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Interview mit Piet Sielck von Iron Savior

Ein Interview von EpicEric vom 12.12.2012 (3759 mal gelesen)
IRON SAVIOR sind durch das Wegfallen von VICIOUS RUMORS kurzfristig in die Headlinerposition des diesjährigen Börsencrash-Festivals in Wuppertal gerutscht und Chef Piet Sielck (v, g) war so gut, uns ein paar Fragen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der hanseatischen Heavy Metal Institution zu beantworten!

Seit der "Megatropolis" sind ja ein paar Jahre ins Land gegangen!

Piet Sielck: Ja, das stimmt! Die "Megatropolis" war ja, lass mich nicht lügen, 2008 gewesen. Oder war das 2007? (Anm. d. Red.: Ja, war es)

Was hast du denn in der Zwischenzeit so getrieben?

Piet Sielck: Ja, eine Sache war SAVAGE CIRCUS, mit denen hatte ich zwei Alben gemacht, 2005 und 2009. Und dann war ich ja mal Labelbesitzer. Das war Dockyard, das hatten wir 2004 gegründet, lief auch ganz okay, darüber hatten wir SAVAGE CIRCUS und IRON SAVIOR gemacht und noch andere Geschichten, wie STORMWARRIOR. Und - ich versuche jetzt mal, das knapp zusammenzufassen - die Grundidee meiner Partner damals war, möglichst schnell möglichst viele Bands zusammenzukriegen um schnell groß zu werden, was ja vom Grundgedanken her erstmal nicht verkehrt ist. Woran es dann aber gescheitert ist, war, dass man Geld braucht, um diese Bands auch einzukaufen, und das wurde so besorgt, dass man die neuen Künstler bezahlt und andere Rechnungen liegen gelassen hat. Und man hat darauf gehofft, dass irgendwann eine große Band kommt, die das Geld wieder einspielt. 2009 habe ich da dann die Notbremse gezogen. Um die Sache dann noch zu retten, haben wir dann noch ein zweites Label gegründet, Dockyard 2, als GmbH, unter dem auch die "Of Doom And Death" von SAVAGE CIRCUS veröffentlicht worden ist. Kurz vor dem Release wurde ich aber wieder sitzen gelassen, sodass ich Ende des Jahres mit zwei völlig maroden Plattenfirmen dastand und das alles schön selber bezahlen musste. Die nächsten zwei Jahre habe ich dann damit verbracht, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Wir sprechen hier auch nicht von Peanuts, das waren schon sechsstellige Beträge. Wieder bergauf ging es dann, als ich den Deal mit AFM gemacht habe, die dann auch den ganzen Katalog von Dockyard aufgekauft haben, womit ich die meisten Schulden auch begleichen konnte. Dann hatte ich verständlicherweise auch erstmal keine Lust mehr, Heavy Metal zu machen. Die Schulden, mein Studio war 'ne Rumpelkammer... Bis der Anruf von AFM kam, ob ich, jetzt, wo sie meinen Katalog gekauft hatten, nicht Lust hätte, auch wieder als Künstler für die zu arbeiten. Und da hab ich mir gedacht, "Gut, ich hab noch die Schulden von Dockyard, Geld kann ich gebrauchen, warum nich?". Ohne mir viel dabei zu denken. Aber das war für mich irgendwie ein Wendepunkt. Mir ging es nicht mehr ganz so scheiße, ich bin ins Studio gegangen, hab aufgeräumt, Staub gewischt, alles wieder schön gemacht, und hab mich da hingesetzt und siehe da; ich habe 'nen Song geschrieben und es hat mir Spaß gemacht. Und was cool war: ich hatte ja völlig abgeschlossen, ich konnte jetzt machen was ich wollte, und es war wurscht, was dabei herauskam. Das war interessant für AFM, für mich aber nicht. Und mit fünf Jahren Pause fand ich Riffs, die ich vorher vielleicht als banal empfunden hätte, wieder voll geil. Das hat dann eine Eigendynamik entwickelt und hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich fast schon traurig war, als die Songwriting-Session wieder vorbei war. Und so ist dann die "The Landing" entstanden. Und da hat irgendwie alles gestimmt. Die Songs waren klasse. Bei den Schlagzeugaufnahmen hab ich mit Thomas eine tierische Session gemacht; ich weiß gar nicht, was ich jetzt anders gemacht habe, ich hab' einfach ein glückliches Händchen gehabt in dem Moment. Es ist auch das erste Mal in meiner Karriere als Produzent - ich mach' das ja schon ein paar Tage - dass beim Schlagzeug nicht ein Sample dabei ist. Sowas gibt es eigentlich kaum noch.

