Interview mit Sebastian Swart von Morgoth

Ein Interview von Vikingsgaard vom 16.02.2011 (5436 mal gelesen)
Im Vorfeld ihres Comebacks im Festival-Sommer 2011 interessierte mich das Entstehen dieser Idee und wie es aktuell aussieht im Hause MORGOTH. Sebastian Swart war da der ideale Gesprächspartner. Viel Spaß!

Tach Sebastian. Trotz aller Dementis in der Vergangenheit gibt es nun bekanntermaßen doch eine MORGOTH-Reunion in 2011. Was war der entscheidende Kick dafür?

Sebastian Swart: Gerüchte einer Reunion standen ja schon seit Jahren im Raum. Die VÖ des "Best Of..." Albums 2004 und ein neuer Web-Auftritt sorgten wohl für allerlei Spekulationen. Tatsächlich war eine Reunion allerdings zu keinem Zeitpunkt geplant. Auch jetzt würde ich nicht von einer klassischen Reunion sprechen wollen, da ja zwei der Urmitglieder nicht dabei sind. Auch wenn das Wort Reunion immer wieder benutzt wird, sprechen wir doch eher von einem Comeback. Vor ein paar Monaten machte nun das Gerücht die Runde, MORGOTH würden anlässlich des zwanzigjährigen "Cursed"-Jubiläums einige Festivalshows spielen. Ich habe keine Ahnung, wo das her kam, aber Marc und ich dachten: "Hey das stimmt ja, sind denn wirklich schon 20 Jahre rum?". Naja, für Marc und mich war dann schnell klar, dass wir Bock auf die Sache haben und es eigentlich keinen besseren Anlass geben kann. Es war von Anfang an klar, dass Carsten und Rüdiger (leider) aus ganz unterschiedlichen Gründen für diese Sache nicht mehr zur Verfügung stehen können bzw. wollen und so lag die letztliche Entscheidung bei Harry, den wir dann eines Abends im November angerufen hatten. Nach kurzer Bedenkzeit kam das OK und jetzt stehen wir wieder zusammen im Proberaum. Meiner Meinung nach konnte der Zeitpunkt 20 Jahre nach "Cursed" kaum besser gewählt sein. Es funktioniert und es macht wieder richtig Spaß. imgright

Du hast von Bass auf Gitarre umgesattelt, warum eigentlich?

Sebastian Swart: Das hatte verschiedene Gründe. Als ich 1990 zu Morgoth kam hatte ich von Gitarre auf Bass umgesattelt und als wir uns 1997 trennten, habe ich wieder zur Gitarre gegriffen. Ich habe also schon recht lange nicht mehr ernsthaft Bass gespielt. Bei den alten Morgoth Nummern bis einschließlich "Cursed" ist es so, dass der Bass zu 95% die Gitarrenläufe gespielt hat, somit konnte ich das Ganze recht schnell auf Gitarre ummünzen. Es lag also nahe, eher nach einem Basser als nach einem Gitarristen zu suchen, auch wenn ich denke, dass ich mir die Songs recht fix auch wieder auf dem Bass aneignen kann.

Deinen Part übernimmt nun Thilo Mellies. Stelle uns Thilo doch bitte mal vor und euren Tour-Drummer bitte auch gleich mit.

Sebastian Swart: Thilo kennen Marc und ich seit ca. 10 Jahren. Mit ihm haben wir in unserem Berliner Projekt ACTION JACKSON zwischen 2000-2006 zusammen gearbeitet. Aktuell spielt er auch bei der Berliner Band SECRETUM. Wir haben jetzt schon einige Male zusammen geprobt und er liefert den richtigen Druck und setzt individuelle Akzente. Marc Reign kennen sicher die meisten als Drummer von DESTRUCTION. Ihn kannten wir vorher nicht. Im November hat Mille (KREATOR) uns in Berlin einander vorgestellt und ein paar Wochen später standen wir schon zusammen in seinem Proberaum. Marc hat sich dann gegen zwei weitere Drummer durchsetzen müssen. Er spielt unglaublich hart, aber auch mit sehr viel Gefühl und hat seinen individuellen Stil. Schon nach der vierten oder fünften Probe hatte er im Prinzip schon alles drauf.

Das klingt alles sehr "nach vorne". Liebäugelt ihr schon mit einem neuen Album in dieser Besetzung oder ist das noch zu weit weg?

Sebastian Swart: Das ist noch zu weit weg. Diese Besetzung steht zunächst für die bisher geplanten Festivals 2011. Im Augenblick konzentrieren wir uns auf ein ausgewogenes Set und ein gutes Zusammenspiel. Wenn 2011 für alle Beteiligten zufriedenstellend verläuft und wir vor allem auch eine Menge Spaß zusammen gehabt haben und die Stimmung gut ist, dann orakeln wir Ende des Jahres mal für 2012 :-)

Ich als Fan laufe mir die Hacken ab nach MORGOTH-Merchandise und es gibt tatsächlich nichts mehr, was legal zu erwerben ist. Plant ihr eine neue Reihe?

