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Interview mit Richard West von Threshold

Ein Interview von Cornholio vom 04.09.2020 (1138 mal gelesen)
Aller Anfang ist schwer, und so war es auch bei diesem Interview mit THRESHOLD. Ursprünglich war es für Ende April oder Anfang Mai geplant, aber aus diversen Gründen hat es sich weiter und weiter verschoben. Und um direkt das nächste Sprichwort zu bemühen: Was lange währt, wird endlich gut, denn jetzt ist es also soweit. Auch wenn es bei dem Plausch mit Keyboarder Richard West keine wirklich neuen Erkenntnisse gibt, ist es auch mal interessant zu wissen, was bei Musikern so los ist, wenn nichts los ist.


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Hallo Richard, und zuerst mal danke für die Möglichkeit, dieses Interview zu machen, speziell in diesen Zeiten. Wie geht es dir, wie geht es dem Rest der Band? Ich hoffe, ihr seid alle gesund! Immerhin kam ja vor etwa einer Woche die Info, dass ihr an einem neuen Album arbeitet, das Anfang 2021 erscheinen soll.

Richard West: Danke, uns geht es gut! Die Pandemie ist für jeden hart, für THRESHOLD hieß es in erster Linie, eine geplante Tour abzusagen. Wir hatten ein paar Shows in Europa gebucht und wollten dann nach Australien. Speziell darüber sind wir sehr traurig, denn es wären unsere ersten Shows in Down Under gewesen.

Welche Einschränkungen und Vorgaben gibt es denn in England? Das Tragen von Masken ist ja auf der ganzen Welt mehr oder weniger vorgeschrieben. Sind Treffen oder Versammlungen größerer Gruppen mittlerweile wieder erlaubt? Oder steigen auch bei euch die Fallzahlen? Wie siehst du das?

Richard West: Die Vorgaben ändern sich täglich, derzeit müssen wir in Geschäften und in Bus und Bahn Masken tragen. Und persönliche Treffen sind ebenfalls arg eingeschränkt. Die größte Frustration ist das "Social Distancing" gerade bei Konzert-Venues, Clubs und Hallen. Konzerte sind derzeit leider nicht möglich.

Du hast es schon angesprochen, ihr hattet eine kleine Tour durch Europa geplant, die erst verschoben wurde und jetzt komplett abgesagt ist, was leider die vernünftigste Entscheidung ist. Hattet ihr irgendwelche Besonderheiten geplant? Es wäre die dritte Tour zum 2017er Album "Legends Of The Shires" gewesen, da wäre es vermutlich langweilig gewesen, immer die gleichen Songs zu spielen, oder?

Richard West: Nun, wir halten unsere Setlist eigentlich immer recht variabel. Wir hatten natürlich geplant, ein paar Stücke zu spielen, die wir länger nicht auf die Bühne gebracht haben, 'Devoted' beispielsweise. Hoffentlich können wir nächstes Jahr touren, da wird es vermutlich ein paar Überraschungen geben.

Was macht ihr eigentlich während der Zeit "in Quarantäne"? Ich vermute mal, ihr habt keine "normalen" Jobs, aber durch die abgesagte Tour ist die Zeit für euch sicher auch auf die eine oder andere Weise schwierig. Oder anders gefragt: Musstest du dir Arbeit suchen, um über die Runden zu kommen?

Richard West: Die ehrliche Antwort ist, dass viele Musiker schon länger nicht nur durch die eigene Band leben können. Entweder geben Sie Unterricht, produzieren andere Bands oder bieten sich als Ratgeber an oder dergleichen. Vor einigen Jahren wurden wir durch den Rückgang der CD-Verkäufe schon hart getroffen, viele Leute streamen nur noch Musik, und das Geld, das da reinkommt, kann man fast vernachlässigen. Die harten Zeiten für Musiker fingen also schon vorher an. imgright

Von anderen Musikern oder Bands liest man, dass sie die Zeit nutzen, um neues Material zu schreiben, wie sieht's bei euch aus? Habt ihr persönlichen Kontakt, oder nur per Telefon oder Skype? Oder vielleicht hat der eine oder andere Neues oder Nebenprojekte am Start.

