Interview mit Noora Louhimo von Battle Beast

Ein Interview von Elvis vom 17.02.2022 (2743 mal gelesen)
Mit "Circus Of Doom" haben BATTLE BEAST ein weiteres starkes Album an den Start gebracht. Frontfrau Noora sprach mit uns darüber, was sie als positiv an der Pandemie-Situation empfunden hat, was ihr Solo-Ausflug für BATTLE BEAST gebracht hat und was sie von Streaming-Konzerten hält. Viel Spaß!

Hallo, guten Morgen! Danke, dass du dir die Zeit für ein Gespräch nimmst. Wie geht es dir?

Noora Louhimo: Guten Morgen, danke, mir geht es gut. Ich schlürfe grade erst mal meinen Morgenkaffee, um richtig fit zu werden. Wir stecken ja schon mitten in den Vorbereitungen, um hoffentlich bald wieder loslegen zu können.

Gut zu hören. Wie hast du diese verrückte Zeit seit dem letzten Album erlebt? Ich glaube, einiges ist ja für euch dank Corona ins Wasser gefallen.

Noora Louhimo: Ja, das stimmt. Wir hatten natürlich für "No More Hollywood Endings" wesentlich mehr Konzerte geplant, die aber zu einem großen Teil leider nicht stattfinden konnten. Das war schon wirklich enttäuschend und vollkommen anders, als wir es vom Rhythmus her kannten. Wir wollen unser neues Material ja auch live performen. All das ging ja nun mal dann gar nicht. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich es angenehm fand, viel mehr Zeit zuhause oder mit der Familie und Freunden verbringen zu können. Üblicherweise ist es ja schon so, dass wir die Studioarbeit machen und danach dann viel auf Tour gehen, da ist man leider auch viel weg. Für mein Empfinden hat es auch der Produktion unseres neuen Albums gutgetan, dass wir diese Zwangspause vom Touren bekommen haben. Wir konnten uns da deutlich mehr Zeit lassen, als es sonst vielleicht möglich gewesen wäre. Daher, würde ich sagen, hatte all diese Entschleunigung durch Corona auch ihr Gutes. Nur dass das jetzt nicht falsch rüberkommt: selbstverständlich ist es schlimm, wie viele Menschen daran erkrankt und gestorben sind. Das finde ich auch fürchterlich, ich denke aber, du verstehst, was ich grade meine.

Ja, und insofern natürlich zunächst auch Glückwunsch zu eurem tollen neuen Album "Circus Of Doom". Ich denke, es ist weiterhin vollkommen BATTLE BEAST, aber man merkt in der Tat, dass da in den Songs noch deutlich mehr Feinheiten stecken als bislang.

Noora Louhimo: Ich hoffe auch, dass die Arbeit, die wir in "Circus Of Doom" gesteckt haben, allgemein rüberkommt. Bislang ist das Feedback jedenfalls erfreulich.

Den Theatralik-Faktor habt ihr ja auf alle Fälle nochmals hochgeschraubt. Auch seid ihr noch symphonischer geworden. Wenn ich das richtig verstanden habe, dürfen wir ja live dann auch eine deutlich theatralischere und aufwändigere Show erwarten, richtig?

Noora Louhimo: Ja, da haben wir wirklich einige schöne Überraschungen geplant. Allzu viel darf ich momentan noch nicht verraten, aber ich denke, das Warten auf die Shows lohnt sich.

Wo du das grade sagst: ich finde ja diesen neuen Look mit den Hörnern aus Haaren sehr cool. Sind das deine echten Haare oder Extensions? Das sieht auf jeden Fall richtig kompliziert aus.

Noora Louhimo: Danke, das ist es auch. Ich habe da eine supertalentierte Kostümbildnerin und Stylistin, die das für mich macht. Vom Look her setzt das nochmals einiges auf das Bisherige drauf. Ich fühle mich jetzt auch langsam dann so richtig in meiner Rolle als "Battle Bitch" auf der Bühne wohl. Da ist jetzt mehr Sexyness am Start!

