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Interview mit Chris Rörland von Sabaton

Ein Interview von Elvis vom 26.02.2022 (1848 mal gelesen)
Rechtzeitig zur Veröffentlichung des neuen SABATON-Albums "The War To End All Wars" nahm sich Gitarrist Chris Rörland Zeit, um mit uns über die neue Platte, veränderte Hörgewohnheiten zu sprechen, und warum SABATON bislang noch nie eine "Best Of" veröffentlicht haben. Viel Spaß!

Hallo, schön, Dich zu sehen. Es sind tatsächlich zehn Jahre her, dass wir das letzte Mal ein Interview miteinander gemacht haben. Da hattest Du gerade 50 Shows mit SABATON hinter Dir und Pär hat den Großteil des Gesprächs geführt. Wie viele Shows sind es mittlerweile, die du gespielt haben dürftest?

Chris Rörland: Hallo, ja, das ist schon ein bisschen her (lacht). Ich glaube, das sind… hm, ich denke an die 1.000 Shows mittlerweile geworden.

Das ist schon eine ganze Menge. Macht es dir immer noch so viel Spaß, wie du damals sagtest?

Chris Rörland: Ja, tatsächlich tut es das (lacht). Mir macht es wirklich noch jedes Mal Spaß, wenn wir auf die Bühne gehen. Das Adrenalin und die Aufregung sind einfach besonders und ein Grund, warum ich das gerne tue. Klar, das viele Reisen und etwa in den kleinen Kojen im Nightliner zu schlafen, das ist natürlich furchtbar. Trotzdem wäre es langsam echt schön, wieder auf Tour zu sein.

Auch als Zuschauer wäre es ja schon schön, mal wieder Shows zu sehen, anstatt einfach nur zuhause an Gewicht zuzulegen…

Chris Rörland: (lacht) Ja, ich komme gerade aus dem Fitnessstudio, langsam bin ich wieder vernünftig in Form.

2012 in Luxemburg habt Ihr in der Rockhal noch im Club gespielt, mittlerweile spielt Ihr ja in deutlich größeren Hallen und bei Festivals weit oben. Wie fühlt sich das im Vergleich für dich an?

Chris Rörland: Nun, natürlich ist das ein Unterschied. Wenn man beispielsweise bei so großen Festivals wie "Wacken" spielt, ist man verdammt weit vom Publikum weg. Da zum Beispiel mal Augenkontakt zu Leuten im Publikum zu haben - was ja für beide Seiten durchaus einen Energieschub geben kann - ist kaum drin. Darin sehe ich den größten Unterschied. Für uns ist das von der Aussicht her natürlich grandios, du musst dir das so vorstellen, wie es vielleicht ein Pilot in einem Flugzeug empfindet. Das ist ein irres Gefühl, ich liebe das! Trotzdem spiele ich auch sehr gern kleine Shows, da man eben viel mehr mit den Leuten im Publikum interagieren kann. Man kann etwa mal einen High Five geben. Klar, ab und an wird’s ein bisschen wild, jemand schmeißt mal einen Mikrofonständer um, aber was soll’s (lacht).

Wie zufrieden ist du denn bislang mit den Reaktionen auf "The War To End All Wars"? Mir gefällt es besser als der Vorgänger "The Great War".

Chris Rörland: Oh, wirklich? Danke schon mal. Das Feedback war bisher positiv, aber durchaus auch negativ, jedenfalls was die Singles angeht, die wir veröffentlicht haben. Manche mochten diese überhaupt nicht und sagten, die seien viel schlechter als die Singles bei "The Great War". Lustigerweise hatten wir ähnliche Erlebnisse auch bei "The Great War", als wir etwa 'Red Baron' veröffentlichten, gab es einige Stimmen, die mit dem Song gar nichts anfangen konnten (lacht). Wir werden sehen, wie die allgemeine Stimmung ist, wenn die Platte draußen ist. Ich denke, man muss sich da selbst auch eine gewisse Offenheit bewahren. Für viele Fans ist es so, dass die Platte, mit der sie eine Band kennen- und idealerweise lieben gelernt haben, unheimlich definierend ist. Daran wird dann jede weitere Veröffentlichung von ihnen gemessen. Die Leute wollen oft dann zwar, dass man sich noch steigert, aber auch nicht allzu sehr verändert. Diese vermeintlich gewünschte Balance als Band zu finden, ist enorm schwer. Wir können uns nicht mit neuen Songs immer nur selbst kopieren, auch wenn manche Fans das wohl am liebsten hätten. Als Künstler ist das grade kurz vor einer Veröffentlichung sehr schwer einzuschätzen, weil man ja selbst vorher so viel Zeit mit der Aufnahme und Produktion verbracht hat. Natürlich hoffe ich, dass "The War To End All Wars" allgemein Anklang finden wird. Für mein Empfinden sind wir nochmals einen Schritt weitergegangen und haben eine sehr cinematische Erfahrung geschaffen. Daher hoffe ich wirklich, dass die Leute es so lieben werden, wie ich es grade tue. Vor allem wünsche ich mir natürlich, die Songs auch bald live performen zu können.

