem Kreis Rodgau/Darmstadt (Hessen). Gegründet wurden wir von Chris (Keyboards), Olli (Lead-Gitarre) und Aurelius (Gesang) Anfang 2010, nach und nach kamen dann meine Person (Bass), Daniel (Rhythmusgitarre) und Phil (Drums) dazu. Der Startschuss hierfür war die Idee, die Brachialität des Melodic Death Metals mit der epischen Vielfalt von symphonischer Musik und unseren innovativen Songstrukturen zu vereinen. Daraus entstanden ist das, was wir Epic Melodic Death Metal nennen. Die meisten von uns hatten schon vorher in verschiedenen Projekten zusammengespielt (z.B. Chris & ich, Aurelius & Chris & Phil) und kannten uns daher schon gut, allerdings entstand unsere feste Freundschaft nicht zuletzt durch die gemeinsame Zeit mit DARKEST HORIZON.

Nach zwei EPs habt ihr nun das erste Voll-Album veröffentlicht. Und das erneut in Eigenregie, wenn ich mich nicht irre. Wie finanziert ihr das? Ich gehe mal von aus, dass ihr alle hauptberuflich anderweitig tätig seid. Habt ihr da Unterstützung?

Jonas: Nach "Scattered Worlds" und "Shattered Skies" ist "The Grand Continuum" jetzt tatsächlich unser Debut. Da das Album komplett in Eigenregie entstanden ist, müssen wir unserem hervorragenden Team danken, das mit uns daran gearbeitet hat, denn ohne es wäre das Ganze undenkbar gewesen (danke an Nico und den Kohlekeller, an Absolutely Framed, Bembel with Care und alle anderen, die hier nicht aufgeführt sind!). Das Finanzielle ist natürlich immer so eine Sache. Für dein erstes Album erhältst du als Band keinerlei Unterstützung und so haben wir alles selbst finanziert. Teilweise durch Einnahmen aus den Verkäufen der vorherigen EPs, doch größtenteils durch unser privat Angespartes. Deswegen ist unser Team für uns auch so extrem wichtig, denn unter diesen Bedingungen brauchst du Menschen, mit denen du auf einer Wellenlänge bist und die sich für das, was du tust, begeistern können. Das Finanzielle ist in diesem Fall auf keinen Fall der ausschlaggebende, lockende Punkt.

Berichtet mal ein bisschen vom Entstehungsprozess von "The Grand Continuum". Wer ist bei euch für das Songwriting, die Texte etc. verantwortlich? Oder ist alles ein Gemeinschaftswerk?

Jonas: Zum Songwriting muss man sagen, dass wir eine basisdemokratische Band sind. Bei uns gibt es nicht "den einen" Entscheidungsträger, der bestimmt, was wie wann wo gemacht wird. Sei es im Songwriting oder irgendeinem anderen Thema. Und genau so sind die Song entstanden: Songstrukturen und -grundideen wurden von Chris (Keyboards) geschrieben und in die Gruppe gereicht. Dann wurde alles durchgehört, darüber debattiert und dann letztlich haben sich die Songs durchgesetzt, die ihr jetzt auf dem Album hören könnt. Der weitere Aufbau der Songs lief ungefähr wie folgt ab: Phil und ich setzten uns an den Rhythmusbereich und arbeiteten diesen aus. Darauf folgten Daniel, Olli und Chris mit ihren jeweiligen Stimmen, während Aurelius sich zunächst auf die Texte und das Konzept konzentriert hat. Als die Intrumente standen, hat Aurelius angefangen, den Gesang darüber zu legen und letztlich entstanden hieraus die fertigen, jetzt auf dem Album hörbaren Songs. Den Vorteil in dieser Art des Arbeitens sehen wir darin, dass sich zunächst ein Song bei sechs Leuten durchsetzen muss, dann einzeln auseinander genommen wird und schließlich aus einzelnen, ausgearbeiteten und selbstständigen Einzelspuren wieder zusammengesetzt wird. So versuchen wir, Füllmaterial zu vermeiden und uns immer wieder zu verbessern und herauszufordern.

