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Interview mit Eddie Jackson von Queensryche

Ein Interview von Elvis vom 07.09.2009 (3170 mal gelesen)
Vor der Düsseldorf-Show der "American Soldier" Tour hatten wir die Gelegenheit, ein wenig mit QUEENSRYCHE-Bassist Eddie Jackson zu plaudern. Der Mann, der seit den Anfängen für die tiefen Töne bei der Band aus Seattle zuständig ist, offenbarte dabei interessante und wohlüberlegte Ansichten zu allen möglichen Themen neben dem aktuellen Album wie Militär, Downloads, Konzerten und der Zukunft der Musikindustrie als solcher.

Hallo, wie geht's Dir?

Eddie Jackson: Mir geht's gut, wir sind jetzt hier in Europa seit einer Woche mit unserer neuen Platte "American Soldier" unterwegs und haben jetzt noch eine Woche vor uns, bevor es zurück in die Staaten geht.

Wie läuft die Tour bislang?

Eddie Jackson: Wirklich gut, es ist schön, wieder in Europa zu sein und bislang haben wir eine ziemlich gute Zeit und jede Menge Spaß hier gehabt.

Wie sind denn allgemein die Reaktionen auf das neue Album ausgefallen? Entsprachen sie dem, was Ihr Euch davon erwartet habt?

Eddie Jackson: Jedes Mal, wenn man neue Songs von einem neuen Album spielt, ist man sich nicht ganz sicher, wie viele der Fans es überhaupt schon besitzen. Meistens waren die Reaktionen bislang ziemlich gut. Es ist neues Material und klar, natürlich kennen die Fans die älteren Songs besser, doch bis dato haben wir gute Reaktionen zu den neuen Songs erhalten.

Laß uns ein wenig bei der neuen Platte bleiben. Geoff hat all diese Interviews dafür geführt und war dementsprechend, sagen wir mal, ziemlich stark an der Entstehung beteiligt. Wo kamt Ihr anderen Bandmitglieder denn ins Spiel?

Eddie Jackson: Nun, wir hatten an einem Großteil der Musik bereits gearbeitet und zu dem Zeitpunkt an dem wir unsere Parts aufnahmen, also Drums, Bass und Gitarre, während diesem Prozess übernahm Geoff die Aufgabe, sich mit all den Soldaten und dem militärischen Personal zu treffen und die Interviews zu führen. Das war also, als wir unseren Teil des Projekts erledigt hatten, sozusagen... weißt Du, wir mussten diese Interviews führen, das ging nicht zum gleichen Zeitpunkt wie die Aufnahmen selbst. Es war alles bereits fertig, als wir mit den Texten und allem in dem Zusammenhang anfingen. Es kam einfach alles so zusammen.

Hattest Du auch Anteil am Songwriting-Prozess selbst?

Eddie Jackson: Auf irgendeine Weise tragen wir alle dazu bei. Manche tragen etwas mehr bei, aber in den meisten Fällen haben wir alle ein bisschen Anteil an den Songs. Wie ich schon sagte, nicht bei allen Songs, jedoch hat jeder seinen kleinen Anteil daran.

Geoff hatte ja die Aufgabe übernommen, diese ganzen Interviews zu führen. Habt Ihr anderen Bandmitglieder sie danach auch alle angehört bzw. angesehen oder hat er eine Art Vorauswahl dafür getroffen?

Eddie Jackson: Zu bestimmten Zeitpunkten haben wir uns alle deswegen zusammengesetzt. Er führte die ganzen Interviews mit den Militärs, großteils eben während oder vor den Studioaufnahmen. Allerdings gab es dann auch Zeitpunkte, bei denen wir uns eben genau deswegen auch trafen.

Eure letzte Tour, das war die Tour bei der Ihr beide "Operation: Mindcrime"-Alben am Stück gespielt habt, richtig?

Eddie Jackson: Genau, das war die letzte Tour.

Diesmal spielt Ihr eine Tour mit drei Suiten von "Rage For Order", "American Soldier" und "Empire". Ihr macht also sozusagen schon eine weitere Konzept-Tour. Was hältst Du allgemein von dieser Idee, Konzerte mit einem bestimmten Konzept dahinter zu spielen?