Das Album schreit meiner Meinung nach wirklich teils nach einer Live-Performance. Das bringt mich aber auch zu einer Frage, die wir kürzlich noch intern diskutiert haben. Vielleicht weil Streaming heute so verbreitet ist, habe ich den Eindruck, dass mittlerweile oft fast das halbe Album schon vor Veröffentlichung bekannt wird, was mir etwa ein bisschen den Spaß am Release-Tag raubt, weil es nur noch die Hälfte zu entdecken gibt. Ich finde, das hat manchmal was von einem Trailer, der ein bisschen viel über den Filminhalt verrät. Wie siehst Du das?

Chris Rörland: Ja, manche Bands veröffentlichen wirklich sehr viele Songs vor dem Release eines Albums. Das Problem als Band ist in der Hinsicht aber auch, dass wir - gerade auch in der Pandemie-Zeit - Präsenz zeigen müssen. Wir müssen zeigen, hier ist ein neuer Song von uns, wir sind immer noch aktiv, und nicht zuletzt heizt das ja schon auch das Interesse an einem Album mit an. Es stimmt, wir haben bei "The Great War" und jetzt auch bei "The War To End All Wars" im Vergleich auch mehr Singles vorab veröffentlicht. Aber wie gesagt, es hält tatsächlich den Interessefaktor hoch. Wir haben es meist so gemacht, dass wir auf Tour vielleicht auch mal schon vorab einen neuen Song in der Set List hatten. Manche Bands gehen ja hin, veröffentlichen ein Album und spielen dann auf Tour fast nur das neue Material. Das führt im Gegenzug dann dazu, dass ein guter oder großer Teil der Fans das Material noch gar nicht kennt und sich total vor den Kopf gestoßen fühlt.

IRON MAIDEN haben sich ja bei den letzten Touren zu neuen Alben mit vielen neuen Songs in der Set List hervorgetan. Aber gut, die können vermutlich fast drüberstehen, trotzdem verstehe ich den Frust diverser Fans, grade wenn es dann auch noch diese überlangen neuen Song sind, die kaum Platz für Klassiker lassen.

Chris Rörland: Genau, letztlich ist auch das eine Frage der Balance. Wenn man zwei bis drei Songs vorab veröffentlicht, finde ich das etwa vollkommen im Rahmen und sehe das als gute Vorbereitung für Shows.

Das stimmt. Was mir bei "The War To End All Wars" sehr gut gefällt, ist der Aufbau mit 'Sarajavo' als Beginn des ersten Weltkriegs als Opener und 'Versailles' als Ende, grade auch weil beide Songs wirklich so cinematisch aufgebaut sind. Mal ins Blaue hinein getippt: das würde ja bestimmt live sehr gut als Anfang und Ende eines entsprechenden Blocks in der Show funktionieren…

Chris Rörland: Wer weiß, wir haben den ein oder anderen Plan (lacht). Da darf man erst mal spekulieren; was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass wir einen ziemlich ambitionierten Plan für die europäische Tour haben, die wir ja leider vorerst verschieben mussten. Ich hoffe, wir haben bald die neuen Daten fix. Wir haben wirklich verdammt viel Arbeit schon in diese Tour investiert, auch die anstehende Schweden-Tour. Warten wir mal ab, was passiert. Ich fände es jedenfalls auch cool, so was wie ein Set zum ersten Weltkrieg und dann eines zum zweiten Weltkrieg zu spielen. Okay, das wären dann am Ende wohl vier Stunden, die wir spielen müssten (lacht). Ehrlich gesagt, es ist schon schwierig genug, überhaupt die Songs auszusuchen, die wir am Ende spielen wollen. Ich fände es aber ziemlich cool.

