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Interview mit Lotto King Karl von Lotto King Karl

Ein Interview von Souleraser vom 17.06.2004 (5030 mal gelesen)
Lotto King Karl ist eine Ausnahmeerscheinung. Als er vor etwa 9 Jahren den größten Jackpot der deutschen Lottogeschichte abräumte, kannte ihn noch kaum jemand. Doch seitdem beweist das Hamburger Multitalent seine Vielseitigkeit, nicht nur in musikalischer Form mit einer der erfolgreichsten Liveformationen der jüngeren Vergangenheit, sondern auch mit TV-Auftritten und einigem mehr.
In seiner gewohnt lockeren und ehrlichen Art stand er mir bereitwillig Rede und Antwort.



  Hallo Lotto King Karl. Für den Anfang ein wenig Geplauder über die Arbeit: Was erwartet den geneigten Hörer auf "Aus Liebe zum Spiel" und verbirgt sich hinter dem Titel was besonderes?

Lotto:   Es ist das 6. Album. Die Besonderheit ist, daß wir diesesmal sehr intensiv mit der ganzen Band daran gearbeitet haben - und auch ganz schön lange. Herausgekommen ist dabei ein Album, das recht vielfältig ist und es ist uns sogar gelungen an die ganz alten CDs anzuknüpfen: "Hamburg gegen alle" ist soundmäßig so ein bißchen die Fortsetzung von "Aufrecht steh´n", "Laut!" ist der Nachfolger von "Wech´ da!", "Schlaflied" von "Wir seh´n uns oben" und mit "Mein Ding" ist auch der erste Raptitel seit Jahren aufgenommen worden. Das war uns sehr wichtig, weil wir so das Rückrat unserer Live-Programme stärken konnten. Der Titel "Aus Liebe zum Spiel" beschreibt so ein bißchen unser tägliches Leben: Es nervt eben manchmal und strengt auch an, aber letztendlich tun wir das, was wir machen nicht nur gern, sondern aus Leidenschaft - aus Liebe zum Spiel in jeder Beziehung sozusagen - was für eine poetische Antwort... ;-)

  Wie stehst Du selbst zu der Scheibe?

Lotto:   Wie gesagt, es ist eine sehr vielfältige CD geworden, was auch bedeutet, daß uns für die nächsten Werke wieder einige Möglichkeiten offenstehen. Da wir ja mittlerweile als eigenes Label fungieren ist es auch ein besonders persönliches Album geworden, wobei dieser Begriff eigentlich Blödsinn ist - jeder Künstler macht ausschließlich persönliche Dinge, deswegen ist er ja Künstler, diese paar Castingsklaven mal ausgenommen. Persönlich ist die CD auch, weil z.B. "Schlaflied" ein Titel ist, den ich für einen damals todkranken Freund geschrieben habe, der leider eine Woche vor der Fertigstellung gestorben ist und diesen Song nie gehört hat. Aber es war mir sehr wichtig, die Reaktion seiner Familie und Freunde zu erfahren. Somit ist es eine teilweise recht emotionale CD geworden, vom technischen her ist es mit Sicherheit unser aufwändigstes Album geworden, weshalb wir es auch beim besten Masteringstudio überhaupt haben mastern lassen!

  Zusammen mit Carsten Pape hast Du den Song "Es macht so ungeheuer Spass mit Dir zu ficken!" aufgenommen, der ja durchaus als - etwas offenherzigere - Liebeserklärung durchgeht. Ein paar Worte über den Song bitte!

Lotto:   Tja, das ist eine Single oder EP, die mit einfachsten Mitteln entstanden ist, im Gegensatz zum Album mit der Band. Pape und ich treten ja auch unter einfachsten Bedingungen zu zweit auf. Und der Titel des Songs beinhaltet tatsächlich eine filigranere Botschaft, als es im ersten Moment scheint, aber letztendlich fanden wir natürlich auch: Das mußte einmal gesagt werden, so und nicht anders. Daß sich natürlich eine Menge Leute darüber aufregen, war uns von vornherein klar, ebenso wie die Tatsache, daß wir extrem verhaltene Reaktionen auf den Titel von Radiosendern bekommen haben - nur die spielen uns sowieso nicht, also war uns das auf deutsch scheißegal. Bei aller Künstlerischer Kopflastigkeit sind wir uns aber auch ganz ehrlich darüber im Klaren, daß dieser Song viel Aufmerksamkeit erregt (was für eine Doppeldeutigkeit) und das ist uns ja auch nicht soooo unrecht!

  Woher kennst Du Carsten Pape?