Eddie Jackson: Die ganze Idee dahinter war eigentlich etwas anderes zu machen, als einfach nur 18 bis 20 Songs auszuwählen und runterzuspielen. Wir wollten ein bisschen was anderes machen und "Rage For Order" ist ebenso wie "Empire", zumindest in den Vereinigten Staaten, ein sehr populäres Album bei unseren Fans. Wir entschlossen uns daher, es mit einer Suite von "Rage For Order"-Songs zu versuchen, sechs bis sieben Stück, und dann genau das gleiche mit "Empire" zu tun, ebenfalls sechs oder sieben Songs. Allerdings wollten wir gerne in der Mitte die neuen Songs vorstellen. Das funktioniert so auch ziemlich gut für uns.

Ist es für Euch interessanter, solche Konzerte zu spielen anstatt die typischen "Greatest Hits" Sets, wie viele Bands sie heutzutage nur noch spielen?

Eddie Jackson: Na ja, die "Greatest Hits"-Geschichte haben wir ja letztes Jahr bei den Festivals gemacht und wie ich bereits sagte, bei dieser Tour wollten wir einen anderen Ansatz wählen. Es ist immer ein wenig schwierig, da die Fans ebenso wie die Band selbst ihre Favoriten haben. Also versuchen wir immer einen Kompromiss zu wählen und die goldene Mitte zu finden, damit jeder glücklich wird. Uns war klar, dass es ein anderer Ansatz sein würde als auf früheren Tourneen, ein gänzlich anderer Ansatz sogar. Da bei Festivals der Großteil der Fans meistens dort ist, um z.B. zwölf Bands zu sehen und nicht nur eine, finde ich, dass es die beste Wahl dabei ist, die Hits zu spielen und vielleicht ein paar neue Songs. Wenn Du natürlich alleine unterwegs bist, ist die Idee dahinter, das neue Album zu promoten und aus diesem Grund haben wir diesmal eben genau diesen Ansatz gewählt.

Du bist jetzt seit langer Zeit im Musikbusiness tätig, seit fast dreißig Jahren. Gibt es nach dieser Zeit irgendwelche Songs, die Du nicht mehr wirklich gerne live spielen magst?

Eddie Jackson: (nach kurzem Überlegen) Nicht wirklich. Es gibt Songs, die man sozusagen spielen muss, weil es eben das ist, was die Fans hören möchten. Ich kann jedoch nicht sagen, dass ich den ein oder anderen bestimmten Song leid wäre. Wenn Du eine Festival-Tournee spielst wie letztes Jahr, als wir ungefähr vier oder fünf Monate alleine in den Staaten unterwegs waren, ist es schon ein Unterschied dazu, eine Tournee wie diese oder die zu spielen, wo beide "Operation: Mindcrime"-Alben von Anfang bis Ende gespielt wurden. Du spielst einfach jeden Song von diesen Alben von Anfang bis zum Ende. Du kannst deshalb nicht z.B. 'Walk In The Shadows' oder 'Queen Of The Reich' dazwischen schieben, da es ja eine zusammenhängende Story ist. Zwischen diesen beiden Alben bist Du also sozusagen gefangen. Nach einer Weile geht es einem da schon mal so, dass man sich sagt "Schade, dass wir nicht mal einen anderen Song einbauen können, aber es macht einfach keinen Sinn." Der einzige Nachteil war eben, dass wir quasi gezwungen waren, beide Alben gänzlich durchzuspielen und nicht die Möglichkeit hatten, mal andere Songs in die Setlist zu nehmen. Am Ende der Show spielten wir meistens 'Empire' oder 'Jet City Woman', aber die ganzen Auftritte waren halt in erster Linie einzig und allein diese beiden Alben. Verstehst Du, was ich meine?

Ja, sicher.

Eddie Jackson: Du kannst eben nichts austauschen oder mal einen anderen Song z.B. nach 'The Mission' oder 'I Don't Believe In Love' spielen. Danach kannst Du einfach nichts einfügen, da es keinen Sinn machen würde.

Nachdem Ihr jetzt einige Wochen auf Tour seid, tauscht Ihr denn schon mal ein paar Songs in der Set List aus?

Eddie Jackson: Ja, wir haben sozusagen zwei verschiedene Sets zusammengestellt und versuchen damit, immer mal wieder den einen oder anderen Song der Alben live auszutauschen, so dass wir eben nicht jeden Abend das gleiche Set spielen. Wir haben also nahezu zwei verschiedene Sets und tauschen jeden Abend Songs aus.

