Interview mit Emu von September Murder

Ein Interview von Vikingsgaard vom 21.02.2009 (5128 mal gelesen)
Der deutsche Death Metal hatte nur wenige erwähnenswerte Meilensteine, alles andere war entweder indiskutabel oder nicht der Rede wert, bis jetzt! SEPTEMBER MURDER werfen mit "Agony In Flesh" wieder ein Scheit oben auf, was das Zeug zu einem Dauerbrenner hat! Ich telefonierte mit Gitarrist Emanuel Brauer, welcher ziemlich cool hier sein erstes Telefon-Inti gibt.

Erst eine EP, dann gleich Plattenvertrag. Wie kommt ihr bis jetzt klar mit dem Erfolg?

Emu: Och, ist ja noch überschaubar. Warten wir erst mal ab, wie "Agony In Flesh" von den Leuten aufgenommen wird, dann können wir ja immer noch abheben...hehehe. Nee im Ernst, die EP lief damals sehr gut, mehr als wir es eigentlich erwartet hätten. Aber wir haben uns auch promotiontechnisch gewaltig den Arsch aufgerissen, so dass wir die Platte eigenhändig weltweit verkaufen konnten, was eine Menge Aufmerksamkeit erregte und uns auch einige Angebote einbrachte. Der Großteil der Angebote kam damals für uns aber nicht in Frage, da sie entweder nicht kompatibel mit unseren Vorstellungen waren, oder uns einfach nicht gefielen. Bis wir dann in Kontakt mit Maintain traten. Maintain Records nahmen uns schon unter Vertrag, bevor wir auch nur eine Note für das Album geschrieben hatten, was uns doch eine Menge Vertrauen und Zuversicht schenkte. Man liess uns absolut freie Hand in Bezug auf den Inhalt des Albums, alles sollte so sein wie wir uns das vorstellen und daher wussten wir dass wir genau den richtigen Partner für das erste Full-Lenght gefunden hatten.

Wie könnte, sollte, es deiner Meinung nach weiter gehen?

Emu: Tja, ich würde sagen genauso wie bisher, nur etwas größer, hehehe. Wir sind mit dem Album mehr als zufrieden, was die Songs und den Sound betrifft, denn das war definitiv das Beste, was wir zu dem Zeitpunkt produzieren konnten. Nun heißt es also abwarten wie die Platte ankommt, denn darauf haben wir ja nicht mehr so viel Einfluss. Besonders froh macht mich der Umstand, dass wir durch die, bisher exzellente, Arbeit von Maintain (großen Dank an Kai und Ilka an dieser Stelle!!) die Möglichkeit haben, weit aus mehr Leute anzusprechen als mit dem Vorgänger. Immerhin ist das Album nun weltweit erhältlich und nicht mehr nur bei uns.

"Agony In Flesh" ist musikalisch schon recht anspruchsvoll. Ihr seid noch recht jung, aber dennoch erstaunlich fit auf euren Instrumenten. Klassischer Gitarrenunterricht?

Emu: Nein, überhaupt nicht! Wir sind eigentlich fast alle Autodidakten. Man könnte höchstens sagen, dass meine Gitarrenlehrer alte METALLICA und SLAYER-Videos waren, denn die habe ich mir früher pausenlos reingezogen und hab das Zeug dann irgendwann angefangen nachzuspielen. Bis ich mit extremerer Musik in Berührung kam und dann eben das nachspielte. Die übliche "Erfolgsstory" halt. Bei Guntar war das ungefähr so ähnlich. Wir fingen damals gemeinsam an und hatten so auch die Chance uns zusammen zu entwickeln. Was eine Menge Vorteile mit sich brachte. Bei Clemens sieht die Sache gleich noch viel interessanter aus. Erstens studiert er Musik und zweitens spielt er Schlagzeug, seit dem er 12 Jahre alt ist. Der Mann ist wirklich unglaublich versiert!

Was war los mit eurem alten Drummer und wie habt ihr so schnell adäquaten Ersatz gefunden? Weil solche Moves schüttelt man nicht so einfach aus dem Ärmel.

Emu: Ja, Stefan hat schon eine tolle Arbeit geleistet auf der Platte. Jedoch konnte er sich in den letzten Monaten immer weniger mit der Musik identifizieren. Er hört halt auch privat ganz andere Musik als wir eigentlich schreiben und spielen. Für ihn artete das Spielen bei uns mit der Zeit mehr in Arbeit aus als in Spaß, weshalb sein Ausstieg für mich auch nach zu vollziehen ist. Auf Clemens sind wir durch meinen Bruder gestoßen. Die beiden hatten zusammen etwas Musik gemacht, wodurch der Kontakt auch recht schnell hergestellt war. Wir wussten vorher schon, das Clemens gut war und dass er es definitiv drauf hätte, unsere Songs zuspielen, schliesslich ist er nicht gerade unbekannt in der Szene. Nach ein paar gemeinsamen Proben wussten wir, dass er perfekt zu uns passt und wir sind auch sehr froh, dass wir uns menschlich und musikalisch so gut verstehen. Es könnte also nicht besser laufen.

Jetzt mal was zur Musik: produziert wurde die Scheibe von Pluto und das richtig fett! Habt ihr ihn einfach machen lassen oder wusstet ihr schon, wie "Agony In Flesh" klingen sollte?