Ich finde, ihr habt euch in den letzten zwei Jahren echt nach vorne enwickelt. Seht ihr das genauso? Was ist eurer Meinung nach der größte Unterschied zur Vorgängerscheibe?

Jonas: Vielen Dank dafür! Ich denke, es gibt zwei große Unterschiede: der erste ist Selbstvertrauen/Selbstbewusstsein. Wenn man das erste Mal ins Studio geht, kennt man sich noch nicht besonders aus. Es geht weniger um das entstehende Werk, als vielmehr um den Weg dorthin. Man lernt sehr viel, doch erst bei späteren Erfahrungen (in dem Fall nach zwei Scheiben) hat man den typischen Studioablauf so verinnerlicht, dass man sich auf die Musik an sich wirklich konzentrieren kann und weiß, was funktioniert und machbar ist und was nicht. Der zweite Unterschied ist der Mut. Bei den ersten Aufnahmen kennt man sich selbst und seinen Stil in der Regel noch nicht besonders gut. Man probiert selbst aus, testet sich und nicht zuletzt muss man sich selbst überhaupt erst einmal aufgenommen hören, bevor man eigentlich ein Gefühl dafür entwickelt, wer dieses "wir" eigentlich ist. Bei "The Grand Continuum" haben wir uns extra keine Regeln gesteckt. Wir haben relativ lange Songs auf dem Album. Songs, bei denen sich sehr viele Strukturen und Stimmen kreuzen, wieder entwirren und zusammenfinden, aber trotzdem haben sie eine Harmonie, die sie zusammenhält und vielschichtig präsentiert. Wir sind froh, dass wir uns so ausprobieren konnten und freuen uns, dass das Ergebnis bislang sehr gut angekommt.

Seid ihr denn selbst vollkommen zufrieden mit dem Ergebnis oder gibt es etwas im Nachhinein, das ihr hättet besser/anders machen können?

Jonas: Das ist eine sehr gute Frage! Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, es übertrifft alles, was wir uns im Vorfeld versprochen hatten. Die Songs funktionieren, das Konzept funktioniert, der Sound ist hammer, sehr gut ausbalanciert und das Artwork präsentiert uns so, wie wir uns das vorgestellt haben. Natürlich gibt es Punkte, die wir verbessern würden, es wäre ja auch schlimm, wenn das nicht so wäre. Dann müssten wir nie wieder ein Album aufnehmen, denn dann hätten wir nichts mehr, was wir toppen könnten. Allerdings sehen wir es nicht als "Verbesserung" an "The Grand Continuum", denn das Album ist so wie es ist auch so, wie wir es wollten. Wir freuen uns einfach auf die Zukunft und auf jede noch kommende Produktion; auf dass wir jedesmal das bis dato Beste geben, im Nachhinein merken, wo wir uns noch verbessern können und das wiederum dann bei darauf folgenden Produktionen anwenden können.

Unabhängig von dem Song-By-Song-Special, in welchem ihr zu jedem Track der Scheibe ein paar Worte verratet, hast Du/habt ihr einen Lieblingssong auf dem Album? Welcher und warum?

Jonas: Es ist schwer, einen wirklichen Lieblingssong zu benennen, da jeder Song auf seine Weise seinen Reiz und seine Geschichte hat. Doch um mich jetzt für den Moment festzulegen, würde ich sagen 'Interdimensional' ist mein Favorit. Er ist sogar nicht nur mein Favorit, sondern generell der Bandfavorit, würde ich mal schätzen. Bei diesem Song haben wir uns einfach mal aus dem Fenster gelehnt und alle Betrachtungen wie Länge, Komplexität etc. pp. über Bord geworfen. 'Interdimensional' stellt den krönenden Abschluss des gesamten Album dar und allein dadurch kriegt er einen extrem hohen Stellenwert. Er ist der längste Song auf dem Album und der einzige, der sich sogar hörbar in drei Kapitel unterteilen lässt. Letztlich kann man sagen, dass 'Interdimensional' die Definition von "Weiterentwicklung und Experimenten" auf dem Album ist (im Vergleich zu beiden EP's davor).