Bei der Anzahl Alben, die ihr mittlerweile draußen habt und den diversen Songs, die SABATON-Klassiker sind, wird’s vermutlich langsam wirklich schwierig, die Set List rauszupicken, oder?

Chris Rörland: Ja, das ist es tatsächlich. Das ist manchmal wirklich so, als ob man die eigenen Kinder ermorden muss (lacht). Trotzdem ist es ein tolles Gefühl, dass Fans so viele Songs von uns als Hits betrachten, auch wenn das die Wahl der Set List für uns kompliziert macht. Ich selbst würde ja wirklich gern vier Stunden spielen. Aber das bei 35 Shows in Europa würde uns vermutlich irgendwie killen oder wir würden es gegenseitig tun (lacht). Im Bereich von eindreiviertel bis zwei Stunden kann man schon eine schöne Set List basteln. Dennoch ist es so, dass mit jedem neuen Album natürlich ein paar Songs mal weichen müssen. Traurig ist das schon, eben weil es auch oft Songs betrifft, die als Hits empfunden werden. Das frustriert manche Fans, wenn nicht "ihr Song" dabei ist. Viel mehr Zeit haben wir im Regelfall aber nicht, auch wenn ich gerne noch mehr spielen würde, und mit der Realität müssen wir als Band arbeiten.

Also irgendwie ein Luxusproblem, aber irgendwo auch ein schönes Problem?

Chris Rörland: Ja, kann man so sagen (lacht).

Entscheidet Ihr über die Set List als Band oder macht das nur ein Teil der Band?

Chris Rörland: Wir entscheiden das als ganze Band. Trotzdem versuchen wir auch, die Fans ein bisschen mit ins Boot zu holen. Bei Facebook stellen wir beispielsweise vier oder fünf Songs zur Auswahl, wo die Fans abstimmen können, welchen sie bei den Shows gerne hören möchten. Was wir auch meistens machen, ist, dass wir zwei relativ ähnliche Songs wie 'White Death' und 'Seven Pillars Of Wisdom' im Set haben und bei der Show abstimmen lassen, welchen das Publikum vor Ort lieber hören möchte. Das funktioniert unterm Strich so ziemlich gut.

Ihr habt ja wie bei "The Great War" jetzt auch für "The War To End All Wars" eine normale Version des Albums und die "History Edition" mit den zusätzlichen Kommentaren vor den Songs. Das verwirrt als Entscheidung wohl doch den ein oder anderen. Zum letzten Album habe ich mal gelesen, dass Ihr am liebsten wohl nur die Version mit den Kommentaren haben wolltet, aber das Label lieber die Version ohne Kommentare wollte, zumindest zusätzlich. Oder ist das irgendwie auch wegen der veränderten Hörgewohnheiten etwa bei Streamingdiensten, weil es sonst zu viele Leute irritiert, wenn zunächst mal eine gesprochene Einleitung kommt?

Chris Rörland: Ja, das ist tatsächlich ziemlich genau so, wie Du sagst (lacht). Du hast zum einen da die Leute, die sich wirklich für die Geschichte interessieren und über etwas mehr Erklärung einfach freuen, zum anderen ganz normale Metalheads, denen das inhaltlich am Arsch vorbeigeht und die einfach nur Metal hören möchten. Das ist in der Tat gar nicht so einfach, denn wir hatten ja vorher schon - beispielsweise bei "The Art Of War" - einleitende Texte, die aber gleichzeitig manche Hörer einfach nervten, die lediglich die Songs hören wollten. Im Grundsatz möchten wir gerne mehr Hintergrundwissen zu den Songs liefern und ich persönlich finde, dass es oft auch die Stimmung für den jeweiligen Song besser rüberbringt. Deswegen bringen wir die "History Edition" raus. Bei manchen Songs bekam ich dadurch beim ersten Hören wirklich Gänsehaut. Mir gefällt das wirklich sehr gut so. Aber da wir beides veröffentlichen, können die Fans sich aussuchen, was ihnen besser gefällt. Es wird ja niemand gezwungen sich die "History Edition" oder beide Versionen zu kaufen. Die kann man sich ja auch mal bei Spotify oder einem anderen Streamingdienst anhören. Es gibt viele Fans, die scheren sich gar nicht so um die Lyrics, die wollen bloß einen entsprechen Metal-Song hören und headbangen. Die werden mit der regulären Version glücklich werden. Und nicht zu vergessen, es gibt ja auch noch Leute, die besonders auf cinematische Erfahrungen aus sind, weswegen es wie beim letzten Album auch wieder eine orchestrale Version gibt, die das Album wie einen Soundtrack bietet. Da es ja bei beiden Alben um den Ersten Weltkrieg geht, war es klar, dass wir so was auch für dieses Album machen mussten.