Sebastian Swart: Legal kannst Du doch die alten Shirts noch kaufen. Die werden ja teilweise hoch gehandelt. Aber ja: wir werden natürlich neues Merch auflegen. Derzeit sind ein paar coole Oldschool Motive Richtung "Cursed" in Planung, aber auch noch einige andere. Wir haben uns da noch nicht zu 100% festgelegt. imgright

Klingt gut, denn 80 Euro für ein T-Shirt sind schon happig! Was erwartet denn nun einen MORGOTH Oldschool-Fan auf euren Gigs?

Sebastian Swart: Ist schon ein Ding ja, teilweise gehen die Shirts für über 100 Euro weg. Da zeigen sich die wahren Fans. Was erwartet die Fans: je nach Festival ein Programm zwischen 45 und 70 Minuten. Es sind ja die "20 Jahre Cursed Anniversary"-Shows und daher liegt hier der Schwerpunkt. Natürlich spielen wir aber auch einige Songs der "Eternal Fall" und "Resurrection Absurd". Kommt natürlich auch auf die Spielzeit an. Ein paar "Odium"- Songs proben wir aktuell auch.

Bisher sind 5 Festival-Gigs für den Sommer bestätigt. Denkt ihr schon über eine Headliner-Tour nach?

Sebastian Swart: Konkret werden es 6 Festivals sein. Eine weitere Ankündigung folgt in den nächsten Tagen. Es kommen auch etliche Anfragen aus dem Ausland, die wir aber noch nicht weiter berücksichtigt haben. Nein, über eine Tour denken wir aktuell nicht nach und 2011 wird es auch keine geben.

In dem Zusammenhang ist mir auch aufgefallen, dass ihr zwar in Übersee sehr angesagt seid, dafür in Skandinavien aber eher als Insider gehandelt werdet. Habt ihr euch da mal daneben benommen oder wie erklärst du dir das Phänomen?

Sebastian Swart: Wir haben uns immer daneben benommen, insofern kann es daran nicht liegen! :-) Nein, ich denke einfach, dass es zum einen daran liegt, dass die Skandinavier eine sehr starke und gute eigene Szene haben, die auch eigene Maßstäbe gesetzt hat. Zum anderen haben wir früher nur sehr wenig live in Skandinavien gespielt, genau genommen gar nicht, außer in Dänemark.

Wie händelt man eigentlich emotional den Übergang vom gefeierten Berufsmusiker zum "normalen" Zeitgenossen?

Sebastian Swart: Naja, Berufsmusiker sind ja letztlich auch "nur" normale Zeitgenossen. Ich denke, aus Fansicht wird hier gerne auch mal romantisiert. Aber ich glaube, du meinst den Übergang von Hotelrooms and Motorways, Tour/Studio/Tour zu einem normalen Alltag zuhause mit Frau, Katze und Pferd oder Kind und Job!? Naja, es ist schon ein großer Unterschied und am Anfang war es in der Tat gar nicht so leicht, sich z.B. an einen anderen Rhythmus zu gewöhnen, eben nicht bis 16:00 pennen und um 6:00 ins Bett. Aber schon klar: der Rummel fällt weg und dann ist da erstmal ein Loch, stimmt schon.

Aus dem Wort Berufsmusiker geht es ja schon hervor, es ist ein Job und für etliche Kollegen auch ein recht hoch dotierter. War das bei euch auch ein Kalkül, eure Rentenkasse mit dem Comeback noch etwas auf zufüllen?

Sebastian Swart: Nein. Im Falle der Festival-Shows ist es einfach so, dass wir Spaß an der Sache haben und zwanzig Jahre "Cursed" feiern möchten. Außerden ist es natürlich spannend mal wieder in einem professionellen Umfeld unterwegs zu sein. Einen nennenswerten Effekt auf unsere Rentenkasse wird das Ganze sicher nicht haben. Es ist aber mitunter schon lustig zu lesen, welche Vorstellungen einige Leute, z.B. in Foren, haben, wenn's ums Geld geht. Irgendwo im Netz habe ich die Vermutung eines Menschen gelesen der da denkt, wir hätten die ganzen Millionen aus den Neunzigern schon verprasst und müssten jetzt nachlegen. Ein guter Witz :-)

Ach, jetzt nimmst du mir aber auch die eine oder andere Illusion... ;-) Sebastian, ich bedanke mich für das kurzweilige Interview und ich wünsche euch viel Erfolg und vor allem Spaß für die Shows!

Sebastian Swart: Vielen Dank! Wir freuen uns auf euch alle.

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