Gibt es im Gegensatz dazu auch ein Stück, dass ihr jetzt so nachträglich nicht mehr hören könnt?

Jonas: Interessanterweise nein. Natürlich kann man die Songs nach einer achtstündigen Probe nicht mehr hören, das ist ganz natürlich. Aber ein Song, der uns generell zum Hals raushängt? Nein, den gibt es nicht. Aber das ist auch, ganz nebenbei bemerkt, noch ein Indiz für uns, dass wir keine Lückenfüller mit auf das Album gepackt haben. Könnten wir uns nicht jeden Song auch noch selbst anhören, ohne eine Gänsehaut zu bekommen, hätten wir etwas falsch gemacht oder die falschen Songs auf das Album gepackt.

Die Reviews und Reaktionen zum Album sind ja durchweg sehr positiv. Haben aufgrund dessen vielleicht schon Labels angefragt, um euch für die Zukunft unter Vertrag zu nehmen?

Jonas: Ja, da gibt es Interessenten und Angebote, doch dazu kann ich jetzt noch nichts sagen. Wenn es etwas Neues gibt, werden wir damit nicht hinterm Berg halten, keine Sorge (grinst).

Wäre es euer Wunsch, irgendwann mal komplett von der Musik leben zu können?

Jonas: Definitiv! Nicht in dem Sinne, Musik zu machen, die sich verkauft, nur damit man etwas verkauft, sondern eher als Privileg, dass man als Musiker die Gelegenheit erhält, nur noch für seine Musik zu leben und sich voll und ganz darauf konzentrieren zu können. Also quasi kein Ausverkauf, sondern komplette Hingabe an die Musik. Was gibt es schöneres für einen Musiker, als nur noch Musik machen zu können, ohne zusätzlich noch Beruf oder Studium händeln zu müssen? imgright

Am 11. Juli fand in Frankfurt eine Release-Party statt. Wenn man so im Internet die Kommentare liest, war sie ein voller Erfolg, oder?

Jonas: Ja, wir haben uns sehr gefreut, dass neben vielen Bekannten und Freunden auch viele fremde Gesichter zu sehen waren. Unsere Releaseparties (genauso wie unser jährliches Jahresabschlusskonzert) haben einen eher familiären Kontext, wir wollen nicht nur unser Album präsentieren, sondern uns vor allem auch mit den Leuten abseits der Bühne unterhalten. Egal, wie gut ein Konzert organisiert ist, es ist immer Stress im Spiel und bei der Party konnte man sich in Ruhe zusammensetzen und austauschen. Es ist schön, neue Leute kennenzulernen, die deine Musik schätzen und dir auch in Ruhe etwas dazu sagen können. So lernt man am meisten dazu.

Es sollte ja am 18. Juli im Essener Turock eine Album-Release-Konzert stattfinden. Warum wurde das so kurzfristig gecancelt? Könnt ihr dazu etwas näheres sagen? Wird die Show (evtl. woanders) nachgeholt?

Jonas: Die Show wurde aus internen Gründen gecancelt, allerdings können wir nichts genaueres dazu sagen. Eine "1 zu 1"-Ersatzshow ist nicht geplant, doch wir arbeiten an einem größeren Ausgleich, damit jeder, der uns sehen wollte, auch die Chance dazu kriegt. Näheres dazu werden wir allerdings über unsere Online-Präsenzen ankündigen, wenn es soweit ist.

Sind noch weitere Live- oder Touraktivitdten geplant, um die neue Scheibe zu promoten?

