Interview mit Yantit von Ewigheim

Ein Interview von Zephir vom 15.01.2014 (6868 mal gelesen)
Menschenskind, ist dieser Typ sympathisch! Yantit, bekannt durch die Bands EISREGEN, MARIENBAD und nicht zuletzt EWIGHEIM, erzählt von den vergangenen Feiertagen und seinem musikalischen Schaffen. Die zynische Zunge spart er sich hierbei für die Arbeit an den Songtexten auf, die auch das jüngste EWIGHEIM-Release "Nachruf" lyrisch komplettieren.
Seine einnehmend offenherzigen Statements im Mailer-Interview beweisen aber ebenso, dass so manches kategorisches Verständnissystem der Menschenhirne von dem, was wir Leben und Tod, Umfeld und gedankenlos "Gesellschaft" nennen (Letzteres ein Wort, das dem Musiker höchst zuwider ist), einmal gründlich umgegraben gehört. Dazu trägt auch der "Nachruf" bei, mit dem EWIGHEIM uns ins Jahr 2014 geschickt haben ...

Zuallererst wünsche ich dir einen guten Start ins neue Jahr! Wie habt ihr den Kalenderwechsel gefeiert?

Yantit: Hab vielen Dank, dass wünsche ich dir auch. Wir haben es sehr ruhig angehen lassen. Ich war mit meiner Freundin bei M., wir haben mit ihm und seiner Familie gegessen, danach einen Film geschaut und waren kurz nach 24 Uhr wieder zu Hause. Da haben wir dann noch eine Stunde bei Frank vom KKTH und einem guten Bekannten verbracht ... das war's auch schon.

Hand aufs Herz - habt ihr Weihnachten gefeiert?

Yantit: Nein, ganz ehrlich, wir "feiern" es wirklich nicht bzw. müssen es nicht feiern. Das ist einer der Vorteile, wenn man keine Kinder und kaum noch Familie hat. Aber ich mag die Zeit wirklich sehr. Hier in Tambach ist dann keine Menschenseele mehr unterwegs und man kann die Tage damit verbringen, im Bett zu liegen und alte, ostdeutsche und tschechische Märchenfilme zu schauen ... die liebe ich schon seit meiner Kindheit und um Weihnachten herum laufen ständig welche :-)

Welche Musik lief bei dir über die Tage?

Yantit: Gar keine, siehe die Antwort zur letzten Frage.

Euer jüngstes Album "Nachruf" ist im Dezember erschienen. Die Durststrecke für die Fans war diesmal ziemlich kurz, gerade einmal eineinhalb Jahre, seit "Bereue nichts" herauskam. Was hat euch getrieben?

Yantit: Nachdem wir mit "Bereue nichts" aus dem Studio gekommen sind, war ich einfach nur total motiviert und habe mich sofort daran gemacht, neue Stücke undTexte zu schreiben ... manchmal ist eben alles ganz einfach und die "Durststrecke" war ja auch nicht ganz freiwillig [lacht].

Und seid ihr zufrieden mit dem Werk und der Resonanz?

Yantit: Auf die ersten Resonanzen gebe ich nicht viel, da sie entweder euphorisch oder darauf bedacht sind, etwas madig zu machen ... beides lässt dann immer sehr schnell nach. Wirklich wichtig ist mir die Meinung der Menschen, die sich über längere Zeit mit dem Album auseinandersetzten und auch nach ein paar Monaten oder Jahren noch etwas dazu zu sagen haben. Mit EWIGHEIM scheinen wir diesbezüglich Glück gehabt zu haben und da wir wieder etwas öfter live spielen, kommen auch immer mehr dieser Reaktionen bei uns an. Was die Platte selbst betrifft, bin ich wirklich sehr glücklich damit. Das liegt vor allem daran, dass wir schon bei den Aufnahmen das Gefühl hatten, dem Kern von EWIGHEIM noch nie so nahe gekommen zu sein ... also alles Zynische in möglichst harmonische Musik zu verpacken. Das war 1999 auch einer der Hauptgründe, mit EWIGHEIM zu beginnen.

Ich höre das Album sehr gerne, finde es allerdings vom Musikalischen her an einigen Stellen ziemlich poppig. War das beabsichtigt?

Yantit: Das habe ich gemeint und sehe es als Kompliment. Wenn ein Hörer etwas als "poppig" empfindet, liegt das häufig weniger an der Musik selbst als am Arrangement der Stücke. Darauf - dass es so ist - haben wir sehr viel Zeit verwendet und glaub mir, es ist unglaublich schwer, etwas "einfach" klingen zu lassen [lacht].

