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Interview mit Lita Ford von Lita Ford

Ein Interview von Elvis vom 09.07.2012 (2771 mal gelesen)
Die legendäre Lita Ford stand uns ausführlich Rede und Antwort zu ihrem neuen Album "Living Like A Runaway" - lest selbst, wie Schmerz eine gute Platte fördert, warum das Artwork an ihrer letzten CD eigentlich das Beste war und ob wir sie vielleicht bald mal wieder live in Europa sehen können. Viel Spaß dabei!

Hallo Lita, schön, dass du dir die Zeit genommen hast, mit mir über das neue Album "Living Like A Runaway" zu sprechen. Das neue Album ist sehr anders als das letzte Album. In anderen Interviews habe ich gelesen, dass du kein Problem damit hast, dass das Album wie eine Rockplatte aus den Achtzigern klingt. Stimmt das?

Lita Ford: Ja, das tut es. Ich bin sehr zufrieden damit! Es ist voller Riffs und dynamischer Gitarrenparts. "Living Like A Runaway" hat jede Menge Attitüde; wenn du die ganze CD anhörst, verstehst du gleich, was ich meine. Wir haben wirklich gutes Zeug darauf, gerade auch die Gitarrenanteile. Es ist nicht wirklich eine Keyboard-lastige Platte, sondern mehr Gitarren-orientiert. Das ist toll, denn ich vermisse diese Zeit. Die guten alten Gitarren-Sachen, wie die alten JUDAS PRIEST oder die alten SCORPIONS.

Ja, das geht mir ganz genauso. Es ist doch schon viel zu lange her, dass Künstler sich getraut haben, diesen Sound zu spielen und nicht krampfhaft versuchen, irgendwie zeitgenössisch zu klingen.

Lita Ford: Ja, ich verstehe auch nicht, warum sie glauben, nicht zurückgehen zu können und diese Art von Musik zu spielen. Ich denke, viele Leute vermissen diese Art von Musik.

Absolut!

Lita Ford: Ganz genau, die Leute wollen es doch hören! Ich bin einfach in mich gegangen, und habe geschrieben, was mir natürlich erschien. So habe ich es geschafft, die alten Riffs zurückzubringen, die guten Riffs, ohne irgendwelche elektronischen Sachen, die drübergelegt werden. Und die Texte sind auch toll! Ich habe meinen Freund Michael Den dazugenommen. Er ist ein großartiger Texter, aber auch nur das, er schreibt also nur Worte. Es sind wirklich außergewöhnliche, phänomenale Texte!

Ich war zum Beispiel sehr berührt, als ich 'Mother' gehört habe. Das ist ein sehr, sehr persönlicher Song, nehme ich an.

Lita Ford: Ja, 'Mother' ist sehr, sehr persönlich. Der muss sozusagen zusammen mit einem Taschentuch gehört werden. (lacht)

Das klingt so ehrlich.

Lita Ford: Das ganze Album klingt nicht nur echt, sondern ist es auch.

Das ist ein guter Ansatz. Viel mehr Künstler sollten einfach versuchen, wie sie selbst zu klingen.

Lita Ford: Das sehe ich ganz genauso. Viele wissen oft gar nicht, worüber sie singen sollen. Mir ging es genau umgekehrt. Ich hatte so viele Ideen, die ich in diesem Album verarbeitet habe! Wir kamen einfach ohne Unterlass auf neue Songtitel und Ideen, einfach nonstop.

Warum hast Du das Album in "Living Like A Runaway" genannt? Ich nehme an, das ist ein Hinweis auf deine Vergangenheit?