Das klingt ja fast wie das, was der Rock 'n' Rolf erzählt hat, als er dieses Jahr 'ne neue RUNNING WILD-Scheibe rausgehauen hat. Was hältst du denn davon?

Piet Sielck: Ja, den Rolf kenne ich jetzt nicht soo gut. Wir haben mal 'ne Tour zusammen gemacht, und ich weiß in etwa, wie der tickt. Wenn der was macht, und die anderen finden das scheiße, dann ist dem das egal. Auf der einen Seite mögen das einige als Arroganz empfinden, auf der anderen Seite braucht man sowas aber auch, damit man eine klare Richtung hat. Und das finde ich gut. Und das neue Album finde ich auch okay. Und dass er da jetzt, nachdem er länger nichts gemacht hat, wieder Spaß dran entwickelt hat, das glaube ich ihm ungesehen! Das ist ja am Ende auch das Wichtigste.

Und vom Sound her? Du so als Produzent.

Piet Sielck: Das hätte man besser hinkriegen können. Die Geschmäcker sind natürlich verschieden, aber wenn es so gewollt ist, dann ist es so gewollt und das sollte man respektieren.

Und wo wir eben schon bei SAVAGE CIRCUS waren! In der Presse werden die ja, auch nach seinem Ausstieg, noch als das Baby von Thomen (Stauch, Ex-BLIND GUARDIAN, Anm. d. Red.) gehandelt. Wie ist es da zwischen der Zusammenarbeit von euch beiden und den Jungs von PERSUADER gekommen?

Piet Sielck: PERSUADER waren bei mir ja früher im Studio, als ich die "Evolution Purgatory" mit denen gemacht habe. Und als ich dann die Vocals gehört habe, dachte ich mir, "Hui, das kommt dir doch irgendwoher bekannt vor!" Und irgendwann rief der Thomen mich mal an, dass er in Schwierigkeiten wäre, und es ging natürlich um Geld, und er bräuchte 'ne Band. Und da hab ich dem gesagt ich hätte hier 'nen Sänger stehen, der klingt wie Hansi, alte BLIND GUARDIAN traut sich keiner zu machen, könnte funktionieren! Und dann haben wir das ausprobiert.

Erzähl doch mal 'nen Schwank aus deinen Anfangstagen mit HELLOWEEN!