Ich habe mir beide Album-Versionen angehört, 'Sarajevo' und 'Versailles' sind jeweils beide mit den gesprochenen Versen, richtig? Das finde ich so oder so sehr gelungen gelöst, grade weil es auch die Stimmung so stark rüberbringt. Einerseits den Enthusiasmus über den Eintritt in den Krieg, die Hoffnung und Überzeugung, dass es wirklich der eine, letzte große Krieg sein könne, andererseits dann die Erlösung und Erleichterung darüber, dass er endlich vorbei ist, verbunden mit den Zweifeln, ob es das wert war und wirklich ein Ende darstelle. Was es ja, wie wir leider nur zu gut wissen, grade nur mal für zwei Jahrzehnte war. Gesungen würden diese Verse bei weitem nicht so gut funktionieren wie gesprochen.

Chris Rörland: Vollkommen richtig. Joakim bestand von Anfang an darauf, dass wir bei einem weiteren Album über den Ersten Weltkrieg definitiv Sarajevo und Versailles dabei haben müssten, eben weil es der Anfang und das Ende des Krieges war. Als ich die Songs dann gemeinsam mit ihm schrieb, meinte er, es solle ein kompletter Song sein, mit dem Chor im Refrain, aber dass die Verse jeweils gesprochen sein müssten, damit man wirklich spürt, worum es jeweils geht. Die Musik dann passend zu den gesprochenen Passagen zu schreiben war wirklich harte Arbeit. Ich finde, das Ergebnis klingt irgendwie am Anfang sehr unheimlich, aber es ist echt cool geworden am Ende.

Ich finde es sehr wuchtig und ergreifend, grade weil man so gut spürt, welche Gefühle dem jeweiligen Ereignis im Song zugrunde liegen. Das finde ich wirklich sehr gelungen und zumindest für mich funktioniert das sehr gut.

Chris Rörland: Vielen Dank, das freut mich.

Das letzte Mal habe ich Euch 2019 beim "Graspop" Festival gesehen, wo Ihr ja auch schon eine sehr aufwändige Produktion hattet. Dieses Jahr seid Ihr am Sonntag ja sogar der Headliner, nachdem AEROSMITH ihre Auftritte in Europa abgesagt haben. Das ist ja auch ein Festival mit rund 75.000 Zuschauern, denkst du, dass du dich langsam an so einen Headliner-Status gewöhnst oder fühlt sich das immer noch ein bisschen unwirklich an? Es muss ja nicht laufen wie beim "Hellfest" seinerzeit, wo Tommy und du das ganze zweite Set als Headliner singen musstet weil Joakim kaum noch Stimme hatte….

Chris Rörland: Oh, "Hellfest"… ja ,das war eine Erfahrung (lacht). Einerseits ja und andererseits nein, denke ich. Wenn du eine lange Tour spielst, wird das irgendwann schon ein bisschen so wie ein Job mit einer gewissen Routine. Du stehst morgens auf, frühstückst was, machst ein paar Interviews, triffst dich mal mit den anderen Jungs, probst ein bisschen, Abends spielst du dann, schläfst und am nächsten Tag geht es halbwegs in der Form weiter. Doch auch wenn sich das dann mal ein bisschen wie ein normaler Job anfühlt, gehst du am Abend wieder auf die Bühne, bekommst dein Adrenalin vor und während des Gigs und es ist dann doch nicht dasselbe. Nach zwei Jahren mit teilweise Quarantäne ist vermutlich mittlerweile jeder derart hungrig darauf, endlich wieder live zu spielen, dass man es mehr genießen wird als alles andere.

Es mag ja vielleicht auch ein bisschen am Label liegen bei Nuclear Blast, aber Ihr bringt ja schon ziemlich viele verschiedene Varianten der Alben raus…

Chris Rörland: (lacht)

… aber was man sich ja wirklich fragen darf: eine Vinyl-Veröffentlichung in Camouflage hattet Ihr glaube ich noch nie, oder? Das wäre ja schon mehr als passend.