Emu: Pluto hat die Platte gemastert, produziert wurde sie aber von Jens Martinek in den Schmiedeberg 7 Studios, wo wir die Platte auch aufgenommen haben. Beide haben fantastische Arbeit geleistet, was ich wirklich nicht oft genug wiederholen kann. Als wir mit den Aufnahmen fertig waren und von Jens den Mix bekamen, waren wir erstmal platt. Wir hatten mit Jens vorher nicht groß rumdiskutiert wie die Platte klingen soll, schliesslich hatten wir schon bei der ersten Platte mit ihm gearbeitet. Er wusste also genau was wir machen und wie wir es machen und der passende Sound ergab sich dann von allein. Stefan suchte sich seinen Schlagzeugsound aus, Guntar sich den den für den Bass und ich mir meinen für die Gitarren. Alles sollte so natürlich, aber auch so brachial wie möglich klingen. Ich finde, das haben wir auch ganz gut hinbekommen. Der Mix war, wie gesagt, fantastisch, bis auf kleine Änderungen, bzw kleine Geschmacksanpassungen die wir vornehmen ließen, passte er schon wie die Faust auf's Auge. Pluto übernahm dann den Feinschliff und holte nochmal das Maximum raus, von dem was raus zu holen war. Er fragte uns Anfangs auch, ob wir Soundvorstellungen hätten, was aber nicht der Fall war. Der Sound war ja schliesslich größtenteils schon gegeben, also sagten wir, mach's noch besser, was er tatsächlich auch geschafft hat. So klingt der Sound auch nach SEPTEMBER MURDER und nicht nach irgend wem anders! Wie gesagt, wir sind sehr zufrieden!

Wovon handeln eigentlich eure Texte?

Emu: Meiner Meinung nach ein sehr gutes und auch wichtiges Thema! Soviel ich weiß, befassen sie sich allesamt mit sehr negativen Themen. Auf der ersten Platte schrieb Olli noch komplett über sich selbst und die negativen Erfahrungen die er in seinen Songs verarbeitet hat. Die Texte auf "Agony In Flesh" sind dagegen nicht nur auf ihn bezogen, sondern handeln viel mehr von fiktiven Personen und ihren eigenen kleinen Geschichten und Ereignissen. Man könnte also sagen, dass hier mehrere Perspektiven angesprochen werden. Da wir Olli bei den Texten immer völlig freie Hand lassen, lerne ich die Texte immer erst wirklich kennen, wenn die Songs schon lange stehen. Was ich persönlich auch sehr erfrischend finde, da ich so einen Song, den ich vorher nur von der instrumentalen Seite her kannte (abgesehen von den Gesangslinien natürlich), nun auch inhaltlich mit etwas verbinden kann. So bekommt er für mich im Nachhinein immer eine völlig neue Bedeutung. Das ist für mich sehr wichtig, da ich so zu dem fertigen Album noch eine viel stärkere Beziehung aufbauen kann. Die Songs wirken einfach besser, wenn man den Text nebenbei mitlesen kann um sich darüber Gedanken machen zu können. Ich empfehle das auch jedem, der die Platte hört, schaut euch die Texte dazu an!

Death Metal galt ja quasi mal als tot, warum seid ihr nicht mit auf den Metal-Core Express aufgesprungen wie die meisten eurer metallischen Altersgenossen?

Emu: Wir haben den Metalcore erst ziemlich spät kennen gelernt, und zwar als wir begannen unsere ersten Shows zu spielen und wir dadurch auch mit ein paar dieser Bands in Kontakt kamen. Uns gab es zu dem Zeitpunkt ja auch schon eine Weile, weshalb ein prägnanter Stilwechsel für uns sicher nicht in Frage gekommen wäre. Ausserdem hört bei uns keiner solche Musik, also warum hätten wir das tun sollen? Ich persönlich fand die Musik von Anfang an schon ausgelutscht, Metalcore hat einfach keine Power. Der Death Metal war ja auch nie tot, nur gab es ein paar Jahre lang nur wenige Bands die ihn gespielt haben. Daran krepiert nicht gleich eine ganze Subkultur, schliesslich würde es uns sonst auch nicht geben.

"Agony In Flesh" wird sicherlich auch international nicht unbeachtet bleiben, diese Prognose wage ich mal mit gutem Gewissen! Was hätte das jetzt jobtechnisch für euch für Konsequenzen? Von dir weiß ich ja, dass du noch studierst...

Emu: Ich denke mal, das wird überhaupt keine Konsequenzen haben. Wer glaubt, mit Death Metal noch Geld verdienen zu können, heißt entweder Karl Sanders oder hat noch nie in einer Death Metal Band gespielt. Ich hoffe nur, dass wir mit "Agony In Flesh" so viel Geld einspielen, dass wir uns über die Finanzierung der nächsten Platte keine Gedanken machen müssen. Alles andere wäre nur ein postiver Nebeneffekt, dem ich natürlich auch sehr offen gegenüber stehe. Aber so lange heißt es für uns natürlich weiter studieren und die Liebe zur Musik bewahren. Alles andere ist ja eigentlich auch egal.

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