Inhaltlich scheint ja alles misanthropisch wie gewohnt. 'Die Augen zu' mutet allerdings fast düsterromantisch an - da gibt es scheinbar noch einen zweiten Menschen, mit dem es sich zu verbünden lohnt ... ich mag den Song. Hat er eine Geschichte?

Yantit: Das hast du schön geschrieben! Es geht ja nicht darum, sich mit aller Gewalt auszugrenzen, im Gegenteil. Es gibt, meiner Meinung nach, einfach nur sehr wenige Menschen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen. Wenn man das tut, hat man irgendwann wirklich "alles" gesehen und die Schnauze voll. Natürlich macht es Sinn, nach diesen besonderen Menschen zu suchen, und ja, ich habe für mich selbst ein paar - wenige - gefunden.

Und erzähl mir etwas über 'Heimweh' und die Sache mit den vielen Gräbern zu Lebzeiten. Eigentlich ziemlich provokant, was ihr hier beschreibt, aber unter dem gewählten Titel kriegt es ja schon etwas Metaphysisches. Du hattest in der Vergangenheit mehrfach betont, in welcher Ernsthaftigkeit die Inhalte der EWIGHEIM-Songs verwurzelt sind. In welcher Weise gilt das für 'Heimweh'? Woher kommt die Idee?

Yantit: Nein, der Text sollte wirklich nicht provokant wirken. Im Gegenteil, es geht lediglich darum, dass man sich verändern "muss", weil es das Umfeld (man könnte auch "die Gesellschaft" sagen, aber ich hasse das Wort) von einem erwartet. Im Laufe der Zeit verliert man dadurch viel von sich selbst, alle Träume, seinen Charakter und am Ende auch sich selbst. Wenn man nicht total abgeklemmt ist (und stattdessen lieber von den "guten alten Zeit" labert), gesteht man es sich ein und gibt sich Stück für Stück auf. So verabschiedet man sich von "Teilen" ... ich hoffe, dass war verständlich?

Würdest Du EWIGHEIMS lyrischen Umgang mit Leben und Tod eigentlich als respektlos bezeichnen?

Yantit: Nein, ganz im Gegenteil. Aber ich scheiße einen großen Haufen darauf, was mir andere - man könnte auch wieder "die Gesellschaft" sagen, aber ich hasse das Wort immer noch - diesbezüglich mit auf den Weg geben wollen oder erwarten.

In 'Wenn es am schönsten ist' gehen Text und Musik stimmungsmäßig reichlich auseinander. Was ist das für ein Song?

Yantit: Das ist wieder die Sache mit dem "... alles Zynische in möglichst harmonische Musik zu verpacken". Es scheint ja zu klappen [lacht].

Blicken wir in die Zukunft! Am 1. Februar spielt ihr mit FJOERGYN und AETHERNAEUM auf dem "From Hell" in Erfurt. Das ist eine interessante Kombination. Kennt ihr euch schon?

Yantit: Nein, FJOERGYN kenne ich bislang nur von CD, also nicht die Personen. Auf AETHERNAEUM freue ich mich sehr, besser gesagt auf Sascha. Als wir um 2000 herum die ersten EWIGHEIM-Konzerte gespielt haben, war er mit seiner alten Band DESPAIRATION öfter dabei, ich habe ihn seither nicht mehr gesehen, aber immer sehr geschätzt ... die "gute alte Zeit" [grinst].

Und dürfen wir in diesem Jahr auf noch weitere Auftritte von EWIGHEIM hoffen?

Yantit: Ja, es sind noch ein paar weitere geplant, aber ich rede nicht gern über ungelegte Eier, lasst euch einfach überraschen.

Wie sieht eure weitere Planung aus? Ihr seid ja alle in mehreren Bands aktiv.

Yantit: Mit EISREGEN arbeiten wir gerade an etwas ... mh, Lustigem? THE VISION BLEAK stecken in den Vorbereitungen zu einer Wochenendtour, da sich die Veröffentlichung ihrer ersten Platten zu zehnten Mal jährt. Mit EWIGHEIM begehen wir in diesem Jahr unseren 15. Geburtstag. Aus diesem Anlass werden Massacre-Records im kommenden Herbst/Winter eine Platte veröffentlichen. Das Ganze wird aber eher eine Liedersammlung mit unveröffentlichten Stücken aus allen Schaffensphasen als ein Album im eigentlichen Sinn.

Bitte gib uns noch etwas für den Start ins neue Jahr mit!

Yantit: Ihr habt doch schon etwas bekommen ... einen "Nachruf" [lacht]. Aber ernsthaft, bleibt einfach gesund und wir wünschen euch das Beste.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

Yantit: Ich danke dir!

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