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Interview mit Eviga von Dornenreich

Ein Interview von Eisenbrecher vom 22.11.2011 (6114 mal gelesen)
In Frankfurt habe ich Eviga von DORNENREICH getroffen und ihm Fragen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gestellt. Viel Spaß damit!

Wir sind grade bei Eviga im Tourbus von DORNENREICH. Das Konzert in Frankfurt im Nachtleben ist gerade zu Ende, deswegen werde ich mich einigermaßen kurz fassen. Wie war das Konzert für dich?

Eviga: Es war sicher eins unserer schönsten Konzerte vom Publikum her. Wir haben zwar generell ein tolles Publikum, aber heute war es speziell, vielleicht weil wir schon so oft hier waren in Frankfurt - genau in diesem Klub. Das war von der Größe her genau das, was uns entgegen kommt, ganz nah am Publikum. Ja, es war schön, also wenn so viele Leute die Texte mit zelebrieren und voll bei der Sache sind, das bewegt schon sehr. Das hat man nicht alle Tage.

Ihr habt ein konzertreiches Jahr hinter euch, eure eigene Tour sowie die Gastauftritte beim Heidenfest. Wie was das für euch?

Eviga: Ja das stimmt, es war ein sehr intensives Jahr. Erst die Album-Präsentationstour im Februar, eben auch mit AGRYPNIE, dann die Tour mit ALCEST, dann viele Einzelshows und letztens dann die Heidenfest Extended-Shows. Wobei das immer was anderes ist als die eigene Headlinertour, aber ja, es war wieder interessant dabei zu sein beim Heidenfest. Das Ganze ist sehr gut promotet, und wir haben bewusst mitgespielt um den Leuten, die DORNENREICH sonst vielleicht nicht ansehen würden, die Band mal zu zeigen. Ich glaube, DORNENREICH bleibt den Leuten in Erinnerung, auch wenn sie uns im Rahmen des Heidenfests vielleicht nicht gut finden. Wir haben auch immer wieder das Feedback, dass Leute so auf uns aufmerksam werden. Heute waren auch wieder zwei da die unglaublich bei der Sache waren. Die waren ganz begeistert. Sie haben uns beim Heidenfest kennen gelernt, und genau deswegen haben wir die Extended-Shows des Heidenfests auch mitgenommen.

Ihr habt auf der Flammentriebe-Tour akustische und metallische Sets gespielt. Was wurde vom Publikum, im direkten Vergleich, besser angenommen?

Eviga: Puh. Das hat sich ziemlich, ja, nicht verschoben, aber mittlerweile kommen immer mehr Leute nach dem Konzert und sagen, dass sie das akustische genauso genossen haben wie das andere, weil sie uns einfach kennen und man auch merkt, dass wir es sein müssen, egal ob akustisch oder Metal. Es sind ältere Leute, schon über 50 oder 60, und auch ganz junge die kommen und die akustischen Sachen gut finden. Das ist wunderbar. Freilich haben wir uns in erster Linie einen Namen in der Black Metal-Szene erspielt, aber mittlerweile schätzen uns Musikliebhaber aus sehr vielen verschiedenen Sparten, und gerade die Verbindung von akustischer und „metallisch“ instrumentierter Musik ist etwas, das uns von vielen, vielen anderen Bands unterscheidet, würde ich sagen. Ich kenn keine andere Band die das so innerhalb eines Abends verbindet. Diese so zerbrechliche, oder doch auch kraftvolle und sehr dynamische akustische Musik im ersten Konzertabschnitt und dann doch diese sehr theatralische Steigerung in Richtung des extrem psychischen im Metal-Set.

Ihr gebt Konzerte nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch im restlichen Europa. Auf dem WGT habe ich eine US-Amerikanerin kennen gelernt die begeistert von euch war. Es ist eher selten, dass sich deutschsprachige Bands international etablieren, und ich könnte mir vorstellen, dass bei der Übersetzung eurer Texte viel verloren geht. Wie erklärt ihr euch diese Resonanz in anderssprachigen Ländern?