Ich finde, das ist auch ein bisschen spannender für die Fans, wenn sie sich z.B. verschiedene Shows der Tour anschauen.

Eddie Jackson: Ja, es macht offensichtlich Sinn, wenn man zwei Shows in einer Stadt spielt, also zwei Abende. In dem Fall kann man ziemlich sicher sein, dass es Fans geben wird, die beide Abende sehen möchten. Wenn eine Stadt nur drei oder vier Stunden Fahrtzeit entfernt ist, wird es sicherlich auch einige Fans geben, die diesen Weg fahren. Bei einer elf- oder zwölfstündigen Anreise ist das eher unwahrscheinlich. Wir wechseln dennoch, da es etwas ist, was wir diesmal sowieso tun wollten. Zudem ist es ja auch so, dass man weiterhin einige der Songs, insbesondere von "Rage For Order" und "Empire" zu hören bekommt, da diese Alben offensichtlich, auch aufgrund ihres Alters, beliebter sind. Bei diesen Alben kommt es gar nicht mal so sehr auf die konkreten Songs an, die gespielt werden, die meisten Fans kennen sie sowieso.

Nach all diesen Jahren und vielen Alben, die auf eine gewisse Weise schon als Konzeptalben zu bezeichnen sind, gibt es da noch etwas, was Du gerne künstlerisch erreichen möchtest?

Eddie Jackson: Ich weiß gar nicht, ob all unsere Alben ein Konzept dahinter haben. Es gibt ein Thema dahinter, allerdings weiß ich nicht, ob es eine derartige Herangehensweise ist wie "Operation: Mindcrime", was klar ein Konzeptalbum ist. "Rage For Order", "Empire", "Tribe", all die anderen Alben, sie haben ein beherrschendes Thema, einen Gedanken dahinter, sei es nun persönlich, politisch, technologisch, es gibt einen bestimmten Gedanken hinter all diesen Alben. "American Soldier" dahingegen ist kein Konzept, sondern eine Idee, es dreht sich um Konflikte, Kriege und Angehörige des Militärs, Soldaten, die darin verwickelt waren oder sind. Das interessante an "American Soldier" ist jedoch, dass normalerweise, wenn wir ein Album schreiben, es sich um unsere Ideen und Gedanken dreht, ob nun persönlich oder wie auch immer. Doch "American Soldier" dreht sich um die Geschichten anderer Menschen, nicht unsere Geschichten. Es sind ihre Geschichten, nicht unsere. Das ist der Hauptunterschied zwischen dieser Platte und den anderen.

Offensichtlich trägt das Album ja den Titel "American Soldier" und deshalb ist es eher natürlich, dass Ihr die Herangehensweise gewählt habt, amerikanische Soldaten zu interviewen. Denkst Du, dass es eine unterschiedliche Reaktion auf das Album beim amerikanischen und z.B. europäischen Publikum gibt? Die USA haben ja ein ganz anderes Verhältnis zu Patrotismus als die Europäer (er nickt) - was ich im übrigen in keinster Weise kritisieren möchte - und Amerikaner stehen dem Militär bei weitem weniger skeptisch gegenüber.

Eddie Jackson: Egal, was man darüber denkt, egal, um welches Land es letztlich geht, seien es die USA, Japan, Australien, Deutschland, Irak, es gibt ein alles beherrschendes Thema dabei, und das ist Krieg, dem die meisten Menschen alles andere als positiv gegenüber stehen. Ich bin kein großer Kriegsbefürworter, ich predige nichts in dem Zusammenhang, da ich nichts darüber weiß, weil ich selbst nie beim Militär war. Ich verfolge die Nachrichten, bei CNN und so, aber ich denke, egal von welchem Land wir sprechen, keines dieser Länder möchte ernstlich Konflikte. Es heißt "American Soldier", da wir aus den USA stammen und eben Geschichten von Soldaten aus unserem Land erzählen. Wenn man jedoch darüber nachdenkt, kann man diese Geschichten immer noch nehmen und sie z.B. auch "European Soldier" nennen, es wären immer noch die gleichen Geschichten. Verstehst Du, was ich meine? Sie betreffen immer noch jeden anderen Soldaten, egal aus welchem Land, und ich glaube, dass sie weiterhin dieselbe Idee dahinter haben und das so auch verstehen würden. Ja, es geht um Krieg, niemand befürwortet ihn, all die Erlebnisse, die ein Soldat durchmachen muss und mit denen er zurechtkommen muss, es ist stets von ähnlicher Natur, bloss der Name ist "American Soldier". Wir hätten das Album ebensogut "Universal Soldier" nennen können, da es praktisch die ganze Welt abdeckt, aber egal, wie man es dreht und wendet, Soldaten aus anderen Ländern können sich mit den Erlebnissen dieser amerikanischen Soldaten identifizieren.