Chris Rörland: Tatsächlich ist das etwas, was wir immer wieder mal vorhaben. Das Problem ist folgendes: wenn wir eine Vinyl in Camouflage-Optik machen wollen, muss das eine Picture Disc sein. Das geht dann leider oft ein bisschen zu Lasten der Klangqualität und Balance. Wir hatten schon Samples und haben einiges ausprobiert. Hoffentlich können wir zumindest mal was in Richtung einer Splatter-Vinyl machen, was optisch ja schon ganz gut in die Richtung ginge. Also, wir arbeiten quasi dran, aber wir möchten gleichzeitig auch die bestmögliche Klangqualität haben. Eine Picture Disc ist nun mal eine Picture Disc und da ich selbst auch Sammler bin, habe ich persönlich Freude an solchen Veröffentlichungen. Ich mag diese große Auswahl mit verschiedenfarbigen Vinyls, Box Sets und so fort. Klar, manche fragen natürlich, warum es denn so viele verschiedene Versionen sein müssen. Ich denke, es ist einfach für jeden Geschmack was dabei und wir zwingen ja niemanden, sich die allesamt zu kaufen. Wenn jemand gelb besonders mag und sich eine gelbe Vinyl kaufen kann, weil sie eben angeboten wird, ist das doch eigentlich etwas Gutes. Ich sehe das letztlich nicht als etwas Negatives an.

Ihr seid merch-technisch ja schon weit gediehen. Ein Brettspiel, ein Box Set mit einer Bühne von Cobi, weil Lego sich ja gegen alles sperrt, was ins Militärische geht…

Chris Rörland: Ja, Lego ist da sehr strikt.

Wie du sagst, wenn die Fans es gerne möchten, warum soll man es ihnen nicht anbieten? Was Ihr diesmal nicht hattet, waren irgendwelche Bonus Tracks, wenn ich das richtig sehe, oder?

Chris Rörland: Das stimmt, wir hatten keine Bonus Tracks auf den letzten beiden Alben, wir haben nur ein paar Stand-Alone-Singles veröffentlicht. Da war 'Bismarck', 'Steel Commander', 'Kingdom Come' als MANOWAR-Cover, 'Livgardet' und 'Defence Of Moscow'… ich glaube, das waren alle. Wir hatten über so was gesprochen, haben dann aber entschieden, dass es eigentlich bei diesen Alben nicht passt und wir uns auf die Grundidee konzentrieren wollen. Beim nächsten Album ist das aber wieder anders denkbar. Ich spiele zum Beispiel sehr gerne mal ein Cover einer anderen Band, hier fühlte es sich aber einfach fehl am Platze an. Vielleicht machen wir demnächst mal ein thematisch passendes Cover, aber dann eher als Einzel-Song. Auch wenn wir jetzt das neue Album veröffentlichen, schreiben wir ja trotzdem permanent Songs und sammeln Ideen für Cover oder weitere Songs, entwerfen Merchandise, es ist einfach nicht so, dass wir nicht gut zu tun hätten.

Ich fand, "The Great War" war mit unter 39 Minuten einen Ticken kurz geraten, jetzt seid Ihr immerhin bei rund 45 Minuten bei "The War To End All Wars". Für das geschichtliche Ereignis, um das es geht, finde ich, dass dieses Album nahezu notwendig war. Wie hast du das empfunden? Findest du im Rückblick, dass "The Great War" vielleicht hätte ohnehin länger sein sollen oder findest du die Länge weiterhin angemessen?

Chris Rörland: Das ist schwer zu beantworten. Manchmal denkt man, man sollte einen besonders langen, epischen Song schreiben, aber ich glaube, das funktioniert für viele unserer Fans gar nicht so besonders gut. Meistens bewegen wir uns im Bereich von drei bis vier Minuten, was sich für uns am besten anfühlt. Wenn wir zu viele überlange Songs hätten, wäre das live auch gar nicht leicht, ich glaube, es wäre sogar eher ein Stimmungskiller. Wenn ein Song mal ein bisschen länger ist, ist das kein Beinbruch, aber wir müssen einfach mal schauen, was passiert. Klar, ich würde gern mal einen langen epischen Song wie 'Rime Of The Ancient Mariner' schreiben. Vielleicht würde auch das besser als eine Stand Alone-Single funktionieren. Es sollte sich organisch anfühlen und nicht zwanghaft.