Richard West: Wir sind die ganze Zeit in Kontakt, allerdings nicht persönlich, vor allem mit Karl (Groom, Gitarrist) und Glynn (Morgan, Gesang). Wir haben angefangen, an neuen Songs zu arbeiten, und das geht gut voran, das neue Album ist ja bereits für nächstes Jahr angekündigt. Darüber hinaus arbeite ich an einem dritten LEAGUE OF LIGHTS-Album (Rock-/ Synth-/ Pop-Projekt von Richard mit seiner Frau Farrah), das erscheint mir nur sinnvoll in der freien Zeit. Auch hier flossen die Ideen, und das Album wird ebenfalls 2021 erscheinen.

Kommen wir mal zum aktuellen THRESHOLD-Album. "Legends Of The Shires" war bestimmt für alle Beteiligten, Fans und auch für euch ein besonderes Album. Wie ist die Herangehensweise für das neue Album? Plant ihr überhaupt etwas, oder tauscht ihr einfach Ideen aus und der Rest ergibt sich dann? Vielleicht fließt auch die Musik ein, die ihr in den letzten 3-6 Monaten gehört habt? Ist denn jeder von euch in den Songwriting-Prozess involviert? Ich erinnere mich, dass Glynn zu "Legends..." nichts beisteuern konnte, weil er erst im Studio wieder in die Band kam.

Richard West: Derzeit tauschen wir Demos auf digitalem Weg aus. Mir gefällt es sehr gut, wie es sich gerade entwickelt, aber es ist noch zu früh, um es mit "Legends..." zu vergleichen, außer dass es vermutlich kein Konzeptalbum wird. Wir sind eigentlich nicht von dem beeinflusst, was wir "privat" hören, THRESHOLD hat seinen eigenen Sound. Wir setzen uns nicht hin und sagen "Hey, lasst uns ein Album machen, das wie X, Y und Z klingt". Und bezüglich Glynn hast du recht, er kam zu spät in die Band zurück, um an Songs für das letzte Album mitzuschreiben. Aber er hat in der Vergangenheit einige gute Songs für die Band geschrieben, es ist also definitiv eine Bereicherung, ihn beim Songwriting dabei zu haben.

Plant ihr schon eine Tour, oder ist es noch zu früh.

Richard West: Naja, gebucht ist noch nichts, aber wir wollen unbedingt wieder auf Tournee! Wir haben "Legends..." in so vielen Ländern gespielt und wir hoffen wirklich, dass wir das auch mit dem neuen Album machen können!

Habt ihr eigentlich noch Kontakt zu eurem vorigen Sänger Damian Wilson? Er ist ja viel bei anderen Bands unterwegs, verfolgst du das?

Richard West: Ich habe länger nichts von Damian gehört. Er hat mich vor einer Weile um etwas Hilfe gebeten, aber wir sind nicht in Kontakt geblieben. Ich habe ein paar Gigs von ihm mit MAIDEN UNITED und AYREON gesehen, und er ist ja jetzt in die Band ARENA eingestiegen, vielleicht sehen wir uns im Studio.

Apropos AYREON, ich bin sicher, du hast mitbekommen, dass euer Drummer Johanne James auf dem kommenden Album als Sänger (!) zu hören ist. Wusstest du, dass er so gut singen kann?

Richard West: Er ist wirklich sehr vielseitig talentiert! Er spielt bei seiner eigenen Band KYRBGRINDER ja auch Schlagzeug und singt. Ich freue mich sehr für ihn, dass er auf dem AYREON-Album zu hören ist.

Gehen wir mal zurück zu den Anfangstagen von THRESHOLD, so um 1991 oder 1992. Wie hat damals alles angefangen?

Richard West: Ich bin ja nicht von Anfang an mit dabei, die Band gab es schon eine Weile, sie fingen Ende der Achtziger als Coverband an. Ich bin 1990 in die Gegend (Südengland) gezogen und habe mich einer lokalen Band namens MERCY TRAIN angeschlossen, wo Karl Gitarrist war. 1992 hat er mich dann gefragt, ob ich mit einem anderen Projekt von ihm, SHADOWLAND, auf Tour gehen will, und während dieser Tour hat er mich gefragt, ob ich auch bei THRESHOLD einsteigen will.

Damian hat euch ja nach dem Debüt "Wounded Land" verlassen, wie habt ihr dann Glynn "gefunden"? Und stimmt es, dass euer viertes Album "Clone" ursprünglich wieder für Damian geschrieben wurde, der nach "Extinct Instinct" aber wieder ausstieg?