Lotto:   Wir haben uns vor fast 9 Jahren in dem Studio kennengelernt, in dem ich damals mit dem damaligen Produzenten meine ersten Singles aufgenommen hatte. Ich kannte ihn schon länger, weil ich natürlich auch mal ein Fan von „Clowns & Helden“ war. Irgendwann haben wir dann angefangen, miteinander zu arbeiten und das hat sich bis heute vertieft bis hin zu einer sehr engen Freundschaft. Wir haben uns sozusagen nicht gesucht, aber gefunden!

  Sowohl das Album als auch die Single sind ja "kopiergeschützt durch Voodoo". Wie stehst Du denn zur derzeitigen Krise der Musikindustrie? Glaubst Du, dass die Musikindustrie auf dem richtigen Weg ist, indem sie überall einen "Kopierschutz" genannten Abspielschutz mitliefert und quasi pauschal jeden Musikhörer als Kriminellen abstempelt? Für Dich als Inhaber eines eigenen Labels hat die Frage ja durchaus auch ihren Stellenwert, oder?

Lotto:   Absolut und dazu gibt es auch 2 Punkte zu klären: Erstens, Kopieren ist für die Urheber und die Labels natürlich absolut beschissen. Es ist für uns quasi der Diebstahl unseres Firmenvermögens. Andererseits haben die großen Labels (oder deren aktuelle oder ehemalige Inhaber und Partner) sowohl die CD als auch die stand-alone-Brenner erfunden und auf den Markt gebracht – und damit ein Vermögen verdient. Deswegen sind diese ganzen Hetzjagden gegen die Kopierer auch nicht nur inhaltlich äußerst bedenklich, sondern tatsächlich nur albern! Man kann nicht erst mit VIVA und MTV zusammen ein cooles Produkt verhökern und danach meckern, weil es jemand nicht nur kauft, sondern auch benutzt. Der (ehemalige) Konsument hat entschieden und deshalb muß jeder, ob er will oder nicht, auch mit der Tatsache leben, dass letztendlich gebrannt wird, was geht. Man kann versuchen zu erklären, warum das für die Künstler finanziell existenzbedrohend sein kann, aber das sind die teuren Glaspaläste, die sich die Majors bauen doch auch. Wir versuchen die durch Kopien entstehenden Verluste durch extremes Touren (zu günstigen Ticketpreisen übrigens) und den Verkauf von Merchandising wieder aufzufangen und das klappt auch ganz gut. Man muß also damit umzugehen lernen, der echte Hardcore-Fan wird weiterhin nicht kopieren und einen weiteren Straftatbestand in unserem behördenlastigen Staat zu kreieren ist absolut bescheuert, da kenne ich wirklich kriminellere Aktivitäten von Leuten, die in Plattenfirmen arbeiten! Übrigens: Ich habe mal bei einem Major eine Aufnahme abgeliefert, die war innerhalb von 10 Stunden bei Napster und ich habe sie ganz sicher nicht ´reingestellt. Also ärgerlich das ganze, aber man muß damit leben und sollte endlich mit dem überflüssigen Gejammer aufhören!

  Hast Du die diversen Castingshows in den letzten 2 Jahren verfolgt? Könntest Du Dir vorstellen, z.B. bei Star Search 3 in der Jury zu sitzen?

Lotto:   Ja, ich habe das verfolgt. Hin und wieder moderiere ich ja auch TV-Sendungen und deshalb ist es für mich wichtig zu sehen, wie weit die anderen denn schon gesunken sind, die mich für ein niveauloses Qoutenloch-Risiko halten. Es gab nur ein gutes Casting und das hat Stefan Raab gemacht – weil er der einzige einigermaßen unparteiische und von Firmenstrategien unabhängige Juror war und dazu noch der einzige wirklich gute Musiker. Stefan und ich hatten ja so unsere persönlichen Differenzen, aber das hat er wirklich ausgezeichnet gemacht. Deswegen könnte ich mir auch eine Beteiligung an den anderen Sendungen nicht vorstellen, denn im Grunde fand ich die alle beschissen: Die Künstler, die Jury und was daraus gemacht wurde. Die einzigen Lichtblicke waren Kai Pflaume, der aber nicht singt und Chris Norman, der schon immer gesungen hat und den sein „Comeback“ wohl kaum noch reicher machen dürfte.

  Oder wärst Du vielleicht ein Kandidat für die zweite Auflage von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"?

Lotto:   Ganz ehrlich: Direkt nach meiner Bundeswehrzeit, hätte ich das auf einer Arschbacke abgesessen. Nur damals fand das niemand interessant und auch heute ist es doch eher deprimierend zu sehen, wie sich irgendwelche Y-Promis für was-auch-immer zum Obst machen. Aber es war schon toll zu sehen, dass Sonja Zietlow bei jeder Sendung noch lauter gekreischt hatte, als in der vorherigen...