Eviga: Ich glaube es kommt in erster Linie darauf an, was musikalisch oder von der Emotion her rüber kommt. Es ist die Musik die die Leute in erster Linie anspricht, würde ich meinen. Also ich bin selbst niemand der sich ein Album kaufen würde, nur weil die Texte so großartig sind. Vielleicht in Ausnahmefällen, aber im Grunde läuft's schon immer über den Ausdruck und über die Musik, die Schwingung. Ein gutes Beispiel sind unsere Labelkollegen und Freunde von ALCEST, die singen ja auch nur auf Französisch und ich glaub nicht, das jeder weiß wovon Stephane/Neige seine Texte handeln lässt. [lacht] Aber um das geht's primär nicht, glaub ich. Bei uns gibt es definitiv viel zu entdecken, wenn man sich näher mit der Einheit von Bild, Musik und Text befasst, aber der erste Zugang läuft schon immer über den musikalischen Ausdruck an sich, denke ich.

Im nächsten Jahr wollt ihr an eurem neuen Album arbeiten. "Freiheit" soll es heißen. Wessen Freiheit ist dies? Soll die Welt vom Flammenmenschen befreit werden, oder befreit sich nur der Mensch von den Flammen? Oder ist es etwas ganz anderes?

Eviga: Uh hey! Da hast du dir ja schöne Gedanken gemacht - mehr als ich scheinbar. [lacht] Na also, ich hab freilich bereits einige Gedanken dazu, aber ich habe sie bewusst noch nicht weiter ausgesponnen, die Gedanken. Ich will mich das ganze Jahr 2011 über auf die Live-Umsetzung DORNENREICH's konzentrieren und neue Eindrücke sammeln und dann... Aber es gibt natürlich Gründe warum das Album "Freiheit" heißen wird, nur kann man das jetzt so noch nicht schön verpackt präsentieren in schlüssigen Sätzen. Aber klingt sehr interessant, ja. [lacht] Ich sammle ja Eindrücke... [lacht]

Danke! [lache selbst] Wird es im nächsten Jahr neben der Arbeit am Album gar keine Zeit mehr für Konzerte geben, oder können wir doch hoffen nicht ganz auf euch verzichten zu müssen?

Eviga: Ah, das hast du schön formuliert. Ne, es sind schon ein paar Konzerte in Planung. Das Wolfszeit Festival ist jetzt bestätigt worden. Wir werden dort akustisch und "metallisch" spielen, an zwei verschiedenen Tagen, und im Januar mit EMPYRIUM in der Christuskirche in Bochum. Dann sind noch drei Extremefest-Auftritte geplant. Ein paar vereinzelte Sachen werden wir also schon spielen. Möglicherweise wird es im Herbst 2012 eine sehr spezielle Veröffentlichung von uns geben – und im Zuge dessen eventuell auch einige sehr spezielle Konzerte. Wir werden sehen …Höchstwahrscheinlich aber keine längere Tournee, weil wir es nicht übertreiben und uns auf die Ausarbeitung des neuen Albums konzentrieren wollen. Live unterwegs zu sein und sich mit Stücken zu befassen, das sind nämlich schon zwei paar Schuhe.

Eure Lieder zeugen von einer großen Diversität, und doch ist immer die Einzigartigkeit DORNENREICH's zu erkennen. Was treibt euch dazu euch stets zu wandeln und neu zu erfinden?

Eviga: Ja, die Frage hab ich mir auch schon oft gestellt. [lacht] Ja, ich weiß nicht. Es ist eine Passion und das heißt auch, dass es zuweilen eine Art Bürde ist, weil ich in musikalischem bzw. künstlerischem Ausdruck immer wahnsinnig viel gesehen habe, viele Möglichkeiten sich wirklich mitzuteilen. Ich glaub das spürt man auch, wenn man unsere Konzerte sieht. Wir haben immer schon versucht, uns einen weiten musikalischen Horizont zu erarbeiten und zu erschließen. Viele verschiedene Sachen wollten wir immer schon probieren. Ja, und das war es auch was mich immer fasziniert hat an Black Metal Bands früher aus Norwegen. Die haben alle ihren eigenen Klang gehabt, mitunter auch ihre ganz eigene Instrumentierung. Das hat mich sehr, sehr inspiriert damals, und ich habe in der Folge versucht, das Ganze für mich und DORNENREICH noch sehr viel weiter zu entwickeln. Die akustische Musik ist sowieso die Quelle jeder Musik und ich glaub auch, dass das eine gute Zukunft haben wird, insbesondere in der Welt in der wir jetzt leben. Ja es ist intuitiv, die Wurzel unserer Musik ist immer Intuition gewesen. Man kann es gar nicht groß rational begründen, warum sich das jetzt wandeln musste. Das sind ja keine bewussten Entscheidungen. Die Wurzel ist Intuition, die Arrangements, die Ausarbeitung sind dann bewusst, klar, aber die Wurzel lässt sich nicht wirklich argumentieren – und das ist – auch für uns selbst – das Magische daran.