Ich habe gelesen, dass ein Grund für dieses Album - sofern es denn einen Grund dahinter gibt - war, die Menschen zum Nachdenken über die Leute anzuregen, die im Militär dienen, was diese tun und warum sie es tun, die Motivation hinter all dem besser zu verstehen. Denkst Du, dass das auch in den USA ein Problem ist? Ein Mangeln an Verständnis für die Militärangehörigen? In Europa gibt es schließlich häufig eine Menge Kritik am Militär.

Eddie Jackson: Ich glaube, man sollte es nicht so wörtlich nehmen, da eine Menge davon sehr persönlich ist. Es sind bloss Geschichten, es sind nur Soldaten, die ihre Gefühle und Gedanken zum Ausdruck bringen... es ist einfach eine Idee für ein Album. Ich weiß jedoch, was Du meinst. Ob es nun gut oder schlecht für die Leute ist, wir schreiben nicht aus anderen Gründen als um der Kunst, der Musik willen und es ist an ihnen zu interpretieren, welche Sorte von Botschaft wir damit rüberbringen möchten.

Es ist kein politisches Album...

Eddie Jackson: ... es ist ein unpolitisches Album. Es sind lediglich Geschichten echter Menschen, wahre Geschichten echter Soldaten und das war die künstlerische Seite, die wir damit angehen wollten. Es ist Sache der Medien und der Fans, wie und ob sie das, was wir tun, deuten möchten. Darüber haben wir keine Kontrolle.

Wo Du den künstlerischen Standpunkt erwähnst, die Musikindustrie befindet sich allgemein in einem desolaten Zustand. Du sagst "Es ist Kunst, am Ende ist es eben Kunst.", während die Musikindustrie jedoch eine Industrie ist und sich um wirtschaftliche Interessen dreht. All die ganzen Themen wie Filesharing, illegale Downloads, denkst Du, es hat Einfluss auf Eure Musik und Metal im Allgemeinen?

Eddie Jackson: Es beeinträchtigt alle Spielarten der Musik, alle Genres, nicht nur Heavy Metal, Popmusik oder Hip Hop. Jede Art von Musik da draußen wird davon beeinträchtigt. Es ist nicht mehr so, wie noch vor ein paar Jahren. Ich meine, als wir 1983 erstmals unter Vertrag genommen wurden, gab es eine Menge Labels, die darauf aus waren, langfristig in eine Band zu investieren, im Sinne von "Wir möchten euch gerne für fünf Alben engagieren." und man sagte sich dann "Fünf Alben? Wow, wir haben's geschafft!". Vielleicht konnten es sogar sieben Alben sein. Aber heutzutage schauen sie nur nach dem einen Album, um jemanden unter Vertrag zu nehmen und wenn es Erfolg hat, gibt es einen weiteren Vertrag, wenn's jedoch kein Erfolg wird, schmeißen sie die Band raus und suchen sich eine andere. Die Zeiten haben sich eben geändert. Und nach meinem Empfinden ist es sehr schwierig für eine Menge der jungen Bands, da es massenhaft neue Bands gibt, die diese Chance und Anerkennung eben nicht erhalten. Unglücklicherweise gibt es eben nur eine begrenzte Anzahl Bands, die von den Plattenfirmen unter Vertrag genommen werden. Es gibt einfach mehr Bands als die Labels engagieren möchten.

Denkst Du, dass es eine Lösung für dieses heutige Problem gibt?

Eddie Jackson: Ich weiß nicht, ob es eine Lösung gibt, meine Hauptsorge ist jedoch, was in fünf oder sogar zehn Jahren sein wird. Wo wird sich das Musikgeschäft in zehn Jahren befinden?

Würdest Du sagen, dass es vielleicht auch eine Chance auf eine gewisse Weise darstellt, z.B. das Vertriebsmodell für Musik zu ändern?