  Eine der Gelegenheiten, bei denen man Dich im Fernsehen sehen konnte, war die Sendung "Die 90er - The Pop Years" auf RTL2. Dein Schlusssatz lautete sinngemäß: "Wir sehen uns erst 2011 wieder...". Könntest Du Dir vorstellen, tatsächlich noch mal so eine Sendung zu moderieren? Wie fandest Du die Arbeit an dieser Sendung?

Lotto:   Klar, diese Sendung hat mir total viel Spaß gemacht, weil so gearbeitet wurde, wie ich selbst auch arbeite: In kleinen kreativen Teams mit guten Leuten, die wirklich Spaß dabei haben und die Quoten haben ja eindeutig gezeigt, dass man mit ganz einfachen Mitteln und Bock auf den Job richtig was reißen kann! Und wenn die „Konkurrenz“ bis 2011 nichts anderes auf die Reihe bekommt, als z.B. „Anke Late Night“ oder noch ´ne Casting Show, dann wird es für mich ein Jahrzehnt der körperlichen Schmerzen aber auch der ehrlichen Schadenfreude sein, bis dahin keine neue eigene Sendung zu moderieren. Ich mache das gern, aber ich bin darauf nicht angewiesen.

  Was sind denn für Dich persönlich die prägendsten Erlebnisse - gerade auch was Film und Musik angeht - der 90er?

Lotto:   Techno hat bewiesen, dass Techno funktioniert, also ist in den 90ern ein neues Stück Musikkultur dazugekommen. Das hat neben Techno selbst Crossover-Geschichten hervorgebracht wie Rammstein, andererseits haben sowohl Metal-Bands als auch z.B. wir gelernt: Es kann ruhig noch ein bisschen härter werden. Der Song „Laut!“ hat beispielsweise 217 bpm, eine in den 80ern beispielsweise unvorstellbare Geschwindigkeit, außer vielleicht für Außenseiterprojekte. Ansonsten wirft man den 90ern immer vor, sie hätten eine Kultur hervorgebracht, die alles kritiklos super findet, solange einem nur die Marketingstrategie oft genug um die Ohren geknallt wird. Das stimmt zwar, aber die Überschrift vom Jahrzehnt davor lautete: „No Future“ – und ob der Weisheit letzter Schluß ist, ist doch auch fraglich. Ansonsten sind die 90er das einzige Jahrzehnt seit den seligen Elvis-Zeiten, wo die Musikindurstrie den Trend bestimmt hat. Nur dass sie diesesmal voll daneben gelegen haben, was um so ärgerlicher ist, weil sie nicht nur eine gewaltige Summe Geld verbrannt haben sondern auch eine gewaltige Menge Künstler und Bands. Aber meiner Meinung nach war das ja auch das letzte Jahrzehnt der Majors, so gesehen haben die 90er mit all dem Plastikscheiß auch eine reinigende Wirkung, der Trend kommt wieder von der Bühne und wird nicht auf sie gezerrt!

  Was gefällt Dir persönlich besser: Musik machen oder Fernsehen machen und warum?

Lotto:   Das kann man nicht vergleichen, Erfolg im Fernsehen oder Radio ist immer von sehr vielen Faktoren abhängig, Musik machen viel direkter. Wobei es da auch den Unterschied zwischen „Platte machen“ und „Platte spielen“ gibt. Insgesamt stehe ich am liebsten auf der Bühne, aber ich kann mich auch über eine gelungene Sendung freuen – unabhängig von irgendwelchen Quoten!

  Gibt's Sachen in der Vergangenheit, die Du nicht mehr machen würdest? Ich glaube mich an eine Promi-WG (auf VIVA?) zu erinnern, an der Du beteiligt warst. Wie steht's zum Beispiel damit?

Lotto:   Du hast ein hervorragendes Gedächtnis! Das war sogar ziemlich witzig, zumal ich eine Bettszene mit Dolly Buster hatte und eigentlich der Kontakt zu Danny Humphries, Harry Wijnvoort und Frank Lämmermann zumindest sehr lose bis heute besteht. Was ich grundsätzlich nicht mehr mache, ist nackt ohne Seil von irgendwelchen Kirchtürmen Bungee zu springen, bloß weil Jürgen Drews gerade keine Zeit hat – seit dieser Entscheidung ruft übrigens RTL nicht mehr an...

  Ich danke Dir für Deine Zeit und die Beantwortung meiner Fragen. Alles Gute auch für die Zukunft. Die Schlussworte des Interviews gehören Dir.

Lotto:   Wie bei einer Verhandlung, oder? Was soll ich sagen, ohne wie ein kopfballstarker Fußballer zu klingen, außer: Danke, dass Du gefragt hast, hat Spaß gemacht und an alle: Alles nicht so ernst nehmen, es ist nur Musik!

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