Klingt prima! Aber mal ehrlich, sexy warst du doch auch bislang schon.

Noora Louhimo: Danke! (lacht) Aber das ist echt noch mal was anderes jetzt.

Du warst ja neben BATTLE BEAST seit dem letzten Album in einigen anderen Bereichen richtig fleißig. Neben einigen Gastauftritten bei anderen Künstlern hast du ja auch noch ein Solo-Album aufgenommen, was musikalisch ja eher zu deinen Wurzeln zurückgeht. Das Video, was du dafür gemacht hast, zeigt ja vielleicht auch ein bisschen die Abläufe, wie du sie vom Tour-Leben her kennst, oder? Du hast ja vermutlich nicht grundlos den Namen NOORE LOUHIMO EXPERIENCE gewählt.

Noora Louhimo: Ja, ich bin auch sehr froh, dass ich mir diesen Traum erfüllen und dieses persönliche Album machen konnte. Das hat mir künstlerisch sehr gutgetan.

Hat deine Arbeit außerhalb der Band sich auch in gewisser Weise bei BATTLE BEAST niedergeschlagen?

Noora Louhimo: Tatsächlich ist das so, auch wenn es ja weitestgehend ein anderer Stil war, den ich auf meinem Solo-Album habe. Ich habe nämlich stimmlich in den Höhen so was wie meinen perfekten Punkt gefunden, um bestimmte Parts zu singen. Das konnte und kann ich jetzt bei BATTLE BEAST wunderbar einbringen. Wenn du so willst, hat BATTLE BEAST also direkt von meinem Solo-Album profitiert.

Ich finde, du hast dich tatsächlich bei "Circus Of Doom" nochmals stimmlich gesteigert. Wie du die diversen Emotionen in den unterschiedlichen Songs rüberbringst, ist schon sehr beachtlich. Ich würde sagen, du bist mittlerweile schon ein Faktor, der BATTLE BEAST sehr unverwechselbar macht.

Noora Louhimo: Dankeschön, es freut mich, wenn du das so siehst. Ich fühle mich gesangstechnisch heute ziemlich wohl in meiner Haut, das schlägt sich natürlich irgendwie dann auch in den Songs nieder.

Stichwort "Wohlfühlen in der eigenen Haut": 'Where Angels Fear To Fly' handelt unter anderem auch von Akzeptanzproblemen und Mobbing. Das war ja auch auf den letzten Alben schon angerissen worden. Ist das ein Thema, was euch aufgrund persönlicher Erfahrungen besonders am Herzen liegt?

Noora Louhimo: Das stimmt, wir halten das schon für ein wichtiges Thema, aber es ist nicht auf dem Album gelandet, weil wir damit irgendwas predigen wollten oder schon mal in die Richtung was geschrieben haben. Ich schaue inhaltlich am liebsten nach vorne und nicht zurück. "Circus Of Doom" ist so voller Emotionen, die in den verschiedenen Songs vorkommen, dass es für mich nur ein Aspekt des Albums ist.

'Master Of Illusion' fühlte sich für mich ein bisschen wie ein spiritueller Nachfolger von 'King For A Day' an.

Noora Louhimo: Der Gedanke ist interessant, ich glaube, das ist nicht abwegig. Es handelt sich zwar nicht um dieselbe Person, um die es da geht, aber der Personen-Typ, von dem ich da singe, ist natürlich im gleichen Fahrwasser unterwegs, keine Frage.

Ich mochte auf den bisherigen Alben auch gerne die eher atypischen Pop-Songs wie 'Touch In The Night' oder 'Endless Summer'. Irgendein Song in diese Richtung ist auf "Circus Of Doom" nicht gelandet. Absicht oder Zufall?

Noora Louhimo: Das war tatsächlich Zufall, ebenso wie die von dir genannten Songs auch auf den vorherigen Alben gelandet sind. Die passten grade und diesmal war eben keiner in der Richtung dabei. Aber wie ich eben schon gesagt habe, ich schaue da lieber nach vorne und denke nicht bei einem neuen Album darüber nach, dass es ja noch einen Song wie den von unserem Album vorher geben sollte. Das limitiert nur unnötig und ehrlich gesagt: diese Songs gibt es ja auch schon.