Lita Ford: Der Titel "Living Like A Runaway" kam von einer Songtitelidee meines Partners Mike. Er schlug ihn vor und ich dachte, "Wow das ist ein toller Titel, Mike!". Ich ging zu meiner Plattenfirma und sie sagten auch, dass es ein toller Titel sei. Zuvor wollten wir das Album "Branded" nennen. Wir waren nicht sicher, ob wir es "Branded" oder "Living Like A Runaway" nennen sollten. Bei der Plattenfirma meinte mein Boss dann, dass wir "Living Like A Runaway" nehmen sollten. Als ich das Telefon auflegte, dachte ich nur, "Verdammt, der Song ist noch nicht mal geschrieben!". Also begab ich mich daran, ihn zu schreiben. Das lief so derart natürlich, in nur drei Tagen! Wir haben ihn enorm schnell geschrieben und aufgenommen. Es ist ein ermutigender Song, aber andererseits ist es auch ein Song darüber, wegzulaufen. Wegzulaufen von deinen Dämonen, wegzulaufen von deiner Vergangenheit, darüber, wegzulaufen, von Leuten, die dich wahnsinnig machen. Es gibt aber auch Teile davon, die mich daran erinnern wie meine Mutter versuchte, mich immer aufzumuntern. Sie sagte immer (mit verstellter Stimme und italienischem Akzent) "Lita, tritt die Leute richtig schön in den Arsch!" Sie gab mir immer die Motivation, auf die Bühne zu gehen. "Geht raus und tourt!", das sagte sie auch immer zu den RUNAWAYS-Zeiten. Unsere Fans sagen uns das auch, "Run, Baby, Run!" (lacht) . Das hab’ ich alles irgendwie da reingepackt.

Das ist ein toller Titel für das Album und klingt einfach natürlich. Einfach wie ein Rock-Album.

Lita Ford: Das ist es, einfach natürlich.

Dasselbe würde ich auch vom Cover behaupten, das passt ebenfalls sehr gut.

Lita Ford: Das ist auch was, worauf wir uns konzentriert haben, wir wollten keines dieser Hochglanz-Albencover. Ich meine, wenn Leute z.B. wirklich vorm Gesetz weglaufen, einfach weglaufen, dann haben sie keine tollen Klamotten an oder leben in einem 10-Millionen-Dollar-Anwesen. Als wir bei dem Fotoshooting die Schienen sahen, waren wir gleich begeistert, denn sie geben gleich den Eindruck, auf einer Reise zu sein, wie eben, wenn man davonläuft. Das war einfach perfekt! Wir stolperten förmlich über diese Schienen, einfach durch Zufall.

Der insgesamt eher klassische Look bei dieser Platte ist einfach passend.

Lita Ford: Es passt einfach alles zusammen, das war auch das, was wir mit dieser Platte erreichen wollten. Wir wollten nicht nur ein oder zwei gute Songs, sondern, dass alles zusammenpasst. Die haben einfach alle verdammt viel Attitüde, es eine tolle Platte geworden und ich bin sehr zufrieden damit. Als Bonustrack haben wir z.B. ein Cover von ELTON JOHNs 'The Bitch Is Back' dabei, das kam viel gitarrenlastiger daher als das Piano im Original. Der Song rockt jetzt einfach, für mich ist es eine perfekte Version, die ich da abgeliefert habe. Außerdem hat ELTON JOHN die Version abgesegnet, was es noch besser macht. Ein weiterer Bonustrack ist 'Bad Neighborhood', das wurde von Doug Aldritch von WHITESNAKE mitgeschrieben. Der Song ist wirklich cocky, Up-Tempo, treibende Gitarren-Riffs, mit einem Drop D-Tuning und daher einem richtigen Heavy Vibe. Der Song ist richtig fies von der Attitüde her. Mein alter Freund Tom von den "Narcotics Anonymous" sagte immer, "Raus aus Deinem Kopf, das ist eine richtig schlechte Nachbarschaft da drin!". Es geht dabei nicht darum, wo du lebst, sondern was sich in deinem Kopf abspielt. Manchmal kannst du dich selbst wahnsinnig machen. (lacht)

Stimmt es, dass NIKKI SIXX auch einen Song auf dem Album beigesteuert hat?

Lita Ford: Oh ja, NIKKI schrieb 'A Song To Slit Your Wrist By'. Es ist ein alter Song, den wir ein bisschen auseinandergenommen und neu zusammengesetzt haben, der wurde etwa vor fünfzehn Jahren geschrieben. Es hieß glaube ich, NIKKI SIXX – 'A Song To Slit Your Wrist By ('58-Version)'. Der Song tauchte plötzlich einfach auf meinem Laptop auf! Das ist sehr seltsam, denn ich hatte gar keine NIKKI SIXX-Songs auf meinem Laptop. Ich hörte ihn mir an und mochte ihn sehr. Ich fand ihn einerseits ziemlich heavy, andererseits fand ich, dass er sehr gut auf das Album passen würde, wenn wir ihn aufnähmen. Also schrieb ich ihm eine E-Mail, ob er etwas dagegen hätte, und er meinte nur, kein Problem, der Song sei vor fünfzehn Jahren für seine Ex-Frau geschrieben worden. (lacht) Also dachte ich, versuchen wir’s mal, und ging damit ins Studio. Wir gaben ihm einen NINE INCH NAILS-Twist. Am Ende haben wir ein zweites Gitarren-Solo eingebaut, und er rockt einfach!