Ganz so wie man in meiner Heimat sagt: "Et kütt wie et kütt"

Eviga: Ja ja ja! [lacht]

DORNENREICH existieren nun schon seit 15 Jahren. Das ist eine verdammt lange Zeit. Ihr habt euch vom Metal entfernt und habt mit Wucht wieder zurück gefunden. Hat sich dein Blick auf den Metal als künstlerisches Ausdrucksmittel in diesen Zeiten geändert?

Eviga: Ehm, das ist eine gute Frage, echt … Ne, für mich letztlich gar nicht so sehr, für viele andere aber scheinbar schon. [lacht] Für mich war das immer ein großer, kraftvoller, ehrlicher Ausdruck, wo es wirklich mehr auf die Leidenschaft und die Energie ankommt und wo es dann auch nicht unbedingt die Rolle spielt ob man das jetzt fehlerfrei auf die Bühne bringt, zum Beispiel, sondern mehr darum, was in der Musik angelegt ist, was da eigentlich mitschwingt und was sie sagen und was sie mitteilen will.

Bei einer so künstlerischen und tiefgründigen Band wie DORNENREICH interessiert mich, welche Bands hörst du? Was für Musik schmeichelt deinem Geist?

Eviga: Ganz viele verschiedene Sachen! Wirklich jede Art von authentischer Musik, die mich bewegt. In den Jugendtagen waren das halt für mich bedeutende Vertreter des norwegischen Black Metal wie ULVER, EMPEROR, GEHENNA, VED BUENS ENDE, ARCTURUS oder SATYRICON. Das alles war vielleicht die Initialzündung für mich. Ansonsten höre ich immer noch wahnsinnig gern PANTERA zum Beispiel, weil ich sie ganz großartig finde, also weniger wegen der Texte. [lacht] Ja, aber die Art und Weise, wie diese Band Eleganz und Eigenständigkeit mit unglaublich viel Kraft und Groove verbunden hat, war und ist für mich durchaus bemerkenswert. Ich höre auch gerne MERET BECKER, TORI AMOS, BIRCHBOOK, MADDER MORTEM, IRFAN, DEAD CAN DANCE, DEVIL DOLL, auch viel Weltmusik, Psychobilly, Klassik … alles, alles mögliche also.

Damit kommen wir auch schon zum Ende. Ich danke für deine heute besonders knappe Zeit und überlasse dir die letzten Worte.

Eviga: Ich kann mich nur bedanken bei euch für die echt schönen und interessierten Fragen, wo wirklich viel Überlegung dahinter steckt und mir euren tiefen Zugang beweist. Wie gesagt, es war ein schöner Abend für uns, auch wegen des Publikums hier in Frankfurt. Ich kann nur sagen, dass ich mich bei allen bedanke die da waren. Ich weiß das wirklich zu schätzen. Und ich kann nur hoffen, dass wir uns alle beim nächsten Mal wiedersehen werden. Aber da bin ich zuversichtlich. Wir haben immer Leute dabei, die immer wieder gern zu unseren Konzerten kommen – und das ist immens wichtig für eine Band. Leute die uns verstehen, denen wir was bedeuten, begreifen gewiss auch, dass es in diesen Zeiten wichtig ist, dass sie unsere Konzerte besuchen und unsere Original-Alben kaufen. Die äußerst schwierige Situation des Tonträgermarktes ist ja allseits bekannt, und wir verwenden mit DORNENREICH wahnsinnig viel Zeit und Energie darauf, die Alben zu machen und die dann auf die Bühne zu bringen. Eine gewisse Loyalität seitens der Fans ist in diesem Zusammenhang schlussendlich das Um und Auf. In unserem Fall scheint sie vorhanden zu sein. Darüber freuen wir uns sehr und möchten uns dafür an dieser Stelle bei allen treuen Wegbegleitern da draußen bedanken. Auf eure Hingabe dürfen wir zählen, und das ermöglicht uns auch, weiterhin viel für die Musik zu geben. Das ist - schlicht und ergreifend – ein gesunder Kreislauf.

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