Mit 'Christmas Truce' habt Ihr ja immerhin sogar so was wie ein SABATON-Weihnachtslied auf dem neuen Album.

Chris Rörland: Siehst Du, DAS haben wir immerhin schon gemacht (lacht).

Grade bei diesem Song muss man ja sagen, dass Ihr deutlich aufwändigere Videos habt mittlerweile, ihr versucht Euch darin ja sozusagen auch als Schauspieler. Macht es dir mehr Spaß, in einem Video mehr zu tun zu haben als einfach nur Gitarre zu spielen?

Chris Rörland: Definitiv, es ist schon was Anderes als in einem solchen Video nur zu performen. Man muss auch sehen, dass es ja vielfach ziemlich sensible Themen sind, da fühle ich mich nicht gut dabei, wenn ich einfach nur versuche, besonders cool zu wirken. Das fühlt sich seltsam an für mich. Deswegen hatte Pär die Idee, dass wir vielleicht einfach mal versuchen sollten, eher als Schauspieler aufzutreten. Zum Glück haben wir auch sehr gute Produzenten, die direkt eingegriffen haben, wenn sich zeigte, dass irgendetwas dabei nicht funktioniert oder sich komisch anfühlt. Das war insofern also Learning By Doing für uns. Aber ich muss echt sagen, dass mir das Schauspielern dabei mehr Spaß macht. Hey, wir dürfen dann teils sogar mal schießen oder was in die Luft jagen (lacht).

Ihr nehmt ja seit geraumer Zeit auch gerne Ideen von Fans an, worüber Ihr vielleicht mal einen neuen Song machen solltet. Hast Du eine Idee, wieviel davon schon in SABATON-Songs eingeflossen ist?

Chris Rörland: Das ist schwierig zu sagen, da ich in die Lyrics eigentlich nicht sonderlich eingebunden bin. Pär hat ein richtiges Archiv aufgebaut, wo er grade auch solchen Input akribisch sammelt. Er sortiert das nach Jahren, Schlachten, danach, ob es ein sehr schwieriges Thema ist oder vielleicht auch für einen eher fröhlichen Song was hergibt. Das ist von daher wirklich nicht leicht in Prozenten auszudrücken. Ich fände es sehr schön, wenn auf diese Weise vieles von Fans Einzug in unsere Alben findet. Aber zahlentechnisch müsstest Du wohl echt Pär fragen, ob er das sagen könnte.

Was ich auch noch interessant finde: Ihr habt mittlerweile eine stattliche Anzahl Alben, Ihr habt viele Live-Veröffentlichungen, aber es gab bis heute noch kein wirkliches Greatest Hits-Album von SABATON. Den knappen Sampler für den Metal Hammer vor ein paar Jahren würde ich insofern mal nicht zählen wollen. Ist das auch was, was der heutigen Zeit geschuldet ist oder hat das andere Gründe? Ich wäre an sich nicht überrascht, wenn zumindest das Label mal so was angeregt hätte.

Chris Rörland: Wir haben ab und an mal über so was gesprochen, wenn auch nicht in ganz jüngerer Zeit. Es fühlte sich bis heute nicht passend an. Mir ist seit ich wieder viel an Vinyl höre aufgefallen, dass es da natürlich ganz anders Sinn machte, eine Greatest Hits-Veröffentlichung zu haben, da es einfach unkomfortabel ist, einen Song zu überspringen. Da machte das Sinn. Beim Streaming ist es zu einfach sich eine eigene Playlist zusammen zu klicken, dass ich gar nicht weiß, wie groß das Interesse an so was überhaupt noch wäre. Das würde wohl mehr als Geldgier wahrgenommen als sonst was. Und klar, natürlich müssen wir in diesem Business auch Geld verdienen. Was ich zum Beispiel viel cooler fände, wäre eine Veröffentlichung, wo alle unsere Songs zum Ersten Weltkrieg drauf wären. Das fände ich interessanter und frischer.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, ich hoffe, Ihr habt viel Erfolg mit "The War To End All Wars" und dass wir uns bald alle wieder auf Tour sehen können.

Chris Rörland: Danke, wir können es auch kaum erwarten, die Fans endlich wieder bei den Konzerten zu sehen.

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