Eddie Jackson: Ich denke, sie werden immer neue Wege finden, Musik zu vertreiben. Was ist die nächste Idee? Und am Ende des Tages haben wir nunmal keine Kontrolle darüber. Bands schreiben nur das, was sie eben schreiben und können nicht beeinflussen, wie viele Einheiten sie davon verkaufen. Sie können nur die künstlerische Seite kontrollieren. Wie ich schon gesagt habe, es wird interessant sein zu sehen, wie's in fünf oder zehn Jahren ausschaut, ich bin da wirklich neugierig. Ob es eine Lösung dafür gibt, weiß ich nicht, allerdings ich bin sicher, dass es etwas geben wird, was die Richtung der Musikindustrie immens revolutionieren wird und sie wird sich ebenso weiterentwickeln. Wo es von hier aus hingeht, das ist, meiner Meinung nach, jedoch die Frage.

Nach meinem Kenntnisstand war Touren früher, sagen wir mal, vor zwanzig oder dreißig Jahren, einfach nur ein Weg, um eine neue Platte zu promoten. Heute scheint es für viele Bands der einzige Weg zu sein, um wirklich noch Geld zu verdienen im Musikgeschäft.

Eddie Jackson: Das ist interessant, denn MTV war genau so etwas. Weißt Du, in den alten Zeiten, als sie noch eine Menge Musik spielten, eine Menge Bands wie IRON MAIDEN, BLACK SABBATH, DOKKEN, SCORPIONS oder unsere Band... noch nicht mal nur Hard Rock und Heavy Metal, auch Popmusik... ein Video war damals für die Band ein vier oder fünf Minuten langer Werbeclip, um die Band vorzustellen und etwas damit auszudrücken - und diese Tage sind gezählt. Das war einer der Wege, unsere Band zu bewerben, die Plattenfirmen, die sich mit MITV und den Videos beschäftigten und eine Menge Zuschauer sagten sich "Hey, die Band mag ich!" und sie schauten vielleicht mal vorbei. Diese Tage sind eben Geschichte. Ich meine, wann hast Du das letzte Mal MTV geschaut?

Das ist verdammt lange her, man kann sich's ja nicht mehr anschauen, da sie nur noch die ganzen dämlichen Realityshows und ähnlichen Kram zeigen.

Eddie Jackson: Das ist genau das, was ich meine. Der einzige Weg für viele neue Bands oder sogar ältere Bands ist das Internet, YouTube z.B. - das ist der andere, einer der wenigen Wege, auf denen eine Band Aufmerksamkeit erregen kann, das Internet. Sowohl neue als auch alte Bands.

Vergessen wir z.B. nicht MySpace.

Eddie Jackson: Ja, MySpace, Facebook, all diese Seiten, ich glaube, es gibt z.B. noch Ilike. Auf alle Fälle ist es, wie ich gesagt habe, das Internet im Allgemeinen, das ist der Hauptweg, wie Bands heute sich nach außen darstellen und vorgestellt werden. Es ist nicht mehr das Fernsehen, wenn man nicht grade BON JOVI oder BRITNEY SPEARS heißt, oder eine dieser Popbands ist, die man vielleicht da noch oder auf Video zeigen kann, doch selbst die werden nicht derart häufig gespielt. Ich weiß es wirklich nicht, es ist eine große Frage und es wird wirklich spannend sein zu sehen, wohin sich das Ganze bewegt, was aus der Musikindustrie werden wird.

Aber Du denkst schon, dass die Musik dabei irgendwie überleben wird, oder?

Eddie Jackson: Nun, das muss sie, es gibt sie schließlich bereits seit Anbeginn der Zeit. Ich denke, ein großer Teil des Ganzen ist es, Wege zu finden, die Piraterie einzudämmen und wie Leute umsonst an Musik herankommen. Das ist eigentlich meine Hauptsorge, wie man das kontrollieren kann. Wir stehen hier als Künstler, die ihre ganze Energie darin investieren, Musik zu schaffen, neue Ideen, das ist unser Lebensunterhalt, das was wir eben neben Tourneen tun, um diesen zu bestreiten. Wenn man sich die Musik umsonst beschafft, dann beeinflusst das den Künstler und die Band und es gibt einen Haufen Bands, die von den kostenlosen Downloads betroffen sind und den massenhaften Kopien.

Ihr werdet letztlich damit um den Lohn Eurer Arbeit betrogen.

Eddie Jackson: Genau! Was soll man dagegen nun tun?

Das ist eine schwierige Frage. Man kann schlecht die Herangehensweise von METALLICA seinerzeit wählen und z.B. Napster oder sogar Fans verklagen.