Kannst du uns schon ein bisschen mehr verraten, was uns dann live erwarten wird? Ich tippe mal drauf, dass angesichts der momentanen Lage in Europa die kurz bevorstehende Tour ja wohl eher nochmals verschoben wird.

Noora Louhimo: Ja, wir werden in Kürze die neuen Daten bekanntgeben, da es momentan logistisch kaum möglich ist, eine Europa-Tour durchzuziehen. Da sind einfach zu viele Unbekannte drin. Wir müssen auch mal schauen, welche Locations es am Ende sein werden. Von der Set List kann ich noch nichts verraten, aber ich glaube, die Fans werden glücklich sein. Und seid wirklich mal gespannt auf unsere Produktion, das wird echt beeindruckend, was wir uns ausgedacht haben.

Das klingt nicht danach, als ob man euch absehbar nochmals in Siegburg im Kubana zu sehen bekäme …

Noora Louhimo: Nein, vermutlich nicht, auch wenn die Location ihren Charme hatte. Aber die Bühne ist einfach viel zu klein für das, was wir vorhaben.

Wie schon am Anfang gesagt, eure letzte Tour war ja am Ende viel kürzer als geplant. Was hältst du von den Streaming-Konzerten, die viele Bands notgedrungen seit Pandemie-Beginn teils gespielt haben?

Noora Louhimo: Ich finde, das ist ein zweischneidiges Schwert. Wie haben so was ja auch mal getan, aber es ist schon eigenartig. Man spielt dann ohne Publikum und die Energie, die man bei der Performance von den Fans bekommt, fehlt letztlich. Das fühlt sich seltsam an und man braucht seine Zeit, um das zu vergessen. Ich mag echte Auftritte jedenfalls viel lieber.

Das verstehe ich vollkommen. Vermutlich ist es aber immer noch besser als nix, wenn die Einnahmen aus Konzerten anders schwer zu erzielen sind.

Noora Louhimo: Klar, die Motivation dahinter ist schon verständlich. Schlecht finde ich es ja nicht. In dem Zusammenhang kann ich aber einen Appell an die Fans richten: wenn ihr den Bands oder grade BATTLE BEAST helfen wollt, bestellt Merchandise in unserem Webshop. Wir haben vor Kurzem nochmals ein großes Update gemacht und eine große Auswahl an allen möglichen Klamotten eingestellt. Wenn ihr das Merchandise direkt bei uns kauft, helft ihr uns finanziell wirklich.

Das ist natürlich immer der beste Weg für den Merchandise-Kauf. Hast du momentan noch andere Wünsche für BATTLE BEAST?

Noora Louhimo: Ich glaube, wir wollen gerne vor allem wieder mal auf die Bühne raus, das steht über allem. Ansonsten arbeite ich grade daran, dass ich Vocal Coaching anbieten möchte. Da bin ich mal gespannt, wie es sich anlassen wird. Aber ich würde mich freuen, wenn ich das, was ich gelernt habe, jungen Künstlern weitervermitteln könnte.

Viel Erfolg dabei! Da wir langsam dann auch zum Ende kommen müssen, bedanke ich mich für das Gespräch und hoffe, dass wir euch bald auch wieder bei einer Show der "Circus Of Doom"-Tour sehen können.

Noora Louhimo: Vielen Dank, ich hoffe auch, dass es eher früher als später so weit ist!

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Dabei ist doch gerade das Zeug aus dem Giftschrank immer wieder besonders köstlich 🤔
(19.02.2022 von Farvynn)

Eine der vielen nicht erwähnten Vorteile der Pandemie : viele Konzerte von battle beast konnten abgesagt werden, unschuldige junge musikkonsumenten konnten so reihenweise vor Pop Schlager Grütze mit Alibi Gitarren geschützt werden, bitte auch nach corona im giftschrank lassen!
(18.02.2022 von Gurkengandalf)

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