Ich mag auch sehr gerne sein Songwriting. Demnächst bist du mit DEF LEPPARD und POISON auf Tour. Worin siehst du tour-technisch die größten Unterschiede, wenn du es mal mit den 80ern vergleichst?

Lita Ford: Es ist natürlich einiges anders. Heutzutage ist sogar Fliegen einfach nur noch ein Krampf. Die Gesellschaften verlangen für jeden Mist Zusatzgebühren, wenn dein Koffer ein Kilo zu schwer ist, musst du draufzahlen, für Sachen wie Gitarren auch, es ist einfach viel schwieriger zu reisen als früher. Mit dem ganzen Downloaden von Musik ändert sich auch vieles, aber andererseits ändern sich manche Sachen auch wieder sehr schnell in eine andere Richtung. Nimm z.B. mal Vinyl, das ist wieder im Kommen!

Ich denke, nach und nach verlagert sich der Markt immer mehr in Richtung der Sammler.

Lita Ford: Ja, es gibt echt richtig viel Nachfrage für Vinyl! Ich bin echt mal gespannt, was da rauskommt. "Living Like A Runaway" kommt auch auf Vinyl raus. SPV gibt uns echt eine tolle Unterstützung, die Platte kommt bislang in den Reviews richtig gut weg. Es ist einfach eine sehr emotionale Platte.

Soweit ich das mitbekommen habe, spürt man einfach, dass du eine schwere Zeit durchgemacht hast, als du diese Songs geschrieben hast. Glaubst du, dass das vom künstlerischen Standpunkt aus betrachtet vielleicht sogar hilfreich ist?

Lita Ford: Wenn du es selbst nicht durchmachst, suchst du dir immer jemand, der es gerade tut. Nimm z.B. JOHN LENNON, der wollte die Welt verändern und wusste sich so recht keinen Rat, wie er’s anstellen sollte. Er suchte immer nach Dingen, über die er schreiben könnte. Unglücklicherweise habe ich eine harte Zeit durchgemacht, aber das war auch die Geburt dieses Albums, deswegen konnte ich diese Songs schreiben. Ich glaube, viele Leute werden sich damit identifizieren können. Das geht so tief! Jemand meinte zu mir, das einzige Problem mit diesem Album sei, dass es irgendwann zu Ende ist. Aber man kann’s ja zum Glück gleich wieder abspielen (lacht) 'Mother' und 'Living Like A Runaway' sind in London z.B. derzeit auf Heavy Rotation, das finde ich natürlich klasse.

Glaubst du, dass ein paar Shows in Europa drin sind?

Lita Ford: Das hoffe ich sehr! Gebucht ist nichts bislang, aber ich denke, Ende 2012, Anfang 2013 sollten wir in Europa sein.

2009 hast Du jedenfalls gewaltig gerockt.

Lita Ford: Danke! Wir müssen echt wieder rüber zu euch. Leider ist die DEF LEPPARD-Tour nur in den USA, und es gibt auch nur zwei Shows in Kanada.

Könntest du dir vorstellen, alleine herzukommen und vielleicht kleinere Shows zu spielen oder würdest du lieber mit einem größeren Act herkommen?

Lita Ford: Ach, das ist mir völlig egal. Die kleinsten Gigs sind einfach nur unterhaltsam, das ist viel intimer. Einige der besten Shows, die ich mit den RUNAWAYS drüber z.B. gespielt habe, waren kleine Gigs. Ich steh drauf, wenn das Publikum direkt vor der Nase ist.

Einige der besten Konzerte, die ich je gesehen habe, waren diese kleinen Club-Gigs. Das hat oft die Künstler nur noch mehr angespornt.