Eddie Jackson: Damit schadet man sich nur selbst. Kein Ahnung, ich hoffe jedenfalls, dass sie eine Lösung finden werde, In der Zwischenzeit können wir nur hingehen, tun, was wir sowieso tun, und Musik schreiben. Du hast schon recht, eine der besseren Strategien, um zu überleben, sind Tourneen. Ich meine, was denkst Du, wie lange diese ganzen Festivals sich halten werden?

Schwer zu sagen, in den jetzigen Zeiten sind viele Festivals, die letztes Jahr noch stattgefunden haben, abgesagt worden oder machen zumindest eine Pause, das stimmt schon.

Eddie Jackson: Eine Menge Promoter gehen ein Risiko ein, sie schauen sich an, wieviel Tickets sie verkaufen können, wenn sie all diese Bands wieder auf das Billing setzen. Ich bin sicher, dass eine Menge Festivals, die es jetzt vielleicht zehn oder fünfzehn Jahre gegeben hat, aufgrund der wirtschaftlichen Lage bald nicht mehr stattfinden werden. Und ich finde es bemerkenswert, denn wenn wir in den Vereinigten Staaten denken "Wow, die amerikanische Wirtschaft ist grade richtig mies.", dann lassen wir gerne außer Betracht, dass es nicht nur die USA sind, sondern es sich um ein weltweites Problem handelt. Das Problem gibt es gerade nämlich rund um die Welt.

Tja, was können wir tun? Wir werden abwarten müssen und schauen, was kommt.

Eddie Jackson: Ob es eine Lösung gibt, weiß ich jetzt nicht, was ich mir jedoch denke, ist, dass wir versuchen sollten, eine positive Grundhaltung zu bewahren, eine positive Energie, und weiter nach vorne zu schauen. Die Musik muss sich weiterentwickeln und die Welt ebenfalls. Ob wir diese Unterstützung von allen bekommen werden, ist sicher fraglich. Sicher wollen viele das, eine Menge Leute haben sich jedoch auch anderen Dingen zugewandt und sich weiterentwickelt, vielleicht tun sie einfach andere Dinge als früher. Viele Fans gehen wahrscheinlich gar nicht mehr zu Konzerten, möglicherweise haben sie jetzt eine Familie und damit andere Verpflichtungen. Das ergibt dann vielleicht höchstens noch einen Besuch des lokalen Festivals oder ähnliches, um sich mal die ein oder andere Band anzuschauen. Unsere Generation von Fans ist eben älter, wir hatten unseren Lauf - jetzt sind die jüngeren Bands an der Reihe, neue Fans zu gewinnen.

Gut, dann noch ein oder zwei letzte Fragen am Ende des Interviews. Kannst Du mir spontan den besten und schlechtesten Moment der letzten 28 Jahre für Dich im Musikbusiness nennen?

Eddie Jackson: Ich weiß nicht, ob ich von einem schlechtesten Moment reden kann, da wir uns kontinuierlich weiterentwickeln und wachsen. Einer der absoluten Höhepunkte in meiner Karriere, für mich persönlich gesprochen jetzt, war, als wir als Band vor 26 Jahren erstmalig einen Plattenvertrag bekamen. Das hat sich mir stark eingeprägt und es wird immer besonders in meiner Erinnerung bleiben, dass eine Plattenfirma die Chance ergriffen hat, uns unter Vertrag zu nehmen. Dafür sind wir sehr dankbar und glücklich, ich kann gar nicht genug betonen, wie dankbar wir unseren Fans dafür sind, dass sie in der Lage waren, mit uns im Lauf der Jahre zu wachsen und sich mit der Band weiterzuentwickeln. Unsere Fans erlauben uns, das zu tun, was wir genießen zu tun, und sie erlauben uns, mit der Musik zu experimentieren, was ein großartiges Gefühl ist. Wir sind den Fans dafür derart dankbar.

Ein letztes Wort noch für Eure deutschen Fans?

Eddie Jackson: An all unsere deutschen Fans, danke für eure Unterstützung in all diesen Jahren und wir hoffen, euch da draußen auf Tour zu sehen, wann immer wir Deutschland besuchen.

Dankeschön, ich wünsche Dir eine tolle Show heute Abend!

Eddie Jackson: Ich danke ebenfalls und hoffe, dass sie Dir gefallen wird!

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