Richard West: Wir haben Glynn durch eine Anzeige in einer lokalen Zeitung gefunden. Es kamen viele Demotapes per Post, aber das von Glynn war wirklich mit Abstand das beste darunter! Mit Mac (Andrew MacDermott, Sänger von 1998 bis 2007, † 2011) war es etwas anders, die Plattenfirma hat uns ein paar Empfehlungen geschickt, und wir haben uns für ihn entschieden, wir mochten seine Stimme von Beginn an. Wir hatten das "Legends..."-Album in der Tat für Damian geschrieben, und wir haben nachträglich ein paar Änderungen machen müssen. Beispielsweise haben wir die Tonlage von 'Subliminal Freeways' verändert, weil es so einfach besser zu Glynn passt. imgleft

Was sind eigentlich deine musikalischen Einflüsse? Nicht nur heute, sondern von früher, als es mit THRESHOLD anfing.

Richard West: Ich bin zwar mit Popmusik aufgewachsen, aber durch Bands wie QUEEN, GENESIS und PINK FLOYD bin ich richtig in die Musik eingetaucht. Über die letzten 30 Jahre habe ich hunderte weiterer Bands und Künstler entdeckt, aber die genannten drei sind nach wie vor die Grundsteine meiner Musik.

Ihr habt seit Anfang an viele lange Songs mit über zehn Minuten Spielzeit. Plant man so etwas eigentlich beim Songwriting? Setzt du dich an einem Sonntag hin und sagst: "Jetzt schreib ich einen epischen Song wie 'Critical Mass'."? Oder passiert das einfach während dem Songwriting-Prozess? Und ist es im Umkehrschluss mit den kurzen Songs wie 'Slipstream' oder 'Small Dark Lines' genauso?

Richard West: Meistens ist es wirklich so, dass man am Anfang ungefähr weiß, in welche Richtung der Song geht. Als ich 'The Man Who Saw Through Time' geschrieben habe, wusste ich, dass es ein langer Song werden würde, weil ich eine relativ lange Geschichte zu erzählen hatte. Aber es kann auch anders gehen, 'Pilot In The Sky Of Dreams' beispielsweise begann als recht einfacher Track mit sieben Akkorden und wuchs und wuchs dann weiter; da war das nicht geplant. Und bei 'Slipstream' war es wiederum anders, der Song war eigentlich ein wenig länger, aber wir haben ihn etwas gekürzt, weil er als Opener von "Dead Reckoning" (2007) etwas mehr auf den Punkt gehen sollte.

Habt ihr eigentlich mal drüber nachgedacht, Coversongs aufzunehmen? Ich kann mich nicht erinnern, mal einen Coversong von euch gehört zu haben.

Richard West: Wir haben auf "Dead Reckoning" den Song 'Supermassive Black Hole' von MUSE gecovert (hätte ich wissen müssen! - Red.). Ich kann mich noch dran erinnern, dass das im Internet auf Plattformen bei MUSE ein großes Thema war, entweder die Fans liebten unsere Version oder sie hassten sie. Ich mag den Song, und ich fand es cool, dem Track etwas mehr Heaviness zu verpassen. Wir haben auch mal drüber nachgedacht, 'Hymn' von ULTRAVOX zu covern, aber irgendwie hat sich das nie ergeben...

Habt ihr eigentlich verrückte Fans? Ich glaube nicht, dass es wirkliche "Stalker" bei euch gibt, aber es gab sicher schon mal verrückte Sachen von euren Fans, oder?

Richard West: Du hast Recht, Stalker gibt es bei uns zum Glück nicht. Wohl aber verrückte Fans, die uns jedes Mal wieder überraschen. Sei es dadurch, dass sie um die halbe Welt fliegen, um uns spielen zu sehen, oder dass sie sich unsere Songtexte tätowieren lassen, das ist wirklich toll!

Letzte Frage: Was wirst du tun, wenn dieser Corona-Sch**ß endlich vorbei ist?

Richard West: Oha, wird es wirklich jemals aufhören? Ich gehe wieder auf Tour, sobald wir dürfen! Das vermisse ich wirklich am meisten, die Clubs, die Konzerte, unsere Fans treffen und die Erinnerungen daran.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, und alles Gute für das neue Album. Ich bin sicher, dass es toll, wird, aber ich bezweifle, ob es an "Legends..." rankommt ;-)

Richard West: Vielen Dank! Ich denke, wir haben die Messlatte wirklich hoch angesetzt, also werden wir nicht versuchen, sie zu übertreffen. Wir versuchen einfach nur, das beste Album zu schreiben, das wir können, und es wird sicherlich sein eigenes Flair haben. Hoffentlich wirst du und die Fans es genau so lieben.

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