Lita Ford: Das geht mir genauso. DAVID BOWIE habe ich z.B. mit IGGY POP in einem ganz kleinen Club in Cleveland gesehen, das war einfach toll, direkt vor der Nase! Ich habe nix gegen die großen Shows, die machen auch Spaß, aber alle scheinen so weit weg zu sein.

Hast du eine feste Set List oder spielst du vielleicht sogar was spontan?

Lita Ford: Ich denke, wir halten uns da mehr an ein festes Programm. Die Headliner-Shows lassen uns da einfach mehr Freiheit und Zeit, um alles von den RUNAWAYS über die alten Platten bis "Living Like A Runaway" reinzupacken. Da können wir echt alles reinpacken. Jetzt haben wir nicht viel Zeit auf der Bühne.

Ich habe kürzlich in einem Interview gelesen, dass dir das "Wicked Wonderland"-Album nicht wirklich unangenehm ist. Es war kein furchtbares, sondern ein interessantes Album, aber viel eher ein JIM GILLETTE-Album als eine echte LITA FORD-Platte. Das Artwork war auf alle Fälle über jeden Zweifel erhaben, einfach der Hammer!

Lita Ford: Ja, das war super. PIGGY D. hat da echt einen fantastischen Job gemacht. Mein Lieblingsteil des Albums war – ehrlich gesagt – das Artwork.

Würdest du auch irgendwas davon noch mal live spielen?

Lita Ford: Nein, wirklich nicht. Genau genommen, ich weiß noch nicht mal mehr, wie die Songs gingen. (lacht) Das war definitv keine LITA FORD-Platte. Das ist die Vergangenheit, sehen wir es einfach als eine Limited Edition an.

Behalten wir es einfach wegen des tollen Artworks in Erinnerung.

Lita Ford: Ja, genau! Und das ist auch ein Grund, warum "Living Like A Runaway" viel mehr auf den Punkt ist. Das Artwork ist einfach sehr schlicht.

Ich hoffe mal und nehme an, du möchtest gerne im Musikgeschäft bleiben. Gibt’s noch irgendwas, was du gerne erreichen möchtest?

Lita Ford: Ich hoffe einfach mal, die Platte wird ein Erfolg. Derzeit arbeite ich auch an einem Buch und meinem eigenen Signature Gitarrenmodell. Zudem hoffe ich, einen Film machen zu können. Nicht über die RUNAWAYS, eher was aus weiblicher Sicht, nicht der Sicht des Rock 'n' Roll. Es ist im Musikgeschäft nicht so einfach eine Frau zu sein, heute vielleicht weniger als früher. Meine Story als Frau ist jedenfalls eine andere als die vieler anderer.

Du warst eine Wegbereiterin für viele Frauen.

Lita Ford: Ich hab’s versucht und versuche es immer noch. (lacht) Das kann man ruhig als Geschichte erzählen.

Hattest Du, in dem Zusammenhang, mit Scout Taylor-Compton nach nach dem RUNAWAYS-Film noch mal irgendwelchen Kontakt?

Lita Ford: Ich habe sie nach der Fertigstellung mal angerufen, aber sie nahm aus welchen Gründen auch immer keinen Kontakt auf. Sie kam mal zu einer meiner Show und wir hingen den Abend über miteinander ab. Bei einer anderen Show kam sie mit Kristen Stewart vorbei und wir aßen gemeinsam zu Abend. Ich finde, sie hat einen sehr guten Job hingelegt. Der ganze Film war ziemlich gelungen. Scout war echt super, aber vor dem Film habe ich nicht mit ihr gesprochen. Ich habe den fertigen Film nicht gesehen, das kriege ich immer vorgehalten. Ehrlich, gesagt, ich will’s aber auch gar nicht, da bin ich mir nicht sicher, wie ich mich dabei fühlen würde. (lacht)

Ach komm, du bist doch super in Form und siehst Klasse aus!

Lita Ford: Danke! (lacht)

Dann danke ich dir für das Interview – noch ein letzter Satz für unsere Leser und Fans in Deutschland?

Lita Ford: Ich hoffe, "Living Like A Runaway" wird Euch gefallen – viel Spaß damit und alles Gute!

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