Piet Sielck: Also angefangen mit Kai (Hansen, Anm. d. Red.) habe ich, als ich elf war. Da hab' ich noch THE SWEET und STATUS QUO gehört. Und irgendwann kam dann unser Schlüsselerlebnis, da waren wir auf der AC/DC-Tour, der letzten mit Bon Scott, und da waren JUDAS PRIEST im Vorprogramm, und die haben das komplette "Unleashed In The East"-Set gespielt. Und wir kannten PRIEST nicht, sind da nichtsahnend reingegangen, und es hat uns einfach weggeblasen. Und sowas wie PRIEST wollten wir dann auch machen. Irgendwann hatten wir dann auch Songs wie 'Phantoms Of Death', 'Metal Invaders' oder auch 'Murderer', aber das war noch nichts. Da waren wir irgendwie unserer Zeit voraus, die Leute standen auf AC/DC, UFO, RAINBOW und dergleichen. Das war Ende der Siebziger. Dadurch habe ich dann irgendwie die Energie verloren, wir sind überall hingefahren mit unserem Equipment, haben unseren Kram gespielt, aber es hat nicht gezündet. Damals hatten wir 'nen Proberaum in der Kirche, die bei mir direkt gegenüber war - für mich absolut perfekt! Bei dem Proberaum gab's nur ein Problem, im Keller dieser Kirche gab's nämlich keine Toiletten! Zum Pissen musste man also rausgehen und sich irgendwo einen Busch suchen. Der Kai hatte aber irgendwann keine Lust mehr dazu und hat da richtig schön in die Ecke gejaucht! Der Küster fand das aber nicht ganz so lustig und wir sind dann in hohem Bogen rausgeflogen. Und dann hab ich halt gesagt, "Ich hab keinen Bock mehr, mach deinen Scheiß alleine!" - und da muss man dem Kai dann zugute halten, dass er das noch mit vollem Elan weiterbetrieben hat und damit jetzt an der Position ist, wo er ist. Ich habe dann ein paar Jahre nichts mit Musik gemacht und bin irgendwann über die Studioecke wieder da ran gekommen, habe aber meine Zukunft auf der anderen Seite des Pultes gesehen. Irgendwann habe ich mir aber gedacht, dass die Leute, die da ins Studio kommen, auch nur mit Wasser kochen, waren nicht immer zwingend die Übermusiker, und eigentlich konnte ich das ja auch. Irgendwann habe ich dann angefangen, Songs zu schreiben, und der erste, den ich fertig hatte, war auch 'Iron Savior'. Den habe ich dann in einer Demoversion vorproduziert und mal meinen Freunden unter die Nase gehalten und da kam eigentlich nur gutes Feedback bei rum. Dann habe ich da weitergemacht und hatte das Album geschrieben und den Kai einfach mal gefragt, ob der Lust hätte, ein paar Soli zu spielen, das konnte ich nämlich nicht so gut. Mit Thomen von BLIND GUARDIAN hatte ich damals auch viel zu tun, und damit war die Band quasi schon voll. Damit sind wir dann zu Noise gegangen, was klar war, weil Hansen damals auch da gewesen ist, und die haben auch zugesagt. Das Album lief auch sehr gut, hat in Deutschland aus dem Stand so um die 8000 verkauft, das zweite sogar 12, und das lief schon ganz klasse. Dann fingen aber die Probleme an und das, was am Anfang noch geholfen hat, fing an, zu schaden. Weil für den Kai GAMMA RAY immer die Nummer eins war, und von der Presse hieß es auch immer, IRON SAVIOR sei nur der kleine Bruder von GAMMA RAY, und überhaupt nur ein Projekt, obwohl es für mich eine vollwertige Band gewesen ist. Ja, wenn ich erstmal ins Plaudern komme, dann hör' ich nicht mehr auf!

Wie kamst du denn auf diese Science-Fiction-Schiene?

Piet Sielck: Das habe ich mir damals einfach so überlegt! Es ist ja schon geil, wenn man irgendwas hat, was man mit einer Band verbindet. Und die Science Fiction-Thematik ist jetzt so die Quintessenz von den ganzen Perry Rhodan-Groschenromanen, die ich bis dahin so in meinem Leben konsumiert habe, garniert mit ein, zwei eigenen Ideen.

Und wie geht's jetzt weiter? Neues Album?

Piet Sielck: Die "Landing" ist ja noch relativ frisch! Ich habe jetzt aber erstmal wieder angefangen, Songs zu schreiben und nächstes Jahr kommt dann der Nachfolger.

Und eine Tour?

Piet Sielck: Eine Tour ist bei uns aus zweierlei Gründen nicht so angesagt. Wir wollen schon spielen, haben wir dieses Jahr auch schon gemacht. Das wollen wir auch nächstes Jahr noch verstärken, sodass wir auf 20, vielleicht 25 Termine im Jahr kommen. Und wir sind ja auch schon alte Säcke, wir machen das nicht, um Geld zu verdienen, sondern weil es Spaß macht. Wenn dabei ein paar Groschen rum kommen, ist das auch nicht schlimm, aber darauf liegt eben nicht der Fokus. Keiner in der Band muss von IRON SAVIOR leben. Eine ganze Tour aber - ich habe Familie, ich habe drei Kinder, ich denke gerade darüber nach, mir einen Hund zu kaufen - da habe ich keinen Bock, drei oder vier Wochen unterwegs zu sein.

Okay! Letzte Worte?

Piet Sielck: Ach, ich hab' jetzt schon so viel geredet... wir freuen uns natürlich total, dass wir hier beim Börsencrash in die Headlinerposition gerutscht sind. Wird bestimmt gut, ist ja schön warm da unten!

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Cooles Inti! Mit Dockyard1 allerdings verbinde ich eine weibliche Person (Christine, glaube ich) als Kontakt. Die Gute hatte mir vor vielen Jahren mal ein Riesenpaket an Promos zugeschickt (welche auch bearbeitet wurden) und danach nix mehr von sich hören lassen. Interner Ärger mit Nat und Oppa war die Folge... So schließt sich der Kreis und der Piet ist Schuld! ;-)
(12.12.2012 von Vikingsgaard)

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