Jonas: Ja, definitiv! Am 14.11.2014 spielen wir auf dem BREMER METAL FESTIVAL (Bremen), am 15.11.2014 auf dem WINTER METAL (Zwickau) und am 12.12.2014 im OPENSTAGE (Jügesheim/Rodgau). Im OPENSTAGE findet unser jährliches Jahresabschlusskonzert statt, ein kleinerer Rahmen mit Freunden und Bekannten, passend zur besinnlichen Weihnachtszeit.

Apropos ... ich hab euch beim diesjährigen Metalfest auf der Loreley sehen können. Mir und den anwesenden Fans hat es gut gefallen. Wie empfandet ihr euren Aufritt selbst?

Jonas: Wir waren überwältigt! Als wir hinter der Bühne standen und nach vorne gelunst haben, war es ziemlich leer (verständlich bei der enormen Hitze an den Tagen, wir haben uns auch vorwiegend im Schatten gehalten), doch als wir auf die Bühne kamen, hat es sich ziemlich schnell gefüllt. Die Leute waren super drauf, viele haben Texte von uns mitgesungen und eine Location wie die Loreley lässt einfach das Herz höher schlagen. Zudem muss man sagen, dass wir genau zwei Jahre zuvor auf der Newcomer-Stage unseren ersten Festivalgig als Opener gespielt haben. Und nun, zwei Jahre später, selbe Bühne, allerdings als Headliner. Das war großartig.

Kann es sein, dass Aurelius ein wenig angeheitert war, hahaha?

Jonas: Nennen wir es doch "Berauscht von Euphorie und überwältigt von soviel Zuspruch von vor der Bühne" (lacht).

Über die Newcomer-Stage gibt es geteilte Meinungen. Die einen halten sie für überflüssig. Einige sehen sie als Chance für unbekanntere Bands, andere jedoch auch als Nachteil, weil man "gegen" die große Bühnen anspielen muss. Was meint ihr dazu?

Jonas: Ich denke, das schwankt. Natürlich stehen die größeren Bands weiter im Vordergrund als die Bands auf der Newcomer-Stage, doch da muss jede Band durch (selbst die großen zu der Zeit, als sie noch klein waren). Es ist super, dass es diese Newcomer-Stage gibt, denn was wäre die Alternative? Seid groß und spielt oder seid klein und erhaltet keine Chance? Da ist es doch klasse, dass kleinen Bands eine Bühne gegeben wird, auf der sie sich (und sei es vor kleinem Publikum) präsentieren können. Schade ist nur, dass fast kein Magazin über die Newcomer-Stage berichtet. Egal, wie gut eine Band auch sein mag, die dort spielt, sie wird später nicht erwähnt. Das macht es für die kleinen Bands im Nachhinein schwer, aber das liegt nicht an der Newcomer-Stage an sich, sondern an der Berichterstattung über das Festival.

Wie sehen die Zukunftspläne bei DARKEST HORIZON aus? Arbeitet ihr evtl. schon an neuen Songs für einen weiteren Longplayer?

Jonas: In näherer Zukunft haben wir einiges zu tun, es stehen noch oben erwähnte Konzerte aus, das Jahr 2015 will geplant werden und natürlich arbeiten wir an neuen Songs. Es wird zwar noch dauern, bis wir uns wieder ins Studio begeben, aber keine Sorge, wir sprühen vor Ideen und wollen diese unbedingt umsetzen. Mal sehen, was da alles kommt.

Traditionell gehören die letzten Worte den Musikern. Ihr könnt all das loswerden, was ihr schon immer sagen wolltet...

Jonas: Danke an alle, die uns unterstützen! Ob als Roadie, Tech, Producer, Grafiker oder einfach als leidenschaftlicher, musikbegeisterter Konzertgänger, der sich die Seele aus dem Leib brüllt auf unseren Konzerten: Dank an dich! Wir freuen uns, euch alle auf unseren nächsten Konzerten wiederzusehen!

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